Rund 2 Milliarden Euro Investitionen in den Jahren 2025 bis 2029 - so lautet die Zahl, an der Martin Graf gemessen werden wird. Seit 1. April 2025 bildet er gemeinsam mit Werner Ressi den Vorstand der Energie Steiermark AG, einem der größten Landesversorger Österreichs. Graf verantwortet die Bereiche Finanzen, Controlling, Treasury, Recht, Personal und die Netze - jene Säulen, die über die finanzielle Stabilität des Konzerns entscheiden.
- Martin Graf ist seit 1. April 2025 gemeinsam mit Werner Ressi im Vorstand der Energie Steiermark AG - die Bestellung durch den Aufsichtsrat erfolgte einstimmig im Dezember 2024
- Zuvor war er seit 1. April 2016 Vorstandsmitglied unter dem langjährigen Vorstandssprecher Christian Purrer, der mit Ende März 2025 ausschied
- Von März 2011 bis März 2016 stand Graf als Vorstand an der Spitze der österreichischen Energieregulierungsbehörde E-Control
- Er verantwortet in der Energie Steiermark Finanzen, Controlling, Treasury, Recht, Personal und die Netzgesellschaft Energienetze Steiermark
- Unter seiner Finanzressortleitung erhielt die Energie Steiermark Top-Ratings von Standard & Poor's und GRESB
- Alter
- Jahrgang 1976, zum Vorstandsantritt 48 Jahre
- Ausbildung
- DI (FH) Wirtschaftsingenieurwesen, Mag. (FH) Betriebswirtschaft, MBA. Postgraduate-Studien an der WU Wien, Florence School of Regulation, Executive School HSG St. Gallen, Boulder University Colorado
- Stationen
- Donaukraft Engineering (1995-1999), Verbundplan/AFRY (2000-2001), Mobilkom Austria (2001), E-Control (2002-2016, Vorstand ab 2011), Energie Steiermark AG (ab 2016)
- Aktuell
- Vorstand Energie Steiermark AG, Bestellung bis 2030
30 Jahre Energiewirtschaft
Graf hat seine komplette berufliche Laufbahn in der Energiewirtschaft verbracht. 1995 startete er im Vertrieb der Donaukraft Wasserbau-, Engineering & Consulting GmbH. 2000 wechselte er als kaufmännischer Projektleiter zur Verbundplan GmbH (heute AFRY Austria), kurzzeitig war er auch bei Mobilkom Austria tätig.
2002 kam er als Prüfungsleiter zur Energie-Control Austria, der im Jahr zuvor gegründeten Regulierungsbehörde für Strom- und Gaswirtschaft. Dort stieg er zum Abteilungsleiter Tarife auf und wurde im März 2011 in den Vorstand berufen. Fünf Jahre lang verantwortete er bei E-Control die Ressorts Netztarife und Regulierung, Markt- und Wettbewerbsaufsicht, Volkswirtschaft, Endkunden-Services und Statistik sowie Ökostrom und Energieeffizienz. Parallel absolvierte er Ausbildungen an der WU Wien, der Florence School of Regulation, der Executive School der Universität St. Gallen und an der University of Colorado in Boulder.
Der Wechsel zur Energie Steiermark
Am 1. April 2016 wechselte Graf in den Vorstand der Energie Steiermark AG. Das damalige Vorstandsduo mit Christian Purrer an der Spitze führte den Konzern in einer Phase, in der die Energiewende operativ und finanziell gestaltet werden musste. Graf übernahm die finanzielle Steuerung: Finanzen, Controlling, Treasury, Recht, Personal sowie die Verantwortung für die Netzgesellschaft Energienetze Steiermark GmbH.
Unter seiner Finanzführung baute die Energie Steiermark ihre Kapitalmarktposition systematisch aus. Der Konzern erhielt Top-Ratings der Ratingagentur Standard & Poor's sowie ein herausragendes Ergebnis beim Nachhaltigkeitsbenchmark GRESB. Der Aufsichtsrat verwies bei Grafs Wiederbestellung im Dezember 2024 ausdrücklich auf diese Bilanz: Unter seiner Leitung sei das Unternehmen "besonders in den Bereichen Finanzierung und Nachhaltigkeit zu einem international vorbildlichen Unternehmen geworden".
Die Neubesetzung 2025
Am 17. Dezember 2024 gab der Aufsichtsrat der Energie Steiermark AG einstimmig die Neubesetzung des Vorstands bekannt. Nach einem internationalen Auswahlverfahren mit rund 30 Kandidaten wurden Graf und Werner Ressi für jeweils fünf Jahre bestellt. Ressi, Jahrgang 1967, war zuvor bei VERBUND tätig und übernahm zum 1. April 2025 die Ressorts Energievertrieb und Trading, Erzeugung, Fernwärme und Energiedienstleistungen.
