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Samstag, 25. April 2026 Kontakt
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Marie-Theres Knill - die 13. Generation der Weizer Industriedynastie

Mehr als 300 Jahre Firmengeschichte, 30 Unternehmen in 18 Ländern, rund 2.600 Beschäftigte - das ist das Portfolio, das Marie-Theres Knill in den kommenden Jahren in die nächste Generation führen soll. Die 30-Jährige aus Weiz ist die Tochter von Christian Knill und damit Teil der 13. Generation jenes steirischen Industrieclans, der 1712 als Klingenschmiede am Weizbach begann. 2025 wurde sie von der WKO Steiermark in die Liste der "Top 30 unter 30" aufgenommen.

Das Wichtigste in Kürze
  • Marie-Theres Knill ist 30 Jahre alt und Tochter von Christian Knill, Miteigentümer und CEO der Knill Energy Holding
  • Studium Innovationsmanagement an der FH Campus 02 in Graz, seit sieben Jahren in der Knill Gruppe, seit rund fünf Jahren Marketing- und Nachhaltigkeitsverantwortung
  • Designierte Nachfolgerin innerhalb der Knill-Familie - ihre zwei Brüder lehnten das Engagement im Familienbetrieb ab, eine Schwester studiert noch
  • 2025 von der WKO Steiermark in die Kategorie "Top 30 unter 30" aufgenommen
  • Die Knill Gruppe umfasst rund 30 Unternehmen in 18 Ländern, rund 2.600 Beschäftigte und etwa 484 Millionen Euro Umsatz
Lebensdaten
Alter
30 Jahre (Stand 2025)
Herkunft
Weiz, Steiermark
Ausbildung
Studium Innovationsmanagement, FH Campus 02 Graz
Stationen
Seit rund sieben Jahren in der Knill Gruppe, zuletzt Leitung Marketing und Nachhaltigkeit
Aktuell
Marketingverantwortung Knill Energy Holding, designierte Nachfolgerin in der 13. Generation

Die Familie und das Unternehmen

Die Knill Gruppe ist ein Industriekonzern, der nach Eigenangaben seit 1712 in Familienbesitz geführt wird. Aus einer Klingenschmiede am Weizbach entwickelte sich ein globaler Verbund aus rund 30 Unternehmen in 18 Ländern mit Schwerpunkten in der Stromverteilung (Mosdorfer, Lorünser), der Bahnelektrifizierung und der Anlagenproduktion für Kabel, Glasfaser und Batterien (Rosendahl Nextrom). Die beiden Holdings - Knill Energy Holding und die Technology-Sparte - werden seit 2002 von den Brüdern Christian und Georg Knill paritätisch geführt.

Marie-Theres Knill ist die Tochter von Christian Knill, der als CEO die Energy Holding verantwortet. Ihr Onkel Georg Knill ist zugleich Präsident der Industriellenvereinigung Österreich. In einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Trend beschrieb sie die Nachfolgekonstellation offen: Ihre zwei Brüder hätten kein Interesse am Familienbetrieb, ihre Schwester sei noch im Studium. Die Verantwortung zu übernehmen sei für sie deshalb sowohl Wahl als auch Pflicht.

Vom Studium ins Unternehmen

Marie-Theres Knill studierte Innovationsmanagement an der FH Campus 02 in Graz - einer Ausbildung, die berufsbegleitend angelegt ist und Themen wie strategisches Innovationsmanagement, Intellectual Property und Design Thinking abdeckt. Der Fokus des Studiums passt zur Rolle, die sie später übernahm: In den vergangenen fünf Jahren verantwortete sie innerhalb der Knill Gruppe die Bereiche Marketing und Nachhaltigkeit.

Der Einstieg ins Unternehmen erfolgte vor rund sieben Jahren, zunächst mit Einblicken in verschiedene Geschäftsbereiche. In dem trend-Interview formulierte sie den Reiz dieser Phase so: dass sie in sehr unterschiedliche Länder, Unternehmenskulturen und Produktwelten eintauchen könne. Das Portfolio reicht von traditioneller Metalltechnik bis zu hochautomatisierten Batterieproduktionsanlagen.

