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Donnerstag, 3. September 2026 Kontakt
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Katrin Hohensinner-Häupl - von New York an die Frutura-Spitze

Das Wichtigste in Kürze
  • Katrin Hohensinner-Häupl führt die Frutura Obst und Gemüse Kompetenzzentrum GmbH in Kaindorf gemeinsam mit ihrem Vater Manfred Hohensinner, dem Mitgründer des Unternehmens.
  • Vor dem Eintritt in den Familienbetrieb arbeitete sie als Steuerberaterin und Certified Public Accountant bei PwC Austria mit Station in New York.
  • 2013 kehrte sie mit 26 Jahren nach Österreich zurück und stieg in das Unternehmen ein, seit 2016 ist sie Geschäftsführerin.
  • 2022 wurde sie in der Wiener Hofburg mit dem EY Entrepreneur Of The Year Award in der Kategorie Handel und Dienstleistungen ausgezeichnet und vertrat Österreich 2023 beim EY World Entrepreneur Of The Year Award.
  • In der Begründung der Jury hieß es, sie habe den Geschäftsumsatz binnen zwei Jahren verdoppelt.
  • Frutura erwirtschaftete im letzten Wirtschaftsjahr rund 580 Millionen Euro, beschäftigt etwa 900 Menschen und arbeitet mit über 1.000 Produzenten aus Österreich und 40 weiteren Ländern zusammen.

Mit 26 Jahren gab Katrin Hohensinner-Häupl 2013 eine Karriere als Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin bei PwC in New York auf und kehrte in die Oststeiermark zurück - in einen Obst- und Gemüsebetrieb, den ihr Vater mit zwei anderen Landwirten aufgebaut hatte. Drei Jahre später war sie Geschäftsführerin. In den zwei Jahren vor 2022 verdoppelte sich der Umsatz des Unternehmens.

Lebensdaten
Ausbildung
Studium mit Schwerpunkt Finanzen und Steuern; Steuerberaterin in Österreich und Certified Public Accountant in den USA
Stationen
Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin bei PwC Austria, Tätigkeit in New York; Eintritt in die Frutura Obst und Gemüse Kompetenzzentrum GmbH 2013; Geschäftsführerin seit 2016
Aktuell
Geschäftsführerin der Frutura Obst und Gemüse Kompetenzzentrum GmbH, gemeinsam mit ihrem Vater Manfred Hohensinner
Auszeichnungen
EY Entrepreneur Of The Year Award 2022, Kategorie Handel und Dienstleistungen; Vertreterin Österreichs beim EY World Entrepreneur Of The Year Award 2023; Auszeichnung des Unternehmens als Austria's Best Managed Company 2022
Weitere Funktionen
Mitinitiatorin des Umwelt- und Gesellschaftsprojekts BioBienenApfel; Mitglied der Unternehmerorganisation YPO

Von der Wirtschaftsprüfung in den Gemüsehandel

Katrin Hohensinner-Häupl absolvierte ein Studium mit Schwerpunkt Finanzen und Steuern und qualifizierte sich anschließend doppelt: als Steuerberaterin in Österreich und als Certified Public Accountant in den USA. Sie arbeitete für PwC Austria, unter anderem in New York.

2013 kehrte sie zurück und stieg in den Betrieb ihres Vaters ein. Über die Anfangszeit sagte sie später, sie habe das Unternehmen zwar als Kind gekannt, aber sehr viel lernen müssen - und als Tochter des Gründers in einer Branche, die kaum von Frauen geführt wird, doppelt so hart arbeiten müssen. 2016 übernahm sie die Geschäftsführung.

Ihr fachlicher Hintergrund erklärt, welchen Teil des Unternehmens sie verändert hat. Ein Betrieb, der aus dem bäuerlichen Zusammenschluss gewachsen ist, hat typischerweise starke Produktion und schwache Struktur: Controlling, Finanzierung, Prozesse und IT hinken dem Wachstum hinterher. Genau dort setzte sie an.

Die Auszeichnung 2022

Im Herbst 2022 erhielt sie in der Wiener Hofburg den EY Entrepreneur Of The Year Award in der Kategorie Handel und Dienstleistungen. Erich Lehner, Managing Partner Markets bei EY Österreich, begründete die Wahl so: „Katrin Hohensinner-Häupl ist es wichtig, die Tradition des von drei Landwirten unter Federführung Ihres Vaters Manfred Hohensinner erfolgreich aufgebauten Familienunternehmens zu bewahren, doch zeitgleich Neues, Modernes zu etablieren und damit (Mehr-)Wert für Frutura zu schaffen. Mit Umsicht und Weitblick treibt sie die Transformation in Richtung Modernisierung und Digitalisierung voran und konnte so innerhalb der letzten zwei Jahre den Geschäftsumsatz verdoppeln."

2023 vertrat sie Österreich beim EY World Entrepreneur Of The Year Award. Der Preis bewertet Wachstum, Zukunftspotenzial, Innovation, Mitarbeiterführung und gesellschaftliche Verantwortung. Im selben Zeitraum wurde Frutura als Austria's Best Managed Company 2022 ausgezeichnet.

