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Samstag, 12. September 2026 Kontakt
Unternehmen

legero united vollständig in Familienbesitz - Stolitzka kauft ara-Anteile

Das Wichtigste in Kürze
  • Die SLE Schuh GmbH von Stefan Stolitzka hat zum 31. August 2026 den 49,9-Prozent-Anteil der deutschen ara AG an der Legero Schuhfabrik GesmbH übernommen und hält damit 100 Prozent des Schuhherstellers aus Feldkirchen bei Graz.
  • Die Beteiligung der ara AG bestand seit 1997. Bei einem Stammkapital von sechs Millionen Euro entspricht der übertragene Anteil einer Stammeinlage von 2,994 Millionen Euro.
  • Für ara ist der Verkauf Teil einer Refinanzierung. Der Langenfelder Schuhkonzern hatte zuvor bereits Lloyd und Salamander abgegeben.
  • legero united beschäftigt rund 2.300 Menschen, verkaufte 2025 etwa 4,9 Millionen Paar Schuhe und erzielte Bruttoerlöse von 172 Millionen Euro.
  • Zum Markenportfolio gehören superfit, legero, Think! und die im Juli 2026 übernommene deutsche Kinderschuhmarke VADO.
  • Am Campus in Feldkirchen bei Graz arbeiteten zuletzt 225 Menschen, der Bau bietet Platz für bis zu 350 Arbeitsplätze.
  • Der Anteilskauf fällt mit dem Generationswechsel zusammen: Florian Fuchs soll 2027 als CEO auf Stefan Stolitzka folgen, der in den Vorsitz des Boards wechselt.

Knapp drei Jahrzehnte lang gehörte fast die Hälfte des größten österreichischen Schuhherstellers einem deutschen Mitbewerber. Seit 31. August 2026 ist das vorbei: Die SLE Schuh GmbH von Stefan Stolitzka hat den Minderheitsanteil von 49,9 Prozent übernommen, den die ara AG aus Langenfeld seit 1997 an der Legero Schuhfabrik GesmbH gehalten hatte. Das Unternehmen mit Sitz in Feldkirchen bei Graz steht damit zu hundert Prozent im Eigentum der Familie Stolitzka.

„Die hundertprozentige, alleinige Eigentümerschaft gibt uns die Möglichkeit, legero united als Familienunternehmen konsequent und mit langfristiger Perspektive weiterzuentwickeln“, erklärte Stefan Stolitzka gegenüber dem Branchendienst Shoez. Zusammen mit der Übernahme der Kinderschuhmarke VADO im Juli sieht er den Anteilskauf als Baustein, um Wachstum und Innovation voranzutreiben und die Unabhängigkeit des Unternehmens zu stärken.

Ein Anteil im Nennwert von knapp drei Millionen Euro

Die Legero Schuhfabrik Gesellschaft m.b.H. ist seit 9. November 1993 im Firmenbuch des Landesgerichts für Zivilrechtssachen Graz eingetragen (FN 59571f) und mit einem Stammkapital von sechs Millionen Euro ausgestattet. Der Anteil, den ara abgegeben hat, entspricht damit einer Stammeinlage von 2,994 Millionen Euro. Käuferin ist die SLE Schuh GmbH, die Holding über der Schuhfabrik, die ihrerseits einer Privatstiftung der Familie gehört.

Die heutige Struktur geht auf das Jahr 1994 zurück. Stefan Stolitzka war 1991 Geschäftsführer geworden und übernahm die Fabrik drei Jahre später im Zuge eines Management-Buy-outs. Die Familie sicherte sich 50,1 Prozent, die deutsche ara AG stieg 1997 mit den restlichen 49,9 Prozent ein. Diese knappe Mehrheit gab der Familie stets die operative Kontrolle - gesellschaftsrechtlich relevante Beschlüsse mit qualifizierter Mehrheit blieben aber an den Partner gebunden. Genau diese Abhängigkeit endet nun.

