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Samstag, 25. April 2026 Kontakt
Karriere

Generation Z am steirischen Arbeitsmarkt - Erwartungen, Realität und Gehaltsgefälle

Generation Z am steirischen Arbeitsmarkt - Erwartungen, Realität und Gehaltsgefälle

43 Prozent der österreichischen Generation Z erwarten von ihrem Arbeitgeber klare Grenzen zwischen Beruf und Privatleben. Nur 25 Prozent sehen diese Erwartung in ihrem Arbeitsalltag tatsächlich umgesetzt. Diese Lücke stammt aus der Deloitte Gen Z & Millennial Survey 2025 mit 305 Befragten aus Österreich (Jahrgänge 1995 bis 2006). Sie ist die zentrale Zahl, an der sich gerade jede HR-Abteilung in Graz, Leoben oder Bruck an der Mur abarbeiten muss - denn sie beschreibt den Bruch zwischen dem, was junge Beschäftigte wollen, und dem, was ihre Unternehmen liefern.

Das Wichtigste in Kürze
  • 43 Prozent der österreichischen Gen Z erwarten klare Work-Life-Grenzen, nur 25 Prozent nehmen sie wahr
  • Bei den Jugendlichen 15-19 Jahre liegt die Beschäftigungsquote in der Steiermark bei rund 39,2 Prozent, deutlich niedriger als in mittleren Altersgruppen
  • Im Bezirk Weiz stieg die Arbeitslosigkeit unter 25-Jährigen im Jänner 2026 um 18,5 Prozent - der stärkste Anstieg aller Altersgruppen
  • Top-Erwartungen junger Beschäftigter: Jobsicherheit (61 %), Gehalt als wichtigstes Kriterium (74 %), sinnstiftende Tätigkeit (rund 75 %)
  • AMS Steiermark hat 2026 das Ziel gesetzt, dass niemand unter 25 länger als sechs Monate ohne konkretes Angebot bleibt
  • Lebenshaltungskosten sind für über ein Viertel der österreichischen Gen Z das zentrale Sorgenthema

Wer die Generation Z am steirischen Arbeitsmarkt ist

Als Generation Z werden in den Standardstudien Jahrgänge von ungefähr 1995 bis 2010 gefasst. Die ältere Hälfte steht mitten im Beruf, die jüngere befindet sich noch in Ausbildung oder macht erste Schritte in den Arbeitsmarkt. Für die Steiermark ist diese Gruppe besonders relevant, weil sie in einer Region aufwächst, die von zwei Trends gleichzeitig geprägt wird: einer starken Industrie, die laut WKO Steiermark händeringend Fachkräfte sucht, und einer Akademikerstadt Graz mit überdurchschnittlichem Hochschulanteil.

Das AMS Steiermark verzeichnete Ende März 2026 in der Arbeitsmarktregion Graz und Graz-Umgebung 20.587 arbeitsuchend vorgemerkte Personen. Die Jugendarbeitslosigkeit entwickelt sich uneinheitlich: Während im Bezirk Weiz im Jänner 2026 ein Anstieg von 18,5 Prozent bei den unter 25-Jährigen gemeldet wurde, ist die steiermarkweite Jugendarbeitslosenquote im ersten Quartal 2026 insgesamt leicht rückläufig. Die Arbeitslosenquote steiermarkweit lag im Jänner 2026 bei 8,8 Prozent. Details zur aktuellen Lage liefert die AMS-Übersicht zum steirischen Arbeitsmarkt.

Was die Gen Z erwartet - und wo die Lücke klafft

Die Deloitte Gen Z & Millennial Survey 2025 liefert für Österreich die belastbarste Datenbasis. Die wichtigsten Befunde:

Erwartung Anteil Gen Z AT, der das erwartet Anteil, der es im Alltag sieht
Klare Work-Life-Grenze43 %25 %
Unterstützung durch Führungskraft45 % (Millennials)16 %
Sinnstiftende Tätigkeitrund 75 %-
Gehalt als wichtigstes Kriterium74 %-
Jobsicherheit wichtig61 %-
Lebenshaltungskosten sind Hauptsorgerund 27 %-

Das Bild ist nicht - wie oft behauptet - das einer verwöhnten Generation mit überzogenen Ansprüchen. Es ist das einer Generation, die in einer inflationsgeprägten Zeit (2022 bis 2025) in den Arbeitsmarkt eingetreten ist und finanzielle Sicherheit sehr konkret messen kann. Über ein Viertel der österreichischen Gen Zs nennt Lebenshaltungskosten als zentrales Sorgenthema - ein Wert, den kein HR-Manager ignorieren sollte, der unter KV-Gehalt einstellt oder Lohnerhöhungen unter der Inflation anbietet.

