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Donnerstag, 23. April 2026 Kontakt
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Holzwirtschaft Steiermark - 170 Betriebe, 20.550 Beschäftigte, Sägewerke im Stress

Holzwirtschaft Steiermark - 170 Betriebe, 20.550 Beschäftigte, Sägewerke im Stress

Über 60 Prozent der steirischen Landesfläche sind mit Wald bedeckt - damit ist die Steiermark nach Kärnten das zweitwaldreichste Bundesland Österreichs. Auf dieser Ressource baut ein Industriezweig auf, der im Holzcluster Steiermark 170 Partnerbetriebe mit insgesamt 20.550 Beschäftigten bündelt. Doch der Sektor steht unter Druck: 2024 schlossen die größten österreichischen Holzverarbeiter mit einem vierten Verlustjahr in Folge ab.

Das Wichtigste in Kürze
  • Der Holzcluster Steiermark zählt 170 Partnerbetriebe mit 20.550 Beschäftigten, davon sind 85 % kleine und mittlere Unternehmen
  • 55 % der Clusterbetriebe sind produzierende Unternehmen, 15 Forschungseinrichtungen ergänzen das Netzwerk
  • Mayr-Melnhof Holz betreibt in Leoben das größte steirische Sägewerk mit über 1,0 Mio. Festmetern Jahreseinschnitt
  • Binderholz ist mit 17 Sägewerken und 6.300 Mitarbeitern Europas größter Massivholzverarbeiter - Hauptsitz in Tirol, aber mit Produktionsstandorten in der Steiermark
  • 2024 war für die österreichische Holzindustrie das vierte Verlustjahr in Folge - nur Binderholz und Johann Offner Holzindustrie erzielten ein positives Ergebnis
  • Mayr-Melnhof Holz Leoben reduzierte 2024 das negative EBT auf -16,2 Mio. Euro und konnte die Verluste gegenüber Vorjahr um rund 30 Mio. Euro verringern

Struktur der Branche

Die Holzwirtschaft der Steiermark ist strukturell ein Doppeldecker: ganz oben wenige industrielle Großbetriebe, die Millionen Festmeter pro Jahr verarbeiten, darunter eine dichte Schicht mittelständischer Säger, Tischler, Holzbauunternehmen und Baustoffhändler. Der Holzcluster Steiermark mit Sitz im Waldcampus Traboch bei Leoben zählt 170 Partnerbetriebe, von denen 85 Prozent KMU sind.

15 Forschungseinrichtungen ergänzen das Netzwerk, allen voran die Holzforschung Austria, die Montanuniversität Leoben (Rohstoff- und Aufbereitungstechnik) sowie das Kompetenzzentrum Holz, das an der Technischen Universität Graz angesiedelt ist.

Kennzahl Holzcluster Steiermark Wert
Partnerbetriebe170
Beschäftigte20.550
Anteil KMU85 %
Anteil Produktionsbetriebe55 %
Forschungseinrichtungen15

Die Industriegrößen - Mayr-Melnhof Holz und Binderholz

Bei den Sägewerken dominieren zwei Namen das Geschehen: Mayr-Melnhof Holz und Binderholz.

Mayr-Melnhof Holz ist Teil der Mayr-Melnhof-Holding mit Wurzeln in der Habsburgerzeit. Das Werk in Leoben ist nicht nur das größte steirische Sägewerk, sondern auch Hauptsitz der Gruppe. Pro Jahr werden dort über 1,0 Millionen Festmeter Nadelholz eingeschnitten - überwiegend Fichte, aber auch Tanne und Lärche. Das Unternehmen kommuniziert auf der eigenen Website, dass ausschließlich Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern der Steiermark und der umliegenden Regionen verarbeitet wird.

Binderholz hat seinen Hauptsitz zwar in Fügen in Tirol, zählt aber aufgrund seiner Skaleneffekte zu den Referenzen der gesamten österreichischen Branche. Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben 17 Sägewerke mit rund 6.300 Mitarbeitern und über 60 Standorten in Österreich, Deutschland, Großbritannien, Lettland, Finnland und den USA. In der Steiermark ist Binderholz mit Weiterverarbeitungsstandorten präsent und kauft am steirischen Holzmarkt aktiv ein.

