Am 11. Februar 2026 saß Leo Bischof in der Puls-4-Sendung "2 Minuten 2 Millionen" und verhandelte mit drei Investoren gleichzeitig. Am Ende stand ein Dreifach-Deal: Erich Falkensteiner, Christian Jäger und Alexander Schütz beteiligten sich mit zusammen 100.000 Euro an Bischof Snowboards. Der Grazer Jungunternehmer war zu diesem Zeitpunkt 22 Jahre alt - und sein Unternehmen keine zwei Jahre.
- Gründer und CEO der Bischof Snowboards mit Sitz in Graz (Sandgasse 36/4)
- Entwickelte als HTL-Diplomarbeit den weltweit ersten automatischen Snowboard-Konfigurator
- HTL Kapfenberg, Abteilung Fahrzeugtechnik (Aviation), Absolvent 2022
- 2024 Eintritt in den Science Park Graz, Firmengründung wenige Monate später
- Februar 2026: 100.000 Euro für 30 Prozent Anteile bei 2 Minuten 2 Millionen
- Juli 2025 als einer der Top 30 unter 30 Jungunternehmer der Steiermark ausgezeichnet
- Alter
- 22 Jahre (Stand Frühjahr 2026)
- Herkunft
- Steiermark
- Ausbildung
- HTL Kapfenberg, Abteilung Fahrzeugtechnik, Absolvent 2022
- Stationen
- Diplomarbeit zum Snowboard-Konfigurator, 2024 Gründungsgarage und Science Park Graz, 2024 Firmengründung Bischof Snowboards
- Aktuell
- Gründer und CEO Bischof Snowboards, Graz
Der Ausgangspunkt - ein Schuhgröße-46-Problem
Die Gründungsgeschichte beginnt mit einem simplen Passproblem. Leo Bischof trägt Schuhgröße 46. Für das Carven, die Technik des schnellen, eckigen Wedelns am Boardrand, braucht es schmale Boards - und genau die fand er in Standardsortimenten nicht. Während der Pandemie begann Bischof, sich Boards selbst zu bauen.
Aus dem Hobby wurde eine Diplomarbeit an der HTL Kapfenberg. In der Abteilung Fahrzeugtechnik entwickelte Bischof ein System, das Snowboard-Geometrie direkt aus Körperdaten berechnet. Das Ergebnis: der nach eigenen Angaben weltweit erste automatische Snowboard-Konfigurator. Die HTL-Direktorin Anke Lammer beschrieb Bischofs Projekt später als Musterbeispiel dafür, wie "Engagement, fachliche Begleitung und Eigeninitiative" praktische Ausbildung in echten Output verwandeln.
Aus der Diplomarbeit wird ein Unternehmen
Nach der Matura 2022 entwickelte Bischof den Konfigurator weiter. 2024 bewarb er sich bei der Grazer Gründungsgarage, baute mit ihrer Begleitung den Prototyp zu einem marktfähigen Produkt um und gründete kurz darauf die Bischof Snowboards. Das Startup zog in den Science Park Graz, den zentralen Inkubator des steirischen Deep-Tech-Ökosystems.
Das Team hinter dem Unternehmen umfasst nach Angaben des Science Park drei Kernpersonen: Leo Bischof als Gründer und CEO, Julian Schäfer als CTO sowie Luis Westphal als Head of UX. Ein Anerkennungs-Ritterschlag kam noch im Science-Park-Jahr: Das Startup holte den Spirit-of-the-Batch-Award des Inkubators.
Was der Konfigurator macht
Der Online-Konfigurator nimmt Eingaben zu Körpergröße, Gewicht, Schuhgröße, Stance und Fahrstil auf und berechnet daraus eine individuelle Board-Geometrie. Nach Angaben des Unternehmens dauert dieser Rechenvorgang "deutlich unter einer Sekunde". Einstellbar sind unter anderem Kantenradius, Biegeprofil (Flex) und Asymmetrie für Regular- oder Goofy-Fuß.
