200 US-Dollar hatte Franz Strohsack im Mai 1954 in der Tasche, als er mit einem Schiff aus Bremerhaven nach Montreal auswanderte. Der 21-jährige gelernte Werkzeugmacher aus Kleinsemmering bei Weiz nannte sich in Kanada Frank Stronach. 72 Jahre später ist Magna International, das aus seiner kleinen Werkstatt in Toronto wurde, ein globaler Zulieferer mit 42 Milliarden US-Dollar Umsatz, 156.000 Mitarbeitern und einem Produktionsverbund, der in der Steiermark Tausende Arbeitsplätze sichert.
- Frank Stronach, geboren am 6. September 1932 als Franz Strohsack in Kleinsemmering bei Weiz, wanderte 1954 nach Kanada aus und gründete 1957 in Toronto eine Werkzeugbau-Werkstatt
- Aus dieser Werkstatt entstand über Multimatic und Magna Electronics der Magna-International-Konzern, der 1973 seinen endgültigen Namen erhielt
- 1989 kehrte Stronach mit einer Niederlassung nach Weiz zurück; 1998 wurde Steyr-Daimler-Puch in die Magna-Gruppe integriert - heute Magna Steyr mit Sitz in Graz-Liebenau
- Magna Steyr ist der weltweit größte markenunabhängige Auftragsfertiger für Fahrzeuge mit mehreren Tausend Beschäftigten in Graz
- Stronach trat 2011 als Magna-Chairman zurück; von 2012 bis 2017 war er Gründer und Obmann der österreichischen Partei Team Stronach
- Geboren
- 6. September 1932 in Kleinsemmering bei Weiz als Franz Strohsack
- Ausbildung
- Werkzeugmacher-Lehre in der Steiermark
- Stationen
- Auswanderung nach Kanada (1954), Gründung Multimatic Toronto (1957), Magna International (seit 1973), Rücktritt als Magna-Chairman (2011), Team Stronach Österreich (2012-2017)
- Aktuell
- Wohnsitz in Aurora (Ontario) und Österreich, nicht mehr operativ tätig
Vom Weiztaler Arbeiterhaushalt nach Kanada
Franz Strohsack wuchs in ärmlichen Verhältnissen in der Oststeiermark auf. Seine Eltern hatten kroatische Wurzeln und arbeiteten als Landarbeiter und Fabrikarbeiter. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs absolvierte er in Weiz eine Werkzeugmacher-Lehre. 1954 verließ er Österreich - das damals unter alliierter Besatzung stand - und wanderte nach Kanada aus. Die 200 Dollar, die er nach eigenen Angaben mithatte, bilden bis heute den Kern seiner Biografie-Erzählung.
1957 gründete er in einer Garage in Toronto die Werkstatt "Multimatic" - ein Ein-Mann-Betrieb für Werkzeug- und Stanzteil-Fertigung. Der Durchbruch kam 1959 mit dem ersten Auftrag von General Motors für gestanzte Sonnenblenden-Halterungen. 1962 fusionierte Multimatic mit Magna Electronics und ging an die Toronto Stock Exchange. 1969 folgte die Vereinigung der beiden Firmen, 1973 der Namenswechsel auf Magna International Inc.
Magnas Rückkehr in die Steiermark
Ab Ende der 1980er-Jahre begann Stronach, seine Kanadische Konzerngruppe auch wieder in seiner österreichischen Heimat zu verankern. 1989 eröffnete die erste Magna-Niederlassung in Weiz - symbolträchtig in Stronachs Geburtsregion. In den 1990er-Jahren folgte eine rasche Standort-Expansion in der Oststeiermark: Werke in Ilz, Krottendorf, Gleisdorf und Sinabelkirchen.
Der strategisch wichtigste Schritt kam 1998: Die Magna-Gruppe übernahm die Fahrzeugtechnik-Sparte von Steyr-Daimler-Puch im Grazer Stadtteil Thondorf. Daraus entstand Magna Steyr - heute der weltweit führende markenunabhängige Auftragsfertiger für Fahrzeuge. Magna Steyr produziert in Graz Modelle für Mercedes-Benz, Jaguar Land Rover, BMW und andere Hersteller und beschäftigt mehrere Tausend Menschen am Standort. Im selben Jahr 1998 eröffnete Magna zudem ein Werk in Lannach südlich von Graz.
