Über drei Milliarden Flaschen verlassen pro Jahr das Werk von Stölzle-Oberglas in Köflach. Darunter Parfumflakons für Dior, Pharmafläschchen für Pfizer und Boehringer, Spirituosenflaschen für die Premium-Liga der europäischen Brennereien. Seit 1871 wird am Standort im Bezirk Voitsberg Glas geschmolzen - heute ist das steirische Werk einer der wichtigsten Produktionsstandorte im Premium-Segment der europäischen Glasindustrie.
- Stölzle-Oberglas betreibt in der Steiermark zwei Werke: das Hauptwerk Köflach (seit 1871) und das Werk Bärnbach-Oberdorf (Glashütte seit 1805)
- Über 500 Mitarbeiter arbeiten am Standort Köflach; die Stoelzle-Glasgruppe beschäftigt konzernweit rund 3.100 Personen an acht Standorten
- Kunden sind Parfum- und Kosmetikmarken wie Dior und Courreges sowie Pharmakonzerne wie Pfizer und Boehringer
- Jahresproduktion Köflach: rund drei Milliarden Flaschen; Gruppen-Output: etwa 3,4 Milliarden Glasverpackungen pro Jahr
- Eigentümer ist die CAG Holding des Tiroler Industriellen Cornelius Grupp, der das Unternehmen 1987 übernahm
- Bis 2030 will das Unternehmen seine CO2-Emissionen halbieren, bis 2050 klimaneutral produzieren
Zwei Werke in der Weststeiermark
Wer von Graz nach Köflach fährt, sieht rechts der Straße die Schornsteine der Glasfabrik, bevor er den Ort erreicht. Die Fabrikstraße 11 ist die Adresse des Hauptwerks, das seit 1871 am selben Standort produziert. Rund 500 Mitarbeiter arbeiten hier im Dreischichtbetrieb, denn Glasschmelzwannen laufen 24 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche - der Betrieb darf nie abkühlen.
Nur wenige Kilometer entfernt liegt das zweite steirische Werk in Bärnbach-Oberdorf. Die dortige Glashütte wurde bereits 1805 gegründet und ist damit eine der ältesten durchgehend produzierenden Glashütten Österreichs. Während Köflach schwerpunktmäßig Pharma- und Spirituosenglas fertigt, konzentriert sich Bärnbach auf Prestige-Flakonagen für Parfüm und Kosmetik.
Beide Werke zählen zum Bezirk Voitsberg in der Südweststeiermark und machen die Region zu einem der letzten großen Glas-Cluster Europas. Die Rohstoffe Sand, Soda und Kalk werden per Bahn angeliefert - eine Tradition, die bis in die Gründerzeit zurückreicht.
Die Kundenliste reicht von Dior bis Pfizer
Was Stölzle-Oberglas vom Massenmarkt unterscheidet, ist die Spezialisierung auf das Premium- und Prestige-Segment. Für den Pharma-Bereich produziert das Unternehmen Typ-2- und Typ-3-Glas, das in der Industrie für Ampullen, Injektionsflaschen und Infusionsbehälter eingesetzt wird. Pfizer und Boehringer zählen zu den dokumentierten Abnehmern.
Im Kosmetik- und Parfumsegment reicht die Referenzliste von Dior bis Courreges. Diese Kunden stellen hohe Anforderungen an die optische Qualität, Maßhaltigkeit und Veredelung der Flakons. In Köflach und Bärnbach werden dafür eigene Dekorationslinien betrieben, in denen Glas bedruckt, lackiert, satiniert und mit Metallisierungen veredelt wird. Dies ist eine Nische, in der Stölzle zu den wenigen europäischen Anbietern mit Vollsortiment zählt.
Im Spirituosensegment beliefert Köflach die Premium-Liga der europäischen Brennereien - vom Single-Malt-Whisky aus Schottland bis zum Cognac aus Frankreich. Nicht umsonst hat die Gruppe eigene Werke in Knottingley (Grossbritannien) und Masnières (Frankreich), um nahe an den Abnehmern zu produzieren.
| Stölzle-Oberglas und Gruppe - Kennzahlen im Überblick | Wert |
|---|---|
| Werke in der Steiermark | Köflach (seit 1871), Bärnbach-Oberdorf (seit 1805) |
| Mitarbeiter Köflach | über 500 |
| Mitarbeiter Stoelzle-Gruppe | rund 3.100 |
| Jahresproduktion Köflach | rund 3 Milliarden Flaschen |
| Jahresproduktion Gruppe | rund 3,4 Milliarden Einheiten |
| Umsatz Gruppe (2020/21) | 345 Mio. € |
| Standorte weltweit | Österreich (2), Tschechien, Polen (2), UK, Frankreich, USA |
| Eigentümer | CAG Holding (Cornelius Grupp, seit 1987) |
| Kundensegmente | Pharma, Parfum/Kosmetik, Spirituosen, Lebensmittel |
Vom regionalen Glasmacher zum globalen Konzern
Die heutige Stoelzle-Glasgruppe entstand aus der Verbindung zweier Glasdynastien. Die Wurzeln gehen bis 1805 zurück, als in Oberdorf bei Bärnbach eine Glashütte entstand. 1871 wurde in Köflach ein zweites Werk gegründet. 1987 übernahm der Tiroler Industrielle Cornelius Grupp das Unternehmen über seine CAG Holding. Seither wurde die Gruppe international ausgebaut.
