- Ilse Bartenstein ist seit 1986 in der Geschäftsführung des Pharmaunternehmens in Lannach, heute als Geschäftsführerin der G.L. Pharma GmbH und der Bartenstein Holding GmbH.
- Seit 2013 führt sie als Vorsitzende die Berufsgruppe pharmazeutische Industrie im Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs - damit steht sie an der Spitze der Interessenvertretung einer Branche mit rund 15.000 Beschäftigten.
- Ihre Ausbildung ist ungewöhnlich breit: Magistra der Germanistik und Anglistik, Master of Arts in Linguistik als Fulbright-Stipendiatin in Los Angeles, Absolventin der Diplomatischen Akademie, Magistra und Doktorin der Rechtswissenschaften.
- Am 12. März 2025 verlieh ihr der Bundespräsident den Berufstitel Kommerzialrätin, überreicht am 3. Februar 2026 durch Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer.
- Sie ist Spartenvertreterin der Industrie im Wirtschaftsparlament der Wirtschaftskammer Steiermark und Vorstandsmitglied der Industriellenvereinigung Steiermark.
- Aus dem Unternehmen, das sie mitführt, stammt jede siebte in Österreich abgegebene Arzneimittelpackung.
Als der Fachverband der Chemischen Industrie im Mai 2021 seinen Pharmaausschuss neu konstituierte, wurde Ilse Bartenstein einstimmig als Vorsitzende bestätigt - eine Funktion, die sie seit 2013 innehat. Zu ihren Stellvertretern wählte der Ausschuss die Österreich-Chefs von Boehringer Ingelheim und Novartis. Die Frau, die diese Branche gegenüber der Politik vertritt, kommt aus einem steirischen Familienbetrieb mit rund 1.000 Beschäftigten - und hat Germanistik studiert, bevor sie Juristin wurde.
- Geboren
- 20. März 1955 in Wien
- Ausbildung
- Studium der Germanistik und Anglistik an der Universität Wien mit Lehramtsprüfung, Abschluss Mag. phil. (1973-1980); Abiturientenlehrgang an der Handelsakademie Hamerlingplatz in Wien (1976-1977); Fulbright-Stipendium an der University of Southern California in Los Angeles, Abschluss Master of Arts in Linguistik (1977-1978); Diplomatische Akademie, Absolventin des 18. Jahrgangs (1981-1983); Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Wien und Graz, Abschluss Mag. iur. und Dr. iur. (1980-1986)
- Stationen
- Teaching Assistant im German Department der University of Southern California (1977-1978); Vertragsassistentin am Institut für Germanistik der Universität Wien (1980-1981); Mitglied der Geschäftsführung der Lannacher Heilmittel GmbH und der Gerot Pharmazeutika GmbH in Wien (seit 1986)
- Aktuell
- Geschäftsführerin der G.L. Pharma GmbH in Lannach und der Bartenstein Holding GmbH
- Weitere Funktionen
- Vorsitzende der Berufsgruppe pharmazeutische Industrie in der Wirtschaftskammer Österreich (seit 2013); Mitglied des Ausschusses im Fachverband der chemischen Industrie; Spartenvertreterin Industrie im Wirtschaftsparlament der Wirtschaftskammer Steiermark; Mitglied der Spartenkonferenz der Sparte Industrie Steiermark; Vorstandsmitglied der Industriellenvereinigung Steiermark; Vorstandsmitglied des Ökosozialen Forums Steiermark; Aufsichtsratsmitglied der Landesmuseum Joanneum GmbH; bis 2008 Mitglied des ersten Universitätsrats der Medizinischen Universität Graz
- Titel
- MMag. Dr., MA; Berufstitel Kommerzialrätin (Entschließung des Bundespräsidenten vom 12. März 2025)
- Familie
- Seit 1983 verheiratet mit Martin Bartenstein, fünf Kinder
Zwei Studien, ein Stipendium, eine Akademie
Ilse Bartenstein wuchs in Wien auf, besuchte die Volksschule in Hetzendorf und maturierte am neusprachlichen Zweig des Gymnasiums Wenzgasse. 1973 begann sie an der Universität Wien Germanistik und Anglistik zu studieren und legte die Lehramtsprüfung ab. Parallel absolvierte sie von 1976 bis 1977 einen Abiturientenlehrgang an der Handelsakademie Hamerlingplatz - die kaufmännische Grundausbildung, die in ihrer späteren Laufbahn den Unterschied macht.
