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Mittwoch, 16. September 2026 Kontakt
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ADA Möbelwerke Holding AG verkauft - kroatischer Investor Renato Radić übernimmt

Detailaufnahme eines Polstersofas: grober Webstoff mit Doppelnaht und Keder, daneben ein Rahmen aus massivem Buchenholz
Das Wichtigste in Kürze
  • Der kroatische Möbelunternehmer Renato Radić übernimmt 100 Prozent der ADA Möbelwerke Holding AG. Bekannt wurde die Transaktion am 14. September 2026.
  • Radić begleicht die im Sanierungsplan zugesagte Quote von 20 Prozent und sagt darüber hinaus Geld für Investitionen zu. Anerkannt waren rund 18,3 Millionen Euro an Forderungen.
  • Der Käufer hat seit 1995 die kroatische Prima-Gruppe aufgebaut, nach eigener Darstellung einer der größten Möbelhersteller Südosteuropas mit über 2.000 Beschäftigten.
  • Die beiden größten Gesellschaften der Gruppe kamen 2025 laut kroatischem Firmenregister zusammen auf rund 141 Millionen Euro Ertrag - ADA hatte für 2025 rund 150 Millionen Euro angepeilt.
  • Der Hauptsitz bleibt in Anger, die Marke ADA bleibt bestehen. Zehn Beschäftigte wurden mit dem Unternehmenskauf übernommen.
  • Eine Wiederaufnahme der Fertigung in Österreich wird geprüft. Produziert wird derzeit ausschließlich in Ungarn und Rumänien.

Zehn Menschen arbeiten derzeit am Standort Anger. Vor einem halben Jahr waren es 172, verteilt auf zwei Gesellschaften. Genau dieser Rest ist es, der am 14. September 2026 mit dem Unternehmenskauf übernommen wurde - und auf den der neue Eigentümer aufbauen will. Renato Radić, Möbelunternehmer aus Kroatien, hält seit der Bekanntgabe 100 Prozent der ADA Möbelwerke Holding AG.

Damit hat die Frage eine Antwort, die seit dem Sommer offen war. Im Sanierungsplan der Holding, den die Gläubiger am 4. August annahmen, stand als Finanzierungsquelle neben der Fortführung des Geschäftsbetriebs der Einstieg eines strategischen Partners. Genannt wurde dieser Partner damals nicht. Er heißt Radić, und er kauft nicht Teile, sondern das Ganze.

Was der Kaufvertrag umfasst

Übernommen wird die Holding samt Auslandstöchtern. Die Werke in Ungarn und Rumänien laufen nach Angaben des Unternehmens unverändert weiter, die dortigen Sanierungsverfahren waren bereits im Sommer abgeschlossen worden. Radić zahlt die Quote von 20 Prozent, die der beim Landesgericht Graz angenommene Sanierungsplan vorsieht, und stellt zusätzliches Kapital für den laufenden Betrieb bereit. Ein Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht.

Bisherige Alleinaktionärin der Holding war die Gemini Privatstiftung. Das Grundkapital beträgt 7,27 Millionen Euro, verteilt auf eine Million Aktien. Im Aufsichtsrat saß mit Rene Derler zuletzt ein Vertreter jener Familie, die das Unternehmen 1957 gegründet hatte.

Was ausdrücklich bestehen bleibt: Marke, Sortiment, Preisgestaltung, Vertrieb und Geschäftsführung. ADA wird als eigenständiges österreichisches Unternehmen fortgeführt, Eigenmarken, White-Label-Geschäft und Lizenzkooperationen laufen weiter. Bestehende Aufträge werden abgearbeitet, zugesagte Garantieleistungen gelten. Vom 20. bis 24. September zeigt ADA auf der Fachmesse M.O.W. in Bad Salzuflen die Kollektion "Alpine".

Gut zu wissen:
Ein Sanierungsplan gilt erst als erfüllt, wenn die Quote tatsächlich fließt. Bei ADA sind das zehn Prozent binnen 14 Tagen ab rechtskräftiger Bestätigung, je weitere fünf Prozent nach zwölf und nach 24 Monaten. Der Einstieg eines zahlungsfähigen Eigentümers ändert nichts an diesem Zeitplan - er macht ihn nur wahrscheinlicher. Rechtlich endet das Verfahren mit der Bestätigung durch das Gericht und der Aufhebung, nicht mit dem Anteilsverkauf.

Wer Renato Radić ist

In Österreich ist der Name kaum bekannt, in Kroatien gehört er zur ersten Reihe der Möbelbranche. Radić baute ab 1995 in Bjelovar aus einer kleinen Werkstatt die Prima-Gruppe auf. Heute steht dahinter ein Verbund aus Produktion und eigenem Handel: Möbelfertigung an mehreren Standorten und rund 60 Verkaufssalons in Kroatien. Die Gruppe beschäftigt nach Angaben kroatischer Wirtschaftsmedien über 2.000 Menschen.

Die Größenordnung lässt sich am kroatischen Firmenregister ablesen. Die beiden Kerngesellschaften sind die Prima Commerce d.o.o. mit Sitz in Bjelovar, an der Radić gemeinsam mit Ante Radić beteiligt ist, und die Prima Namještaj d.o.o. in Zaprešić, deren Alleingesellschafter er ist.

Gesellschaft Sitz Erträge 2025 Jahresüberschuss 2025
Prima Commerce d.o.o. Bjelovar 102,35 Mio. € 62.369 €
Prima Namještaj d.o.o. Zaprešić 38,92 Mio. € 414.554 €
Summe - 141,27 Mio. € 476.923 €

Quelle: Fina Info.BIZ, Jahresabschlussdaten 2025. Die Gruppe umfasst weitere Gesellschaften, die Summe bildet daher nicht den Konzernumsatz ab.

