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Donnerstag, 23. April 2026 Kontakt
Förderungen

FFG-Förderungen für Forschung und Entwicklung in der Steiermark - Basisprogramm, COMET und Themen-Calls

FFG-Förderungen für Forschung und Entwicklung in der Steiermark - Basisprogramm, COMET und Themen-Calls

Die Steiermark ist laut Forschungsquote (rund 5,1 Prozent des Bruttoregionalprodukts) die forschungsintensivste Region Österreichs und eine der Top-3-Regionen Europas. Dahinter steckt ein dichtes Netz aus Universitäten, COMET-Kompetenzzentren und innovativen Betrieben - und mittendrin die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG). Für steirische Unternehmen ist sie neben der SFG die wichtigste Adresse, wenn es um Forschungs- und Entwicklungsprojekte geht.

Das Wichtigste in Kürze
  • FFG-Basisprogramm: Projektvolumen bis 3 Mio. €, Förderquote typischerweise 50 Prozent, für Startups bis 70 Prozent
  • COMET-Programm: Kompetenzzentren mit K1 (Basis), K2 (Super-Competence) und InTraCCC-Projekten
  • Sechs COMET-Zentren in der Steiermark, darunter Virtual Vehicle (K2), Know-Center (K1) und Bioenergy 2020+ (K1)
  • Steirische KMU erhalten über den SFG-Steiermark!Bonus automatisch 20 Prozent Aufschlag auf FFG-Darlehen
  • Thematische Programme 2026 mit Schwerpunkten Klimaneutralität, Digitalisierung, Mobilität, Kreislaufwirtschaft
  • Einreichung zentral über den FFG eCall, Budgets werden kontinuierlich aufgestockt

Das FFG-Basisprogramm - das Arbeitspferd der F&E-Förderung

Das FFG-Basisprogramm 2026 ist die flexibelste und am breitesten genutzte Forschungsförderung Österreichs. Antragsberechtigt ist jedes Unternehmen mit F&E-Aktivitäten in Österreich, unabhängig von Branche oder Unternehmensgröße. Projekte mit einem Volumen bis drei Millionen Euro werden im regulären Basisprogramm bearbeitet, kleinere Vorhaben (bis 150.000 Euro) laufen über das Basisprogramm Kleinprojekt mit vereinfachtem Verfahren.

Die Förderung besteht aus einer Mischung aus Zuschuss und zinsgünstigem Darlehen. Die Gesamtförderquote liegt bei 50 Prozent für Großunternehmen, 60 Prozent für mittlere Unternehmen und bis zu 70 Prozent für Kleinstunternehmen und Startups. Die Aufteilung Zuschuss/Darlehen hängt von Projektrisiko und -charakter ab. Typisch ist ein Verhältnis von etwa 40 Prozent Zuschuss zu 60 Prozent Darlehen.

Einreichungen laufen ganzjährig - es gibt keine festen Deadlines. Die Entscheidung fällt nach Prüfung durch interne Gutachter und gegebenenfalls externe Experten. Bearbeitungsdauer: rund drei bis sechs Monate ab vollständiger Einreichung.

COMET - die Kompetenzzentren-Säule

Die Steiermark gilt als COMET-Hochburg. Das Programm (Competence Centers for Excellent Technologies) wurde 2007 von FFG und aws gestartet und bündelt Forschungskooperationen zwischen Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen in Form eigener Forschungsgesellschaften mit mehrjähriger Programmlaufzeit.

K2-Zentren in der Steiermark

K2-Zentren sind die höchste Stufe mit besonders ambitionierten Forschungsprogrammen, hohem Forschungsrisiko und internationaler Ausrichtung. Ein herausragender steirischer Vertreter ist das Virtual Vehicle (ViF) in Graz - ein K2-Zentrum, das sich seit 2018 auf das Programm Digital Mobility und kontextbezogene Fahrzeugtechnologien konzentriert. Partner sind Unternehmen wie AVL, Magna Steyr und Siemens Mobility sowie die TU Graz.

K1-Zentren mit Standort Steiermark

K1-Zentren haben im Vergleich geringeres Forschungsrisiko, dafür mehr Industriepartner. Steirische Beispiele:

  • Know-Center (Graz): Data-Driven Business and Big Data Analytics, später als Research Center for Trustworthy AI & Data gebrandet
  • Bioenergy 2020+: energetische Biomasse-Nutzung entlang der gesamten Wertschöpfungskette, Sitz Graz/Wieselburg
  • RCPE (Research Center Pharmaceutical Engineering): Graz, pharmazeutische Verfahrenstechnik
  • evolaris next level (Graz): digitale Assistenzsysteme, Augmented Reality

K-Projekte

K-Projekte sind kürzer laufende Kooperationsprojekte mit geringerem Volumen - eine Art Einstiegsstufe zu den COMET-Zentren. Die COMET-Projekte-Ausschreibung 2026 wurde von der FFG für das erste Quartal 2026 veröffentlicht.

