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Martin Kroboth - neuer Geschäftsführer der MFL Liezen

Das Wichtigste in Kürze
  • Martin Kroboth führt seit 1. Oktober 2026 als alleiniger Geschäftsführer die Maschinenfabrik Liezen und Gießerei (MFL) mit knapp 700 Beschäftigten.
  • Im Firmenbuch ist er seit 23. September 2026 als Geschäftsführer eingetragen; sein Vorgänger Herbert Decker war seit 1994 im Unternehmen und seit 2014 dessen CEO.
  • Der gebürtige Steirer arbeitete 21 Jahre für den Grazer Anlagenbauer Andritz, ab 2006 am Standort Foshan in Südchina.
  • Nach Andritz leitete er bis Ende 2019 die chinesische Gesellschaft des Maschinenbauers Manz in Suzhou, ab Jänner 2020 das Werk des Hydraulikherstellers ARGO-HYTOS in Yangzhou.
  • Zuletzt war er Geschäftsführer der ARGO-HYTOS GmbH im deutschen Kraichtal, bis April 2026.
  • Die MFL setzte 2023 gut 122 Millionen Euro um und fertigt seit 2025 Turmgehäuse für den Kampfpanzer Leopard 2.

Mehr als 15 Jahre hat Martin Kroboth in China gearbeitet, in Foshan, Suzhou und Yangzhou. Seit 1. Oktober 2026 sitzt er in der Werkstraße 5 in Liezen: Der gebürtige Steirer ist alleiniger Geschäftsführer der Maschinenfabrik Liezen und Gießerei, die mit knapp 700 Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern des Bezirks gehört. Er folgt auf Herbert Decker, der dem Unternehmen seit 1994 angehörte. „Die MFL verfügt über großes technisches Know-how, erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie eine starke industrielle Basis. Darauf können und werden wir aufbauen“, sagte Kroboth zum Amtsantritt laut MeinBezirk Liezen.

Lebensdaten
Herkunft
Steiermark
Standesbezeichnung
Ingenieur (Ing.)
Stationen
Andritz (21 Jahre, ab 2006 in Foshan, China); Manz in Suzhou (General Manager, bis Ende 2019); ARGO-HYTOS Fluid Power Systems in Yangzhou (Chairman und General Manager, ab Jänner 2020); ARGO-HYTOS GmbH in Kraichtal, Deutschland (Geschäftsführer, bis April 2026)
Aktuell
Geschäftsführer der Maschinenfabrik Liezen und Gießerei Ges.m.b.H. (im Firmenbuch seit 23. September 2026, alleinige Geschäftsführung seit 1. Oktober 2026)

21 Jahre Andritz, zehn davon in Foshan

Den längsten Teil seiner Laufbahn verbrachte Kroboth beim Grazer Anlagenbauer Andritz. Als er das Unternehmen im September 2016 verließ, hatte er 21 Jahre dort gearbeitet. China kam 2005 dazu, zunächst als Dienstreise. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits Projektleiter für mehrere chinesische Aufträge. 2006 beschloss Andritz, im Werk Foshan in der Provinz Guangdong eine Abteilung für Zellstofftrocknung und Papiertechnik aufzubauen, und bot ihm die Entsendung an. Seine Aufgaben dort: Projektmanagement, die Lokalisierung der Produkte und der Aufbau einer Lieferkette.

Dem chinesischen CEO Magazine schilderte Kroboth 2021, Foshan sei damals kein Ort gewesen, an dem sich Ausländer üblicherweise niederließen. Sprache, Essen, Verkehr und Geschäftskultur seien ihm anfangs fremd gewesen - gerade das habe den Alltag interessanter gemacht. In die Andritz-Jahre fällt auch die Ära von Wolfgang Leitner, der den Konzern von 1994 bis 2022 führte.

Suzhou und Yangzhou: Maschinenbau und Hydraulik

Nach dem Abschied von Andritz wechselte Kroboth nach Suzhou und leitete dort bis Ende 2019 als General Manager die chinesische Gesellschaft des deutschen Maschinenbauers Manz. Im Jänner 2020 übernahm er als Chairman und General Manager die ARGO-HYTOS Fluid Power Systems (Yangzhou) Co., Ltd. ARGO-HYTOS baut Hydraulikkomponenten und Filtertechnik für Land- und Baumaschinen; das Werk in Yangzhou besteht seit 2014.

Der Start fiel in die ersten Wochen der Pandemie. Reisen zur Konzernzentrale und zu den Werken in Deutschland und Tschechien waren nicht möglich, eine reguläre Einarbeitung ebenso wenig. Das Geschäft brach von Februar bis April 2020 ein und zog danach kräftig an, weil chinesische Baumaschinenhersteller mehr bestellten. Das Jahr schloss über Plan. Die Vorgabe der Gruppe für seine Amtszeit lautete, den Anteil Chinas und Asiens am Konzernumsatz bis 2025 von 10 auf 20 Prozent zu verdoppeln und Yangzhou zur Produktionsbasis für Asien zu machen.

Zeitraum Unternehmen und Ort Funktion
bis September 2016 Andritz, ab 2006 in Foshan (China) Projektleiter, Aufbau der Abteilung für Zellstofftrocknung und Papiertechnik
bis Ende 2019 Manz, Suzhou (China) General Manager
ab Jänner 2020 ARGO-HYTOS Fluid Power Systems, Yangzhou (China) Chairman und General Manager
bis April 2026 ARGO-HYTOS GmbH, Kraichtal (Deutschland) Geschäftsführer
seit September 2026 Maschinenfabrik Liezen und Gießerei, Liezen Geschäftsführer

Geschäftsführer in Kraichtal

Aus China ging Kroboth nach Baden-Württemberg, an den deutschen Produktionsstandort von ARGO-HYTOS in Kraichtal. Die Gruppe hatte inzwischen den Eigentümer gewechselt: Der Heidenheimer Technologiekonzern Voith übernahm im August 2022 einen Anteil von 79,5 Prozent an dem Unternehmen mit damals mehr als 1.600 Beschäftigten und über 200 Millionen Euro Umsatz, wie aus der Mitteilung von Voith hervorgeht.

