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Donnerstag, 23. April 2026 Kontakt
Förderungen

Horizon Europe für steirische KMU - wie Unternehmen an EU-Geld kommen

Horizon Europe für steirische KMU - wie Unternehmen an EU-Geld kommen

Das EU-Forschungsrahmenprogramm Horizon Europe verfügt bis 2027 über rund 93,5 Milliarden Euro Budget. Für das Arbeitsprogramm 2026-2027 sind allein 4,9 Milliarden Euro für Klimaaktivitäten reserviert. Trotzdem liegt die Rückflussquote Österreichs unter dem eigentlich möglichen Niveau - viele steirische KMU scheuen den Aufwand. Dabei sind die Fördersummen im EU-Vergleich meist deutlich höher als bei nationalen Programmen, und seit 2023 gibt es mit dem EIC Accelerator Plug-In einen Direktzugang für Unternehmen, die bereits national gefördert wurden.

Das Wichtigste in Kürze
  • EIC Accelerator: Zuschuss bis 2,5 Mio. € plus Beteiligung bis 15 Mio. € - insgesamt bis 17,5 Mio. € pro Projekt
  • Cluster 4 Digital, Industry & Space: rund 437 Mio. € für Klima-relevante Projekte 2026-2027
  • Cluster 5 Climate, Energy and Mobility: 1,64 Mrd. € Klimabudget, Fokus Energiespeicher, erneuerbare Erzeugung, Transport
  • EIC Accelerator Plug-In: Österreichisches Zusatzinstrument, ermöglicht Direkteinstieg in den Full-Proposal-Schritt
  • Nationaler Kontaktpunkt: FFG-Europabüro, kostenlose Beratung und Antragstraining
  • Erfolgreiche steirische Beispiele unter anderem von TU-Graz-Spin-offs und Maschinenbauunternehmen

Die Struktur von Horizon Europe

Horizon Europe ist das neunte Forschungs-Rahmenprogramm der EU und läuft von 2021 bis 2027. Es gliedert sich in drei Säulen: Excellent Science (Grundlagenforschung), Global Challenges & European Industrial Competitiveness (sechs Cluster) und Innovative Europe (u.a. European Innovation Council). Für KMU sind vor allem die Cluster und der EIC relevant.

Cluster 4 - Digital, Industry and Space

Cluster 4 fokussiert Schlüsseltechnologien für die europäische Industrie: Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, fortschrittliche Materialien, kreislauffähige Industrieprodukte und Raumfahrt. Das Arbeitsprogramm 2026-2027 widmet 437 Millionen Euro allein klimarelevanten Initiativen in den Bereichen Low-Carbon-Industrie, Clean Industry und zirkuläre Wertschöpfung. Für steirische Industriebetriebe (Automotive, Metall, Pharma) ist das ein zentrales Budget.

Cluster 5 - Climate, Energy and Mobility

Cluster 5 hat im aktuellen Arbeitsprogramm ein geschätztes Klimabudget von 1,64 Milliarden Euro - die höchste Summe aller Cluster. Schwerpunkte: Klimawissenschaft, Batterie- und Wasserstofftechnologien, erneuerbare Erzeugung, flexible Stromnetze, emissionsarme Fahrzeuge, nachhaltige Luftfahrt und Schiffstransport. Für steirische Mobilitäts- und Energieunternehmen (AVL, Magna Steyr, Virtual Vehicle, Energie Steiermark) ist Cluster 5 der zentrale Adressat.

EIC Accelerator - der Goldstandard für Deep-Tech-Scaleups

Der EIC Accelerator ist der prestigeträchtigste Einzeltopf für KMU im gesamten EU-Förderkosmos. Er richtet sich an Startups und KMU mit disruptiven Innovationen und Skalierungspotenzial über europäische Grenzen hinaus. Die Finanzierung besteht aus zwei Teilen:

  • Grant: bis zu 2,5 Millionen Euro Zuschuss für Entwicklung und Markteinführung (TRL 6-8)
  • Equity Investment: bis zu 15 Millionen Euro Beteiligung durch den EIC-Fonds für Kommerzialisierung und Scaling (TRL 9)

Insgesamt können pro Projekt also bis zu 17,5 Millionen Euro mobilisiert werden. Die Antragsverfahren sind mehrstufig: Short Application (Step 1), Full Proposal (Step 2), Remote Jury und Final Interview. Pro Jahr gibt es vier Cut-offs für Step 1 und mehrere für Step 2.

Der EIC Accelerator Plug-In - österreichischer Direkteinstieg

Seit 2023 bietet Österreich den EIC Accelerator Plug-In als nationales Zusatzinstrument. Unternehmen, die bereits im FFG-Basisprogramm, bei Expedition Zukunft, beim Spin-off Fellowship oder bei aws Seedfinancing gefördert wurden, können sich beim Plug-In-Verfahren bewerben. Wer positiv bewertet wird, darf die Short Application überspringen und direkt in die Full-Proposal-Runde einreichen. Die Auswahl erfolgt durch FFG und aws gemeinsam mit einem externen Expertenpool. Das ist ein deutlicher Zeit- und Qualitätsvorteil, weil die Short Application typischerweise mehrere Monate kostet.