Gesellschafter Anteil bis 31.08.2026 Anteil seit 31.08.2026
SLE Schuh GmbH (Familie Stolitzka) 50,1 Prozent 100 Prozent
ara AG, Langenfeld (Deutschland) 49,9 Prozent kein Anteil
Stammkapital gesamt 6.000.000 Euro 6.000.000 Euro

Für ara war es ein Verkauf aus der Restrukturierung

Der Anstoß kam nicht aus Feldkirchen, sondern aus Langenfeld. Die ara AG hat den Verkauf nach eigenen Angaben gleichzeitig mit dem Abschluss ihres Refinanzierungsprozesses vollzogen. „Mit der erfolgreich abgeschlossenen Refinanzierung und dem Verkauf unserer Beteiligung schaffen wir die Voraussetzungen, die Transformation der ara konsequent fortzuführen“, sagte ara-Finanzvorstand Sascha Müller. Konzernchef Stefan Rassau kündigte an, die Ressourcen künftig stärker auf die Weiterentwicklung der eigenen Marke, der Produkte und der internationalen Aktivitäten zu konzentrieren; der schuhkurier berichtete am 11. September 2026 über den Abschluss.

Der Rückzug reiht sich in eine längere Kette ein. Seit 2019 hat ara sein Portfolio deutlich verschlankt: Salamander ging bis 2023 ab, die Marke Lloyd wurde 2024 an die Arklyz AG verkauft. Die Legero-Beteiligung war für ara zuletzt Finanzanlage, nicht Kerngeschäft - eine Minderheitsposition an einem Unternehmen, das im Kinderschuhsegment als Marktführer im deutschen Fachhandel direkt in den eigenen Märkten unterwegs ist.

Gut zu wissen:
Einen Kaufpreis hat keine der beiden Seiten genannt. Weder legero united noch ara AG haben die Transaktionssumme oder die Finanzierungsform veröffentlicht. Da beide Unternehmen nicht börsennotiert sind, besteht dazu auch keine Verpflichtung.

172 Millionen Euro Bruttoerlöse, 4,9 Millionen Paar Schuhe

legero united beschäftigt rund 2.300 Menschen aus 26 Nationen und vertreibt seine Marken in mehr als 40 Ländern. Für 2025 weist das Unternehmen Bruttoerlöse von 172 Millionen Euro und etwa 4,9 Millionen verkaufte Paar Schuhe aus. Im Jahr davor waren es bei nahezu gleichem Erlös rund fünf Millionen Paar - die Stückzahlen liegen also seit zwei Jahren praktisch auf einem Niveau, in einem Umfeld, in dem der stationäre Schuhfachhandel in Österreich und Deutschland deutlich unter Druck steht.

Wie sich das Geschäft auf die Marken verteilt, zeigt die Umwelterklärung 2025, in der das Unternehmen die Zahlen des Geschäftsjahres 2024 markenweise offenlegt. Das Gewicht liegt eindeutig bei den Kinderschuhen:

Marke Verkaufte Paare 2024 Bruttoerlöse 2024 Wichtigste Märkte
superfit (Kinderschuhe) rund 3,7 Millionen 103 Millionen Euro Deutschland, Österreich, Schweiz
legero (Damenschuhe) rund 825.000 43 Millionen Euro Deutschland, Österreich, Italien
Think! (Damen und Herren) rund 330.000 25 Millionen Euro Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich
VADO (Kinderschuhe) erst seit Juli 2026 im Konzern nicht veröffentlicht Deutschland, Europa

Produziert wird längst nicht mehr in der Steiermark: Die eigenen Werke stehen in Valea lui Mihai in Rumänien, in Martfü in Ungarn und in Vellore in Indien, das europäische Zentrallager liegt im ungarischen Körmend. Der zweite österreichische Standort ist Kopfing in Oberösterreich, wo die Think! Schuhwerk GmbH als hundertprozentige Tochter die Entwicklung der Marke Think! betreibt.

In Feldkirchen sitzen Zentrale, Entwicklung und Vertrieb

Der steirische Anteil am Unternehmen ist die Konzernspitze. Seit Jänner 2020 steht in Feldkirchen bei Graz der legero united campus, zwei ringförmige Baukörper mit Platz für bis zu 350 Arbeitsplätze im Büroring und dem größten Werksverkauf des Unternehmens im kleineren Gebäude. Im Jahr 2024 waren dort 225 Menschen beschäftigt. Rund 30 Millionen Euro hatte das Unternehmen seinerzeit in den Bau investiert, weitere 20 Millionen waren für Technologie und Digitalisierung vorgesehen.

Damit gehört legero united zu jenen Leitbetrieben im Bezirk Graz-Umgebung, deren Wertschöpfung weniger in der Fertigung als in Entwicklung, Markenführung und Logistiksteuerung liegt. Für die Region zählt an einem solchen Hauptquartier vor allem, wo die Entscheidungen fallen - und diese Frage ist mit dem Anteilskauf für die absehbare Zukunft beantwortet.

