Mehr als 20 Jahre lang verkörperte Günther Apfalter die industrielle Kontinuität von Magna in der Steiermark. Als Präsident von Magna Steyr in Graz, später zusätzlich als Präsident von Magna Europe & Asia, führte er ein Werk, das heute zu den größten privaten Arbeitgebern Österreichs zählt. Seit seinem Ausscheiden aus den operativen Magna-Funktionen ist er als Unternehmensberater mit der von ihm gegründeten GAdvisory aktiv und hält Mandate in den Aufsichtsräten mehrerer Leitbetriebe.
- Günther Apfalter, geboren 1960 in Oberösterreich, leitete ab 2007 Magna Steyr in Graz und ab 2010 zusätzlich Magna Europe, ab 2018 auch Magna Asia
- Sein Vater Heribert Apfalter war Generaldirektor der Voest und eine prägende Figur der österreichischen Nachkriegsindustrie
- 2022 übernahm er nach dem Abgang von Frank Klein erneut die Präsidentschaft von Magna Steyr - in zwei Funktionen gleichzeitig
- Seit Ende 2018 ist er Aufsichtsratsvorsitzender des Tiroler Verkehrstechnikkonzerns SWARCO, zudem Aufsichtsrat der deutschen VARTA AG
- Heute führt er die Beratungsgesellschaft GAdvisory e.U. in Linz mit Fokus auf Automotive, Landmaschinen und Future Mobility
- Geboren
- 1960 in Oberösterreich
- Herkunft
- Sohn von Heribert Apfalter, ehemaliger Voest-Generaldirektor
- Ausbildung
- Diplomstudium Agrarökonomie an der Universität für Bodenkultur Wien
- Stationen
- Steyr-Daimler-Puch (ab 1985), Case Steyr (ab 1996), Magna Powertrain (ab 2001), Magna Steyr Präsident (2007-2020, 2022), Magna Europe Präsident (ab 2010), Magna Asia (ab 2018)
- Aktuell
- Geschäftsführer GAdvisory e.U. (Linz), Aufsichtsratsvorsitzender SWARCO, Aufsichtsrat VARTA AG, beratender Branchenexperte
Vom Linzer Bauernsohn zum Automobilmanager
Apfalter wuchs in Oberösterreich auf. Sein Vater Heribert Apfalter prägte als Generaldirektor die Voest in den 1970er- und 1980er-Jahren, bevor er 1987 im Alter von 62 Jahren unerwartet an den Folgen eines Waffengeschäfts starb. Das familiäre Umfeld war industriell und politisch exponiert.
Günther Apfalter wählte zunächst einen anderen Weg: Er studierte Agrarökonomie an der Universität für Bodenkultur Wien und arbeitete während des Studiums mehrfach mehrere Monate in den USA und Kanada. Die Diplomarbeit schrieb er bereits bei Steyr-Daimler-Puch, wie er selbst später festhielt. 1985 startete er dort als regionaler Verkaufsleiter für Traktoren in Süddeutschland.
1996 wurde er Geschäftsführer der Case Steyr Landmaschinentechnik in Sankt Valentin, 1998 wechselte er in die Case-Zentrale nach Paris als Vertriebs- und Marketingdirektor für Europa, Afrika und den Nahen Osten. Die Landmaschinenphase legte die Basis für eine Karriere, die seither zwischen internationalem Management und österreichischer Industriekultur oszilliert.
Magna Powertrain, Magna Steyr - zwei Jahrzehnte Konzerngeschichte
Im November 2001 wechselte Apfalter zu Magna Steyr Powertrain als Vorstandsmitglied. Die frühen 2000er-Jahre waren die Expansionsphase des von Frank Stronach aufgebauten Konzerns in Europa. Magna hatte 1998 Steyr-Daimler-Puch übernommen, der Grazer Standort wurde neu ausgerichtet.
Ab 2005 leitete Apfalter die Magna Europe & Asia Powertrain Group, 2007 übernahm er die Präsidentschaft von Magna Steyr in Graz. Im Oktober 2010 folgte die nächste Stufe: Europa-Chef von Magna International, zuständig für rund 63.000 Beschäftigte in der EU. 2018 kam die Verantwortung für Asien hinzu.
Im März 2022 schloss sich der Kreis: Nach dem überraschenden Abgang von Frank Klein - der zu Rivian in die USA wechselte - übernahm Apfalter erneut die Präsidentschaft von Magna Steyr, parallel zu seinen Funktionen für Europa und Asien. In der Magna-Mitteilung zur Berufung hieß es, seine "umfassende Expertise" helfe, die Marktposition im Bereich Komplettfahrzeugentwicklung und -produktion auszubauen.