Thematische Programme - von Klimaneutralität bis KI

Neben dem Basisprogramm schreibt die FFG zahlreiche thematische Programme aus, die politische Schwerpunkte umsetzen. Für 2026 sind folgende Schienen besonders relevant für steirische Unternehmen:

  • Klima- und Energiefonds-Calls: Dekarbonisierung der Industrie, Wasserstoff-Technologien, Netz-Infrastruktur
  • Mobilität der Zukunft: automatisiertes Fahren, nachhaltige Mobilitätskonzepte, Luftfahrtsystem
  • Produktion der Zukunft: Industrie 4.0, Digitalisierung, Ressourcen- und Energieeffizienz
  • IKT der Zukunft: KI, Quantentechnologien, Cybersecurity
  • Bridge: Brückenschlag zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung

Thematische Programme haben fixe Calls mit Einreichterminen, meist zwei- bis dreimal pro Jahr. Die Förderquoten sind häufig höher als im Basisprogramm, weil politisch gewollte Schwerpunkte gesetzt werden sollen.

Überblick der FFG-Programme

Programm Projektvolumen Förderquote Einreichung
Basisprogramm bis 3 Mio. € 50-70 % laufend
Basisprogramm Kleinprojekt bis 150.000 € 50-70 % laufend
COMET K1 mehrjährige Programme bis 45 % Call-Runden
COMET K2 mehrjährige Programme bis 50 % Call-Runden
Bridge bis 500.000 € bis 100 % ein Call/Jahr
Thematische Calls variabel bis 85 % fixe Termine

Der Steiermark!Bonus - automatische Aufstockung

Was viele steirische Unternehmen übersehen: Wer eine FFG-Basisprogramm-Zusage bekommt, erhält automatisch einen regionalen Zuschlag über den Steiermark!Bonus der SFG. KMU bis 249 Beschäftigte erhalten den Darlehensteil der FFG um 20 Prozent erhöht, ohne dass sie zusätzliche Anträge stellen müssen. Die Beantragung erfolgt direkt über den FFG eCall.

Großunternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern erhalten einen 5-Prozent-Zuschuss, allerdings nur für Projekte mit Schwerpunkten Digitalisierung, Nachhaltigkeit oder Wertschöpfungs-Transformation. Die Abwicklung übernimmt die FFG, die Auszahlung erfolgt im selben Verfahren wie das Hauptprojekt.

Antragsqualität entscheidet

Die FFG lehnt auch in der Hochphase nicht alle Anträge ab, aber das Qualitätsniveau ist anspruchsvoller als bei regionalen Zuschüssen. Erfolgreiche Anträge zeichnen sich durch drei Dinge aus: Ein klar definiertes F&E-Problem (nicht Produktentwicklung ohne Forschungscharakter), ein überzeugendes Konsortium bei Kooperationsprojekten und einen realistischen Kostenplan mit Personalkosten auf marktüblichem Niveau.

Praxis-Tipp:
Neu-Antragsteller sollten ein kostenloses Erstgespräch mit einem FFG-Förderreferenten führen, bevor sie den Antrag einreichen. Dabei wird geklärt, ob das Projekt überhaupt in den F&E-Bereich fällt oder eher eine Marktumsetzung ist. Letzteres wäre im SFG-Bereich besser aufgehoben (etwa Ideen!Reich). Diese Weichenstellung spart Monate an Frustration.

Die Rolle der TU Graz und Joanneum Research

Die steirische COMET- und Forschungslandschaft lebt vom Zusammenspiel der Wirtschaft mit Universitäten und außeruniversitärer Forschung. Zentral sind die TU Graz (mit ihren fünf Fields of Expertise) und Joanneum Research als größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Steiermark. Beide sind regelmäßig wissenschaftliche Partner in FFG-Projekten und COMET-Zentren. Für KMU ohne eigene F&E-Abteilung ist die Kooperation mit einer dieser Einrichtungen oft der Einstieg in die FFG-Welt.

Wichtige Einschränkung:
FFG-Förderungen setzen echten Forschungs- oder Entwicklungscharakter voraus. Reine Anschaffung von Standard-Software, Weiterbildung oder Marketing-Projekte sind nicht förderfähig. Die Abgrenzung zu Innovationsförderungen (SFG, aws) ist nicht immer eindeutig - im Zweifel entscheidet die FFG nach dem Kriterium des wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritts.
Rechtlicher Hinweis:
Diese Informationen ersetzen keine professionelle Beratung. Aktuelle Fördersätze, Einreichfristen und Bedingungen bitte direkt bei der Förderstelle oder beim Fördermittelberater prüfen.
Ausblick: Die FFG kündigte für 2026 eine Strukturvereinfachung bei den thematischen Programmen an - weniger, dafür größere Calls mit breiterer thematischer Reichweite. Die COMET-Zentren laufen in der aktuellen Periode bis 2027, die nächste Ausschreibungsrunde wird 2026 vorbereitet. Für steirische Unternehmen dürfte die Dichte an lokalen Kompetenzzentren damit auch in den nächsten Jahren ein Wettbewerbsvorteil bleiben.

Quellen