Am 11. August 2026 bestellte der ORF-Stiftungsrat neun Landesdirektionen auf einen Schlag: fünf Wiederbestellungen, vier Wechsel. Einer davon betrifft die Steiermark. Sigrid Hroch, seit 2008 Programmchefin von Radio Steiermark, übernimmt mit 1. Jänner 2027 das Landesstudio in der Grazer Marburger Straße - jenes Haus, in dem sie seit 1987 arbeitet. Sie ist die erste Frau an dessen Spitze.
- Der ORF-Stiftungsrat bestellte Sigrid Hroch am 11. August 2026 mit großer Mehrheit zur Landesdirektorin des ORF Steiermark
- Die Funktionsperiode läuft vom 1. Jänner 2027 bis Ende 2031, sie folgt auf Gerhard Koch, der nicht mehr angetreten ist
- Hroch kam 1987 in die Lehrredaktion des Landesstudios und leitet seit 1. Mai 2008 das Programm von Radio Steiermark
- Radio Steiermark ist mit 317.000 Hörerinnen und Hörern pro Tag und 25 Prozent Marktanteil der meistgehörte Sender des Landes
- Seit 2013 ist sie ehrenamtliche Präsidentin des Steirischen Presseclubs, der jährlich bis zu 100 Veranstaltungen ausrichtet
- Mit ihrem Amtsantritt entfällt die steirische Landesabgabe auf den ORF-Beitrag von 4,70 Euro im Monat
- Geboren
- 17. Dezember 1966 in Leoben, gebürtige Trofaiacherin
- Ausbildung
- Matura, Studium der Rechtswissenschaften und Dolmetsch
- Beim ORF
- seit 1987, Einstieg über die Lehrredaktion des ORF Steiermark
- Stationen
- Beitragsgestalterin, Reporterin, Nachrichtenredakteurin, Journalpräsentatorin, Sendungsverantwortliche im TV, Chefin vom Dienst, Flächenverantwortliche
- Seit 2008
- Programmchefin von Radio Steiermark
- Ab 2027
- Landesdirektorin des ORF-Landesstudios Steiermark
- Weitere Funktionen
- ehrenamtliche Präsidentin des Steirischen Presseclubs seit 2013
- Privat
- Mutter von zwei Söhnen
Von der Lehrredaktion in die Programmleitung
Der Weg begann mit einem Aufnahmeverfahren. Nach der Matura studierte Hroch Rechtswissenschaften und Dolmetsch, 1987 kam sie in die Lehrredaktion des ORF Steiermark - und blieb. In den folgenden zwei Jahrzehnten arbeitete sie in nahezu allen Bereichen des Hauses: als Beitragsgestalterin und Reporterin, als Nachrichtenredakteurin und Journalpräsentatorin, als Sendungsverantwortliche im Fernsehen und als Chefin vom Dienst im Radio.
Drei Projekte tauchen in ihrer Biografie immer wieder auf: die Fernsehberichterstattung zur Slowenienkrise Anfang der 1990er-Jahre, die Live-Konzertreihe "Rock Weiß Grün" und die Talenteschmiede "Take your chance". Dazu kommen zwei strukturelle Weichenstellungen, an denen sie beteiligt war - der Start der Regionalsendung "Steiermark heute" und die Umstellung des Radios auf ein durchgehend landesweites Programm Mitte der 1990er-Jahre.
Am 1. Mai 2008 wurde sie Programmchefin von Radio Steiermark, damals als erste Frau in dieser Funktion. Bestellt wurde sie von Generaldirektor Alexander Wrabetz auf Vorschlag des damaligen Landesdirektors Gerhard Draxler, der die Entscheidung so begründete: "Sigrid Hroch wurde in einem objektiven Auswahlverfahren als beste Bewerberin erstgereiht." Ihr Ziel formulierte sie bei ihrem Antritt als Auftrag, "Radio Steiermark als modernes Heimatradio für alle Steirerinnen und Steirer zu festigen".