Der Vergleich mit dem Übernahmeziel fällt bemerkenswert aus: ADA hatte für 2025 laut eigenem Rück- und Ausblick rund 150 Millionen Euro Umsatz angepeilt. Hier kauft also kein übermächtiger Konzern eine kleine Marke, sondern ein etwa gleich großes Familienunternehmen einen Wettbewerber mit besserem Namen und schlechterer Bilanz.

Dass Radić investiert, ist nicht neu. Im März 2026 eröffnete die Gruppe in Severin bei Bjelovar eine Plattenmöbelfabrik für 20 Millionen Euro, davon 4,7 Millionen aus EU-Mitteln. 15.600 Quadratmeter Hallenfläche, 4.267 Photovoltaikmodule, 190 Arbeitsplätze, Kapazität pro Schicht 1.000 Küchenelemente oder 400 Schiebeschränke. Zur ADA-Übernahme sagte Radić, er komme selbst aus einem Familienbetrieb: "Deshalb weiß ich, was ein Name wie ADA wert ist." Und: "Ich denke in Generationen, nicht in Quartalen."

Was die Kombination plausibel macht:
ADA bringt Marke, Lizenzen und einen eingeführten Vertrieb in den deutschsprachigen Raum mit - zuletzt Polstermöbel unter "ADA Mindful Living" sowie Lizenzkooperationen. Prima bringt Fertigungskapazität, eigenen Einzelhandel und frisches Kapital. Die Schwachstelle beider Seiten ist dieselbe: Beide hängen am Wohnbau und am Konsum langlebiger Güter, beide in Märkten, die derzeit nicht wachsen.

Was das für Anger heißt

Der Hauptsitz bleibt in Anger im Bezirk Weiz. Das ist mehr als Symbolik, aber auch nicht sofort mehr als eine Adresse: Produziert wird dort seit dem Sommer nicht mehr, die Betriebsausstattung wurde ab 24. August in vier Online-Auktionen verwertet, die Flächen mussten bis Mitte September geräumt sein. Von den 172 Arbeitsplätzen des Frühjahrs sind zehn geblieben.

Die entscheidende Frage lautet deshalb, ob es bei diesen zehn bleibt. Radić hat angekündigt, eine Wiederaufnahme der Fertigung in Österreich zu prüfen: "Für die weitere Zukunft ist auch eine Wiederaufnahme der Fertigung in Österreich ein Thema, das wir gerade eingehend prüfen." Eine Zusage ist das nicht, und die Ausgangslage ist ungünstiger als vor der Insolvenz - Maschinen, Nähanlagen und Lackierkabinen sind versteigert, eingearbeitete Belegschaft ist abgewandert. Wer in Anger wieder produzieren will, beginnt weitgehend neu.

Wichtige Einschränkung:
Die Meldungen vom 14. September betreffen die ADA Möbelwerke Holding AG. Über die operative Tochter ADA Möbelfabrik GmbH, die den Produktionsbetrieb in Anger führte, war eine eigene Abstimmungstagsatzung für den 27. August 2026 angesetzt; ein Ergebnis dazu ist bislang nicht veröffentlicht. Ob und in welcher Form diese Gesellschaft fortbesteht, geht aus den bisherigen Angaben nicht hervor.

Ein Muster, das sich wiederholt

Die österreichische Möbelindustrie ist klein und familiengeprägt: rund 50 Betriebe mit etwa 6.000 Beschäftigten, wie der Fachverband der Holzindustrie seine Berufsgruppe beschreibt. Genau diese Struktur macht sie anfällig: Wer als Mittelbetrieb mit hoher Fertigungstiefe in einen mehrjährigen Nachfrageeinbruch gerät, hat weder den Kapitalpuffer noch die Absatzbreite, um ihn auszusitzen.

Der Ausweg führt dann regelmäßig über einen ausländischen Eigentümer. Für die Steiermark ist dieser Vorgang vertraut - und er läuft nicht immer in dieselbe Richtung. Bei legero united ging im selben Jahr der Anteil eines deutschen Mitgesellschafters zurück an die steirische Eigentümerfamilie. Bei ADA verläuft die Bewegung umgekehrt, von der heimischen Privatstiftung zum kroatischen Eigentümer. Beide Fälle zeigen dasselbe: Eigentum an Industriebetrieben ist in Bewegung, und die Entscheidung über Standorte fällt danach anderswo.

Für den Bezirk Weiz relativiert sich der Fall dennoch. Die Wirtschaft der Oststeiermark hängt nicht an einem Möbelwerk, und wenige Kilometer entfernt entstehen im Transformatorenbau neue Arbeitsplätze. Was verloren geht, ist trotzdem nicht ersetzbar: eine Fertigung, die Menschen ohne technische Ausbildung im Ort beschäftigt hat.

Ausblick: Die nächsten belastbaren Signale sind die gerichtliche Bestätigung des Sanierungsplans samt Auszahlung der ersten Quotentranche, der Eigentümerwechsel im Firmenbuch und die Entscheidung über die ADA Möbelfabrik GmbH. Ob aus der angekündigten Prüfung einer österreichischen Fertigung Arbeitsplätze werden, dürfte sich frühestens 2027 zeigen - und hängt weniger an Anger als daran, wie sich Möbelnachfrage und Wohnbau in Mitteleuropa entwickeln.
Rechtlicher Hinweis:
Die Angaben zum Verfahrensstand und zur Transaktion geben den öffentlich dokumentierten Stand vom 15. September 2026 wieder und ersetzen keine Rechts- oder Steuerberatung. Gläubiger, Lieferanten und ehemalige Beschäftigte klären ihre Ansprüche über einen Rechtsanwalt oder einen Gläubigerschutzverband.

Quellen