500 Millionen Euro Umsatz fand Wolfgang Leitner 1994 vor, als er den CEO-Posten bei der Andritz AG in Graz übernahm. 7,9 Milliarden Euro machte dieselbe Gruppe 2025 - und Leitner war 2022 als operativer Chef abgetreten, hält aber über seine Familien-Stiftung weiterhin mehr als 30 Prozent der Aktien. Seit April 2024 sitzt er dem Aufsichtsrat vor.
- Wolfgang Leitner, geboren am 27. März 1953 in Graz, ist promovierter Chemiker und war von 1994 bis April 2022 CEO der Andritz AG - 28 Jahre an der Spitze eines der größten Anlagenbauer der Welt
- Unter seiner Führung wuchs der Umsatz von rund 500 Millionen Euro (1994) auf 7,9 Milliarden Euro (2025); der Börsegang 2001 legte das Fundament für die globale Expansion
- Über die Custos Privatstiftung hält die Familie Leitner mehr als 30 Prozent der Andritz-Aktien - Leitner ist einer der reichsten Österreicher, laut Forbes 2024 mit rund 2,7 Milliarden US-Dollar Vermögen
- Seit 9. April 2024 Aufsichtsratsvorsitzender der Andritz AG, zuvor war er ab 2022 AR-Mitglied und Stellvertreter
- Aktueller CEO ist seit April 2022 Joachim Schönbeck; Andritz beschäftigt rund 30.000 Menschen weltweit, davon etwa 1.200 am Grazer Hauptsitz
- Geboren
- 27. März 1953 in Graz
- Ausbildung
- Doktorat Chemie, Karl-Franzens-Universität Graz (1978)
- Stationen
- Vianova (Hoechst), McKinsey, Mitgründer Genericon (1985), Andritz CFO (1987), Andritz CEO (1994-2022)
- Aktuell
- Aufsichtsratsvorsitzender Andritz AG (seit 9. April 2024), Vorstand Custos Privatstiftung
Der Weg zu Andritz - vom Labor über McKinsey in die Industrie
Wolfgang Leitner wuchs in Graz in einer Arbeiterfamilie auf - sein Vater war Metallarbeiter bei Andritz. Nach dem Chemie-Studium promovierte er 1978 an der Karl-Franzens-Universität Graz. Erste Station: drei Jahre Forschung bei Vianova, einer Tochter des deutschen Hoechst-Konzerns mit Sitz in Graz. Darauf folgten vier Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey & Company in Wien.
1985 gründete Leitner gemeinsam mit seinem Studienfreund Martin Bartenstein - dem späteren Wirtschaftsminister - das Pharmaunternehmen Genericon. Der Fokus: rezeptfreie und patentfreie Medikamente sowie Vitaminpräparate. 1990 erwarb die Gruppe eine Beteiligung am ungarischen Brausetablettenhersteller Pharmavit, der innerhalb von fünf Jahren in Ungarn mehr Umsatz als Coca-Cola erzielte. 1995 wurde Pharmavit an Bristol-Myers verkauft - laut öffentlichen Angaben für 110 Millionen US-Dollar.
Leitner selbst trat 1987 als Finanzvorstand bei Andritz ein - noch parallel zu seinem Engagement bei Genericon. Sieben Jahre später, 1994, übernahm er den Vorstandsvorsitz bei einem Unternehmen, das damals als sanierungsbedürftiger steirischer Anlagenbauer galt.
28 Jahre CEO - vom Sanierungsfall zum Weltkonzern
Als Leitner 1994 die operative Führung übernahm, war Andritz ein mittelständischer Maschinenbauer mit rund 500 Millionen Euro Umsatz. 1999 vollzog er mit dem Management einen Buyout und übernahm einen größeren Aktienanteil. 2001 ging Andritz an die Wiener Börse.
Ab diesem Zeitpunkt trieb Leitner eine konsequente Akquisitionsstrategie voran: Seit dem Jahr 2000 dokumentierte Andritz über 65 Zukäufe und strategische Partnerschaften weltweit - darunter der Kauf des US-Anbieters Xerium für 230 Millionen US-Dollar plus Schuldenübernahme. Die Gruppe positionierte sich als einer der größten Ausrüster für Wasserkraft, Zellstoff- und Papiertechnik, Metallverarbeitung sowie Umwelt- und Energietechnik.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Hauptsitz | Graz, Stattegger Straße 18 |
| Gründungsjahr Andritz | 1852 |
| Leitner als CEO | 1994 bis April 2022 (28 Jahre) |
| Umsatz 1994 | ca. 500 Millionen Euro |
| Umsatz 2024 | über 7 Milliarden Euro |
| Umsatz 2025 | 7,9 Milliarden Euro |
| Mitarbeiter weltweit | rund 30.000 |
| Mitarbeiter in Österreich | rund 3.600 |
| Mitarbeiter am Grazer Hauptsitz | rund 1.200 |
| Standorte weltweit | über 280 |
Im April 2022 gab Leitner die operative Führung an Joachim Schönbeck ab. Der deutsche Ingenieur war zuvor CEO beim Verpackungsmaschinenbauer SMS Group. Leitner wechselte als Mitglied in den Aufsichtsrat. Zwei Jahre später - am 9. April 2024 - wurde er in der konstituierenden Sitzung des Aufsichtsrats zum Vorsitzenden gewählt und löste damit Alexander Leeb in dieser Funktion ab. Elisabeth Stadler wurde seine Stellvertreterin.
