- Die Steiermark zählt 4.025 Biobetriebe mit einer biologisch bewirtschafteten Fläche von 86.688 Hektar
- 25 Prozent der steirischen Anbauflächen werden biologisch bewirtschaftet – das Ziel bis 2028 liegt bei 30 Prozent
- Der Bio-Anteil im österreichischen Lebensmittelhandel liegt bei knapp 12 Prozent und damit deutlich über dem EU-Schnitt von 8,5 Prozent
- Die Ausgaben für Bio-Lebensmittel stiegen im ersten Halbjahr 2025 um 8,4 Prozent
- Das Biozentrum Steiermark ist eine österreichweit einzigartige Beratungseinrichtung für rund 4.000 Biobetriebe
- Die neue länderübergreifende Bio-Allianz soll Vermarktung und Rohwarenmanagement stärken
Rund 4.025 landwirtschaftliche Betriebe in der Steiermark wirtschaften nach biologischen Richtlinien und bewirtschaften dabei 86.688 Hektar Fläche. Damit zählt das Bundesland zu den Spitzenreitern im europäischen Bio-Landbau. Nach einigen schwächeren Jahren zeigen die aktuellen Zahlen ein deutliches Comeback: Der Bio-Anteil im Lebensmittelhandel ist auf knapp 12 Prozent gestiegen, die Ausgaben legten im ersten Halbjahr 2025 um 8,4 Prozent zu. Besonders gefragt sind Milchprodukte, Eier, Mehl und Gemüse in Bio-Qualität.
Marktentwicklung und Nachfrage
Der österreichische Biomarkt gewinnt nach der pandemiebedingten Delle wieder deutlich an Dynamik. Der wertmäßige Bio-Anteil im Lebensmittelhandel liegt bei knapp 12 Prozent und hat gegenüber 2024 um fast 0,5 Prozentpunkte zugelegt. Damit liegt Österreich deutlich über dem europäischen Schnitt von 8,5 Prozent. Landwirtschaftskammer-Präsident Andreas Steinegger betonte bei der Bio-Bilanz 2025, dass bei einzelnen Produktgruppen die Nachfrage mittlerweile sogar das Angebot übersteigt – etwa bei Bio-Rindfleisch, Bio-Eiern, Bio-Geflügel und Bio-Gemüse.
| Produktgruppe | Bio-Anteil am Handel | Nachfrage-Trend |
|---|---|---|
| Biomilch | 30 % | Stabil bis steigend |
| Bio-Eier | 18,3 % | Nachfrage übersteigt Angebot |
| Bio-Käse | 10,6 % | Steigend |
| Bio-Fleisch und Geflügel | 8,2 % | Starkes Wachstum |
| Bio-Fertiggerichte | 3,5 % | Ausbaufähig |
Steirische Biobetriebe als Innovationstreiber
Die steirische Bio-Landwirtschaft zeichnet sich durch einen überdurchschnittlich hohen Anteil junger Betriebsführer aus. 28 Prozent der Betriebsübernehmer in der steirischen Bio-Landwirtschaft sind junge Landwirte – ein Wert, der deutlich über dem EU-Durchschnitt von 11,9 Prozent liegt. Diese Generation setzt verstärkt auf innovative Konzepte und neue Vermarktungswege.
Ein Beispiel dafür sind steirische Produzenten, die mit kreativen Ansätzen neue Wege gehen. Neben klassischen Bio-Produkten wie dem steirischen Kürbiskernöl mit geschützter geografischer Angabe entstehen innovative Erzeugnisse wie Bio-Tofu aus regionalem Sojaanbau. Auch die Schalk Mühle in der Steiermark zeigt, wie Bio-Lebensmittelproduktion und regionale Wertschöpfung Hand in Hand gehen: CO2-neutral mit Wasserkraft hergestellte Öle, Proteine und Snacks aus kontrolliert biologischem Anbau.
Steirische Bio-Produkte sind nicht nur auf den reinen Bio-Bauernmärkten am Grottenhof und Herz-Jesu-Platz in Graz erhältlich. Auch viele reguläre Bauernmärkte, Hofläden und der Lebensmitteleinzelhandel führen Produkte mit dem Bio-Austria-Kennzeichen. Die GenussHauptstadt Graz hat die höchste Dichte an Produzentenmärkten in Österreich.
