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Donnerstag, 3. September 2026 Kontakt
Menschen

August Grupp - die nächste Generation an der Spitze von Stölzle

Das Wichtigste in Kürze
  • August Grupp führt seit Ende September 2023 als CEO die Stoelzle Glasgruppe mit Sitz in Köflach. Er folgte auf Georg Feith, der fünf Jahre an der Spitze stand.
  • Er ist der Sohn von Cornelius Grupp, dem Eigentümer und Aufsichtsratsvorsitzenden. Mit ihm rückte die nächste Generation der Eigentümerfamilie in die operative Führung.
  • Ausbildung: Maschinenbau an der ETH Zürich, MBA am INSEAD in Singapur und Frankreich, Doktorat an der Sophia-Universität in Tokio.
  • Seit 2019 in der Gruppe: zunächst im französischen Werk, dann Leiter des Geschäftsfelds Spirits, ab 2021 verantwortlich für Vertrieb und Produktion des neu erworbenen US-Werks in Monaca, Pennsylvania.
  • Die Gruppe betreibt sieben Glaswerke und beschäftigt rund 3.100 Menschen, davon über 500 in Köflach. Spirituosenglas macht rund 45 Prozent des Umsatzes aus, Parfümerie und Kosmetik rund 18 Prozent.
  • Die Dekarbonisierung läuft über Pilotprojekte an jedem einzelnen Werk. Ziel sind minus 50 Prozent CO2 bis 2030.

Als die Stoelzle Glasgruppe im März 2021 ein Glaswerk im US-Bundesstaat Pennsylvania übernahm, gingen 30 Prozent seiner Produktion in den Spirituosenmarkt. Heute sind es 65 Prozent. Verantwortlich für den Umbau von Vertrieb und Produktion war August Grupp - damals Leiter des Geschäftsfelds Spirits, heute CEO der gesamten Gruppe mit Hauptsitz in Köflach.

Lebensdaten
Ausbildung
Master of Science in Maschinenbau, ETH Zürich; MBA, INSEAD (Singapur und Frankreich); Doktorat, Sophia-Universität Tokio
Stationen
Seit 2019 in der Stoelzle Glasgruppe: französisches Werk (Flakons für Parfum und Kosmetik), Leiter des Geschäftsfelds Spirits, ab 2021 Geschäftsführer des US-Werks in Monaca, Pennsylvania
Aktuell
CEO der Stoelzle Glasgruppe (seit September 2023)
Familie
Sohn von Cornelius Grupp, Eigentümer und Aufsichtsratsvorsitzender der Gruppe

Der Weg über Frankreich und Pennsylvania

August Grupp studierte Maschinenbau an der ETH Zürich und schloss mit einem Master of Science ab. Es folgten ein MBA am INSEAD an den Standorten Singapur und Frankreich sowie ein Doktorat an der Sophia-Universität in Tokio - eine Ausbildungsbiografie, die drei Kontinente umspannt und für die Nachfolge in einem Unternehmen mit Werken in fünf Ländern kaum passender sein könnte.

2019 stieg er in die Gruppe ein, zunächst im französischen Werk, das Flakons für die Parfum- und Kosmetikindustrie herstellt. Im September desselben Jahres übernahm er die Leitung des Geschäftsfelds Spirits - mit rund 45 Prozent des Konzernumsatzes der größte Geschäftsbereich der Gruppe.

Der eigentliche Bewährungstest kam 2021. Am 1. März dieses Jahres übernahm Stoelzle das Glaswerk in Monaca im US-Bundesstaat Pennsylvania von der Anchor Hocking Glass Company, einer Tochter der Oneida Group. Es war das siebte Glaswerk der Gruppe und das erste außerhalb Europas. Rund 50 Millionen US-Dollar Investitionen wurden für die folgenden vier Jahre veranschlagt. August Grupp verantwortete dort Vertrieb und Produktion.

Die Umstellung gelang: Von den fünf IS-Linien des Werks wurden drei modernisiert, der Anteil des Spirituosenglases stieg von 30 auf 65 Prozent. Der US-Markt steht heute für rund 15 Prozent des Gruppenumsatzes.

Der Generationenwechsel im September 2023

Am 27. September 2023 gab die Gruppe den Führungswechsel bekannt. Georg Feith, der das Unternehmen fünf Jahre lang geführt und in dieser Zeit den Umsatz verdoppelt hatte, übergab an August Grupp und wechselte in eine Führungsposition innerhalb der CAG Holding, der Muttergesellschaft.

Grupp formulierte seine Aufgabe bei Amtsantritt in einem Satz, der beides enthält: „Ich bin stolz darauf, das Vertrauen der Stoelzle Glasgruppe als CEO zu erhalten. Es liegt in meiner Verantwortung, das kontinuierliche Wachstum des Unternehmens zu gewährleisten und gleichzeitig unsere Familienwerte zu bewahren."

