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Dienstag, 11. August 2026 Kontakt
Menschen

Manfred Tement - mit 16 den Betrieb übernommen, heute 100 Hektar

1976 starb Josef Tement unerwartet. Sein Sohn Manfred war 16 Jahre alt und übernahm einen Betrieb mit zwei Hektar Weingarten in Berghausen bei Ehrenhausen. Fünfzig Jahre später bewirtschaftet die Familie rund hundert Hektar - 80 in der Süd- und Oststeiermark, 20 jenseits der Grenze in Slowenien - und gilt als eine der Adressen, die den steirischen Sauvignon Blanc international bekannt gemacht haben.

Das Wichtigste in Kürze
  • Manfred Tement übernahm den elterlichen Betrieb 1976 mit 16 Jahren, nachdem sein Vater Josef unerwartet gestorben war
  • Gegründet hatten das Weingut 1959 Josef und Edina Tement in Berghausen, Gemeinde Ehrenhausen an der Weinstraße
  • Aus zwei Hektar wurden rund 100: 80 Hektar in Österreich, 20 Hektar in Slowenien
  • 2004 erwarb die Familie Flächen auf slowenischer Seite der Ried Zieregg und gründete dort das Tochterweingut Domaine Ciringa
  • Seit 2015 wird biologisch-organisch gearbeitet, der Betrieb ist nach Demeter und respekt-BIODYN zertifiziert
  • Die Söhne Armin (Jahrgang 1986) und Stefan (Jahrgang 1991) führen den Betrieb heute mit
Lebensdaten
Herkunft
Berghausen, Gemeinde Ehrenhausen an der Weinstraße, Südsteiermark
Stationen
Übernahme des elterlichen Betriebs mit zwei Hektar (1976), Ausbau der Rebfläche über Jahrzehnte, Erwerb von Flächen in Slowenien und Gründung der Domaine Ciringa (2004), Umstellung auf biologisch-organische Bewirtschaftung (2015)
Aktuell
Weingut Tement, Zieregg, 8461 Ehrenhausen - geführt gemeinsam mit den Söhnen Armin und Stefan
Auszeichnungen des Betriebs
Fünf Trauben bei Gault&Millau, Zertifizierung nach Demeter und respekt-BIODYN, Platz 15 der "50 Best Vineyards of the World"

Ein Betrieb, der 1959 begann

Josef und Edina Tement gründeten das Weingut 1959 in Berghausen. Es war ein kleiner gemischter Betrieb, wie es in der Südsteiermark damals die Regel war: Weinbau als eines von mehreren Standbeinen, verkauft wurde überwiegend regional.

1976 änderte sich das abrupt. Nach dem unerwarteten Tod des Vaters übernahm der 16-jährige Manfred die Verantwortung. Was folgte, war der Umbau eines Nebenerwerbsbetriebs zu einem international beachteten Weingut - über Flächenzukäufe, konsequente Ausrichtung auf wenige Rebsorten und die Arbeit an einer einzigen Lage.

Die Ried Zieregg als Lebensthema

Der Kern des Betriebs ist die Ried Zieregg, eine Kalklage auf dem Höhenrücken über Berghausen. Die Familie beschäftigt sich intensiv mit den einzelnen Parzellen dieser Lage und füllt sie getrennt ab - eine Praxis, die im österreichischen Weinbau lange unüblich war und die Herkunft über die Sorte stellt.

Ein Teil der Ried liegt jenseits der Staatsgrenze. 2004 erwarb die Familie dort 20 Hektar und gründete das Tochterweingut Domaine Ciringa. Der Betrieb bewirtschaftet damit dieselbe geologische Formation auf zwei Staatsgebieten.

Jahr Entwicklung
1959 Gründung durch Josef und Edina Tement
1976 Manfred Tement übernimmt mit 16 Jahren, zwei Hektar Rebfläche
2004 Erwerb von 20 Hektar in Slowenien, Gründung der Domaine Ciringa
2005 Sohn Armin steigt als Kellermeister ein
2015 Umstellung auf biologisch-organische Bewirtschaftung
heute rund 100 Hektar, davon 80 in der Süd- und Oststeiermark
Gut zu wissen:
Die Südsteiermark ist mit rund 2.785 Hektar Rebfläche und etwa 623 Betrieben das größte der drei steirischen DAC-Gebiete. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt damit bei unter fünf Hektar - Tement ist mit rund 100 Hektar eine seltene Ausnahme und zugleich einer der wenigen Betriebe, die vom Export leben können. Für den Tourismus der Region sind solche Betriebe Ankerpunkte, weil sie Gäste über den Wein hinaus binden.

Drei Generationen im selben Betrieb

Die Nachfolge ist längst geregelt und im Alltag umgesetzt. Sohn Armin, Jahrgang 1986, stieg 2005 ein und verantwortet den Keller. Sohn Stefan, Jahrgang 1991, kümmert sich um die technische Seite. Manfred Tement selbst wird in Beschreibungen des Betriebs als Winzer und Vordenker geführt - jene Rolle, die in Familienbetrieben nach der operativen Übergabe bleibt.

Seit 2015 arbeitet der Betrieb biologisch-organisch, mittlerweile nach Demeter und respekt-BIODYN zertifiziert. Die Umstellung über zwei Jahrzehnte hinweg war eine strategische Entscheidung, kein Marketingschritt: Sie schränkt die Ertragssicherung ein und erhöht den Arbeitsaufwand pro Hektar deutlich.

Bewertungen und Sichtbarkeit

Gault&Millau führt den Betrieb mit fünf Trauben, der Höchstbewertung. Der 2021er Zieregg WW erreichte 99 Punkte, weitere Lagenweine aus der Ried Zieregg liegen bei 97 und 98 Punkten. Eine internationale Jury reihte das Weingut auf Platz 15 der "50 Best Vineyards of the World", einer Rangliste, die Weingüter nach dem Besuchserlebnis bewertet.

Diese Sichtbarkeit wirkt über den Einzelbetrieb hinaus: Sie ist einer der Gründe, warum steirischer Sauvignon Blanc auf Weinkarten außerhalb Österreichs vorkommt.

Ausblick: Der steirische Weinbau steht vor zwei Aufgaben gleichzeitig: Klimaveränderung mit früheren Lesezeitpunkten und höherem Frostrisiko im Frühjahr, dazu ein rückläufiger Weinkonsum im Inland. Betriebe wie Tement, die exportieren und über eine gefragte Herkunft verfügen, sind dabei besser aufgestellt als der Durchschnitt - der bei unter fünf Hektar liegt.

Quellen