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Montag, 13. April 2026 Kontakt
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Steirische Papier- und Zellstoffindustrie – Standorte, Unternehmen und Zukunftstrends

Das Wichtigste in Kürze

  • Fünf Papier- und Zellstoffstandorte in der Steiermark sichern knapp 3.000 direkte Arbeitsplätze
  • Der Jahresumsatz der Branche beträgt rund 1,6 Milliarden Euro – inklusive Verpackungsindustrie 2,1 Milliarden Euro
  • Knapp zwei Millionen Tonnen Papier und 700.000 Tonnen Zellstoff werden jährlich in der Steiermark produziert
  • Die Exportquote liegt bei 90 Prozent
  • Der Energieüberschuss der Betriebe versorgt rund 100.000 Haushalte mit Strom und Fernwärme
  • Der Trend geht von grafischem Papier hin zu Verpackungslösungen als Alternative zu Kunststoff

Knapp zwei Millionen Tonnen Papier der jährlichen österreichischen Gesamtproduktion von fünf Millionen Tonnen kommen aus der Steiermark. Zusammen mit 700.000 Tonnen Zellstoff macht das die Steiermark neben Oberösterreich zum Hotspot der Papierproduktion in Österreich. Die Branche erwirtschaftet mit fünf Standorten einen Jahresumsatz von 1,6 Milliarden Euro und sichert knapp 3.000 direkte Arbeitsplätze – vor allem in ländlichen Regionen, wo sie oft der größte Arbeitgeber ist.

Die fünf steirischen Standorte im Überblick

Die Steiermark bietet mit ihrem Waldreichtum als waldreichstes Bundesland Österreichs, dem Wasser der Mur und der historischen Maschinenbaukompetenz ideale Voraussetzungen für die Papierherstellung. Die fünf Standorte decken eine breite Produktpalette ab.

Standort Unternehmen Hauptprodukte
Gratkorn Sappi Austria Hochwertige grafische Papiere, Etikettenpapier, Zellstoff
Frohnleiten Mayr-Melnhof Karton Recyclingkarton, Faltschachteln für die Lebensmittelindustrie
Bruck an der Mur Norske Skog Umstellung von Zeitungsdruckpapier auf Wellpappe
Pöls bei Judenburg Heinzel Pöls / Zellstoff Pöls AG Weißer Kraftzellstoff, Kraftpapier (STARKRAFT)
Niklasdorf Brigl & Bergmeister Etikettenpapier, biobasierte Strohhalm-Alternativen

Sappi Gratkorn – Europas große Papierfabrik

Das Werk von Sappi in Gratkorn ist eine integrierte Papier- und Zellstofffabrik mit einer Gesamtproduktion von 950.000 Tonnen pro Jahr – davon 860.000 Tonnen grafisches Papier und 90.000 Tonnen Etikettenpapier. Der südafrikanische Mutterkonzern Sappi Ltd. beschäftigt weltweit rund 12.800 Menschen und produziert auf drei Kontinenten. Das Gratkorner Werk versorgt bereits umliegende Gemeinden und die Stadt Graz über unterirdische Leitungen mit Fernwärme.

Mayr-Melnhof Karton – Weltmarktführer aus Frohnleiten

Die Mayr-Melnhof Karton AG mit ihrem Stammwerk in Frohnleiten ist der weltweit größte Hersteller von gestrichenen Recyclingkartons. Die MM-Gruppe erwirtschaftet einen Umsatz von über zwei Milliarden Euro. Frohnleiten ist nicht nur geografischer Mittelpunkt des Konzerns, sondern auch Zentrum der Innovationsaktivitäten mit dem größten Kompetenzzentrum in Europa – mit Schwerpunkten in Forschung und Entwicklung, Produktsicherheit und analytischer Chemie.

Norske Skog Bruck – Transformation zur Wellpappe

Der Standort Bruck an der Mur mit seiner über 140-jährigen Geschichte durchlebt derzeit den größten Wandel seiner Geschichte. Die seit 1881 bestehende Fabrik, seit 1996 Teil des norwegischen Norske-Skog-Konzerns, stellt die Produktion von Zeitungsdruckpapier auf Wellpappe um. Dieser Schritt spiegelt den globalen Trend wider: Grafische Papiere verlieren an Marktanteilen, während Verpackungspapiere stark wachsen – getrieben durch E-Commerce und den Trend weg von Kunststoffverpackungen.

Gut zu wissen:
Die steirischen Papier- und Zellstoffbetriebe sind nicht nur Produzenten, sondern auch wichtige Energielieferanten. Die Heinzel Pöls AG versorgt über ein 18 Kilometer langes Fernwärmenetz rund 15.000 Haushalte im Großraum Aichfeld und erzeugt jährlich über 20 GWh Ökostrom aus Biomasse, Wasserkraft und Photovoltaik. Insgesamt versorgen die steirischen Papierfabriken rund 100.000 Haushalte mit Energie.

Heinzel Pöls und Brigl & Bergmeister

Die Zellstoff Pöls AG in Judenburg hat ihre Kapazitäten in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut: von 300.000 auf 470.000 Tonnen im Bereich Zellstoff und von 13.000 auf 200.000 Tonnen Kraftpapier der Marke STARKRAFT. Dieses Kraftpapier wird als Alternative zu Kunststoffprodukten für Brotbeutel und umweltfreundliche Verpackungen im Lebensmittel- und Hygienebereich eingesetzt. Brigl & Bergmeister in Niklasdorf hat sich auf Etikettenpapiere spezialisiert und entwickelt biobasierte Alternativen zu Plastikstrohhalmen.

Zukunft: Bioökonomie und Dekarbonisierung

Sigrid Eckhardt, Geschäftsführerin von Austropapier, bezeichnet die steirische Papier- und Zellstoffindustrie als Leuchtturm der Bioökonomie. Die Branche ist Vorreiter der Energiewende und investiert massiv in Dekarbonisierung. Allerdings stehen die Betriebe unter erheblichem Kostendruck: Österreichische Unternehmen zahlen durch die Strompreiszonentrennung von Deutschland im Jahresmittel bis zu 10 Prozent höhere Stromkosten als deutsche Konkurrenten – in einzelnen Monaten sogar über 20 Prozent.

Praxis-Tipp:
Die Papier- und Zellstoffindustrie in der Steiermark bietet attraktive Arbeitsplätze mit überdurchschnittlich langer Mitarbeiterzugehörigkeit. Neben technischen Berufen in der Produktion gibt es Karrieremöglichkeiten in Forschung und Entwicklung, Anlagentechnik, Umwelttechnik und Logistik. Informationen zu offenen Stellen bietet die Fachvertretung der steirischen Papierindustrie.
Wichtige Einschränkung:
Die Transformation der Branche weg vom grafischen Papier hin zu Verpackungslösungen birgt auch Risiken. Der Gasausstieg kann trotz aller Fortschritte nicht von heute auf morgen gelingen, und die ungleichen Energiekosten innerhalb Europas setzen die Betriebe unter Wettbewerbsdruck. Die Branche fordert eine Strompreiskompensation und faire Rahmenbedingungen.

Quellen