Sein Vater Cornelius Grupp, der die Gruppe 1987 übernommen hatte und Aufsichtsratsvorsitzender blieb, kommentierte knapp: „Ich freue mich sehr, dass mein Sohn die Rolle des CEO übernimmt. Ich vertraue auf seine Fähigkeiten, das Unternehmen langfristig zu führen und zu managen."

Gut zu wissen:
Der Standort Köflach produziert seit 1871 Glas, das zweite steirische Werk in Bärnbach-Oberdorf seit 1805. Beide gehören zu den ältesten durchgehend produzierenden Glashütten Österreichs. Mehr zur Produktion, den Kunden und der Geschichte steht im Porträt von Stölzle-Oberglas Köflach.

Die Gruppe in Zahlen

Kennzahl Wert
Glaswerke sieben, in Österreich, Frankreich, Großbritannien, Polen, Tschechien und den USA
Beschäftigte rund 3.100 konzernweit, über 500 in Köflach
Anteil Spirituosenglas am Umsatz rund 45 %
Anteil Parfümerie und Kosmetik rund 18 %
Anteil US-Markt am Gruppenumsatz rund 15 %
Eigentümer CAG Holding von Cornelius Grupp (seit 1987)

Sieben Werke, sieben Versuchslabore

Der auffälligste Zug an Grupps Arbeitsweise ist, wie die Gruppe ihre Dekarbonisierung organisiert. Statt eine Konzernvorgabe von oben auszurollen, läuft an jedem der sieben Werke ein eigenes Pilotprojekt; was funktioniert, wird auf die Gruppe übertragen. Das beschrieb Grupp im Gespräch mit dem Fachmagazin Formes de Luxe als Kern der Strategie.

Konkret heißt das: ein neuer Gemengevorwärmer, der an der Braunglaswanne acht Prozent Energie spart. Ein elektrischer Feeder im österreichischen Werk. Photovoltaikanlagen an mehreren Standorten. Im polnischen Werk arbeitet man an einer Glaszusammensetzung mit höherem Anteil an Recyclingglas aus Endverbraucherquellen. In Masnières in Frankreich flossen 20 Millionen Euro in eine neue Wanne.

Die Logik dahinter ist industriell nachvollziehbar: Glasschmelzwannen laufen rund um die Uhr über Jahre hinweg und dürfen nicht abkühlen. Jede Umrüstung ist an den Wannenwechsel gebunden und damit an ein enges Zeitfenster. Wer sieben Werke hat, kann sieben unterschiedliche Ansätze parallel testen, statt einen einzigen konzernweit zu riskieren.

Praxis-Tipp:
Für kleine Spirituosen- und Kosmetikproduzenten interessant: Mit der Signature-Kollektion in den drei Linien Eco, Status und Heritage bietet Stoelzle Standardflaschen ab Lager an. Die Mindestabnahmemenge liegt dort bei 500 Flaschen - für steirische Brennereien und Manufakturen eine Größenordnung, die auch ohne eigene Formkosten machbar ist.

Wachstum in einem schrumpfenden Markt

Grupps erklärte Prioritäten sind globales Wachstum, Ressourceneffizienz und digitale Innovation. Der zweite Punkt ist dabei kein Marketing: Glasherstellung ist energieintensiv, und die europäische Glasindustrie steht seit den Energiepreissprüngen der Jahre 2022 und 2023 unter erheblichem Kostendruck. Wer nicht am Energieverbrauch je Tonne Glas arbeitet, verliert gegen Standorte mit billigerer Energie.

Zugleich versucht die Gruppe, ihr Angebot zu verbreitern - über Standardmodelle ab Lager und über eigene Dekorationskapazitäten, mit denen Veredelung im Haus bleibt statt an Zulieferer zu gehen. Für den Standort Köflach, der auf Pharma- und Spirituosenglas spezialisiert ist, und für Bärnbach mit seinen Prestige-Flakonagen bedeutet das: Die Wertschöpfung soll steigen, nicht die Stückzahl.

Damit steht der Bezirk Voitsberg vor derselben Rechnung wie die gesamte energieintensive Industrie in der Steiermark: Der Standort hält sich nur, solange die Produkte teuer genug sind, um höhere Energie- und Lohnkosten zu tragen. Premium-Glas für Dior und Pfizer ist genau diese Art von Produkt.

Ausblick: August Grupp hat die Gruppe in einer Phase übernommen, in der der Umsatz zwar verdoppelt war, die europäische Glasindustrie aber mit hohen Energiekosten und schwacher Nachfrage kämpft. Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß halbiert sein. Ob das gelingt, entscheidet sich weniger an Konzernzielen als an den Wannenwechseln in Köflach, Bärnbach, Masnières und Monaca - jeder einzelne davon ist ein Investitionsentscheid über zwei Jahrzehnte Betriebsdauer.

Quellen