- Neben Zuschüssen vergibt das Land über die SFG auch Beteiligungskapital. Es gibt zwei Wege: die stille Beteiligung für etablierte Betriebe und Venture Capital für junge Unternehmen.
- Die stille Beteiligung reicht bis 1,5 Millionen Euro, mindestens sind es 100.000 Euro. Die Eigentumsverhältnisse bleiben unverändert, die SFG tritt nach außen nicht in Erscheinung.
- Weil das Geld als wirtschaftliches Eigenkapital gilt, verbessert es die Bonität und erleichtert weitere Finanzierungen.
- Beim Venture Capital investiert die SFG bis zu 1,5 Millionen Euro, aber nur gemeinsam und gleichrangig mit einem Business Angel oder einer VC-Gesellschaft.
- Bei beiden Wegen steigt die SFG nach spätestens zehn Jahren wieder aus.
- Historisch lag dieses Geschäft bei eigenen Gesellschaften: Innofinanz von 1980 und die Steirische Beteiligungsfinanzierungsgesellschaft von 1981. Seit 1. Oktober 2014 sind alle Agenden in der SFG gebündelt.
Nicht jedes Unternehmen, das wachsen will, braucht einen Zuschuss. Häufiger fehlt Eigenkapital, weil die Bank ohne ausreichende Eigenmittel keinen Kredit gibt und die Eigentümer nicht bereit sind, Anteile abzugeben. Für genau diese Lage hält die Steirische Wirtschaftsförderung SFG zwei Instrumente bereit, die in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich hinter den klassischen Förderprogrammen zurückstehen.
Die stille Beteiligung: Eigenkapital ohne Mitsprache
Das Angebot richtet sich an etablierte Betriebe aus Industrie und Gewerbe sowie an unternehmensnahe Dienstleister mit Sitz oder Betriebsstätte in der Steiermark. Vorausgesetzt werden ein positives Betriebsergebnis, eine positive Entwicklung und ein tragfähiges Geschäftsmodell. Junge Unternehmen in der Gründungsphase sind ausdrücklich ausgenommen, für sie gibt es den zweiten Weg.
Der Kern des Modells liegt im Wort „still": Die SFG stellt Kapital bereit, tritt aber nach außen nicht als Gesellschafterin auf. Die Eigentumsanteile am Unternehmen ändern sich nicht, es gibt keine neuen Mitspracherechte. Buchhalterisch zählt das Geld dennoch als wirtschaftliches Eigenkapital, was die Eigenkapitalquote hebt und damit den Spielraum für Bankfinanzierungen vergrößert.
| Merkmal | Stille Beteiligung | Venture Capital |
|---|---|---|
| Zielgruppe | etablierte Betriebe mit positivem Ergebnis | Kleinst- und Kleinunternehmen, Gründung höchstens zehn Jahre her |
| Höhe | 100.000 bis 1,5 Millionen Euro, maximal zwei Drittel der Projektkosten | bis 1,5 Millionen Euro Eigenkapital |
| Rolle der SFG | reine Kapitalgeberin, keine Änderung der Eigentumsverhältnisse | Miteigentümerin auf Zeit, gleichrangig mit einem privaten Co-Investor |
| Dauer | Rückzahlung über maximal zehn Jahre nach tilgungsfreier Zeit | Beteiligung bis zu zehn Jahre, danach Ausstieg |
| Sicherheiten | keine betrieblichen Sicherheiten, aber persönliche Haftung der Eigentümer | Beteiligung am unternehmerischen Risiko |
Verwendbar ist das Kapital breit: für Investitionen mit Innovationsgehalt, für Forschung und Entwicklung, für die Umstellung der Fertigung, für Marktbearbeitung und Vertriebsaufbau, für Betriebsmittel und für Betriebsübernahmen. Gerade der letzte Punkt verdient Beachtung, weil in der Steiermark bis 2029 rund 6.400 Betriebe zur Übergabe anstehen und die Finanzierung des Kaufpreises für Nachfolger regelmäßig zur Hürde wird.
