- Die Creative Industries Styria GmbH stellte ihren operativen Betrieb mit 31. Dezember 2025 ein, nach 18 Jahren als Netzwerkgesellschaft für die steirische Kreativwirtschaft.
- Erfahren hat das Team davon am 15. September 2025 um 13 Uhr. Die Eigentümer konnten sich nicht auf eine weitere gemeinsame Finanzierung einigen.
- Gesellschafter waren die SFG als Mehrheitseigentümerin, die Stadt Graz und die WKO Steiermark.
- Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer setzte damit eine Empfehlung des Landesrechnungshofs aus dem Jahr 2021 um, die Kreativförderung direkt bei der SFG anzusiedeln.
- Die Agenden liegen seit Jänner 2026 bei SFG, Stadt Graz und Wirtschaftskammer. Designmonat Graz und der Titel UNESCO City of Design laufen weiter.
- Die Branche ist wirtschaftlich gewichtig: rund 8.900 Betriebe, 22.500 Beschäftigte und 2,6 Milliarden Euro Umsatz.
Am Montag, dem 15. September 2025, erfuhr die Belegschaft der Creative Industries Styria um 13 Uhr, dass es ihre Gesellschaft nicht mehr lange geben würde. Dreieinhalb Monate später, mit 31. Dezember 2025, endete der operative Betrieb nach 18 Jahren. In der Mitteilung an das Netzwerk fand das Team deutliche Worte: „Was eine kritische Mahnung hätte sein sollen, wird ab Jänner 2026 leider bittere Realität."
Was die Creative Industries Styria war
Gegründet wurde die CIS 2007 als Netzwerkgesellschaft des Landes Steiermark. Ihr Auftrag lag zwischen den Welten: Sie verstand sich als Brückenbauerin zwischen Kreativbranche und klassischer Wirtschaft und arbeitete entlang von drei strategischen Feldern, die Bewusstseinsbildung und Standortprofil, eigene Projekte sowie Netzwerk und Service umfassten. Zuletzt zählte das Netzwerk rund 1.800 Mitglieder.
Geführt wurde die Gesellschaft von Anfang an von Eberhard Schrempf, der die Geschäftsführung im August 2025 nach 18 Jahren abgab. Unter seiner Leitung entstanden Formate, die weit über die Branche hinaus wirkten.
| Projekt | Bilanz |
|---|---|
| Designmonat Graz | über eine Million Besucherinnen und Besucher, 1.400 Programmpartner |
| Erlebniswelt Wirtschaft | 4,5 Millionen erreichte Menschen |
| UNESCO City of Design Graz | Titel seit März 2011, laufende Betreuung des internationalen Netzwerks |
| Austrian Design Talks | zehn Jahre lang Treffpunkt von Design, Wirtschaft und Politik auf Schloss Hollenegg |
| Netzwerk | rund 1.800 Mitglieder, etwa 1.000 Anfragen und 10.000 Medienclippings |
Der Titel UNESCO City of Design, den Graz im März 2011 erhielt, war dabei mehr als ein Etikett. Schrempf ordnete ihn als strategischen Standortfaktor ein: Damit sei nicht nur die internationale Sichtbarkeit der Stadt gestiegen, sondern auch eine klare Botschaft gesendet worden, dass Kreativität und Design strategische Faktoren sind.
Wie es zur Auflösung kam
Die offizielle Begründung der Gesellschaft war knapp: „Die Eigentümer:innen konnten sich nicht auf eine weitere gemeinsame Finanzierung der Gesellschaft einigen." Eigentümer waren die Steirische Wirtschaftsförderung SFG als Mehrheitsgesellschafterin, die Stadt Graz und die Wirtschaftskammer Steiermark.
Aus Sicht des Landes handelte es sich nicht um eine Streichung, sondern um eine Umschichtung. Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer schlug vor, die Themen Kreativwirtschaft und Design direkt bei der SFG zu bündeln und stärker als clusterübergreifende Aktivität mit Fokus auf die Unternehmen zu führen. Die Darstellung des Landes verweist dabei auf eine Empfehlung des Landesrechnungshofs aus dem Jahr 2021, wonach die Kreativitätsförderung auch über andere Wege möglich sei, etwa über direkt bei der SFG angesiedelte Förderprogramme. Einem Teil der Belegschaft wurde angeboten, im neuen Konzept bei der SFG weiterzuarbeiten.
Ehrenhöfer war zum Zeitpunkt der Entscheidung ein gutes halbes Jahr im Amt. Der ÖVP-Politiker wurde am 6. März 2025 als Landesrat für Wirtschaft, Arbeit, Finanzen sowie Wissenschaft und Forschung angelobt und folgte damit Barbara Eibinger-Miedl nach, die als Staatssekretärin ins Finanzministerium wechselte. Davor leitete er seit 2012 als Forstdirektor den Forstbetrieb Franz Mayr-Melnhof-Saurau.
Der scheidende Geschäftsführer Eberhard Schrempf fasste den Verlust in einem Satz zusammen, der seither in der Branche zitiert wird: „Ohne Creative Industries Styria fehlt dem Land ein kreatives Rückgrat."