Magna Steyr Graz: ein Werk mit Sonderstellung
Das Werk in Graz-Liebenau ist der einzige Magna-Standort weltweit, an dem komplette Fahrzeuge für verschiedene Hersteller montiert werden. Im Laufe der Jahre entstanden dort Modelle für BMW, Jaguar Land Rover, Mercedes, Fiat, Toyota und weitere Marken - mehr als 39 unterschiedliche Modelle für 13 verschiedene OEMs laut offiziellen Magna-Angaben.
Unter Apfalters Führung wurde das Werk in mehreren Ausbauschritten vergrößert. Im Vorfeld der BMW-5er-Produktion, die Anfang 2017 startete, investierte Magna rund 500 Millionen Euro in neue Produktionslinien. Die Kapazität wurde auf bis zu 200.000 Fahrzeuge pro Jahr erhöht. Die Beschäftigtenzahl sollte von 4.500 auf 8.000 wachsen - ein Ziel, das bis Anfang 2018 erreicht wurde.
In einem Interview mit dem Industriemagazin formulierte Apfalter damals die strategische Rolle von Graz innerhalb des Konzerns: "Graz will die Mutter der Gesamtfahrzeugfertigung" werden. Die über hundertjährige Fahrzeugbautradition des Standorts und die Kombination aus Komponentenbau, Entwicklungsexpertise und Großserien-Know-how machten Graz zur zentralen Referenz im Magna-Netzwerk.
Führungsstil: der "stille Regent"
Apfalter gilt in der österreichischen Industrieszene als zurückhaltend und zahlengetrieben. Öffentliche Auftritte nutzt er selten, lange Interviews sind rar. Er reiste in seiner aktiven Magna-Zeit rund zwei Tage pro Woche international, hielt aber eine enge Bindung nach Oberösterreich und in die Steiermark.
Auf die Frage, was die Steiermark als Wirtschaftsstandort auszeichnet, antwortete er einmal: "Bodenständigkeit, Umsetzungsstärke, aber auch visionäre Strategien." Die 1998er-Übernahme von Steyr-Daimler-Puch durch Frank Stronach habe die "echten industriellen Fähigkeiten" der Region anerkannt - jenseits sentimentaler Zuschreibungen.
Intern zeichnete ihn aus, dass er strategische Entscheidungen über den Konzern hinweg koordinierte, ohne im Rampenlicht zu stehen. Die Presse bezeichnete ihn wiederholt als "logischen Europa-Chef" und als "stillen Regenten" der Magna-Welt. Sein Führungsstil wurde als konservativ, verbindlich und ingenieursnah beschrieben.
Magna Steyr in Graz beschäftigt laut Unternehmensangaben in der Spitze rund 10.000 Menschen und ist damit einer der größten privaten Arbeitgeber Österreichs. Der Standort ist eng mit dem Automobilcluster AC Styria verbunden, dessen rund 300 Mitgliedsunternehmen in der Steiermark insgesamt mehr als 60.000 Menschen beschäftigen.
Aufsichtsratsmandate und GAdvisory
Parallel zur operativen Magna-Karriere übernahm Apfalter früh Aufsichtsratsfunktionen. Im Dezember 2018 wurde er zum Aufsichtsratsvorsitzenden der SWARCO AG bestellt, dem Tiroler Familienunternehmen für Verkehrstechnik. In seiner Antrittsrede unterstrich er, er freue sich darauf, "das Familienunternehmen SWARCO mit marktführenden Positionen und einem jungen Managementteam unterstützen zu können". Auch im Aufsichtsrat der deutschen Batterieherstellerin VARTA AG ist er vertreten.
2023 gründete er die GAdvisory e.U. mit Sitz in Linz - eine persönlich geführte Beratungsgesellschaft. Die angebotenen Felder: Business- und Vertriebskooperationen, Geschäftsentwicklung und Optimierung, Einführung neuer Automotive-Produkte sowie die Vermittlung zu Schlüsselentscheidern in Automotive, Zulieferindustrie und Landmaschinenbau. Drei Branchen prägen die Beratungsarbeit: Landmaschinen, Automotive und Future Mobility.
Aktueller Stand
In österreichischen Wirtschaftsmedien wird Apfalter seit 2024 als "Ex-Magna-Manager" und "Branchenexperte" geführt. In Interviews äußert er sich regelmäßig zu geopolitischen Fragen und zur Lage der heimischen Zulieferindustrie. Im November 2024 kommentierte er die Krise der Autoindustrie im Ö1-Mittagsjournal mit dem Satz: "Es ist kein Ende der Fahrzeugindustrie, aber es ist eine Delle drinnen."
Als aktueller Präsident von Magna Steyr fungiert inzwischen Roland Prettner, der auch Obmann des WKÖ-Fachverbandes der Fahrzeugindustrie ist. Apfalter bleibt der österreichischen Industrie als Berater, Aufsichtsrat und gelegentliche Stimme erhalten - eine Rolle, die an die seines Vaters in dessen späteren Jahren erinnert, ohne deren Tragik.