Biozentrum Steiermark und Förderungen
Das Biozentrum Steiermark ist eine österreichweit einzigartige Einrichtung, die von der Landwirtschaftskammer Steiermark und Bio Ernte Steiermark gemeinsam betrieben wird. Es unterstützt die rund 4.000 steirischen Bio-Betriebe mit Fachberatung, Bildungsangeboten und Praxisversuchen im Ackerbau. Obmann Thomas Gschier betont, dass gerade die professionelle Beratung ein Schlüssel für den Aufwärtstrend der Branche sei.
Ab Jänner 2025 gelten verbesserte Rahmenbedingungen im Agrarumweltprogramm ÖPUL, die Bio-Betriebe gezielt stärken. Dazu gehören ein neuer Transaktionskosten-Zuschuss, ein Zuschlag für Kreislaufwirtschaft und zahlreiche Vereinfachungen. Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer sieht darin einen wichtigen Impuls für das Bio-Aktionsprogramm, das die biologisch bewirtschafteten Flächen in der Steiermark bis 2028 von 25 auf 30 Prozent ausdehnen soll.
Bio-Allianz für bessere Vermarktung
Ein neuer Meilenstein für die steirische Bio-Branche ist die Gründung der länderübergreifenden Bio-Allianz. In diesem Zusammenschluss arbeiten Bio Ernte Steiermark, Bioland, Biokreis, Bioland Südtirol, Biolandwirtschaft Ennstal, Gäa und Demeter Österreich zusammen. Durch ein gemeinsames Rohwarenmanagement soll die Versorgung der unterschiedlichen Märkte mit Bio-Waren besser gelingen und die Vermarktung gestärkt werden.
Mehr als 4.000 steirische Landwirte wirtschaften nach den strengen Bio-Richtlinien von Bio Austria. Die Bio Ernte Steiermark ist die Landesorganisation des Verbandes und bietet Beratung, Weiterbildung und Vermarktungsunterstützung. Der gesamte Betrieb muss biologisch bewirtschaftet werden – eine Teilumstellung ist nicht erlaubt.
Lebensmittelkompetenz als Zukunftsthema
Ein zentrales Zukunftsthema ist die Lebensmittelkompetenz der Konsumenten. Agrarlandesrätin Schmiedtbauer weist darauf hin, dass dort, wo mehr selbst gekocht wird, die Menschen deutlich häufiger zu heimischen Bio-Produkten greifen. Der Bio-Anteil bei Fertig- und Halbfertiggerichten liegt trotz Zuwächsen erst bei 3,5 Prozent. Wer Convenience-Produkte konsumiert, hat deutlich weniger Einfluss auf die Verwendung heimischer Rohstoffe und Bio-Zutaten. Deshalb setzt eine neue Initiative an steirischen Schulen an, um den Wert regionaler und biologischer Lebensmittel stärker zu vermitteln und Menschen zum Selbstkochen zu motivieren.
Chancen für neue Betriebe
Die aktuelle Marktlage bietet gute Einstiegschancen für Betriebe, die auf biologische Wirtschaftsweise umstellen wollen. Besonders in den Bereichen Bio-Gemüsebau, Bio-Rindfleisch und Bio-Obstbau übersteigt die Nachfrage das Angebot. Die steirische Bioäpfel-Produktion könnte mehr als verdoppelt werden. Auch der Bio-Eiermarkt wächst jährlich um rund 10 Prozent. Die Landwirtschaftskammer hat die Bio-Gemüseberatung gezielt ausgebaut und verstärkt Bio-Praxisversuche im Ackerbau, um Umsteigern fundierte Entscheidungsgrundlagen zu liefern.
Eine Umstellung auf biologische Bewirtschaftung erfordert eine Umstellungsphase von mindestens zwei Jahren bei Ackerkulturen und drei Jahren bei Dauerkulturen. Während dieser Zeit müssen bereits alle Bio-Richtlinien eingehalten werden, die Produkte dürfen aber noch nicht als Bio-Ware vermarktet werden. Eine sorgfältige betriebswirtschaftliche Planung ist daher unerlässlich.