Die Boards sind damit nicht personalisierte Standardformen mit aufgedrucktem Namen, sondern in Geometrie und Flex tatsächlich auf den Fahrer zugeschnitten. Eine Produktion in Serienqualität wäre bei individuellen Formen traditionell aufwendig - Bischof hat diesen Engpass durch eine Kooperation mit dem Skihersteller Michael Kollmann im Kärntner Fürnitz aufgelöst. Dort werden die Boards mit industriellen Methoden hergestellt.
Tempo als Alleinstellungsmerkmal
Das zentrale Verkaufsargument neben der individuellen Geometrie ist die Lieferzeit. Während internationale Custom-Board-Hersteller häufig mehrere Monate brauchen, gibt Bischof drei bis fünf Wochen von der Konfiguration bis zur Auslieferung an - nach WKO-Angaben ist das "doppelt so schnell" wie die internationale Konkurrenz. Ermöglicht wird das durch die Verbindung von algorithmischer Konstruktion und industrieller Fertigung bei Kollmann.
| Kennzahl | Bischof Snowboards |
|---|---|
| Konfigurationszeit Online | unter 1 Sekunde |
| Produktionszeit pro Board | 4 bis 5 Stunden |
| Lieferzeit an Kunden | 3 bis 5 Wochen |
| Produktionsstandort | Fürnitz, Kärnten (Kollmann Ski) |
| Materialien | vorwiegend aus Österreich |
Jeder Kunde erhält während der Produktion einen Live-Link zu seinem Board - eine Art fortlaufendes Produktionstagebuch per Google-Photos-Album. Das Feature ist Marketingelement und Transparenzinstrument zugleich.
Zwei Auszeichnungen in zwölf Monaten
Im Juli 2025 nahm Bischof einen der Plätze bei den Top 30 unter 30 Jungunternehmern der Steiermark ein. Die WKO Steiermark und die Zeitung Steirische Wirtschaft wählten ihn aus über 100 Nominierungen aus - ein neuer Rekord in dieser Auszeichnungsreihe.
Sieben Monate später folgte der Fernseh-Deal. Am 11. Februar 2026 strahlte Puls 4 die Folge von 2 Minuten 2 Millionen aus, in der Bischof seinen Pitch machte. Erich Falkensteiner (Hotelier), Christian Jäger (Sportvertrieb) und Alexander Schütz (Finanzinvestor) stiegen gemeinsam ein: 100.000 Euro für 30 Prozent der Anteile, jeder der drei Investoren übernahm jeweils zehn Prozent.
Bischof kommentierte den Deal mit den Worten: "Wir wollten Smart Money, und wir haben das Dream-Team bekommen." Falkensteiner bringt Tourismus-Vertriebszugang, Jäger seine Erfahrung aus dem Sportartikelvertrieb, Schütz strategische Wachstumsexpertise.
Perspektive Winter 2026/27 - Skier und DACH-Expansion
Als nächsten Schritt hat Bischof angekündigt, die Konfigurator-Technologie vom Snowboard auf Skier auszuweiten. Ziel ist, mit derselben Methodik Custom-Skier für den Winter 2026/27 verfügbar zu machen. Strategisch positioniert sich das Unternehmen damit als Anbieter individuell berechneter Wintersportgeräte im DACH-Raum und tritt in direkte Konkurrenz zum Salzburger Mitbewerber Original+.
Aktueller Stand
Stand April 2026 ist Bischof Snowboards weiter im Science Park Graz angesiedelt, mit einem Kernteam aus drei Personen und den drei neuen Investoren als Gesellschaftern. Die Produktionslinie bei Kollmann läuft für die Saison 2025/26 bereits im operativen Modus. Angesichts der TV-Aufmerksamkeit rechnet das Unternehmen mit deutlich höheren Bestellvolumina für die Saison 2026/27.
Quellen
- Brutkasten: Grazer Startup holt 100.000 Euro bei 2 Minuten 2 Millionen
- WKO Steiermark: Top 30 unter 30 Jungunternehmer 2025
- ORF Steiermark: Steirer entwickelte KI-Design für Snowboards
- Science Park Graz: Bischof Snowboards Portfolio-Profil
- MeinBezirk: HTL-Kapfenberg-Absolvent bei 2 Minuten 2 Millionen erfolgreich