1977 ging sie als Fulbright-Stipendiatin an die University of Southern California in Los Angeles, arbeitete dort als Teaching Assistant im German Department und schloss mit einem Master of Arts in Linguistik ab. Nach der Rückkehr war sie ein Jahr Vertragsassistentin am Institut für Germanistik in Wien.
Dann folgte der Wechsel des Fachs: Von 1980 bis 1986 studierte sie Rechtswissenschaften in Wien und Graz und schloss als Mag. iur. und Dr. iur. ab. Zwischen 1981 und 1983 durchlief sie zusätzlich die Diplomatische Akademie als Absolventin des 18. Jahrgangs.
Seit vier Jahrzehnten in der Geschäftsführung
1986, im Jahr ihres juristischen Abschlusses, trat Ilse Bartenstein in die Geschäftsführung der Lannacher Heilmittel GmbH und der Wiener Gerot Pharmazeutika GmbH ein. Sie ist damit seit vier Jahrzehnten in der operativen Führung des Unternehmens, das 1997 mit dem Kauf von Gerot durch Lannacher zusammengeführt wurde, 2009 unter der Marke Gerot Lannach fusionierte und seit 2023 GL Pharma heißt.
Heute führt sie die Geschäfte der G.L. Pharma GmbH gemeinsam mit ihrem Mann Martin Bartenstein und den Söhnen Hans und Michael; alle vier sind mit Einzelvertretungsbefugnis im Firmenbuch eingetragen. Sie ist zudem Geschäftsführerin der Bartenstein Holding GmbH, unter der die Beteiligungen der Familie in Pharma, Büromöbeln und Industrieverpackung zusammenlaufen.
Das Unternehmen in Lannach produziert Marken- und Generikaprodukte mit Schwerpunkt auf Substitutionstherapie, Schmerzbehandlung und Epilepsie. Es ist in über 50 Märkten aktiv und betreibt zwei EU-GMP-zertifizierte Produktionsstätten in Lannach bei Graz und in Wien. Nach der Erweiterung des Werks kann die Kapazität von 4,5 Milliarden auf bis zu 10 Milliarden Einzeldosen pro Jahr wachsen.
Die Sprecherin einer Branche
Seit 2013 steht Ilse Bartenstein an der Spitze der Berufsgruppe pharmazeutische Industrie im Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs. Bei der einstimmigen Wiederwahl im Mai 2021 sagte sie: „Ich bedanke mich beim Ausschuss und bei den Mitgliedern für das mir entgegengebrachte Vertrauen." Zur Rolle der Branche formulierte sie: „Eine gut funktionierende, starke Pharmaindustrie ist enorm wichtig für die Gesundheit der einzelnen Patienten, aber auch für unsere gesamte Gesellschaft."
