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Samstag, 25. April 2026 Kontakt
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Gerald Hofer - der leise CEO hinter dem Logistik-Weltmarktführer Knapp

1,98 Milliarden Euro Umsatz, 8.300 Beschäftigte weltweit, 62 internationale Niederlassungen: Mit diesen Zahlen schloss die Knapp AG aus Hart bei Graz ihr jüngstes Geschäftsjahr ab. An der Spitze des steirischen Logistik-Weltmarktführers steht seit 2012 Gerald Hofer - ein CEO, der seine Sichtbarkeit bewusst niedrig hält und das Wachstum lieber über die Technologie erklären lässt als über die eigene Person.

Das Wichtigste in Kürze
  • Gerald Hofer ist seit 2012 Vorstandsvorsitzender der Knapp AG mit Sitz in Hart bei Graz
  • Er stieg 1994 bei Knapp ein, war ab 2001 Geschäftsführer der Knapp Systemintegration in Leoben und kam 2010 in den Vorstand
  • Im Geschäftsjahr 2024/25 erzielte die Knapp-Gruppe 1,98 Milliarden Euro Umsatz - das beste Ergebnis der Firmengeschichte
  • Weltweit beschäftigt Knapp rund 8.300 Menschen, davon 4.300 in Österreich
  • Ausbildung: Exportlehrgang an der Universität Graz und Master in Generic Management an der Montanuniversität Leoben
Lebensdaten
Ausbildung
Exportlehrgang Universität Graz, Master Generic Management Montanuniversität Leoben
Stationen
Knapp AG seit 1994 (Verkaufsleitung Italien, Marketing und Vertrieb), ab 2001 Geschäftsführer Knapp Systemintegration Leoben, 2007 Rückkehr in die Geschäftsleitung Hart bei Graz, 2010 Vorstand, seit 2012 Vorstandsvorsitzender
Aktuell
CEO Knapp AG, Hart bei Graz

Vom Exportlehrgang in die Konzernspitze

Die Karriere von Gerald Hofer ist ein Beispiel für eine klassische interne Laufbahn in einem steirischen Industrieunternehmen. Nach dem Exportlehrgang an der Karl-Franzens-Universität Graz stieg er 1994 bei Knapp ein und durchlief mehrere Stationen im Vertrieb. Seine erste Auslandsverantwortung übernahm er als Leiter Verkauf Italien, danach die Gesamtleitung für Marketing und Vertrieb.

2001 wechselte Hofer als Geschäftsführer zur Knapp Systemintegration GmbH nach Leoben, einer auf komplexe Anlagenlösungen spezialisierten Tochter. Parallel absolvierte er den Masterlehrgang Generic Management an der Montanuniversität Leoben. 2007 wurde er zurück in die Geschäftsleitung des Hart bei Graz gerufen, 2010 folgte die Berufung in den Vorstand der Knapp AG. Seit 2012 ist er Vorstandsvorsitzender und damit der prägende Kopf des heutigen Weltmarktführers.

Knapp AG - vom regionalen Anlagenbauer zum globalen Player

Knapp ist einer der ganz wenigen steirischen Industriebetriebe, die ihre Marktstellung ohne internationalen Investor aufgebaut haben. Der Hauptsitz in Hart bei Graz beschäftigt heute rund 4.300 Menschen in Österreich, weitere 4.000 arbeiten an internationalen Standorten. Die Gruppe betreibt 62 internationale Niederlassungen und bedient Kunden aus Healthcare, Fashion, Food, Retail, Großhandel und Industrie.

Unter Hofers Führung hat sich der Umsatz mehr als verdreifacht. Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt den Wachstumspfad deutlich:

Geschäftsjahr Umsatz Mitarbeiter weltweit
2020/21 1,06 Milliarden Euro 5.286
2021/22 1,67 Milliarden Euro 6.261
2022/23 1,96 Milliarden Euro 7.231
2024/25 (aktuell) 1,98 Milliarden Euro rund 8.300

Das aktuelle Geschäftsjahr 2024/25 schloss die Gruppe mit einem Rekordauftragseingang von 2,13 Milliarden Euro ab. Hofer investierte 100 Millionen Euro in Innovation und weitere 80 Millionen Euro in Organisation und Infrastruktur.