Als Geschäftsführer der ARGO-HYTOS GmbH nahm Kroboth am 22. November 2023 in Stuttgart eine Auszeichnung entgegen. Das Werk Kraichtal-Menzingen zählte zu 24 Betrieben, die Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut beim Allianz Industrie 4.0 Award Baden-Württemberg als „Winner“ ehrte. Prämiert wurden Dashboards, die Kennzahlen aus Produktion, Logistik und Vertrieb in Echtzeit zusammenführen. Im April 2026 schied Kroboth laut Handelsregister aus der Geschäftsführung aus.

Führungsverständnis: zuerst die Belegschaft

Sein Führungsverständnis fasste Kroboth im CEO Magazine mit einem Satz des Virgin-Gründers Richard Branson zusammen: „Clients do not come first. Employees come first.“ Beschäftigte seien die Brücke zu Kunden und Geschäftspartnern, wer sich um sie kümmere, kümmere sich damit um die Kunden. Seinen Stil beschrieb das Magazin als coachend und unterstützend. Aus den China-Jahren nahm er nach eigener Darstellung vor allem das Tempo mit: Die Reaktionszeit sei kurz, Entscheidungen müssten schneller fallen, als es westliche Unternehmen gewohnt seien.

Die MFL stellt ihn auf ihrer Website mit einem Satz vor, der dieselbe Richtung nimmt, diesmal zur Kundenseite hin: „Ich bin davon überzeugt, dass die besten Lösungen gemeinsam durch enge Zusammenarbeit und eine starke Partnerschaft mit unseren Kunden entstehen.“

Die MFL, die Kroboth übernimmt

Das Werk in Liezen entstand 1939, gehörte später zur VOEST-Alpine und wurde 1994 nach einer Insolvenz von den Unternehmern Erwin Haider und Heinrich Obernhuber übernommen. Heute besteht es aus einer Stahlgießerei, die vor allem für Bahn und Bauwirtschaft arbeitet, und einem Maschinenbau für komplexe Anlagen und große Schweißkonstruktionen. 2023 lag der Umsatz bei gut 122 Millionen Euro. Im Bezirk zählt die MFL neben AHT in Rottenmann und MACO in Trieben zu den großen Industriebetrieben - mehr dazu im Wirtschaftsporträt Ennstal und Liezen.

Decker hatte das Unternehmen in den vergangenen Jahren breiter aufgestellt. Im März 2025 unterschrieb die MFL einen Auftrag des Rüstungskonzerns KNDS über einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag für Turmgehäuse des Leopard 2. Decker begründete den Schritt gegenüber dem ORF Steiermark mit den gestiegenen Kosten: Man sei gezwungen, sich „neben unseren angestammten Märkten strategisch breiter aufzustellen“. Als Vorteil nannte er eine der größten Schweißroboteranlagen Mitteleuropas. Schon 2023 hatte die MFL mit der deutschen Helrom-Gruppe einen Vertrag über Güterwaggons geschlossen, die Lkw-Sattelauflieger auf die Schiene bringen; das Volumen wurde bis 2033 mit knapp einer Viertelmilliarde Euro beziffert.

Gut zu wissen:
Alleinige Gesellschafterin der MFL ist die Maschinenfabrik Liezen Beteiligungs GesmbH der Familie Haider. Erwin Haider, der das Werk 1994 übernommen hatte, ist am 30. Juli 2025 verstorben. Den Aufsichtsrat leitet Harald C. Klien, sein Stellvertreter ist Klaus Haider. Neben dem Geschäftsführer sind Peter Fuchs und Gerald Pfatschbacher als Prokuristen eingetragen.

Übergabe nach 32 Jahren Decker

Der Wechsel wurde in zwei Schritten vollzogen. Kroboth vertritt die Gesellschaft laut Firmenbuch seit 23. September 2026, nach einer gemeinsamen Übergangsphase schied Decker mit 1. Oktober aus. Decker hatte die MFL seit der Neugründung 1994 in verschiedenen Funktionen begleitet und stand seit 2014 an ihrer Spitze; 2022 reihte ihn die österreichische Forbes-Ausgabe unter die 22 prägendsten Topmanager des Landes. Das Unternehmen dankte ihm in einer Aussendung „für seinen langjährigen Einsatz, seine Verbundenheit mit dem Unternehmen und sein großes persönliches Engagement“.

Für die Belegschaft formulierte Kroboth sein Ziel so: „Mir ist wichtig, gemeinsam mit unserer Belegschaft die erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens fortzuführen und gleichzeitig neue Impulse zu setzen. Unser Ziel ist eine langfristig starke und zukunftsfähige MFL, auf die sich unsere Mitarbeiter, Kunden und Partner verlassen können.“ Die MFL will nach eigenen Angaben auch künftig Fachkräfte, junge Talente und Lehrlinge an den Standort binden.

Ausblick: Kroboths Erfahrung liegt im Aufbau von Fertigung und Lieferketten im Anlagenbau und in der Serienproduktion von Hydraulikkomponenten. In Liezen trifft das auf zwei laufende Großvorhaben: die Serienfertigung der Leopard-Turmgehäuse für KNDS und den bis 2033 angelegten Waggonauftrag von Helrom.

Quellen