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Donnerstag, 23. April 2026 Kontakt
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Knapp AG Hart bei Graz - Weltmarktführer Lagerautomation mit 8.300 Mitarbeitern

Knapp AG Hart bei Graz - Weltmarktführer Lagerautomation mit 8.300 Mitarbeitern

1,98 Milliarden Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2024/25, ein Plus von rund zehn Prozent und damit das stärkste Ergebnis der Firmengeschichte - mit dieser Bilanz beendete die Knapp AG aus Hart bei Graz ihr jüngstes Geschäftsjahr. Der Auftragseingang lag mit 2,13 Milliarden Euro noch höher. Wenig bekannt ausserhalb der Branche, gehört das 1952 gegründete Unternehmen zu den drei globalen Topanbietern für Lagerautomation und beliefert Kunden wie Inditex, Walmart und Christian Dior Parfums.

Das Wichtigste in Kürze
  • Umsatz 2024/25: 1,98 Milliarden Euro (plus ca. 10 Prozent) - Rekord in der Firmengeschichte
  • Auftragseingang 2024/25: 2,13 Milliarden Euro
  • Rund 8.300 Beschäftigte weltweit, davon ein großer Teil in Hart bei Graz und den steirischen Standorten Leoben und Dobl
  • 49 Standorte in über 20 Ländern, Kernmärkte: Healthcare, Fashion, Retail, Lebensmittelhandel, Industrie, Großhandel
  • Gegründet 1952 von Günter Knapp in Graz, seit Jahrzehnten in Familien- und Stiftungsstruktur
  • Ausbildet jährlich rund 140 Lehrlinge - einer der größten Lehrlingsausbilder der Steiermark

Vom Grazer Einmann-Betrieb zum Weltkonzern

Günter Knapp, gelernter Radio- und Fernsehtechniker, gründete das Unternehmen 1952 in Graz als kleinen Gewerbebetrieb. Die erste Spezialisierung auf Lagerautomation entwickelte sich in den 1970er-Jahren, als Knapp begann, Apotheken mit automatisierten Kleinteilelagern auszustatten. Daraus wurde ein Pharma-Zweig, der bis heute eines der Kerngeschäfte prägt.

Der heutige Hauptsitz liegt nicht in Graz selbst, sondern im nordöstlich angrenzenden Hart bei Graz. Dort konzentrieren sich Konzernzentrale, Entwicklung und zentrale Fertigung. Weitere steirische Standorte befinden sich in Leoben und Dobl - insgesamt bleibt die Steiermark das Rückgrat eines Konzerns, der inzwischen 49 Standorte in über 20 Ländern betreibt.

Was Knapp tatsächlich macht

Knapp liefert vollautomatisierte Lager- und Kommissioniersysteme. Konkret sind das Shuttle-Systeme, die in mehrstöckigen Hochregalen Behälter eigenständig ein- und auslagern, Kommissionier-Roboter wie die Pick-it-Easy-Linie, autonome Transportfahrzeuge für Werkshallen und die Steuerungssoftware KiSoft, die Warenfluss, Picking-Reihenfolge und Versand orchestriert. Das Unternehmen verkauft selten Einzelgeräte, sondern meist Gesamtlösungen - von der Planung bis zur Softwareintegration.

Kennzahl Wert (Geschäftsjahr 2024/25)
Umsatz 1,98 Milliarden Euro
Auftragseingang 2,13 Milliarden Euro
Mitarbeiter weltweit rund 8.300
Standorte international 49 in über 20 Ländern
Lehrlinge pro Jahr rund 140
Gründungsjahr 1952

Die Kunden: wer Knapp-Systeme betreibt

Die Kundenliste erklärt das Wachstum besser als jede Strategie. Im Fashion- und Retail-Segment arbeiten Inditex (über die Zara-Logistiktochter Tempe), der US-Einzelhandelsriese Walmart, ASICS, Next, die australische Woolworths-Gruppe und der Luxus-Brillenkonzern EssilorLuxottica mit Knapp-Systemen. Im Lebensmittelhandel steht Migros auf der Liste, im Luxussegment Christian Dior Parfums. Industrie-Kunden sind unter anderem Fronius aus Oberösterreich, Würth aus Deutschland und - ebenfalls mit steirischer Verbindung - die Pankl Racing Systems in Kapfenberg. Die Kunden-Übersicht findet sich auf der Knapp-Branchenseite.

