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Donnerstag, 3. September 2026 Kontakt
Menschen

Gerhard Stark - der Arzt an der Spitze des größten steirischen Arbeitgebers

Das Wichtigste in Kürze
  • Gerhard Stark führt als Vorstandsvorsitzender die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) - mit 19.307 Beschäftigten der größte Arbeitgeber des Landes.
  • Am 1. Dezember 2021 übernahm er den Vorsitz interimistisch, nachdem Karlheinz Tscheliessnigg seine Funktion zurückgelegt hatte. Seit 1. Februar 2023 ist er regulär bestellt, befristet auf fünf Jahre.
  • Stark ist Internist, Angiologe und Intensivmediziner. Von 2003 bis 2011 leitete er die Innere Medizin am LKH Deutschlandsberg, danach war er Ärztlicher Direktor der Elisabethinen in Graz und ab 2016 der gesamten Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder Österreich.
  • Neben der Medizin hat er einen technischen Hintergrund: HTL für Maschinenbau, 1987 Ernennung zum Ingenieur, 1992 Habilitation für Innere Medizin, 2011 Berufstitel Universitätsprofessor.
  • Am 18. März 2022 verlieh ihm die TU Graz die Ehrendoktorwürde für seine Leistungen auf dem Gebiet der Medizintechnik.
  • Die KAGes betreibt sieben Landeskrankenhäuser an 20 Standorten und drei Landespflegezentren, behandelt über 1,35 Millionen Patienten und wendet über 2,4 Milliarden Euro im Jahr auf.

19.307 Beschäftigte, über 2,4 Milliarden Euro betriebliche Aufwendungen, sieben Landeskrankenhäuser an 20 Standorten: Kein Unternehmen in der Steiermark beschäftigt mehr Menschen als die KAGes, und keines wird stärker von der Landespolitik mitgesteuert. An ihrer Spitze steht seit Dezember 2021 ein Mann, der zuvor als Angiologe Katheterinterventionen durchführte und daneben eine HTL für Maschinenbau absolviert hatte.

Lebensdaten
Geboren
13. September 1961
Ausbildung
Höhere technische Lehr- und Versuchsanstalt für Maschinenbau, Klagenfurt (1976-1981); Studium der Medizin an der Karl-Franzens-Universität Graz (1981-1986); Ernennung zum Ingenieur für Maschinenbau (1987); Habilitation für Innere Medizin (1992)
Fachärztliche Qualifikationen
Facharzt für Innere Medizin (seit 1993), Notarzt (seit 1993), Zusatzfacharzt für Angiologie (seit 1995) und für Intensivmedizin (seit 1998)
Stationen
Assistent an der Medizinischen Universitätsklinik Graz (1987-2002); Leiter der Abteilung für Internistische Pharmakotherapie (2001-2002); Vorstand der Abteilung für Innere Medizin am LKH Deutschlandsberg (2003-2011); Ärztlicher Direktor des Krankenhauses der Elisabethinen Graz (2011-2016) und des Marienkrankenhauses Vorau (2012-2016); Ärztlicher Direktor der Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder Österreich (seit 2016)
Aktuell
Vorstandsvorsitzender der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft, zuständig für Kernleistungen, Medizin, Pflege, Personal und Recht
Titel
Univ. Prof. Ing. Dr. Dr. h.c. - Berufstitel Universitätsprofessor 2011, Ehrendoktorwürde der TU Graz am 18. März 2022
Weitere Funktionen
Kammerrat der Ärztekammer Steiermark (seit 2007), 2. Stellvertreter des Kurienobmanns (seit 2012); Bezirksfeuerwehrarzt Bezirk Voitsberg (seit 2004); Vertrauensarzt der Patientenombudschaft (seit 2003); allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger (seit 1998); Herausgeber und Chief Editor der Fachzeitschrift Forum Rhythmologie

Maschinenbau und Medizin parallel

Starks Ausbildungsweg ist ungewöhnlich, und er erklärt viel an seiner späteren Laufbahn. Nach dem Gymnasium in St. Veit an der Glan besuchte er von 1976 bis 1981 die Höhere technische Lehr- und Versuchsanstalt für Maschinenbau in Klagenfurt. Direkt danach begann er in Graz Medizin zu studieren, arbeitete ab 1982 parallel als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medizinische Physik und Biophysik und schloss das Studium 1986 ab. Ein Jahr später wurde er zum Ingenieur für Maschinenbau ernannt.

