- 1.465.754 Nächtigungen in Graz im Jahr 2025 – neuer Höchstwert (+5,2 %)
- Bettenangebot stieg gleichzeitig um rund 19,2 % (ca. 1.750 zusätzliche Betten seit Dez 2023)
- Durchschnittliche Auslastung sank trotz Nächtigungsrekord
- CEE-Märkte (Ungarn, Kroatien, Slowenien, China) mit starken Zuwachsen
- Geschäftsreisetourismus liegt weiterhin deutlich unter Vor-Corona-Niveau
- Stadte- und Kulturtourismus kompensiert Rückgange in anderen Segmenten
1.465.754 Nächtigungen verzeichnete Graz im Jahr 2025 – ein Plus von 5,2 Prozent oder rund 72.500 Übernachtungen gegenüber 2024. Der Graz Tourismus sprach bei der Präsentation im Jänner 2026 von einem neuen Bestwert. Doch hinter den Rekordzahlen verbirgt sich eine komplexe Ausgangslage: Das Bettenangebot wuchs schneller als die Nachfrage, und die Ertragslage vieler Betriebe steht unter Druck.
Kapazitätsausbau übertrifft Nachfragewächstum
Zwischen Dezember 2023 und Dezember 2025 erhöhte sich die Zahl der verfügbaren Betten in Graz um rund 19,2 Prozent. Das entspricht etwa 1.750 zusätzlichen Betten. Im selben Zeitraum stiegen die Nächtigungen jedoch nur um 13 Prozent. Der stärkste Ausbau erfolgte im 4-Sterne-Segment mit plus 880 Betten, gefolgt von Ferienwohnungen mit knapp 600 zusätzlichen Betten. Auch im 3-Sterne-Bereich sowie bei 2- und 1-Sterne-Betrieben nahm die Kapazitat zu.
| Kennzahl | Wert 2025 | Veränderung |
|---|---|---|
| Nächtigungen gesamt | 1.465.754 | +5,2 % |
| Bettenkapazitat (seit Dez 2023) | +1.750 Betten | +19,2 % |
| Inlandsmarkt | stabil | +1,8 % |
| Deutschland | wichtigster Auslandsmarkt | +3,2 % |
| Anteil AT + DE an Nächtigungen | ca. 61 % | -2 Prozentpunkte |
Laut einer von der Stadt beauftragten Hotelpreisstudie wirkt sich die sinkende Auslastung unmittelbar auf die erzielbaren Zimmerpreise und die wirtschaftliche Lage der Betriebe aus. Besonders das erste Quartal bleibt für viele Hotels wirtschaftlich schwierig.
Internationale Gäste: CEE-Raum als Wachstumstreiber
Der Inlandsmarkt entwickelte sich 2025 stabil mit einem Zuwachs von 1,8 Prozent. Deutschland blieb der wichtigste Auslandsmarkt und legte um 3,2 Prozent zu. Der gemeinsame Anteil von Österreich und Deutschland an allen Nächtigungen sank jedoch von knapp 63 auf rund 61 Prozent – ein Zeichen für zunehmende Internationalisierung.
Besonders starke Zuwachse gab es bei Gästen aus Ungarn, Kroatien, Slowenien und China – deren Nächtigungszahlen sich gegenüber dem Vorjahr deutlich erholten. Polen blieb trotz geringerer Dynamik der drittstärkste Auslandsmarkt, knapp vor Italien. Lediglich aus den Niederlanden gingen die Nächtigungen leicht zuruck. Die Koralmbahn, die seit Dezember 2025 Graz und Klagenfurt in 42 Minuten verbindet, könnte zudem neue Gastsegmente aus Kärnten und Norditalien bringen.
Der September etabliert sich zunehmend als vollwertiger Reisemonat. Auch der Oktober profitiert von den Herbstferien. Der Advent startete im November verhalten, steigerte sich im Dezember jedoch spürbar. Die stärksten Monate bleiben Juli und August.
Unterkunftsmarkt: Kapazitätsausbau nach Segmenten
Der Kapazitätsausbau in Graz erfolgte nicht gleichmäßig über alle Segmente. Den stärksten Zuwachs verzeichnete das 4-Sterne-Segment mit rund 880 zusätzlichen Betten, gefolgt von Ferienwohnungen mit knapp 600 neuen Betten. Auch im 3-Sterne-Bereich sowie bei 2- und 1-Sterne-Betrieben nahm die Kapazität zu. Die Entwicklung spiegelt einen bundesweiten Trend: Investoren und Ketten setzen auf den Städtetourismus, während die Nachfrage nach der Pandemie nicht im gleichen Tempo mitwächst.
Für die wirtschaftliche Lage der Betriebe hat das konkrete Folgen: Die sinkende Auslastung drückt auf die erzielbaren Zimmerpreise. Laut der von der Stadt beauftragten Hotelpreisstudie sind besonders Betriebe im mittleren Segment betroffen, die weder über ein Alleinstellungsmerkmal noch über die Preisflexibilität größerer Ketten verfügen. Das erste Quartal bleibt für viele Hotels das wirtschaftlich schwierigste – eine Herausforderung, die durch gezielte Angebote für Kongressgäste, Kurzurlauber und Kulturreisende abgemildert werden kann.
Kulturhighlights und Events als Nachfragetreiber
Die UNESCO-Weltkulturerbe-Altstadt, das Kunsthaus, die Murinsel und Schloss Eggenberg (2025 mit dem Jubiläum 400 Jahre) machen Graz zu einer der attraktivsten Kulturstädte Österreichs. Im Jahr 2025 sorgten Kultur-, Sport- und Großveranstaltungen für eine starke Gästedynamik. Der Advent entwickelte sich im Dezember spürbar positiv und bestätigte die hohe Bedeutung saisonaler Veranstaltungen für die Jahresend-Auslastung.