Als Schwerpunkte ihrer Arbeit benannte sie damals stabile Rahmenbedingungen, die eine langfristige Planung ermöglichen, faire Erstattungspreise bei Arzneimitteln und die Überwindung von Lieferengpässen durch belastbarere internationale Lieferketten. Die Reihenfolge ist kein Zufall: Erstattungspreise werden staatlich festgesetzt, und wer in Österreich produziert, kalkuliert seine Investitionen gegen einen regulierten Erlös.
| Österreichische Pharmaindustrie | Kennzahl (Stand 2020) |
|---|---|
| Beschäftigte | rund 15.000 |
| Exportwert | 2,2 Milliarden Euro |
| Forschungsausgaben pro Jahr | 300 Millionen Euro |
| Anteil an der chemischen Industrie | 15 Prozent |
In der Wirtschaftskammer Österreich ist sie zusätzlich Ausschussmitglied im Fachverband der chemischen Industrie. Auf Landesebene vertritt sie die Sparte Industrie im Wirtschaftsparlament der Wirtschaftskammer Steiermark und gehört der Spartenkonferenz an. Im Vorstand der Industriellenvereinigung Steiermark ist sie ebenfalls vertreten, dazu im Vorstand des Ökosozialen Forums Steiermark.
Auszeichnung und Engagement
Mit Entschließung vom 12. März 2025 verlieh ihr der Bundespräsident den Berufstitel Kommerzialrätin. Die Überreichung erfolgte am 3. Februar 2026 durch Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, im Beisein von Wirtschaftskammer-Steiermark-Präsident Josef Herk. Begründet wurde die Ehrung mit ihrem langjährigen Engagement für den Pharmastandort Österreich - mit dem konstruktiven Dialog zu Politik, Verwaltung und Institutionen und mit der Entscheidung, konsequent in Kapazitäten am Standort Österreich zu investieren.
Über die Branche hinaus ist sie Aufsichtsratsmitglied der Landesmuseum Joanneum GmbH. Bis 2008 gehörte sie dem ersten Universitätsrat der Medizinischen Universität Graz an, dem Aufsichtsgremium der 2004 aus der Universität Graz ausgegliederten Medizinuniversität.
Die ausführliche Kurzbiographie mit den Ausbildungsdaten stammt aus einem Archivbestand der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft und ist dort ausdrücklich als nicht mehr aktuell gekennzeichnet. Die Ausbildungs- und Werdegangsangaben sind davon nicht betroffen, die Funktionsliste hingegen gibt einen älteren Stand wieder. Die aktuellen Kammerfunktionen sind über die Funktionärssuche der Wirtschaftskammer belegt.
Einordnung
Frauen an der Spitze österreichischer Branchenverbände sind selten, und in der Industrie sind sie besonders selten. Dass eine Geschäftsführerin aus einem steirischen Familienbetrieb seit über einem Jahrzehnt die Interessen einer Branche vertritt, in der internationale Konzerne wie Novartis und Boehringer Ingelheim die Umsatzstatistik dominieren, sagt etwas über das Gewicht des Standorts Lannach - und über die Fähigkeit, in einem Gremium mit Konzernvertretern eine gemeinsame Linie zu formulieren. Sie zählt damit zu den Frauen an der Spitze der steirischen Wirtschaft.
Ihr Ausbildungsweg erklärt einen Teil davon. Germanistik, Linguistik, Diplomatische Akademie und ein Doktorat der Rechtswissenschaften sind die Werkzeuge der Verhandlung und der präzisen Formulierung. In einer Branche, deren wirtschaftlicher Spielraum von Erstattungsverordnungen, Zulassungsverfahren und EU-Regulierung bestimmt wird, ist das keine Nebenqualifikation. Für die steirische Life-Sciences-Branche ist es zudem ein direkter Kanal in die Bundespolitik.
Quellen
- OTS: Ilse Bartenstein als Obfrau der Berufsgruppe Pharmaindustrie einstimmig wiedergewählt (18. Mai 2021)
- WKO Funktionärssuche: MMag. Dr. Ilse Bartenstein, MA - aktuelle Funktionen
- FCIO Pharmaindustrie: Kommerzialrat für Ilse Bartenstein
- FFG (Archiv): Kurzbiographie Ilse Bartenstein mit Ausbildung und Werdegang
- GL Pharma: Impressum mit der aktuellen Geschäftsführung
- GL Pharma: Unternehmenszahlen, Standorte und Firmengeschichte