Rund 50.000 Zitationen, h-Index 96, dritthäufigst zitierter Informatiker Österreichs: Die wissenschaftliche Spur von Horst Bischof ist ungewöhnlich dicht. Seit 1. Oktober 2023 führt der Computer-Vision-Forscher die Technische Universität Graz als Rektor - mit einem Mandat bis 2027 und einer Agenda, die von Künstlicher Intelligenz bis zur Klimaneutralität des Campus reicht.
- Horst Bischof (geboren 1967 in Saanen, Schweiz) leitet die TU Graz seit 1. Oktober 2023 als Rektor
- Vorher war er von Oktober 2011 bis September 2023 Vizerektor für Forschung der TU Graz
- Forschungsschwerpunkt: Computer Vision, Mustererkennung, maschinelles Lernen
- Über 600 wissenschaftliche Publikationen, etwa 50.000 Zitationen laut Google Scholar
- Seit Ende 2023 Mitglied im KI-Beirat der österreichischen Bundesregierung, 2024 zum Vorsitzenden gewählt
- Aufsichtsrat beim SK Sturm Graz, bis Juni 2024 Präsident des Universitätsverbundes TUAustria
- Geboren
- 26. März 1967 in Saanen, Schweiz; aufgewachsen in der Obersteiermark, Matura 1985 am Gymnasium Murau
- Ausbildung
- Informatikstudium TU Wien (1985-1990), Doktorat 1993 (Dissertation: Pyramidal Neural Networks), Habilitation 1998 (Neural Vision Modules)
- Stationen
- Assistenzprofessor TU Wien (1998-2001), Gastprofessor TU Graz (2001-2003), Professor für Maschinelles Sehen TU Graz (seit 2004), Vizerektor Forschung (2011-2023), Rektor seit 1. Oktober 2023
- Aktuell
- Rektor TU Graz, Vorsitzender KI-Beirat der Bundesregierung
Vom Schweizer Bergdorf in die Grazer Rektorsrunde
Geboren wurde Horst Bischof 1967 in Saanen im Berner Oberland, aufgewachsen ist er in der Obersteiermark. 1985 legte er am Gymnasium Murau die Matura ab, anschließend studierte er Informatik an der TU Wien. Die Promotion über Pyramidal Neural Networks 1993 und die Habilitation 1998 fielen in eine Phase, in der neuronale Netze international noch am Rand der KI-Forschung standen - lange vor dem Deep-Learning-Boom der 2010er-Jahre.
Nach einer Assistenzprofessur am Institut für Mustererkennung und Bildverarbeitung der TU Wien folgte 2001 der Wechsel nach Graz. Zunächst als Gastprofessor, ab 2004 als ordentlicher Universitätsprofessor für Maschinelles Sehen am Institut für Maschinelles Sehen und Darstellen. Hier baute Bischof eine Arbeitsgruppe auf, die sich über die Jahre zur international sichtbarsten Computer-Vision-Gruppe Österreichs entwickelte.
Wissenschaftliche Produktivität
Die Zahlen zu Bischofs Publikationstätigkeit sind für den deutschsprachigen Raum ungewöhnlich. Google Scholar weist rund 50.000 Zitationen und einen h-Index von 96 aus - eine Größenordnung, die in der Informatik nur wenige europäische Forscher erreichen. Research.com listet ihn als dritthäufigst zitierten Informatiker Österreichs. Die Forschungsbereiche reichen von Objekterkennung über visuelles Lernen und Tracking bis zur medizinischen Bildverarbeitung und Biometrie.
Mehrere seiner Arbeiten wurden bei den wichtigsten Konferenzen der Computer-Vision-Community mit Best-Paper-Awards ausgezeichnet: ICPR 2008 und 2010, ACCV 2012, BMVC 2012. Die Publikationen entstanden regelmäßig in Ko-Autorenschaft mit Nachwuchsforschern der TU Graz, von denen etliche inzwischen selbst Professuren an europäischen Universitäten innehaben.
Der Weg ins Rektorat
Bischofs universitätspolitische Karriere verlief stufenweise. Mit Oktober 2011 übernahm er die Position des Vizerektors für Forschung der TU Graz, 2015 wurde er für eine weitere Periode bis 2019 bestätigt. In dieser Zeit verantwortete er strategische Schwerpunkte wie die Profilbildung der Universität in den Feldern Advanced Materials, Human & Biotechnology, Information, Communication & Computing, Mobility & Production und Sustainable Systems.