Von 1987 bis 2002 war er Assistent an der Medizinischen Universitätsklinik Graz. In diese Zeit fallen Forschungsaufenthalte an der Universität Münster, an der Duke University und an der Southwestern Medical School in Dallas. 1992 habilitierte er sich für Innere Medizin, im selben Jahr wurde er stellvertretender Leiter der Arbeitsgruppe für Kardiovaskuläre Biophysik, Physiologie und Pharmakologie.

Seine Forschung drehte sich um Antiarrhythmika und die Erregungsausbreitung im Herzen - Themen an der Grenze von Physik und Medizin. Sechs Forschungsprojekte des Wissenschaftsfonds FWF und des Forschungsförderungsfonds der gewerblichen Wirtschaft laufen zwischen 1989 und 2000 unter seiner Beteiligung. 1988 erhielt er den Staatspreis für Ersatzmethoden zu Tierversuchen, 2009 den Forschungspreis des Landes Steiermark für ein Modell zur Abschätzung von Angebot und Nachfrage bei Fachkräften im Gesundheitswesen - rückblickend ein Thema, das ihn als KAGes-Chef wieder einholen sollte.

Vom Primar zum Klinikmanager

2003 wechselte Stark als Vorstand der Abteilung für Innere Medizin an das LKH Deutschlandsberg und blieb dort bis 2011. Es war der Übergang von der Universitätsmedizin in die regionale Versorgung - und in die Verwaltung. Parallel baute er seine Funktionen in der Ärztekammer Steiermark aus: Vorsitzender der Ausbildungskommission und der Schlichtungskommission, Vorsitzender des Referates der Primarärzte, ab 2007 Kammerrat.

2011 erhielt er den Berufstitel Universitätsprofessor und wechselte als Ärztlicher Direktor an das Krankenhaus der Elisabethinen in Graz, ab 2012 zusätzlich für das Marienkrankenhaus Vorau. Seit 2016 ist er Ärztlicher Direktor der Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder Österreich - verantwortlich für die medizinische Gesamtleitung aller Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen des Ordens in Österreich.

Diese fünfzehn Jahre in Ordensspitälern sind der eigentliche Kern seiner Managementbiografie. Wer in Österreich Krankenhäuser führt, muss die Systemgrenze zwischen Landes- und Ordensträgern kennen - Stark hat sie von beiden Seiten gesehen.

Gut zu wissen:
Neben der Medizin war Stark mehrfach unternehmerisch tätig: Er war Mitbegründer und Teilhaber der JSW Forschungsgesellschaft (1991-1994), Mitbegründer und Gesellschafter der actiopharm GmbH (2001-2007) und der Quadris-Consulting GmbH (2008-2010). Eine Privatordination für Innere Medizin betreibt er seit 1995, seit 2003 in einer Ordinationsgemeinschaft. Von 2000 bis 2005 saß er im Gemeinderat der Marktgemeinde Mooskirchen.

Die Bestellung an die KAGes-Spitze

Am 1. Dezember 2021 übernahm Stark den Vorstandsvorsitz der KAGes interimistisch, nachdem Karlheinz Tscheliessnigg die Funktion zurückgelegt hatte. Die reguläre Besetzung folgte nach einem Hearing: Eine Kommission unter dem Aufsichtsratsvorsitzenden Günter Dörflinger empfahl einstimmig Stark als Vorstandsvorsitzenden und Ulf Drabek als Finanzvorstand. Die Steiermärkische Landesregierung beschloss die Bestellung in ihrer Sitzung vom 15. September 2022, mit Wirkung ab 1. Februar 2023 und befristet auf fünf Jahre.

Wenige Monate nach dem interimistischen Amtsantritt, am 18. März 2022, verlieh ihm die TU Graz die Ehrendoktorwürde. Die Begründung: in Anerkennung seiner hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Medizintechnik. Die Universität verwies dabei auf eine damals sechzehnjährige Zusammenarbeit mit mehreren ihrer Institute.

Was die KAGes ist

Kennzahl Wert
Beschäftigte (2025) 19.307 (plus 110 gegenüber 2024)
Einrichtungen 7 Landeskrankenhäuser an 20 Standorten, 3 Landespflegezentren
Patienten über 1,35 Millionen; 2025 davon 1,14 Millionen ambulant und 210.360 stationär
Betriebliche Aufwendungen über 2,4 Milliarden Euro pro Jahr
Investitionen 2025 194,3 Millionen Euro (plus 3,55 Prozent)
Eigentümer Land Steiermark, 100 Prozent; gemeinnützig, nicht gewinnorientiert

Die Struktur hat eine Konsequenz, die sich von privatwirtschaftlichen Konzernen unterscheidet: Die KAGes ist als gemeinnützige Gesellschaft organisiert und arbeitet nicht gewinnorientiert. Ihr Erfolgsmaßstab ist die Versorgungsqualität bei gedeckelten Landesmitteln - eine Rechnung, in der jede zusätzliche Leistung an einem Standort woanders eingespart werden muss.