Die Nachfolge

In Familienunternehmen gehört der Generationenwechsel zu den schwierigsten strategischen Phasen. Bei der Knill Gruppe ist die Übergabe an die 13. Generation langfristig angelegt: Christian Knill ist 2026 erst 56 Jahre alt, Georg Knill 53. Ein unmittelbarer Wechsel an der operativen Spitze steht deshalb nicht an. Marie-Theres Knill beschreibt ihre aktuelle Phase selbst als Einarbeitung und Positionierung innerhalb der verschiedenen Tochterfirmen.

Ihre Motivation benennt sie deutlich: "Für mich ist das der grösste Anreiz: die Verantwortung dafür zu tragen, dass es in der Familie bleibt und auch kommenden Generationen Perspektive bietet." Zugleich lässt sie durchblicken, dass sie die Branchenrealität nüchtern wahrnimmt. Zur Regulierungsflut in der EU - etwa mit Blick auf 140 Seiten umfassende Nachhaltigkeitsberichte - positioniert sie sich ähnlich kritisch wie ihr Vater und ihr Onkel. Standortkosten und Lohnniveaus in Europa im Vergleich zu asiatischen Fertigungsregionen seien ein realer Wettbewerbsfaktor.

Einordnung in der steirischen Wirtschaft

Marie-Theres Knill gehört zu jenem kleinen Kreis von jungen Industrie-Erbinnen, die in den kommenden Jahren grosse steirische Leitbetriebe übernehmen werden. Ihr Status als designierte Nachfolgerin ist innerhalb der Familie klar kommuniziert - eine Seltenheit in einer Branche, in der Nachfolgefragen oft bis kurz vor dem Generationenwechsel offen bleiben. Die WKO Steiermark griff das auf und nahm sie 2025 in die Liste der Top 30 unter 30 Jungunternehmer der Steiermark auf.

Kennzahl Knill Gruppe Wert
Gründung 1712 als Klingenschmiede am Weizbach
Generationenfolge 12. Generation (Christian und Georg Knill)
Unternehmen rund 30
Länder rund 18
Beschäftigte rund 2.600
Umsatz rund 484 Mio. €
Sitz Eisengasse 25, 8160 Weiz
Gut zu wissen:
Die Knill Gruppe hat in der 12. Generation zwei gleich grosse Eigentümer: Christian und Georg Knill besitzen je 50 Prozent. Marie-Theres Knill gehört zur 13. Generation. Ob und wie der Anteil des Vaters später geteilt wird - zwischen ihr, ihren Geschwistern oder einer künftigen Familien-Governance - ist öffentlich nicht kommuniziert.

Der aktuelle Fokus

In ihrer aktuellen Rolle im Bereich Marketing und Nachhaltigkeit arbeitet Marie-Theres Knill an Themen, die für die Gruppe strategisch relevanter geworden sind: einheitliche Markenkommunikation über die verschiedenen Tochterfirmen hinweg, ESG-Reporting gegenüber Grosskunden wie Netzbetreibern und Bahnunternehmen sowie Markenbildung für B2B-Produktlinien, die bislang über technische Fachkanäle verkauft wurden.

Parallel baut sie ihr öffentliches Profil schrittweise aus. Sie tritt bei Netzwerkveranstaltungen der WKO Steiermark auf und gibt einzelne Interviews in österreichischen Wirtschaftsmedien. Gleichzeitig bleibt sie mit ihren öffentlichen Äusserungen deutlich zurückhaltender als ihr Onkel Georg Knill, der als IV-Präsident regelmässig pointierte Positionen markiert.

Ausblick: Die Generationenfolge in der Knill Gruppe wird über die kommenden zehn bis fünfzehn Jahre neu geordnet. Marie-Theres Knill hat sich früh positioniert und erlernt den Konzern von der operativen Basis her. Ihr steirisches Umfeld - von der FH Campus 02 über die WKO-Netzwerke bis zur Industriellenvereinigung - begleitet diesen Weg sichtbar. Offene Fragen sind der Zeitpunkt einer formalen Leitungsrolle und die Governance-Struktur zwischen den Generationenästen beider Brüder.

Quellen