| Magna-Standorte in der Steiermark (Auswahl) | Schwerpunkt |
|---|---|
| Magna Steyr Graz-Thondorf/Liebenau | Auftragsfertigung Fahrzeuge |
| Magna Weiz | Fahrzeugkomponenten (Stronachs Heimatregion) |
| Magna Ilz | Seitenverkleidungen und Interieur |
| Magna Krottendorf-Gaisfeld | Antriebskomponenten |
| Magna Lannach | Stanz- und Presswerke |
| Magna Sinabelkirchen | Kunststoffteile |
Magna heute - ein 42-Milliarden-Dollar-Konzern
Stand der Unternehmensgeschichte: Magna International ist heute einer der größten Automobilzulieferer der Welt. Die Gruppe meldete zuletzt 42 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz und beschäftigt weltweit rund 156.000 Menschen. Zu den größten Divisionen zählen Magna Steyr (Graz) als Auftragsfertiger, Magna Powertrain, die Interieur- und Exterieur-Geschäfte sowie der Spiegel- und Beleuchtungsbereich nach der Donnelly-Übernahme 2002.
Für die Steiermark ist Magna damit einer der zentralen Arbeitgeber des Automotive-Clusters AC Styria. Magna Steyr entwickelte sich seit der Jahrtausendwende zu einem der meistgefragten Auftragsfertiger Europas - das Werk in Graz-Liebenau hat nach Unternehmensangaben inzwischen mehr als drei Millionen Fahrzeuge für externe Marken produziert.
Der Rückzug aus Magna
Im Mai 2011 trat Stronach als Chairman von Magna International zurück. Der Konzern zahlte ihm und seiner Familienstiftung im Rahmen eines Aktienrückkaufs rund 863 Millionen US-Dollar für ihre Aktien der sogenannten Mehrfach-Stimmrechtsklasse. Damit endete seine aktive Rolle bei Magna - mit einem Ergebnis, das damals von Aktionären unterschiedlich bewertet, aber als Abschluss einer Ära akzeptiert wurde.
2012 gründete Stronach in Österreich die politische Partei "Team Stronach für Österreich", die bei der Nationalratswahl 2013 mit 5,7 Prozent der Stimmen in den Nationalrat einzog. Stronach selbst übernahm ein Mandat, zog sich aber bald zurück. Nach internen Führungskrisen wurde die Partei 2017 aufgelöst.
Auszeichnungen
- 2007: Großes Goldenes Ehrenzeichen des Landes Steiermark, überreicht am 27. September 2007 durch Landeshauptmann Franz Voves im Weißen Saal der Grazer Burg
- Ehrenring der Stadtgemeinde Weiz
- Honorary Doctorates mehrerer Universitäten in Kanada und Österreich, darunter zeitweise auch Lehrveranstaltungen an der TU Graz
- Mehrere Ehrungen durch den kanadischen Staat
Landeshauptmann Franz Voves würdigte damals in seiner Laudatio die "Win-Win-Win-Strategie" Stronachs, die Arbeitnehmer, Aktionäre und Unternehmer gleichermaßen in Erfolgsstrukturen einbinden sollte. Diese Unternehmensphilosophie - in den 1970er-Jahren in Kanada unter dem Begriff "Fair Enterprise Charter" formuliert - ist eine der prägenden Hinterlassenschaften Stronachs in der Managementliteratur.
Führungsphilosophie - die Fair Enterprise Charter
Stronachs unternehmerische Haltung war früh formalisiert: Magna führte 1976 Mitarbeiterbeteiligung und Gewinnbeteiligungsprogramme ein. In der Fair Enterprise Charter, die Stronach selbst verfasste, wurden feste Ausschüttungsquoten für Mitarbeiter, Management, Aktionäre und soziale Anliegen definiert. Dieses Modell - umstritten, aber konsequent praktiziert - unterschied Magna lange von klassischen amerikanischen Zulieferer-Strukturen und wurde in der Managementliteratur ausführlich dokumentiert.
Aktueller Stand
Stand April 2026 ist Frank Stronach 93 Jahre alt. In Magna spielt er seit 2011 keine operative Rolle mehr. Seine Ehefrau Elfriede Stronach, geborene Sallmutter, verstarb am 25. März 2024. Tochter Belinda Stronach und Sohn Andrew Stronach führen Teile des Familienvermögens weiter.
Quellen
- Wikipedia: Frank Stronach - Biografie, Magna, Team Stronach
- Magna International: Unsere Unternehmensgeschichte 1957 bis heute
- Land Steiermark: Großes Goldenes Ehrenzeichen für Frank Stronach 2007
- Industriemagazin: Magna Steyr - Erfolgsstory von den 1990er Jahren bis heute
- Trend: Unternehmensprofil Magna International