Dazu kommt Stora Enso, der schwedisch-finnische Konzern, der in Österreich vier Standorte betrieben hat. Nach der Schließung des Sollenauer Werks 2014 und Restrukturierungsprozessen sind für die Steiermark und den angrenzenden Raum weiterhin Bad St. Leonhard (Kärnten) und Brand (Niederösterreich) relevant - zusammen verarbeiten die österreichischen Stora-Enso-Standorte rund 10.000 Kubikmeter Holz pro Tag.

2024 - das vierte Verlustjahr in Folge

Die wirtschaftliche Lage der Sägewerke ist seit 2022 angespannt. Preisverfall am Weltholzmarkt nach dem Boomjahr 2021, steigende Energiekosten und Nachfrageschwäche im europäischen Bau führten zu einer tiefen Talsohle. Die Bilanzanalyse 2024 des Fachmagazins Holzkurier brachte es auf den Punkt: Vier Verlustjahre in Folge - und nur zwei österreichische Player liefern Zahlen in den schwarzen Zahlen.

Wichtige Einschränkung:
Der Branchenprimus Binderholz erzielte 2024 mit 11 % eine zweistellige EBITDA-Marge. Der regionale Leitbetrieb Mayr-Melnhof Holz wies hingegen ein negatives EBT von -16,2 Mio. Euro aus, verbesserte sich aber gegenüber Vorjahr um rund 30 Mio. Euro. Die Prognosen für 2025 bleiben laut Holzkurier verhalten - eine schnelle Kehrtwende ist nicht in Sicht.

Holzbau als Chance

Gegen die Flaute im industriellen Schnittholz setzen mehrere steirische Unternehmen auf Holzbau und Brettsperrholz (CLT). Unternehmen wie KLH Massivholz in Teufenbach-Katsch oder Hasslacher Norica Timber (mit Sitz in Kärnten, aber steirischen Zulieferern) setzen auf mehrgeschossigen Holzbau, der von einer steigenden Nachfrage nach nachhaltigen Baumaterialien profitiert.

In Leoben hat Mayr-Melnhof Holz bereits 2022 mit dem Spatenstich für eine neue CLT-Produktion reagiert. Das Werk soll die Holzweiterverarbeitung am Standort stärken und Wertschöpfung aus dem steirischen Rohstoff sichern - unabhängig von den internationalen Schnittholzpreisen.

Gut zu wissen:
Der Waldverband Steiermark organisiert Waldeigentümer bei Holzverkauf und Logistik. Für Kleinwaldbesitzer ist der Weg über den Waldverband oft die einzige wirtschaftlich sinnvolle Möglichkeit, größere Erntepartien zu industriellen Preisen zu vermarkten.

Forstwirtschaft - die Rohstoffbasis

Die Verarbeitung ist nur eine Seite der Medaille. Die andere ist die Forstwirtschaft selbst. Die Steiermark verfügt über rund eine Million Hektar Waldfläche, die überwiegend in privater Hand ist. Große Forstbetriebe wie die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) und die Familie Mayr-Melnhof verwalten mehrere zehntausend Hektar. Daneben gibt es tausende Kleinwaldbesitzer, die oft nur wenige Hektar halten.

Der Klimawandel setzt den Waldbesitzern zu: Borkenkäferschäden, Windwurf-Ereignisse und eine tendenzielle Trockenheit im Vorfrühling verändern die Verjüngungsstrategien. Weg von der Fichtenmonokultur, hin zu Mischbeständen mit Tanne, Lärche, Buche und vereinzelt Douglasie - dieser Umbau wird über Forstförderungen des Landes Steiermark unterstützt.

Export und Absatzmärkte

Die österreichische Holzindustrie ist strukturell exportorientiert. Hauptabnehmer steirischer Schnittwaren sind Italien (als klassischer Importmarkt für Leimbinder und Konstruktionsholz), Deutschland, Frankreich und zunehmend auch überseeische Märkte wie die USA und Japan. Die schwache Baukonjunktur in Deutschland belastet die Branche zusätzlich.

Ausblick: Die steirische Holzwirtschaft steht zwischen einer strukturell günstigen Rohstoffbasis und einem volatilen Weltmarkt. Wer sich wie Binderholz breit aufstellt oder wie KLH auf Holzbau-Innovation setzt, hat gute Aussichten. Kleine Säger ohne Weiterverarbeitung geraten zunehmend unter Druck. Der Umbau zu klimafitten Mischwäldern wird das Branchenbild der nächsten Jahrzehnte prägen.

Quellen