Der Umbau der Standorte

Genau diese Rechnung prägte das Jahr 2025. Die KAGes fasste Standorte in neuen Organisationsstrukturen zusammen: Das LKH Südweststeiermark entstand als Verbund, und der Verbund Graz II wurde um Voitsberg erweitert. Beide Schritte stießen in Teilen der Bevölkerung und der Politik auf Widerstand, weil Zusammenlegungen als Vorstufe zur Leistungsverlagerung gelesen werden.

Zur Personallage sagte Stark bei der Bilanzvorlage: „Derzeit verzeichnet die KAGes eine Vollbesetzung, durch die demografische Entwicklung sehen wir aber einem steigenden Bedarf in der Pflege entgegen." Der Satz enthält beide Hälften des Problems - die aktuellen Stellen sind besetzt, aber die Alterung der steirischen Bevölkerung erhöht den Bedarf schneller, als Pflegekräfte ausgebildet werden. Ein 2025 gestartetes Pilotprojekt soll Prognosen zum künftigen Pflegebedarf liefern und Vorschläge für die Personalplanung erarbeiten.

Parallel läuft die Digitalisierung: elektronische Fieberkurve, Ausbau der digitalen Patientenakte, Telemedizin-Angebote wie HerzMobil. Für 2026 stehen die regionalen Strukturpläne Gesundheit an, mit denen die Abstimmung zwischen Spitälern und niedergelassener Versorgung verbessert werden soll.

Wichtige Einschränkung:
Der ausführliche Lebenslauf, aus dem die Angaben zu Forschungsprojekten, Kongressen und Gesellschaftsfunktionen stammen, wurde vom Land Steiermark zur Bestellung 2021 veröffentlicht und reicht in seinen Detailangaben bis etwa 2013. Für Funktionen der Jahre danach sind die Angaben der KAGes und der Barmherzigen Brüder maßgeblich.

Funktionen in der Fachwelt

Starks Liste an Verbandsfunktionen ist auch für einen Universitätsmediziner ungewöhnlich lang. Er war Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Angiologie (2004-2006), Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Internistische Angiologie (2010-2011) und Präsident des Österreichischen Dachverbandes für Gefäßmedizin (2011-2012). Von 2009 bis 2011 führte er als Präsident die Vereinigung der Primarärzte des Landes Steiermark, von 2010 bis 2013 gehörte er der Gesundheitsplattform Steiermark an.

Als Reviewer arbeitete er für Fachjournale wie Cardiovascular Research, Diabetologia und Basic Research in Cardiology; die Zeitschrift Forum Rhythmologie gibt er als Chief Editor heraus. Die Atterseer Kardiologengespräche organisierte er wissenschaftlich sechzehn Mal zwischen 1994 und 2011.

Einordnung

Die KAGes ist der einzige steirische Betrieb, dessen Beschäftigtenzahl an die großen Industriekonzerne des Landes nicht nur heranreicht, sondern sie deutlich übertrifft. Zugleich ist sie ein Landesunternehmen: Ihr Vorstand wird von der Landesregierung bestellt, ihr Budget von der Landespolitik bestimmt, und jede Standortentscheidung ist zugleich eine regionalpolitische.

Dass an ihrer Spitze ein Mediziner mit technischer Ausbildung und fünfzehn Jahren Erfahrung in Ordensspitälern steht, ist für diese Konstellation eine ungewöhnliche Kombination. Seine Kooperation mit der TU Graz und die Ehrendoktorwürde in Medizintechnik verweisen dabei auf ein Feld, das für den Standort Steiermark über die Spitalsversorgung hinausreicht: Die Medizintechnik- und Life-Sciences-Branche braucht Kliniken als Entwicklungspartner, nicht nur als Kunden.

Ausblick: Die Funktionsperiode von Gerhard Stark läuft bis Anfang 2028. In diese Zeit fallen die regionalen Strukturpläne Gesundheit und die Umsetzung der 2025 begonnenen Standortverbünde. Die entscheidende Größe bleibt das Personal: Die aktuellen Stellen sind besetzt, doch der demografisch getriebene Pflegebedarf steigt schneller als die Ausbildungszahlen - und anders als ein Industriebetrieb kann ein Spitalsträger seine Leistung nicht einfach zurücknehmen.

Quellen