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Donnerstag, 23. April 2026 Kontakt
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Venture Capital Steiermark - die Investoren-Landschaft im Überblick

Venture Capital Steiermark - die Investoren-Landschaft im Überblick

Wer ein steirisches Startup finanzieren will, kommt an vier Adressen kaum vorbei: dem Grazer Investment Club eQventure, dem bundesweiten aws Gründungsfonds, dem Land Steiermark mit SFG und einer wachsenden Gruppe privater Business Angels mit Wurzeln in der steirischen Industrie. Die Kombination aus diesen vier Quellen hat in den letzten Jahren den Großteil jener 29 Millionen Euro getragen, die 2025 in steirische Startups flossen.

Das Wichtigste in Kürze
  • eQventure aus Graz ist mit 60 Angel-Investoren und über 15 Investments der zentrale private VC-Club der Steiermark
  • Der bundesweit tätige aws Gründungsfonds II verwaltet Fondsvolumen im dreistelligen Millionen-Bereich und investiert auch in Graz
  • Die Steirische Wirtschaftsförderung SFG bietet Start!Klar-Programme, Pre-Seed-Mittel und Co-Investments mit VCs bis 1,5 Mio. Euro
  • Mit ARM-Gründer Hermann Hauser und Ex-Runtastic-Financier Alfred Luger sind international sichtbare Angels in Graz investiert
  • Rund ein Drittel aller steirischen Startups nutzt in der frühen Phase Business-Angel-Kapital

eQventure - der steirische Investment-Knoten

Die prägende VC-Adresse mit Sitz in Graz ist eQventure. Das Unternehmen wurde 2014 von Herbert Gartner, Franz Salomon und Christian Klemm gegründet - Gartner hatte zuvor mit dem SensorDynamics-Exit für 164 Millionen US-Dollar Österreichs größten Halbleiter-Verkauf verantwortet.

eQventure ist kein Fonds, sondern ein Investment Club. Rund 60 Angel-Investoren entscheiden Deal-by-Deal, wer wieviel einbringt. Das Modell umgeht klassische Fondsstrukturen mit ihren Laufzeitzwängen und erlaubt Follow-on-Investments auch in schwierigen Phasen.

Seit Gründung hat eQventure 15 Investments getätigt (Stand April 2026) und drei Exits verzeichnet: Finmatics (Verkauf an Visma für über 100 Millionen Euro, 2025), App Radar und meo ENERGY. Der eQventure-Anteil an Finmatics lag bei 36 Prozent - die Investoren erhielten laut Brutkasten das Fünf- bis Siebenfache ihres Einsatzes zurück.

Portfolio-Schwerpunkt: Deep-Tech und B2B-Software mit Fokus auf DACH. Ticketgrößen bewegen sich zwischen 200.000 Euro und 5 Millionen Euro pro Einzelinvestition.

aws Gründungsfonds II - das bundesweite Rückgrat

Der aws Gründungsfonds II ist ein Venture-Capital-Fonds, der vom Bund über die Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) verwaltet wird. Fondsvolumen: rund 140 Millionen Euro, aufgebaut aus öffentlichen Mitteln und privatem Co-Investment. Ticketgrößen zwischen 100.000 Euro und 3 Millionen Euro als Eigenkapital-Beteiligung.

Der Fonds investiert bundesweit, die Steiermark ist regelmäßig vertreten. Beispielhafte Beteiligungen aus der Region: meo Smart Home Energy (Graz, 2015), eyeson (Graz, 3 Millionen Euro in einer späteren Runde gemeinsam mit eQventure, Hermann Hauser und tecnet equity).

SFG und Land Steiermark - das Startkapital-Rückgrat

Die Steirische Wirtschaftsförderungsgesellschaft (SFG) ist kein klassischer VC, spielt in der Finanzierungslogik der Steiermark aber eine zentrale Rolle. Relevante Instrumente im April 2026:

  • Start!Klar: bis zu 37.500 Euro für innovative Mikro-, Klein- und Mittelbetriebe im fünften Gründungsjahr
  • Start!Klar plus: bis zu 100.000 Euro für Startups vor der ersten Finanzierungsrunde, 80 Prozent der Kosten werden übernommen
  • Venture-Capital-Co-Investment: bis zu 1,5 Millionen Euro als Co-Investment für Scale-ups
  • Spin-off-Förderung: bis zu 300.000 Euro in der Pre-Seed-Phase, neu eingeführt im Herbst 2025

Laut SFG-Startupmark-Bericht hat das Land 2023 vier Startups mit über 1 Million Euro Investment unterstützt, darunter Leftshift One und Teamazing.

Gut zu wissen:
SFG-Gelder sind keine Schenkungen. Start!Klar plus und die Spin-off-Förderung sind anteilige Zuschüsse - Unternehmen müssen selbst Eigenmittel einbringen und die Förderung auf Basis konkreter Meilensteine nachweisen. Kombiniert mit privatem Kapital von Angels oder eQventure ergeben sich Gesamtpakete, die Frühphasen solide abdecken.

