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Donnerstag, 23. April 2026 Kontakt
Karriere

Remote Work in steirischen Unternehmen 2026 - der Stand nach dem Homeoffice-Hype

Remote Work in steirischen Unternehmen 2026 - der Stand nach dem Homeoffice-Hype

65 Prozent der österreichischen Unternehmen erlaubten 2024 mindestens der Hälfte ihrer Beschäftigten, von zu Hause zu arbeiten. Zwei Jahre zuvor waren es noch 82 Prozent. Diese 17 Prozentpunkte sind der stärkste Rückgang, den die jährliche Deloitte-Homeoffice-Studie seit ihrem Start verzeichnete. Auch in der Steiermark ist die Rückkehrbewegung in die Büros spürbar - aber sie verläuft sehr unterschiedlich, je nach Branche, Unternehmensgröße und Unternehmensgeschichte.

Das Wichtigste in Kürze
  • Der Anteil österreichischer Unternehmen mit Homeoffice-Angebot sank laut Deloitte von 82 Prozent (2022) auf 65 Prozent (2024)
  • Laut Statistik Austria haben rund 45 Prozent aller Erwerbstätigen in Österreich grundsätzlich ein Homeoffice-Potenzial
  • Im Homeoffice-Gesetz 2025 wurde der Begriff "Telearbeit" rechtlich neu gefasst - Homeoffice ist jetzt auch ausserhalb der eigenen Wohnung möglich
  • Steirische IT- und Beratungsbetriebe fahren überwiegend Hybrid-Modelle mit 1 bis 3 Remote-Tagen, Industrie und Produktion bleiben präsenzdominiert
  • Neuer Regulierungspunkt seit Jänner 2026: Betriebsstätten-Risiko bei grenzüberschreitendem Homeoffice (OECD-Klarstellung vom November 2025)

Die Zahlen im Überblick

Die belastbarste Datenquelle für den österreichischen Markt ist die Deloitte Flexible Working Studie. Deren Ergebnisse für 2024 zeigen: Während 90 Prozent der Unternehmen 2022 mindestens der Hälfte ihrer Belegschaft Homeoffice ermöglichten, sank dieser Wert 2024 auf 73 Prozent. Die tatsächliche Inanspruchnahme fiel noch stärker - von 82 auf 65 Prozent. Eine Mehrheit der Unternehmen hat also das Angebot nicht formal zurückgezogen, aber die Anwesenheitserwartungen verschärft.

Statistik Austria misst das Homeoffice-Potenzial - also den Anteil jener Erwerbstätigen, deren Tätigkeit grundsätzlich aus dem Homeoffice ausgeübt werden könnte - im Mikrozensus auf rund 45 Prozent. In der ersten Quartalserhebung 2022 arbeiteten noch 18,8 Prozent der Erwerbstätigen tatsächlich zumindest tageweise von zu Hause, im Vergleich zu 26,6 Prozent im ersten Quartal 2021. Der Rückgang hat sich seither stabilisiert.

Regional differenzierte Daten für die Steiermark liegen öffentlich nicht in derselben Detailtiefe vor wie bundesweite Werte. Karriere-Plattformen wie karriere.at listen durchgehend rund 600 bis 800 Homeoffice-Stellen in der Steiermark - ein Indikator, dass Remote Work als Recruiting-Argument weiter relevant ist, auch wenn viele Stellenausschreibungen mittlerweile "zwei bis drei Tage Homeoffice" statt "voll remote" versprechen.

Welche Branchen wie arbeiten

Die Steiermark ist industrieintensiver als Wien oder Salzburg. Das prägt das Gesamtbild. In den großen Industrieunternehmen - Magna Steyr Graz, AVL List, AT&S Leoben, Andritz, Energie Steiermark - ist Produktion und damit Vor-Ort-Anwesenheit die Normalform. Homeoffice ist dort typischerweise auf Büro- und Ingenieurfunktionen beschränkt, und selbst dort oft auf ein bis zwei Tage pro Woche begrenzt.