Wer die Aufgaben übernommen hat
Seit 1. Jänner 2026 verteilen sich die Agenden auf drei Häuser. Die Absicht der Partner ist, das Thema noch stärker sektorübergreifend zu positionieren, also Kreativleistungen als Innovationstreiber für andere Branchen zu verankern statt als eigenen Sektor zu betreuen.
SFG Steirische Wirtschaftsförderung: Katharina Kern
Stadt Graz, Abteilung für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung: Karin Hojak-Talaber
Wirtschaftskammer Steiermark: Gabriele Lechner und Robert Steinegger
Designmonat Graz und der Titel UNESCO City of Design werden unter der neuen Trägerstruktur fortgeführt.
Die Verantwortlichen der drei Gesellschafter äußerten sich zum Übergang jeweils in Richtung Fortsetzung. SFG-Geschäftsführer Christoph Ludwig würdigte die Arbeit der aufgelösten Gesellschaft: „Creative Industries Styria leisten seit fast 20 Jahren einen wertvollen Beitrag zur steirischen Cluster-Erfolgsgeschichte." Der Grazer Wirtschafts-, Bildungs- und Sportstadtrat Kurt Hohensinner kündigte an: „Gemeinsam werden wir neue Wege finden, um die Kreativszene in Graz zu stärken und Chancen zu nutzen." Und Gabriele Lechner, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Steiermark, formulierte den inhaltlichen Anspruch: „Ziel muss ein systematisches Bewusstsein für die wirtschaftliche Bedeutung kreativer Methoden sein."
Was auf dem Spiel steht: die Branche in Zahlen
Wie gewichtig das Feld ist, zeigt eine Erhebung der SFG vom Februar 2025. Die Kreativwirtschaft stellt rund 11 Prozent aller steirischen Unternehmen.
| Kennzahl | Steiermark |
|---|---|
| Betriebe | rund 8.900, das sind 11 Prozent aller Unternehmen |
| Beschäftigte | 22.500 |
| Umsatz | 2,6 Milliarden Euro pro Jahr |
| Bruttowertschöpfung | 1 Milliarde Euro |
| Stärkste Teilbranche | Software und Games mit 46 Prozent der Wertschöpfung, vor Werbung, Design und Fotografie mit 15 Prozent sowie Architektur mit 14 Prozent |
| Konzentration auf Graz | die Hälfte aller Kreativbetriebe, zwei Drittel der Wertschöpfung, 1,2 Milliarden Euro Umsatz |
Die Entwicklung verlief lange steil nach oben: Seit 2010 sind Betriebs- und Beschäftigtenzahl um jeweils rund 50 Prozent gestiegen, Umsatz und Wertschöpfung haben sich nahezu verdoppelt. Zuletzt legte der Umsatz um 20 Prozent und die Beschäftigung um 4 Prozent zu, während die Zahl der Betriebe um 2 Prozent zurückging, ausschließlich bei den Kleinstunternehmen. Näheres zur Struktur des Sektors steht im Beitrag zur Kreativwirtschaft in Graz.
Die Kreativwirtschaft besteht überwiegend aus sehr kleinen Einheiten. Rund 8.900 Betriebe teilen sich 22.500 Beschäftigte, das sind im Schnitt etwa 2,5 Personen je Unternehmen. Für solche Strukturen ist eine gemeinsame Anlaufstelle mit eigenem Personal etwas anderes als für Industriebetriebe mit eigener Marketingabteilung. Ob die neue Aufteilung auf drei Häuser diese Funktion ersetzen kann, wird sich an der Praxis zeigen.
Was offen bleibt
Unstrittig ist, dass die Themen weiterlaufen sollen: Für Designmonat und UNESCO-Titel gibt es benannte Ansprechpartnerinnen, Budget und Personal wurden bei der SFG zugesagt. Offen ist, was mit den Funktionen geschieht, die sich nicht in Förderprogramme übersetzen lassen. Eine Mitgliederstruktur mit 1.800 Betrieben, ein laufendes Veranstaltungsprogramm und die Rolle als neutrale Vermittlerin zwischen Kreativen und Industrie waren keine Förderlinien, sondern Alltagsgeschäft einer eigenen Organisation.
Sichtbar wurde die Lücke bereits im Herbst 2025: Die letzte Creative Night in Graz fiel mit der Eröffnung des zweiten Standorts von Hartinger Consulting zusammen, ein Format, das die Ateliers der Stadt für ein breites Publikum öffnete. Auch beim Green Panther war die CIS jahrelang Netzwerkpartnerin. Der Werbepreis selbst bleibt der Wirtschaftskammer erhalten, das Umfeld an Veranstaltungen ist dünner geworden.
Quellen
- Creative Industries Styria: Eine Steiermark ohne kreatives Rückgrat (15. September 2025)
- Land Steiermark: Steirische Kreativwirtschaft wird neu strukturiert
- Creative Industries Styria: Ihre Ansprechpartner:innen in Sachen Kreativwirtschaft
- Eberhard Schrempf: Abschied nach 18 Jahren, ein persönlicher Rückblick
- Creative Industries Styria: Zur Zukunft der Kreativwirtschaft in der Steiermark
- SFG: Kreativwirtschaft Steiermark, Umsatz seit 2010 verdoppelt
- City of Design Graz: Auflösung der Creative Industries Styria
- MeinBezirk Graz: Aus nach 18 Jahren, die CIS wird aufgelöst