Eigentum und Führung ordnen sich gleichzeitig neu

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Bei legero united läuft seit zwei Jahren ein Generationswechsel, der Schritt für Schritt vollzogen wird. Florian Fuchs, ein Neffe von Stefan Stolitzka, kam im Mai 2024 als Director of Executive Projects ins Unternehmen, ist seit Dezember 2024 als Geschäftsführer eingetragen und verantwortet im Executive Board Vertrieb, E-Commerce, HR sowie Marketing und Kommunikation. Vor seinem Wechsel arbeitete er bei Deloitte, der Boston Consulting Group und in der Verpackungsindustrie. In der Mitteilung zur VADO-Übernahme hat das Unternehmen festgehalten, dass Fuchs im kommenden Jahr die Rolle des CEO von Stolitzka übernimmt, während dieser als Chairman of the Board die strategische Ausrichtung begleitet.

Executive Board Funktion Verantwortung
Stefan Stolitzka Eigentümer und CEO, Geschäftsführer seit 1990 Gesamtverantwortung, ab 2027 als Chairman of the Board
Florian Fuchs Geschäftsführer seit Dezember 2024, künftig CEO Vertrieb, E-Commerce, HR, Marketing und Kommunikation
Morten Bay Jensen COO, im Unternehmen seit 2016 Produktion, Technische Entwicklung, IT, Qualitätssicherung, Nachhaltigkeit
Hermann Meyer Chief Product Officer, Geschäftsführer seit Juli 2026 Produktdesign aller vier Marken, Gründer von VADO

Der Zusammenhang zwischen den beiden Vorgängen liegt auf der Hand: Eine Übergabe innerhalb der Familie ist einfacher zu gestalten, wenn nicht ein zweiter Gesellschafter mit fast der Hälfte der Anteile am Tisch sitzt, dessen eigene Lage sich gerade verändert. Bei einer Betriebsübergabe in der Steiermark ist die Klärung der Gesellschafterstruktur regelmäßig der Schritt, der der Nachfolge vorausgeht, nicht umgekehrt. Über den weiteren Ausbau des Markenportfolios entscheidet die Familie ab sofort allein.

Wichtige Einschränkung:
Alleineigentum bedeutet nicht automatisch mehr Mittel. Wer 49,9 Prozent zukauft, bindet Kapital, das anderswo fehlen kann - und das in einer Branche, in der die Stückzahlen stagnieren und der stationäre Fachhandel Fläche abbaut. Wie legero united den Kauf finanziert hat, ist nicht bekannt.

Was der Schritt für den Standort bedeutet

Für die steirische Wirtschaft ist der Vorgang kein Arbeitsplatzthema, sondern ein Strukturthema. In den vergangenen Jahren ist eine Reihe steirischer Industrieunternehmen in ausländische Konzernstrukturen gewandert; hier läuft die Bewegung in die Gegenrichtung: Ein Minderheitsanteil kehrt aus Deutschland zurück, die Konzernzentrale bleibt dort, wo sie ist. Die Marke superfit, die mehr als die Hälfte des Konzernerlöses trägt, wird weiterhin aus Feldkirchen gesteuert.

Gleichzeitig bleiben die Rahmenbedingungen schwierig. Der Strukturwandel im steirischen Einzelhandel trifft den Schuhfachhandel besonders, der für legero united nach wie vor der wichtigste Vertriebsweg ist. Das Unternehmen setzt dagegen auf Markenerweiterung und Digitalisierung: VADO nutzt KI bereits in der Kollektionsentwicklung, und diese Erfahrung soll nach Angaben des Unternehmens in die übrigen Marken einfließen. Der Produktionsstandort in Indien wurde im März 2026 erweitert.

Ausblick: Mit dem Anteilskauf und der VADO-Übernahme hat legero united binnen zweier Monate seine Eigentümer- und seine Markenstruktur neu geordnet. Der nächste Schritt ist der Führungswechsel: 2027 soll Florian Fuchs als CEO übernehmen, Stefan Stolitzka wechselt in den Vorsitz des Boards. Ob die Alleineigentümerschaft dem Unternehmen tatsächlich mehr Spielraum verschafft, wird sich daran zeigen, wie die vierte Marke integriert wird und ob die Stückzahlen im Kinderschuhsegment gehalten werden können.

Quellen