Das Gehaltsthema konkret

Einstiegsgehälter in der Steiermark sind stark branchen- und kollektivvertragsabhängig. In produzierenden Industrieunternehmen beginnt ein Facharbeiter nach Lehre mit rund 2.600 bis 2.900 Euro brutto monatlich (14 Gehälter). Im IT-Bereich liegen Einstiegsgehälter für Junior-Entwickler in Graz bei 3.100 bis 3.800 Euro brutto. Pflegefachassistenz startet bei rund 2.500 Euro brutto. Im Einzelhandel sind Einstiege von 2.100 bis 2.300 Euro brutto üblich.

Der steirische Arbeitsmarkt hat in den vergangenen zwei Jahren eine Gehaltsangleichung zu Wien und Linz erlebt, die besonders in knappen Berufen sichtbar ist - Softwareentwicklung, Elektronik, Mechatronik. In Berufen mit geringerer Verhandlungsmacht - Handel, Tourismus, Pflegehilfe - bleibt das Gefälle zur Bundeshauptstadt bestehen. Das erklärt auch, warum laut Deloitte 74 Prozent der Gen Z das Gehalt als wichtigstes Job-Kriterium nennen - es ist kein oberflächliches Materialdenken, sondern eine realistische Antwort auf die eigene Wohn- und Alltagssituation.

Berufswahl und Lehre - die andere Seite der Geschichte

Ein oft übersehener Befund: Die Generation Z in der Steiermark geht mehrheitlich nicht in Richtung Studium, sondern wählt die Lehre. Laut Lehrlingsstatistik der WKO Steiermark liegt die Zahl der Lehrlinge in steirischen Betrieben Ende 2025 bei rund 12.500. Die Top-Lehrberufe sind unverändert Metalltechnik, Elektrotechnik, Mechatronik, Einzelhandel, Bürokauffrau/-mann.

Die Entscheidung für die Lehre wird von der Gen Z allerdings anders getroffen als von früheren Kohorten. Während die Millennials oft die Lehre als Sicherheitsnetz sahen, ist bei der Gen Z die Erwartung an ein klar strukturiertes, wertgeschätztes Lehrverhältnis stärker ausgeprägt. Steirische Leitbetriebe - Andritz, AT&S, Magna, AVL - investieren entsprechend zunehmend in Lehrlingsakademien mit Coaching, Auslandssemestern und strukturierten Entwicklungspfaden.

Praxis-Hinweis für Recruiting:
Die Gen Z bewirbt sich primär über mobile Endgeräte und soziale Plattformen. Ein Karriereauftritt ohne Mobile-optimierte Bewerbungsstrecke wird bei jungen Bewerbenden abgebrochen. In vielen steirischen Mittelständlern fehlt diese Basis noch - ein Punkt, den die WKO Steiermark in ihren Recruiting-Workshops regelmäßig adressiert.

Was steirische Unternehmen anders machen

Einige Veränderungen sind bei der Recruiting-Praxis steirischer Unternehmen sichtbar:

  • Gehaltstransparenz in Stellenanzeigen - viele steirische Betriebe sind dazu übergegangen, Mindestgehälter in Stellenausschreibungen aktiv anzugeben, statt nur den KV-Mindestsatz zu zitieren
  • Verkürzte Probezeiten und schnellere Entscheidungsprozesse - junge Bewerbende brechen Verfahren ab, wenn sie länger als zwei Wochen ohne Rückmeldung bleiben
  • Onboarding-Programme mit Paten - mittelständische Unternehmen in der Obersteiermark arbeiten vermehrt mit Mentoring-Konzepten für Lehrlinge und Berufseinsteiger
  • Mentale Gesundheit als Thema in der Personalbetreuung - vorher Tabu, jetzt Standard in grösseren steirischen Betrieben, oft über externe EAP-Dienste (Employee Assistance Programs)
  • Flexibilität bei Arbeitszeit - 4-Tage-Woche ist in der steirischen Industrie noch selten, aber einige IT- und Beratungsunternehmen in Graz haben sie als Option eingeführt

Konfliktpunkte mit älteren Generationen

Ein konkreter Spannungspunkt: Gen-Z-Beschäftigte hinterfragen Überstunden und Präsenzzeiten kritischer als ihre älteren Kolleginnen und Kollegen. In mittelständischen Betrieben führt das zu internen Friktionen, weil langjährige Mitarbeitende das als Mangel an Einsatz werten. Die Deloitte-Studie zeigt: Es geht der Gen Z weniger um geringeren Einsatz, sondern um Einsatz mit klaren Regeln. Wer Überstunden erwartet, soll sie benennen, vergüten und begrenzen.