Kostenstruktur und Förderquoten

Instrument Förderart Max. Höhe Förderquote
EIC Accelerator Grant Zuschuss 2,5 Mio. € 70 %
EIC Accelerator Equity Beteiligung 15 Mio. € n.a.
Cluster 4 - Industry Zuschuss projektabhängig 70 % KMU, 50 % LU
Cluster 5 - Climate Zuschuss projektabhängig 70 % KMU, 50 % LU
Eurostars Zuschuss n.a. bis 60 %

Die typische Hürde - der Antrag

Horizon-Anträge sind aufwendig. Ein EIC-Accelerator-Full-Proposal umfasst typischerweise 40 bis 50 Seiten technische Beschreibung plus Pitchdeck, Finanzplan und Impact-Bewertung. Für KMU ohne EU-Erfahrung lohnt sich der Antrag erst ab einer gewissen Projektgröße - unter einer Million Euro Fördervolumen rechnet sich der Aufwand selten.

Der Nationale Kontaktpunkt FFG bietet hier kostenlose Unterstützung: Antragstraining, Proposal-Review, Mock-Interviews. Zusätzlich gibt es die SFG, die bei Horizon-Anträgen steirischer Unternehmen beratend unterstützt und Fördergelder für die Antragserstellung (Proposal Check, externe Beratungskosten) zur Verfügung stellen kann.

Typische steirische Horizon-Erfolge

Die Steiermark liegt bei den österreichischen Horizon-Rückflüssen überproportional gut. Erfolgreiche Antragsteller kommen aus drei Bereichen:

  • TU-Graz-Spin-offs: Deep-Tech-Startups im Umfeld Mikroelektronik, Audiotechnologie (etwa USound) und neue Materialien
  • Maschinen- und Anlagenbau: Andritz, AVL, Knapp, SFL technologies - meist als Konsortialführer in Cluster-4-Projekten
  • Mobilität: Virtual Vehicle, AVL, Magna Steyr - klassische Cluster-5-Partner in automotive-Forschungsprojekten

Das FFG meldete zuletzt regelmäßig vier österreichische Unternehmen unter den EIC-Top-Innovatoren pro Call - davon im Schnitt ein bis zwei mit steirischem Bezug.

Praxis-Tipp:
Erfahrungsgemäß entscheidet die Qualität des Impact-Kapitels über Zusage oder Absage - nicht die Technologie. Viele Antragsteller unterschätzen, dass EIC-Evaluatoren geschäftsorientiert denken. Mit klaren Umsatzszenarien, identifizierten Kundensegmenten und einer realistischen Go-to-Market-Strategie steigen die Chancen massiv. Wer nur Technologie beschreibt, fällt durch.

Kooperationsprojekte in den Clustern

Die Cluster-Calls verlangen fast immer Konsortien aus mindestens drei Partnern aus drei verschiedenen EU-Mitgliedstaaten. Für steirische KMU heißt das: Ohne europäisches Netzwerk kein Antrag. Bestehende Kontakte ergeben sich über Branchencluster (AC Styria, Green Tech Valley), EU-Netzwerke (Enterprise Europe Network) und frühere Rahmenprogramme. Wer hier neu einsteigt, sollte mindestens sechs Monate Vorlauf einplanen.

Wichtige Einschränkung:
Die Erfolgsquoten im EIC Accelerator liegen typischerweise bei 5 bis 10 Prozent - deutlich niedriger als bei nationalen Programmen. Wer auf EU-Mittel setzt, braucht einen Plan B. Gleichzeitig gilt: Eine einzelne EU-Zusage kann die Finanzierungssituation eines Startups für mehrere Jahre absichern und öffnet Türen zu weiteren VC-Runden.
Rechtlicher Hinweis:
Diese Informationen ersetzen keine professionelle Beratung. Aktuelle Fördersätze, Einreichfristen und Bedingungen bitte direkt bei der Förderstelle oder beim Fördermittelberater prüfen.
Ausblick: Horizon Europe läuft 2027 aus, ab 2028 startet das Nachfolgeprogramm (voraussichtlicher Arbeitstitel FP10 oder Horizon Europe II). Die EU-Kommission hat im Dezember 2025 das Arbeitsprogramm 2026-2027 verabschiedet - damit sind die Calls für die letzten beiden Laufzeitjahre planbar. Für steirische KMU empfiehlt sich jetzt der Einstieg: Wer 2026/27 erfolgreich fördert, hat beim Nachfolgeprogramm einen Startvorteil in Bezug auf Netzwerke und Antragserfahrung.

Quellen