Wer die Entwicklung der Andritz-Gruppe studieren will, findet im Geschäftsbericht 2024 den umfassendsten Datensatz. Die Gruppe weist darin Umsatzsegmente nach Hydro, Pulp & Paper, Metals und Environment & Energy aus - eine Struktur, die Leitners Diversifikationslogik widerspiegelt.
Custos Privatstiftung - das Familienvehikel
Die zentrale Eigentümerstruktur hinter der Familie Leitner ist die Custos Privatstiftung mit Sitz in Graz. Der lateinische Name bedeutet "Wächter". Über Custos hält die Familie direkt und indirekt 31,5 Prozent der Andritz-Aktien - der größte Einzelanteilspaket des Unternehmens. Laut offizieller Mitteilung der Andritz AG aus dem Jahr 2014 ist Custos als maßgebliche Beteiligung im Sinne des österreichischen Übernahmegesetzes eingestuft.
Über Custos beteiligt sich die Familie darüber hinaus an Venture-Capital-Investitionen im Technologie- und FinTech-Bereich. Nach dem Rücktritt aus der operativen CEO-Rolle engagiert sich Leitner nach eigenen Angaben stärker in beratenden Rollen für Start-ups und Innovationsprojekte - mit Schwerpunkten auf Green Tech, Energieeffizienz und nachhaltigen Technologien.
Führungsphilosophie und Werte
Leitner gilt als detailversessener Unternehmer mit naturwissenschaftlichem Blick. Seine Überzeugung formulierte er gegenüber dem Top Leader Magazin so: "Wollen alleine reicht nicht." Diese Haltung - Strategie braucht Umsetzung - prägte seine Akquisitionspolitik, in der Andritz wiederholt Unternehmen aus Restrukturierungssituationen übernahm und in die Gruppe integrierte.
Charakteristisch für Leitners Stil: eine lange Verweildauer an der Spitze und die schrittweise Konsolidierung jahrzehntealter Familiennetzwerke im Anteilseignerkreis. Mit Genericon-Mitgründer Martin Bartenstein verbindet ihn eine Geschäftsbeziehung seit den 1980er-Jahren, mit Andritz selbst arbeitete er seit 1987 durchgehend zusammen - 39 Jahre Präsenz im gleichen Konzern.
Auszeichnungen und öffentliche Rollen
- 2006: Vom Wirtschaftsmagazin Trend zum "Mann des Jahres" gewählt
- 2015: Ehrensenator der TU Graz
- 2015: Berufung in das Nominierungskomitee der Österreichischen Bundes- und Industriebeteiligungen (ÖBIB)
- 2022: Erzherzog-Johann-Preis (Stadt Graz und Land Steiermark)
Auf der Forbes-Milliardärsliste 2024 wurde Leitner mit einem geschätzten Vermögen von 2,7 Milliarden US-Dollar geführt, was ihn zum sechstreichsten Österreicher machte. Eine aktuelle Analyse der Plattform steirische-wirtschaft.at schätzt sein Vermögen 2025 auf 2,2 bis 2,5 Milliarden US-Dollar - die Schwankung ergibt sich primär aus dem Kursverlauf der Andritz-Aktie.
Aktueller Stand
Stand April 2026 leitet Wolfgang Leitner weiterhin den Aufsichtsrat der Andritz AG. Das Geschäftsjahr 2025 endete mit einem Rückgang bei Umsatz und Gewinn, während der Auftragseingang leicht zulegte. Die Gruppe befindet sich in einer Übergangsphase: Der neue CEO Joachim Schönbeck hat die Service- und Umwelttechnik-Sparten forciert, zugleich steht die Pulp-&-Paper-Division unter Margendruck. Wie Leitner aus dem Aufsichtsrat heraus auf strategische Weichenstellungen einwirkt, ist auf Vorstandsebene Thema - wenig davon sickert an die Öffentlichkeit durch.
Privat lebt Leitner weiterhin in Graz. Seine Frau Cattina - Juristin aus der Wiener Soravia-Baufamilie - trat bislang kaum öffentlich in Erscheinung. Die beiden Kinder Maria-Christina und Nikolaus studierten Maschinenbau, eine formelle Nachfolgefrage ist nach öffentlichen Quellen nicht angekündigt.
Quellen
- Wikipedia: Wolfgang Leitner - Biografie, Karriere, Vermögen
- Industriemagazin: Wolfgang Leitner wird neuer Aufsichtsrats-Chef bei Andritz
- Top Leader: Portrait Wolfgang Leitner - Genericon, Andritz, Lebenslauf
- Andritz AG: Beschlussvorschlag Hauptversammlung 2022 zur Custos Privatstiftung
- Der Standard: Andritz 2025 - Umsatz und Gewinn gesunken, Auftragseingang im Plus
- Andritz AG: Aufsichtsrat - aktuelle Zusammensetzung