Diese Informationen ersetzen keine professionelle Beratung. Beteiligungsfinanzierungen greifen in Bilanz, Haftung und Steuerlage ein. Für die konkrete Ausgestaltung wenden Sie sich an Ihren Steuerberater oder Rechtsanwalt, für die Programmbedingungen an die SFG.
Venture Capital: nur gemeinsam mit Privaten
Der zweite Weg zielt auf junge, wachstumsstarke Unternehmen mit hohem Innovations- und Marktpotenzial. Antragsberechtigt sind Kleinst- und Kleinunternehmen mit Standort in der Steiermark, deren Gründung höchstens zehn Jahre zurückliegt. Bevorzugt werden die Leitthemen Mobilität, Green-Tech und Health-Tech. Mittlere und große Unternehmen sowie Privatpersonen sind ausgeschlossen.
Entscheidend ist die Konstruktion: Die SFG investiert nicht allein, sondern gleichrangig gemeinsam mit einem qualifizierten Business Angel oder einer VC-Gesellschaft. Wer öffentliches Beteiligungskapital will, muss also zuerst einen privaten Investor überzeugen. Das verlagert einen Teil der Auswahlentscheidung an den Markt und verhindert, dass die öffentliche Hand allein über die Tragfähigkeit eines Geschäftsmodells urteilt. Wer auf der Suche nach solchen Co-Investoren ist, findet im Beitrag zur Investorenlandschaft und zu den Business Angels die relevanten Adressen.
Ausgezahlt wird nicht auf einmal, sondern an Meilensteine gebunden. Nach spätestens zehn Jahren steigt die SFG wieder aus.
Vier Gesellschaften wurden eine
Historisch war die Beteiligungsfinanzierung ein eigenes Geschäft mit eigenen Firmen. Die Innofinanz entstand 1980, die Steirische Beteiligungsfinanzierungsgesellschaft 1981; die SFG hielt später 70 beziehungsweise 51,01 Prozent an ihnen. Über Jahrzehnte teilte sich die steirische Wirtschaftsförderung damit auf vier Gesellschaften auf: SFG, Innofinanz, Beteiligungsfinanzierungsgesellschaft und STUG.
Nach einem rund eineinhalbjährigen Prozess wurden diese Strukturen zusammengeführt. Seit 1. Oktober 2014 sind sämtliche Wirtschaftsförderungsagenden in der SFG gebündelt, die zu 100 Prozent dem Land Steiermark gehört. Für Betriebe bedeutet das eine einzige Anlaufstelle statt mehrerer Ansprechpartner. Wer in älteren Unterlagen auf Innofinanz oder die Beteiligungsfinanzierungsgesellschaft stößt, sucht heute die SFG.
Die SFG ist heute an über 30 steirischen Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Regionen beteiligt. Anträge laufen in beiden Programmen über das Online-Förderportal und müssen vor Projektbeginn gestellt werden. Wer erst startet und dann einreicht, verliert den Anspruch.
Warum das Instrument unterschätzt wird
Zuschüsse sind populär, weil das Geld nicht zurückgezahlt werden muss. Beteiligungskapital wirkt auf den ersten Blick unattraktiver, löst aber ein anderes Problem: Ein Zuschuss von 30 Prozent hilft wenig, wenn die restlichen 70 Prozent an der fehlenden Eigenkapitalquote scheitern. Genau dort setzt die stille Beteiligung an, indem sie die Bilanz stärkt, ohne dass jemand Anteile abgeben muss.
Für die Steiermark mit ihrer mittelständisch geprägten Industrie ist das relevant. Familienbetriebe finanzieren traditionell über Bank und Innenfinanzierung und scheuen den Einstieg externer Gesellschafter. Ein stiller Partner, der nach zehn Jahren wieder verschwindet und in der Zwischenzeit keine Mitsprache verlangt, passt zu dieser Haltung deutlich besser als eine offene Beteiligung. Wie die Programme in das übrige Fördersystem passen, zeigt der Überblick zu den SFG-Förderungen und zu KMU-Krediten.