Das wachsende Kulinarik-Angebot mit mehreren Haubenlokalen und einer vielfältigen Buschenschank-Kultur in der Umgebung stärkt die Position als Genuss-Destination. Die Erlebnisregion Graz setzt für 2026 auf verstärkte internationale Bewerbung und den Ausbau des Freizeittourismus, um die Abhängigkeit vom Geschäftsreisetourismus zu reduzieren.
Geschäftsreisen unter Druck, Kongresse stabil
Der Geschäftsreisetourismus liegt laut Graz Tourismus weiterhin deutlich unter dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Die Ursachen liegen in der angespannten Lage der Industrie, insbesondere der Auto-Zulieferbranche. Eine rasche Erholung wird nicht erwartet.
Der Kongresstourismus zeigte hingegen eine stabilere Entwicklung. Die Zahl grosserer Tagungen erreichte wieder ein erfreuliches Niveau. Gleichzeitig waren Kongresse 2025 häufiger durch sinkende Teilnehmerzahlen und kürzere Dauer gekennzeichnet. Der klassische Stadte- und Kulturtourismus könnte Rückgange im Geschäfts- und Kongressbereich teilweise ausgleichen. Kultur-, Sport- und Großveranstaltungen sowie Gruppenreisen trugen wesentlich zur Nachfrage bei.
Saisonale Verteilung und Zukunftsstrategie
Die saisonale Verteilung zeigt weiterhin klare Muster: Der Start im ersten Quartal bleibt schwierig, gefolgt von einem starken Sommer. Der Herbst gewinnt stetig an Bedeutung, und der Advent entwickelt sich zunehmend zum Nachtigungs-Booster im Dezember. Tourismus- und Wirtschaftsstadtrat Kurt Hohensinner betonte, dass steigende Nächtigungszahlen allein nicht ausreichen, wenn gleichzeitig die Auslastung sinkt.
Laut Experten sollten Betriebe schwachere Monate durch gezielte Angebote wirtschaftlich absichern. Impulse für Kongresse und Messen, eine stärkere Ganzjahresauslastung und die Nutzung der neuen Erreichbarkeit durch die Koralmbahn können die Auslastung verbessern.
Die verstärkte internationale Bewerbung und der Ausbau des Freizeittourismus stehen im Fokus der Erlebnisregion Graz für 2026. Mit der UNESCO-Weltkulturerbe-Altstadt, dem Kunsthaus, der Murinsel und einem wachsenden Kulinarik-Angebot verfügt Graz uber starke Assets im Städtetourismus. Die Herausforderung liegt darin, Nachfrage und Angebot besser in Einklang zu bringen. Dabei spielen auch die wachsenden Möglichkeiten durch die Koralmbahn eine Rolle: Tagestouristen aus Kärnten und Pendler, die Graz als Zwischenstopp nutzen, könnten zusätzliche Nachfrage generieren. Gleichzeitig muss die Stadt darauf achten, dass der Zuwachs an Ferienwohnungen und Kurzzeitvermietungen den Wohnungsmarkt nicht übermäßig belastet.
Im internationalen Vergleich liegt die Grazer Auslastungsquote unter jener vergleichbarer Städte wie Innsbruck oder Salzburg. Das hängt teilweise mit der geringeren Bekanntheit bei asiatischen und nordamerikanischen Fernreisemärkten zusammen. Die zunehmende Internationalisierung – der Anteil nicht-deutschsprachiger Gäste steigt kontinuierlich – zeigt aber, dass Graz auf dem Weg ist, diese Lücke schrittweise zu schließen.
Der Bettenausbau in Graz hat die Nachfrage überholt. Neue Hotelprojekte sollten sorgfältig auf Segment, Lage und Ganzjahresfähigkeit geprüft werden. Das 4-Sterne-Segment verzeichnete den stärksten Zuwachs (+880 Betten), während Ferienwohnungen (+600 Betten) ebenfalls stark gewachsen sind.
Koralmbahn als Chance für den Grazer Tourismus
Seit Dezember 2025 verbindet die Koralmbahn Graz und Klagenfurt in nur 42 Minuten. Für den Grazer Tourismus bedeutet das neue Gästepotenziale aus Kärnten und – über die verbesserten Anschlüsse – aus Norditalien. 29 tägliche Direktverbindungen und die Aussicht auf den Semmeringbasistunnel (voraussichtlich 2030) verbessern die öffentliche Erreichbarkeit der Landeshauptstadt fundamental. Besonders für den Kongress- und Veranstaltungstourismus könnte die schnelle Bahnanbindung ein entscheidender Standortvorteil werden.
Die steirische Landeshauptstadt steht damit an einem Wendepunkt: Die Nächtigungszahlen wachsen, aber die Profitabilität der Betriebe muss gesichert werden. Die Kombination aus Qualitätstourismus, kultureller Attraktivität und verbesserter Erreichbarkeit bietet gute Voraussetzungen. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, neue Gästesegmente anzusprechen, die Nebensaison zu stärken und den Kongresstourismus zurückzugewinnen. Für Hoteliers und Gastronomen bedeutet das: Spezialisierung, Qualität und aktives Marketing werden wichtiger als je zuvor. Der Graz Tourismus hat bereits angekündigt, die internationale Bewerbung 2026 weiter zu verstärken und gezielt auf die wachsenden Märkte in Mittel- und Osteuropa zu setzen. Auch der Kulinarik-Tourismus mit Graz als UNESCO City of Design bietet Potenzial für neue Gästesegmente.