Bemerkenswert: Der langjährige Vorstandssprecher Christian Purrer schied mit Ende März 2025 aus. Ein formaler Vorstandssprecher oder Vorstandsvorsitzender wurde vom Aufsichtsrat für das neue Duo nicht bestellt. Graf und Ressi führen den Konzern als gleichberechtigte Vorstandskollegen mit klar voneinander abgegrenzten Ressortzuständigkeiten.
Das Unternehmen unter der neuen Führung
| Kennzahl | Wert | Anmerkung |
|---|---|---|
| Kundinnen und Kunden | rund 650.000 | in Strom, Gas, Wärme |
| Mitarbeiter | rund 2.000 | Konzernweite Beschäftigung |
| Investitionsplan 2025-2029 | rund 2 Mrd. € | Netze, Erzeugung, Wärme |
| Gesamtvolumen Energie-Ökosystem | rund 3,5 Mrd. € | inkl. 1,5 Mrd. € aus der Industrie |
| Anteilsverhältnisse | Land Steiermark 75 %, S&P Global 25 % | Stand 2026 |
Im Ressortzuschnitt hat sich Graf die Kernbereiche der finanziellen Steuerung gesichert, während Ressi die operative Marktseite verantwortet. Für den Aufsichtsrat und die Eigentümer, vor allem das Land Steiermark, bedeutet die Aufteilung Kontinuität: Der Finanzkurs bleibt in bewährten Händen.
Führungsphilosophie und Positionen
Graf äußert sich regelmäßig in Interviews zu energiepolitischen Themen. Drei Positionen prägen seine Linie:
Zur Energiewende. In einem Selektiv-Interview fasste er seine Haltung so zusammen: "Die Energiewende ist aus meiner Sicht nichts Ideologisches, sondern wirtschaftspolitische Notwendigkeit." Für die Finanzierung brauche es klare Rahmenbedingungen, nicht kurzatmige Eingriffe.
Zum neuen Elektrizitätswirtschafts- und Organisationsgesetz (ElWG). Graf bewertete die Beschlussfassung 2025 grundsätzlich positiv, äußerte aber Kritik an der Umsetzung: "Die Beschlussfassung des ElWG war notwendig und überfällig. Auch wenn es noch die eine oder andere Widersprüchlichkeit und Unschärfe gibt."
Zur deutsch-österreichischen Strompreiszone. Er plädiert für eine Wiederzusammenführung der seit 2018 getrennten Preiszonen und argumentiert: "Der Österreich-Aufschlag am Strommarkt ist hausgemacht." Ein technisches Bottleneck an der Grenze gebe es nicht.
Zum Hebeleffekt regionaler Investitionen. Die Wertschöpfung aus den Investitionen des Konzerns quantifiziert Graf konkret: "1 Euro an Investition führt bei uns zu 90 Cent an Bruttowertschöpfung." Damit positioniert er die Energie Steiermark als wirtschaftspolitischen Akteur, nicht nur als Versorger.
Das Land Steiermark hält seit 2014 eine 75-Prozent-Mehrheit an der Energie Steiermark AG, die übrigen 25 Prozent gehören einem Konsortium aus australischem Infrastrukturfonds Macquarie und weiteren Investoren. Diese Struktur gibt dem Versorger eine Besonderheit: Kapitalmarktorientierung bei öffentlicher Kontrolle.
Aktueller Stand
Rund ein Jahr nach dem Vorstandsantritt liegt der Fokus des neuen Duos auf drei großen Themenblöcken: dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Erzeugung (vor allem Photovoltaik und Wasserkraft), dem Netzausbau zur Integration dezentraler Einspeiser sowie dem Wärmegeschäft, wo die Fernwärmeversorgung in Graz eine Schlüsselrolle spielt.
Für Graf bedeutet das konkret die Refinanzierung der Investitionsoffensive. Der Konzern nutzt dabei grüne Anleihen, Eigenmittel und Projektfinanzierungen. Die Top-Ratings, die unter seiner Ägide errungen wurden, machen diesen Kurs kapitalmarktfähig.
Als Vorstand ist Graf zudem Mitglied in mehreren Branchengremien. Er vertritt das Unternehmen unter anderem gegenüber der Energie-Control Austria - seiner früheren Wirkungsstätte - und nimmt so eine Doppelrolle wahr: einst Regulator, heute Regulierter.