Ihr eigenes Verständnis von Unternehmensführung formulierte sie bei diesem Anlass so: „Nachhaltigkeit, Innovation und Wertschätzung - sowohl im respektvollen Umgang mit den Mitarbeitern als auch im schonenden Umgang mit den Ressourcen der Natur - sind die Fundamente, auf dem die Unternehmenskultur von Frutura aufbaut."

Das Unternehmen, das sie führt

Kennzahl Wert
Umsatz rund 580 Mio. € (letztes Wirtschaftsjahr)
Beschäftigte rund 900
Produzenten im Netzwerk über 1.000, aus Österreich und 40 weiteren Ländern
Belieferte Haushalte 1,3 Millionen österreichische Haushalte täglich
Jahresmenge 280.000 Tonnen Obst und Gemüse
Bilanzsumme (30. Juni 2025) 186,8 Mio. €, Eigenkapital 54,1 Mio. €

Zur Reichweite des Geschäfts sagte Hohensinner-Häupl: „Wir versorgen 1,3 Millionen österreichische Haushalte täglich mit Obst und Gemüse." Wichtigster Abnehmer ist Spar mit rund 1.600 Standorten - eine Konzentration, die dem Unternehmen Planungssicherheit gibt und es zugleich an einen Partner bindet.

Das Sortiment reicht weit über die eigene Produktion hinaus: Neben dem Blumauer Gemüse aus den Geothermie-Gewächshäusern - Tomaten, Spitzpaprika, Gurken, Radieschen, Melanzani - stehen der Steiermark Genuss Apfel und die Genuss Birne im Programm, dazu Marillen, Kirschen, Erdäpfel und Zwiebel. Seit 2010 betreibt Frutura in Hartl eine Bananenreifanlage, 2017 kamen Mangos und Avocados dazu. Eine neue Linie sind Bio-Champignons aus Blumau.

Gut zu wissen:
Eine Bananenreifanlage ist der Grund, warum ein regionaler Obstvermarkter auch Importware führt: Bananen werden grün verschifft und müssen unter kontrollierter Temperatur und Ethylenzufuhr nachreifen. Wer diese Anlage im Haus hat, kontrolliert Qualität und Liefertermin selbst, statt sie zuzukaufen. Für Frutura war das der Einstieg in ein Vollsortiment - und damit in die Rolle des Komplettlieferanten für den Handel.

Nachhaltigkeit als Geschäftsmodell

Der bekannteste Teil des Unternehmens sind die mit Erdwärme beheizten Gewächshäuser in Bad Blumau, die ihr Vater als erster Landwirt Österreichs realisierte. Hohensinner-Häupl ordnet sie nicht als Umweltprojekt ein, sondern als Voraussetzung für langfristige Produktion: „Wir sind langfristig ausgerichtet und wollen auch in der Zukunft erfolgreich produzieren. Damit das möglich ist, muss man stark in Richtung Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung gehen. Dazu gehört in unserem Fall etwa ein gesunder Boden."

Dazu kommen Regenwasser-Kreisläufe und die Reduktion von Kunststoffverpackungen. Ihr Leitsatz dazu ist knapp: „Wir leben zwar im Heute, aber für das Morgen."

Gemeinsam mit ihrem Vater startete sie das Projekt BioBienenApfel, das über kostenloses Saatgut Blühflächen schafft und zur ersten privaten Initiative wurde, mit der das Europäische Parlament eine Kooperation im Sinne des Green Deal einging.

Einordnung

Die Lebensmittelbranche ist in Österreich von wenigen großen Handelsketten geprägt, und Lieferanten stehen unter permanentem Preisdruck. Ein Betrieb, der aus dem bäuerlichen Zusammenschluss kommt und dennoch 580 Millionen Euro Umsatz erreicht, hat diesen Druck nicht umgangen, sondern durch Größe und Sortimentsbreite beantwortet.

Was Hohensinner-Häupls Rolle dabei besonders macht, ist die Kombination: Sie ist Nachfolgerin in einem Familienbetrieb und hat zugleich eine externe Qualifikation mitgebracht, die dort vorher fehlte. Diese Konstellation ist bei steirischen Betriebsübergaben eher die Ausnahme - häufiger übernimmt die nächste Generation nach einer Laufbahn im eigenen Haus. Sie zählt damit zu den Frauen an der Spitze der steirischen Wirtschaft und zu den prägenden Figuren der oststeirischen Wirtschaft.

Ausblick: Frutura hat den Umsatz in kurzer Zeit verdoppelt, ein Verteilzentrum in Oberösterreich aufgebaut und mit Bio-Champignons eine neue Produktlinie begonnen. Das Wachstum bindet Kapital in Anlagen, die über Jahrzehnte laufen. Für die Geschäftsführung heißt das, den Ausbau so zu takten, dass die Abhängigkeit von einem dominierenden Handelspartner nicht steigt, während die eigene Produktion unter Glas weiter wächst.

Quellen