Ein zweiter Punkt: Führungsanspruch versus Führungswirklichkeit. 45 Prozent der österreichischen Millennials (die in vielen Unternehmen jetzt die mittlere Führungsebene stellen) erwarten von ihren eigenen Führungskräften Unterstützung und Guidance. Nur 16 Prozent erleben das. Wenn die Gen Z nun in diese Teams eintritt, trifft sie auf Führungskräfte, die selbst schlecht geführt werden - und das Problem vererbt sich.

Die Rolle des AMS Steiermark

Das AMS Steiermark hat in der Steuerungsperiode 2026 explizit junge Beschäftigte als Zielgruppe priorisiert. Das erklärte Ziel lautet, dass keine Person unter 25 Jahren länger als sechs Monate ohne konkretes Angebot - Schulung, Praktikum, Arbeitsplatz oder überbetriebliche Lehre - bleibt. Das schlägt sich in verstärkten Schulungsmaßnahmen nieder: Im März 2026 waren in der Arbeitsmarktregion Graz rund 3.900 Personen in Schulungen, ein Plus von 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Qualifizierungsschwerpunkte liegen bei IT-Grundbildung, Pflegequalifikation, Mobilitätsberufen (E-Mobilität, Mechatronik) und bei der Nachqualifizierung für Lehrabschluss. Letzteres adressiert eine stille Problemgruppe: Junge Erwachsene um die 20 bis 25, die die Schule ohne Abschluss beendet haben und ohne nachgeholte Qualifikation den Einstieg ins Erwerbsleben nur schwer schaffen.

Gut zu wissen:
Das Jugendcoaching des AMS ist für Unternehmen ein oft unterschätztes Instrument. Jugendliche zwischen 15 und 19, die keinen klaren Ausbildungsweg gefunden haben, können über dieses kostenfreie Coaching an Betriebe vermittelt werden, die bereit sind, unter engerer Begleitung einen Lehrplatz anzubieten. Die Abschlussquoten bei so vermittelten Lehrverhältnissen liegen laut AMS-Daten im Durchschnitt.

Einordnung

Die Steiermark ist für die Gen Z ein zweigeteilter Arbeitsmarkt. In Graz und Graz-Umgebung gibt es IT-, Forschungs- und Beratungsstellen, in denen junge Akademikerinnen und Akademiker unter Bedingungen arbeiten, die international wettbewerbsfähig sind. In der Obersteiermark und in den Randbezirken bleiben traditionelle Industrie- und Gewerbebetriebe, die sich mit der Kultur- und Kommunikationserwartung der Gen Z noch tun. Wer hier als Arbeitgeber attraktiv sein will, muss nicht alles umkrempeln - aber die Basis (Gehaltstransparenz, Führungsqualität, Rückmeldungsdisziplin im Bewerbungsverfahren) verlässlich liefern.

Der häufig zitierte Befund "Gen Z ist anspruchsvoller als frühere Generationen" stimmt und stimmt zugleich nicht. Die Ansprüche sind nicht höher - sie sind spezifischer. Und sie werden in einem Arbeitsmarkt ausgesprochen, in dem die demografische Entwicklung jungen Fachkräften bis mindestens 2035 eine starke Verhandlungsposition gibt.

Ausblick: Die Gen Z wird in den kommenden fünf Jahren zur größten Beschäftigtengruppe in steirischen Neueinstellungen. Welche Arbeitgeber den Wandel schaffen, entscheidet sich weniger an Benefits als an zwei Basisfaktoren: bei Bewerbungsverfahren, die keine Geisterfunkstille hinterlassen, und bei Führungskräften, die selbst gelernt haben, jüngere Teams zu coachen statt zu befehlen. Beides ist in der steirischen Praxis noch häufig die Ausnahme.

Quellen