Technologie als Geschäftsmodell, Partnerschaft als Prinzip

Die Kernkompetenz von Knapp liegt in der Intralogistik: vollautomatische Lagersysteme, Shuttle-Technologie, Software und Robotik. Prominente Referenzen der vergangenen Jahre sind die Omnichannel-Automatisierung für die Douglas-Gruppe in Deutschland, ein nach Unternehmensangaben weltweit größtes 2D-Shuttle-System für Arvato im Kosmetikbereich und Projekte für Siemens und Sick.

Hofer setzt in öffentlichen Auftritten konsequent auf eine Doppelbotschaft. Einerseits Technologiefokus: "Technologie ist unsere DNA", sagte er im Fazit-Interview 2022. Andererseits Kontinuität in der Kundenbeziehung. Im Pressegespräch zum Rekordjahr 2024/25 formulierte er das so: "Unsere Kunden können darauf vertrauen, dass wir nicht nur leistungsfähige Systeme liefern, sondern sie über Jahrzehnte begleiten."

Diese Langfristigkeit ist kein Marketingbegriff, sondern Teil des Geschäftsmodells. Knapp-Anlagen laufen in vielen Fällen 15 bis 20 Jahre, Wartung und Modernisierung machen einen wesentlichen Teil des wiederkehrenden Umsatzes aus.

Familienbetrieb mit AG-Struktur

Die Knapp AG ist trotz ihrer Größe weiterhin im Besitz der Gründerfamilie Knapp. Die Führung liegt seit Jahrzehnten in den Händen einer kleinen Vorstandsrunde, in der Hofer die zentrale Figur ist. Christian Grabner ist als Finanzvorstand fest neben Hofer etabliert. Die Eigentümerkonstellation sorgt dafür, dass Entscheidungen nicht an Quartalszahlen ausgerichtet werden müssen, sondern an langfristigen Technologiezyklen.

Nach außen tritt Hofer eher zurückhaltend auf. Große Medienkampagnen oder Interview-Tourneen sind nicht sein Stil. Wenn er sich meldet, dann zu konkreten Themen: Bilanzpressekonferenz, Technologievorstellung, gelegentlich Stellungnahmen zum Industriestandort. Die meisten Zitate aus ihm kommen aus Fachmedien und der steirischen Regionalpresse.

Gut zu wissen:
Knapp investiert regelmäßig in die Standortqualität in der Steiermark. Die betriebliche Kinderbetreuung Knapp-Kinderwelt in Hart bei Graz nimmt bis zu 50 Kinder auf, dazu kommen ein Betriebsrestaurant, ein Gesundheitsprogramm (Knapp-Vital) und die Knapp-Academy als interne Weiterbildungseinrichtung. Die Knapp-Gruppe hat in den vergangenen Jahren jährlich rund 1.000 Menschen weltweit neu eingestellt.

Bedeutung für den Standort

Knapp ist einer der größten privaten Arbeitgeber in der Region Graz-Umgebung und zählt zu den Leitbetrieben der steirischen Industrie. Die Zertifizierung als Leitbetriebe Austria unterstreicht diese Rolle. Mit einem Forschungs- und Entwicklungsbudget im hohen zweistelligen Millionenbereich ist das Unternehmen zudem einer der wichtigsten Abnehmer der technischen Absolventen von TU Graz, FH Joanneum und Montanuniversität Leoben.

Dass Hofer 2001 zunächst nach Leoben wechselte, bevor er nach Hart zurückkehrte, spiegelt sich heute in einer engen Verbindung zwischen den beiden Knapp-Standorten Hart und Leoben. Letzterer beschäftigt allein rund 300 Spezialisten für Systemintegration und ist damit einer der größten IT- und Engineering-Arbeitgeber in der Obersteiermark Ost.

Ausblick: Mit dem Rekordauftragsbestand von 2,13 Milliarden Euro geht Knapp gut gefüllt in die kommenden Jahre. Der Fokus auf E-Commerce-Automatisierung, Healthcare-Logistik und KI-gestützte Warenverteilung hält das Wachstum strukturell stabil. Für Gerald Hofer bedeutet das: Die nächste Ausbaustufe seiner Amtszeit wird weniger durch Größe als durch Tempo entschieden - konkret durch die Frage, wie schnell Knapp Robotik und Software in marktreife Lösungen für neue Kundensegmente bringt.

Quellen