Branche Dominanter Modus 2026
IT, Softwareentwicklung, SaaSHybrid (2-3 Tage remote), einzelne Unternehmen vollständig remote
Beratung, WirtschaftsprüfungHybrid, projektabhängig
Industrie / ProduktionVor Ort, Homeoffice nur in Büroabteilungen
HandelVor Ort (Filiale), Verwaltung hybrid
Tourismus, GastronomieVor Ort
Hochschulen / Forschung (TU Graz, Uni Graz, FH)Hybrid, bei Forschungspersonal deutlich flexibler
Banken, VersicherungenHybrid, aber zunehmend Präsenzregelung von 3 Tagen pro Woche
Öffentlicher Dienst, GemeindenHybrid, je nach Dienststelle unterschiedlich

Im IT-Sektor ist die Bandbreite besonders breit. Grazer Softwarehäuser wie NTS Retail, Anexia oder Netconomy haben Hybrid-Modelle mit klaren Kernzeiten oder Teamtagen. Einzelne Deep-Tech-Startups im Umfeld des Science Park Graz - insbesondere solche mit international verteilten Teams - arbeiten vollständig remote und nutzen Büros nur als Meeting-Orte.

Die TU Graz kehrte nach der Pandemie zu einer präsenzorientierten Lehre zurück, behält aber in administrativen und technischen Bereichen einzelne Homeoffice-Regelungen bei. Die FH Joanneum ähnelt darin der TU Graz.

Was das Homeoffice-Gesetz 2025 verändert hat

Mit 1. Jänner 2025 ist eine Novelle des Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetzes in Kraft getreten, die den rechtlichen Rahmen von "Homeoffice" zu "Telearbeit" erweitert hat. Bislang galt Homeoffice nur für Arbeiten in der eigenen Wohnung. Seit 2025 fällt auch Arbeit an anderen Orten - beim Lebensgefährten, in einem Coworking-Space, im Café - unter denselben rechtlichen Rahmen. Das betrifft insbesondere die Arbeitsunfall-Versicherung und die Regelungen zur Arbeitsausstattung.

Gleichzeitig hat das österreichische Finanzministerium in einem Info-Schreiben vom 4. Jänner 2026 eine OECD-Klarstellung vom November 2025 übernommen, die das Betriebsstätten-Risiko bei grenzüberschreitendem Homeoffice präzisiert. Für steirische Unternehmen mit Beschäftigten in Slowenien, Ungarn oder Deutschland ist das relevant: Ab einer bestimmten Regelmäßigkeit und Dauer der Homeoffice-Tätigkeit im Ausland kann der ausländische Wohnort als Betriebsstätte eingestuft werden - mit steuerlichen Konsequenzen. Details dazu liefert die TPA Steuerberatung.

Rechtlicher Hinweis:
Die Ausführungen zur Betriebsstätten-Thematik und zum Homeoffice-Gesetz 2025 sind allgemeine Hinweise und ersetzen keine individuelle steuer- oder arbeitsrechtliche Beratung. Für unternehmensspezifische Fragestellungen wenden Sie sich an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt.

Warum viele Unternehmen zurückrudern

Die dokumentierten Gründe für die Rückkehr zu mehr Präsenz sind in Österreich ähnlich wie in Deutschland oder den USA. Die Deloitte-Studie und die jährliche Erhebung der WKO nennen an erster Stelle Kulturbedenken - jüngere Mitarbeitende bauen weniger Unternehmenskultur auf, Einarbeitung neuer Kolleginnen ist remote schwieriger, informeller Wissenstransfer zwischen Teams leidet. Zweitens Produktivitätsfragen - wobei die Studienlage widersprüchlich ist und eine pauschale Aussage "weniger produktiv im Homeoffice" nicht haltbar ist.

Der dritte Faktor ist pragmatisch: Wer Büroflächen gemietet hat, nutzt sie lieber. Gerade in Graz, wo hochwertige Büromieten im Zentrum bei 13 bis 17 Euro pro Quadratmeter liegen, ist die Diskrepanz zwischen bezahlter und genutzter Fläche ein ökonomisches Argument.