Heute gehören zur Stoelzle-Glasgruppe acht Werke: Köflach und Bärnbach-Oberdorf in Österreich, Heřmanova Huť in Tschechien, Częstochowa und Wymiarki in Polen, Knottingley in Großbritannien, Masnières in Frankreich sowie seit 2021 ein neues Werk in Monaca im US-Bundesstaat Pennsylvania. Der Schritt nach Nordamerika war strategisch: Die USA sind der grösste Einzelmarkt für Premium-Spirituosen der Welt.
Als Geschäftsführer fungiert August Grupp, der Sohn des Mehrheitseigentümers. Der Umsatz der Gruppe lag im Geschäftsjahr 2020/21 bei 345 Millionen Euro. Aktuellere Gruppen-Zahlen wurden bisher nicht veröffentlicht - Stoelzle ist als Privatunternehmen nicht zur Publikation von Konzernergebnissen verpflichtet.
Nachhaltigkeit als strategischer Hebel
Glasherstellung ist energieintensiv. Eine Glasschmelzwanne läuft rund um die Uhr und verbraucht typischerweise so viel Gas oder Strom wie ein mittelgroßes Gewerbegebiet. In Köflach wurde deshalb in den vergangenen Jahren massiv in Effizienz investiert: Ein sogenannter Gemengevorwärmer senkt den Energiebedarf um über acht Prozent, rund 4.000 Megawattstunden werden so pro Jahr eingespart.
Zusätzlich produzieren Photovoltaik-Anlagen am Werk rund 3.200 Megawattstunden grünen Strom pro Jahr. Der Anteil an Altglas-Scherben (Cullet) im Schmelzprozess wird weiter erhöht - jede Tonne Scherben senkt den Energiebedarf und die CO2-Emissionen spürbar. Bis 2030 will Stölzle seine CO2-Emissionen halbieren, bis 2050 klimaneutral produzieren.
Die Glasindustrie ist europaweit einer der Vorreiter bei Kreislaufwirtschaft. Alt-Flaschen aus dem Altglascontainer werden eingeschmolzen und zu neuen Flaschen verarbeitet. Österreich erreicht laut Austria Glas Recycling eine Altglas-Sammelquote von über 85 Prozent - damit liegt das Land im europäischen Spitzenfeld.
Lehrlingsausbildung im Leitbetrieb
Köflach ist einer der größten Lehrbetriebe im Bezirk Voitsberg. Bis zu 20 Lehrlinge pro Jahrgang werden in Berufen wie Mechatronik, Elektrotechnik und Metalltechnik ausgebildet. Die duale Ausbildung ist für das Unternehmen strategisch: Fachkräfte für Glasformenbau und Schmelzofentechnik sind am freien Arbeitsmarkt kaum zu bekommen, weil die Berufe sehr spezialisiert sind.
Das Werk öffnet sich in der Rekrutierung auch für Quereinsteiger aus anderen Industriebranchen. In einer Region, die vom Strukturwandel geprägt ist - Köflach war jahrzehntelang Kohle-Revier, bis der Braunkohle-Tagebau Anfang der 2000er-Jahre endete -, ist Stölzle einer der verlässlichsten Arbeitgeber geblieben. Weitere Information zum Lehrberufsangebot findet sich auf der Karriere-Seite des Unternehmens.
Die letzte öffentlich zugängliche Umsatzzahl der Gruppe stammt aus dem Geschäftsjahr 2020/21 (345 Millionen Euro). Aktuellere Konzern-Umsatzzahlen wurden nicht veröffentlicht. Als privat gehaltenes Unternehmen ist die Stoelzle-Gruppe nicht zur Publikation ihrer Geschäftszahlen verpflichtet.
Top-Platzierung in der Steiermark-Rangliste
In der Rangliste „Top 100 of Styria" belegt Stölzle-Oberglas Platz 22 - eine Top-Position unter den bedeutendsten steirischen Unternehmen. Damit reiht sich das Glaswerk zwischen Automobilzulieferern und Papier-/Kartonherstellern ein. Als Leitbetrieb im Bezirk Voitsberg ist Stölzle zudem Mitglied der WKO Steiermark Sparte Industrie.
Die internationale Ausrichtung des Unternehmens ist fast vollständig: Über 90 Prozent der in Köflach produzierten Flaschen gehen in den Export. Damit ist das steirische Werk ein klassischer Vertreter des exportorientierten österreichischen Industriemittelstands - wenn auch mit den Strukturen eines global agierenden Konzerns.