- Der Silicon Alps Cluster ist Österreichs Netzwerk für elektronische und softwarebasierte Systeme und wurde 2016 gegründet.
- Er war die erste länderübergreifende Clusterstruktur Österreichs: Getragen wird er gemeinsam von der Steiermark und Kärnten.
- Gesellschafter sind die SFG, die Kärntner BABEG sowie die Industriellenvereinigungen beider Bundesländer, dazu Unternehmen wie Infineon, AT&S, AVL, NXP und Intel.
- Hauptsitz ist Villach, ein zweiter Standort liegt in der Grazer Inffeldgasse. Geschäftsführer ist Robert Gfrerer, das Kernteam umfasst elf Personen.
- Im Juni 2026 feierte der Cluster in Villach sein zehnjähriges Bestehen.
- Südösterreich steht für rund 80 Prozent der heimischen Wertschöpfung in der Mikro- und Nanoelektronik.
Rund 80 Prozent der österreichischen Wertschöpfung in der Mikro- und Nanoelektronik entstehen im Süden des Landes, und mehr als die Hälfte aller technisch-wissenschaftlichen Forscherinnen und Forscher Österreichs arbeitet in der Steiermark und in Kärnten. Allein in der Steiermark hängen an der Mikroelektronik rund 8.000 Arbeitsplätze. Aus dieser Ausgangslage entstand 2016 eine für Österreich neuartige Konstruktion: ein Cluster, der nicht an einer Landesgrenze endet.
Zwei Bundesländer, ein Cluster
Die Silicon Alps Cluster GmbH wurde im August 2016 gegründet, gemeinsam von der Steiermark, Kärnten und dem Bund. Sie war damit die erste länderübergreifende Clusterstruktur dieser Art in Österreich. Die Logik dahinter ist naheliegend: Die Halbleiterindustrie rund um Villach und die Elektronik- und Sensorik-Kompetenz rund um Graz und Leoben bilden gemeinsam eine kritische Masse, die jedes Bundesland für sich allein nicht erreicht.
Getragen wird der Cluster von der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG, der Kärntner Standortagentur BABEG und den Industriellenvereinigungen beider Länder. Dazu kommen Unternehmen als Gesellschafter, darunter Infineon, AT&S, AVL und NXP. Intel stieg mit 1. März 2017 als Gesellschafter ein.
Die Anschubfinanzierung lag bei rund einer Million Euro jährlich. Kärnten und die Steiermark stellten je 750.000 Euro bereit, verteilt auf 250.000 Euro pro Jahr über drei Jahre. Die beteiligten Industrieunternehmen steuern je 25.000 Euro pro Jahr bei. Zum Start standen zusätzlich 2,25 Millionen Euro zur Verfügung.
Woran gearbeitet wird
Der Cluster versteht sich als Netzwerk für elektronische und softwarebasierte Systeme und bündelt seine Arbeit in fünf Schwerpunkten.
| Schwerpunkt | Anwendungsfeld |
|---|---|
| Power Electronics | Leistungselektronik, etwa für Energietechnik und Elektromobilität |
| Smart Sensor Systems | Sensorik für Industrie, Fahrzeuge und Medizintechnik |
| RFID und Wireless IoT | Funkerkennung und vernetzte Geräte |
| Cyber Security Systems | Absicherung vernetzter Systeme |
| Elektronische und softwarebasierte Systeme | übergreifende Systemthemen entlang der gesamten Kette |
Nach eigenen Angaben arbeitet der Cluster mit mehr als hundert Kooperationspartnern aus Industrie, Forschung und Bildung zusammen. Zum Start im Februar 2017 waren es 64 Mitgliedsunternehmen. Neben der Vernetzung organisiert das Haus Veranstaltungen, begleitet Förderanträge und beobachtet Technologietrends.
Geführt wird die Gesellschaft von Robert Gfrerer, der den Schwerpunkt seiner Arbeit auf das Anstoßen von Kooperationsprojekten und eine Kultur der Zusammenarbeit in der Region legt. Das Kernteam umfasst elf Personen, verteilt auf Finanzen, Geschäftsentwicklung, Kommunikation und einzelne Technologiefelder. Der Hauptsitz liegt im Technologiepark Villach, der steirische Standort in der Inffeldgasse 33 in Graz, in unmittelbarer Nachbarschaft zur TU Graz.
Zehn Jahre und ein Bundesprojekt im Hintergrund
Am 10. Juni 2026 beging der Cluster im Bambergsaal in Villach sein zehnjähriges Bestehen, verbunden mit dem Partnertreffen „Light up the Alps". Der Nachmittag war den Partnern vorbehalten, der Abend öffentlich zugänglich.
Die Gründung fiel in eine Phase, in der die Region ihre Position auch auf Bundesebene absicherte: Parallel liefen eine Ausschreibung über vier Millionen Euro für Kooperationsprojekte zwischen Wissenschaft und Industrie sowie die Bewerbung um das mit 50 Millionen Euro dotierte Forschungszentrum Silicon Austria Labs. Der Cluster war dabei die organisatorische Klammer, die den beiden Bundesländern einen gemeinsamen Auftritt ermöglichte.
Clusterinitiativen enden in Österreich üblicherweise an der Landesgrenze, weil sie aus Landesmitteln finanziert werden. Silicon Alps zeigt, dass zwei Länder eine gemeinsame Gesellschaft tragen können, wenn die Branche ohnehin über die Grenze hinweg zusammenarbeitet. Für steirische Zulieferer bedeutet das direkten Zugang zum Halbleiterstandort Villach, für Kärntner Betriebe umgekehrt Zugang zur Forschungslandschaft rund um Graz und Leoben.
Einordnung im steirischen Clustersystem
Die SFG ist an mehreren Cluster- und Netzwerkinitiativen beteiligt. Neben Silicon Alps zählen dazu der AC Styria für Mobilitätstechnik, das Green Tech Valley für Umwelttechnik und Human Technology Styria für Life Sciences. Silicon Alps unterscheidet sich von diesen dadurch, dass die Steiermark ihn nicht allein steuert, sondern mit einem zweiten Bundesland teilt.
Inhaltlich überschneidet sich das Feld mit mehreren steirischen Leitbetrieben: AT&S in Leoben fertigt IC-Substrate, ams OSRAM in Premstätten entwickelt Sensorik, und die Softwarebranche rund um Graz liefert die Systemebene dazu.