Für Beschäftigte zeigt sich das Gegenbild. Laut Deloitte-Daten wünschen sich rund zwei Drittel der österreichischen Arbeitnehmenden mindestens zwei Homeoffice-Tage pro Woche. Die Spannung zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerwünschen wird in Recruiting-Prozessen sichtbar - besonders im IT-Bereich, wo Kandidaten Homeoffice-Angebote vergleichen wie früher Dienstwagen oder Betriebsrestaurant.

Welche Modelle in der Steiermark dominieren

In der Summe lassen sich vier Modelle unterscheiden, die in der steirischen Unternehmenslandschaft aktuell dominieren:

  • Hybrid-Standard (2-3 Tage remote, fix): Dominant in IT, Beratung, Banken, Versicherung, grossen Dienstleistungsunternehmen. Die Tage sind meist nicht frei wählbar, sondern teamabgestimmt oder fix durch Betriebsvereinbarung
  • Flexibilität auf Antrag: Traditionelle Industrieunternehmen - Magna, AVL, AT&S - erlauben Homeoffice für Büroabteilungen, koppeln es aber an Antragsverfahren, oft mit 1 Tag pro Woche als Standard
  • Vor-Ort-Norm mit Ausnahmen: Produktion, Handel, Tourismus, Gastronomie - hier bleibt Präsenz die Normalform, Homeoffice ist individuelle Ausnahmeregelung
  • Vollremote-Nischen: Kleine IT-Unternehmen und Startups, vor allem wenn das Team international zusammengesetzt ist - einzelne Grazer Deep-Tech-Firmen arbeiten so, sind aber Minderheit
Gut zu wissen:
Das Homeoffice-Pauschale (steuerfreier Arbeitgeberzuschuss) beträgt in Österreich seit der Steuerreform 3 Euro pro Homeoffice-Tag, maximal 300 Euro pro Kalenderjahr, also maximal 100 Homeoffice-Tage im Kalenderjahr. Der Beschäftigte muss die Tage dem Arbeitgeber dokumentieren. Das Pauschale gilt nicht zusätzlich zum eigenen steuerlichen Homeoffice-Pauschale - es ersetzt dieses.

Die Auswirkungen auf den steirischen Arbeitsmarkt

Für die Fachkräfteversorgung der Steiermark hat Remote Work zwei gegenläufige Effekte. Zum einen erweitert es den Einzugsbereich - ein Softwareentwickler aus dem Mürztal kann für ein Grazer Unternehmen arbeiten, ohne jeden Tag zu pendeln. Zum anderen öffnet es den Wettbewerb um steirische Fachkräfte für Unternehmen in Wien, München oder Zürich, die vollremote beschäftigen. In IT-lastigen Regionen wie Graz ist das spürbar: Gehaltsniveaus werden zunehmend an bundesweiten oder DACH-weiten Benchmarks gemessen, nicht mehr an regionalen.

Die WKO Steiermark hat in mehreren Positionspapieren darauf hingewiesen, dass eine ausgewogene Hybrid-Kultur - genug Flexibilität, um Fachkräfte zu halten, genug Präsenz, um Wissen und Kultur zu tragen - für kleinere und mittlere Unternehmen die realistischste Strategie sei. Vollremote ist für KMU-Governance schwierig, Vollpräsenz wird zunehmend zum Recruiting-Nachteil.

Ausblick: Das Pendel zwischen Präsenz und Remote wird sich in den kommenden Jahren auf einem niedrigeren Niveau als 2022 stabilisieren, aber deutlich über der Vor-Corona-Zeit bleiben. Für steirische Unternehmen wird entscheidend sein, Hybrid-Modelle konkret zu regeln - mit klaren Kernzeiten, verbindlichen Teamtagen und einer dokumentierten Betriebsvereinbarung, die Rechtssicherheit auf beiden Seiten schafft. Die Verlagerung des Homeoffice ins grenznahe Ausland wird die Steuer- und Betriebsstättenregelungen in den kommenden zwei Jahren weiter beschäftigen.

Quellen