Private Business Angels mit Steiermark-Bezug

Die aktivsten Angels im steirischen Umfeld kommen aus zwei Richtungen: aus der Industrie (Exit-Erlöse aus Verkauf eigener Unternehmen) und aus der Wiener Tech-Szene (Runtastic-Gründer, Payment-Exits).

AngelHintergrundSteirische Beteiligungen (Auswahl)
Hermann HauserARM-Mitgründer, Deep-Tech-InvestorUSound, Leftshift One, NXRT, eyeson
Michael AltrichterPaysafecard/Payolution-Exit, rund 40 BeteiligungenCo-Investor eyeson
Klaus FroniusUnternehmer Fronius InternationalEET/SOLMATE
Alfred LugerRuntastic-MitgründerIndirekt über 8eyes und Fonds-Beteiligungen
Boris NemšićEx-CEO Telekom Austriaeyeson (Investor seit 2022)

Weitere relevante Akteure

Hermann Hauser Investment (HHI): Die Investmentfirma des ARM-Gründers operiert seit 2015 aus Österreich heraus und investiert primär in frühe Phasen (Seed, Series A) im DACH-Raum. Fokus: Deep-Tech, Digital Health, Quantum Computing, synthetische Biologie. Für die Steiermark relevant, weil mehrere Grazer Startups zum Portfolio gehören.

tecnet equity: niederösterreichischer Frühphasen-VC, der regelmäßig mit eQventure und dem aws Gründungsfonds syndiziert.

Verbund X Ventures: Corporate-VC-Arm des Verbund-Konzerns mit Schwerpunkt Energie und Infrastruktur. 2024 Investor bei Easelink (Graz).

KKR und Highland Europe: internationale Growth-Equity-Investoren, seit 2025 an smaXtec beteiligt. Eine seltene, aber strategisch bedeutende Konstellation, weil sie die Tür für weitere internationale Later-Stage-Investoren in der Steiermark öffnet.

Der blinde Fleck: Later-Stage-Finanzierung

Die größte Schwäche der steirischen VC-Landschaft liegt im Bereich jenseits von fünf Millionen Euro. eQventure bewegt sich typischerweise in diesem Segment, der aws Gründungsfonds II ebenfalls - aber für eine Series B oder C über 20 Millionen Euro reicht das nicht. Grazer Gründer sind deshalb regelmäßig gezwungen, nach Deutschland, Großbritannien oder in die USA auszuweichen.

Der Austrian Startup Monitor 2025 bestätigte diesen Befund. Die Junge Wirtschaft der WKO sprach von "klarem Handlungsbedarf bei Risikokapital, Abgaben und Bürokratie". In der Steiermark wird das Thema seit Jahren diskutiert, konkrete Lösungen - etwa ein Later-Stage-Fonds unter Beteiligung des Landes - liegen Stand April 2026 nicht auf dem Tisch.

Praxis-Tipp für Gründer:
Die Reihenfolge der Finanzierung ist entscheidend. Wer früh Fördermittel einsetzt, bevor er Eigenkapital aufnimmt, schiebt die Verwässerung hinaus und verhandelt die erste Angel-Runde aus einer besseren Position. SFG-Mittel sollten vor einer eQventure-Runde aufgebracht sein - umgekehrt geht Spielraum verloren.

Invest-Austria und Matching-Plattformen

Für Gründer, die aktiv Investoren suchen, gibt es strukturierte Matching-Programme. Die invest-austria (vormals aaia) ist mit über 350 Mitgliedern das größte Netzwerk für Investoren im Pre-IPO-Kapitalmarkt Österreichs. Das aws-Programm i2 Business Angels matcht strukturiert zwischen Startups und geprüften Angels. Daneben vermittelt das Investmentnetzwerk.at einen Zugang zu kleineren österreichischen Kapitalgebern.

Steiermark-spezifisch sind die Next-Incubator-Events, das Fifteen Seconds Festival in Graz und Events des IdeenTriebwerks Graz - dort treten regelmäßig Angels als Publikum auf und sind über persönliche Kontakte zugänglich.

Ausblick: Die steirische VC-Landschaft wird 2026 vor allem an ihrer Anschlussfähigkeit gemessen werden. Wenn es gelingt, mit smaXtec, USound oder Easelink eine Beteiligung eines weiteren internationalen Later-Stage-Fonds einzufädeln, verändert sich die Wahrnehmung des Standorts spürbar. Gleichzeitig sollte ein steirisches Later-Stage-Finanzierungsinstrument politisch Fahrt aufnehmen - sonst bleiben die großen Exits zwangsläufig in ausländische Hände geknüpft.

Quellen