Am 7. Juli 2022 wählte ihn der Universitätsrat einstimmig zum neuen Rektor. Der Amtsantritt am 1. Oktober 2023 erfolgte mit dem Ende der Amtszeit seines Vorgängers Harald Kainz. Das aktuelle Rektoratsteam umfasst neben Bischof vier Vizerektorinnen und Vizerektoren:
| Funktion | Name | Zuständigkeit |
|---|---|---|
| Rektor | Horst Bischof | Gesamtleitung, Sprecher Rektorat |
| Vizerektorin | Andrea Höglinger | Forschung und Technologietransfer |
| Vizerektor | Stefan Vorbach | Lehre und Studienbetrieb |
| Vizerektorin | Andrea Hoffmann | Personal und Finanzen |
| Vizerektor | Michael Monsberger | Infrastruktur und Nachhaltigkeit |
Die Rektorsagenda
Seine erste Amtszeit läuft bis 30. September 2027. Die programmatischen Schwerpunkte, die Bischof zum Antritt formulierte, umfassen: Ausbau der KI-Forschung und -Lehre, Etablierung der TU Graz als Spitzenuniversität im österreichischen Vergleich, Klimaneutralität des Campus bis 2030 sowie Vertiefung der Zusammenarbeit mit der regionalen Industrie.
Konkrete Projekte der laufenden Rektorschaft sind der Ausbau der Unit in Graz des European Laboratory for Learning and Intelligent Systems (ELLIS), die Weiterentwicklung des Masterstudiums Visual Computing sowie Kooperationsinitiativen mit dem Grazer Schwerpunkt Human & Biotechnology. Parallel treibt das Rektorat die energetische Sanierung der Campus-Gebäude voran.
KI-Beirat der Bundesregierung
Ende 2023 wurde Bischof in den neu gegründeten KI-Beirat der österreichischen Bundesregierung berufen. Das Gremium berät das Bundeskanzleramt in Fragen der Künstlichen Intelligenz und ihrer gesellschaftlichen Auswirkungen. 2024 wurde Bischof zum Vorsitzenden des Beirats gewählt - eine Funktion, die ihn überregional sichtbarer macht als das Rektorsamt alleine.
Die Berufung passt zum wissenschaftlichen Profil. Mit seiner Computer-Vision-Arbeit war Bischof schon vor dem Generative-AI-Hype mit der mathematischen und algorithmischen Basis moderner KI-Verfahren vertraut. Viele Methoden, die heute in Sprachmodellen Anwendung finden, wurden in benachbarten Gebieten wie der Bildklassifikation entwickelt.
Die TU Graz ist nach Wien die zweitgrößte technische Universität Österreichs. Sie zählt rund 13.500 Studierende, etwa 3.500 Beschäftigte und sieben Fakultäten von Architektur über Maschinenbau und Elektrotechnik bis Informatik. Ihr Forschungsbudget lag zuletzt bei rund 180 Millionen Euro jährlich - ein wesentlicher Anteil davon stammt aus Drittmitteln, also aus Industriekooperationen und kompetitiven Forschungsförderungen.
Weitere Funktionen
Bischofs öffentliches Portfolio reicht über die TU hinaus. Bis Juni 2024 war er Präsident der TUAustria, einem Verbund der drei österreichischen Technischen Universitäten (TU Wien, TU Graz, Montanuniversität Leoben). Er ist Mitglied der Österreichischen Universitätenkonferenz (uniko) und Aufsichtsrat beim SK Sturm Graz - eine weniger akademische Funktion, die allerdings die starke regionale Verankerung des Rektors unterstreicht.
Privat ist Bischof verheiratet und Vater zweier Kinder. Interviews mit ihm führen konstant zu einem Punkt zurück: dem Wunsch nach mehr Sichtbarkeit der technischen Wissenschaften in der österreichischen Öffentlichkeit. Es ist auch diese Haltung, die ihn in der Rolle als Rektor der größten technischen Universität des Landes außerhalb Wiens besonders plausibel macht.
Einordnung im steirischen Wissenschaftsraum
Die TU Graz ist einer der wichtigsten Partner der steirischen Industrie. Kooperationen mit AVL List, Magna Steyr, Andritz, Knapp oder Infineon (Standort Villach, aber mit Forschungsprojekten in Graz) prägen das Bild des Hauses. Für viele Leitbetriebe in der Steiermark ist die TU Graz der entscheidende Fachkräftelieferant für Ingenieurberufe.
Unter Bischofs Vorgängern hat sich der TU-Campus an der Inffeldgasse zu einem Technologieknoten entwickelt, in dem universitäre Forschung, Forschungszentren wie Joanneum Research und Ausgründungen nahe beieinander liegen. Diese Achse weiter zu entwickeln, ist eine der konstanten Prioritäten auch seiner Amtszeit.