Besonders profitabel ist der Healthcare-Bereich. Apotheken-Automaten und die Belieferung großer Apothekenketten wie Hippocrates Holding aus Italien oder Limedika aus dem Baltikum gehören zum Standardrepertoire. Diese Nische hat Knapp über Jahrzehnte aufgebaut, sie ist weit weniger konjunkturanfällig als Fashion oder Industrie.

Gut zu wissen:
Das Geschäftsjahr der Knapp AG läuft jeweils vom 1. April bis zum 31. März. Die Bilanz 2024/25 umfasst also den Zeitraum April 2024 bis März 2025 - das erklärt, warum Rekordzahlen häufig schon im Frühjahr des Folgejahres kommuniziert werden können.

Wachstumstreiber E-Commerce

Der Boom von Onlinehandel und Omnichannel-Retail ist der strukturelle Rückenwind der Branche. Je mehr Waren an einzelne Endkunden statt an Filialen gehen, desto kleinteiliger wird die Kommissionierung - und damit unersetzlicher die Automatisierung. Gerade im Fashion-Segment hat Inditex seinen Ausbau bei Tempe in Alicante mehrfach mit Knapp-Technik erweitert. Ähnliches gilt für Woolworths in Australien.

Die Knapp AG investiert parallel in Robotik und KI-gestützte Bildverarbeitung. Die Pick-it-Easy-Linie kombiniert Greifroboter mit Kamerasystemen, die einzelne Produkte erkennen und selbstständig greifen - ein Bereich, in dem noch vor wenigen Jahren menschliche Kommissionierer eingesetzt werden mussten.

Geführt von Gerald Hofer

CEO der Knapp AG ist Gerald Hofer, der das Unternehmen seit 2014 führt. Er wird von einem eingespielten Vorstandsteam begleitet. Zur Unternehmensstruktur: Knapp ist nicht börsennotiert, sondern befindet sich in Stiftungs- und Familienbesitz - eine Konstruktion, die strategische Entscheidungen entkoppelt vom Quartalsdruck erlaubt. Das Unternehmen betont diese Freiheit in öffentlichen Auftritten immer wieder.

Lehrlingsausbildung als strategischer Hebel

Rund 140 Lehrlinge bildet Knapp jährlich aus - das ist einer der höchsten Werte in der steirischen Industrie. Ausgebildet wird in technischen Berufen wie Mechatronik, Elektrotechnik, Informationstechnologie und Metalltechnik. Die Investition hat einen nüchternen Hintergrund: Der Fachkräftemangel in der Steiermark betrifft gerade die Kernqualifikationen von Knapp. Wer Automatisierungstechniker ausbildet, sichert sich eigenen Nachwuchs. Informationen zur Ausbildung führt die Lehrlings-Karriereseite.

Green-Tech-Bezug:
Knapp ist zertifiziert nach ISO 14001 (Umweltmanagement), ISO 45001 (Arbeitssicherheit), ISO 9001 (Qualität) und ISO 27001 (Informationssicherheit). Über die Initiative "KNAPPgoesgreen" erhalten rund 600 Mitarbeiter statt Parkplätzen ein Öffi-Ticket - ein ungewöhnliches Modell in einem Industriebetrieb an einem Standort am Stadtrand.

Standort Hart bei Graz - warum die Umgebung wichtig ist

Die Nähe zu Graz ist für Knapp kein Zufall. TU Graz, FH Joanneum und Campus 02 liefern technische Absolventen, Science Park Graz und Green Tech Valley bilden das Umfeld für Zulieferer und Forschungspartner. Die 1,98-Milliarden-Bilanz 2024/25 ist damit nicht nur ein Knapp-Erfolg, sondern ein Indiz für die Leistungsfähigkeit des gesamten steirischen Maschinenbau- und Automatisierungsclusters. Einen Überblick über Forschungskooperationen liefert die TU Graz Wirtschaftskooperations-Seite.

Ausblick: Mit einem Auftragseingang über dem Umsatz geht Knapp solide in das laufende Geschäftsjahr 2025/26. Der Strukturtrend zu Automatisierung in Lager und Kommissionierung ist intakt, neue Potenziale zeichnen sich in KI-gestützter Greifrobotik ab. Die Frage der nächsten Jahre: Kann Knapp sein starkes Wachstum beim Personal halten, ohne die steirische Ausbildungsbasis zu überdehnen?

Quellen