Der Sender, den sie 18 Jahre lang verantwortet hat
Wie erfolgreich das war, lässt sich messen. Der Radiotest für den Zeitraum Juli 2025 bis Juni 2026, erhoben von GfK Austria, MindTake und ISBA, weist Radio Steiermark als klaren Marktführer aus: 317.000 Hörerinnen und Hörer pro Tag im gesamten Sendegebiet, davon 265.000 innerhalb des Bundeslandes. In der Bevölkerung ab zehn Jahren kommt der Sender auf 25 Prozent Marktanteil, in der Kernzielgruppe ab 35 Jahren auf 30 Prozent - mehr als doppelt so viel wie der stärkste private Mitbewerber.
| Kennzahl (Radiotest Juli 2025 bis Juni 2026) | Wert |
|---|---|
| Radio Steiermark, Hörer pro Tag im Sendegebiet | 317.000 |
| Radio Steiermark, Marktanteil ab 10 Jahren | 25 Prozent |
| Radio Steiermark, Marktanteil ab 35 Jahren | 30 Prozent |
| Antenne Steiermark, Hörer pro Tag | rund 242.000 |
| Alle ORF-Radios in der Steiermark, Hörer pro Tag | rund 620.000 |
| Tägliche Hördauer der Steirer ab 10 Jahren | 214 Minuten |
Der Markt darunter ist allerdings in Bewegung. Antenne Steiermark bleibt mit rund 242.000 Hörern die Nummer eins unter den Privaten, und Radio Flamingo steigerte seine Tagesreichweite binnen eines Jahres um die Hälfte auf 78.000. Die Steiermark ist damit eines der umkämpftesten Radioländer Österreichs - und der Sender, den Hroch bisher verantwortet hat, ist zugleich das Produkt, an dem ihre Landesdirektion künftig gemessen wird. Bei der Veröffentlichung der Zahlen nannte sie als Anspruch, dem Publikum "Information, Orientierung, Unterhaltung" und ein positives Lebensgefühl zu liefern.
Ein Medienbetrieb mit regionalem Auftrag
Das Landesstudio in der Marburger Straße 20 in Graz produziert Radio, Fernsehen und Onlineangebot für die Steiermark, dazu das Volksgruppenangebot slovenci.ORF.at. Das Funkhaus wurde am 12. September 1981 eröffnet und ist seither der Standort des Hauses. Für die steirische Kreativwirtschaft ist es ein zentraler Auftraggeber und Ausbildungsort: Produktionsfirmen, freie Journalistinnen und Journalisten, Technikdienstleister und Musikschaffende hängen an den Aufträgen und Sendeflächen des Studios.
Die Finanzierung ändert sich genau zum Amtsantritt. Der bundesweite ORF-Beitrag beträgt 15,30 Euro pro Monat. In der Steiermark kamen bisher 4,70 Euro Landesabgabe dazu, womit steirische Haushalte mit 20 Euro monatlich am meisten aller Bundesländer zahlten. Landeshauptmann Mario Kunasek kündigte an, diese Abgabe mit 2027 zu streichen - eine Entlastung von rund 30 Millionen Euro pro Jahr. Für das Landesstudio selbst ändert das nichts, die Landesabgabe floss nicht an den ORF, sondern ins Landesbudget.
Präsidentin des Steirischen Presseclubs
Neben ihrer ORF-Funktion führt Hroch seit 2013 ehrenamtlich den Steirischen Presseclub. Der Verein besteht seit 1986, ist überparteilich organisiert und residiert in der Bürgergasse 2 in der Grazer Altstadt. Bis zu 100 Veranstaltungen pro Jahr finden dort statt - Pressekonferenzen, Hintergrundgespräche und Diskussionsrunden, bei denen Medien, Politik, Wirtschaft, Kunst und NGOs aufeinandertreffen.
Das ist mehr als eine Repräsentationsaufgabe. Der Presseclub ist eine der wenigen fixen Bühnen, auf denen steirische Unternehmen, Interessenvertretungen und Kammern ihre Anliegen an ein Medienpublikum bringen - eine Funktion, die er sich mit den großen Wirtschaftsterminen des Landes teilt. Unter Hrochs Vorsitz moderierte der Club unter anderem eine Runde steirischer Chefredakteure zur Lage der Branche. Das Jahresmotto lautete zuletzt "Zukunft braucht Dialog".
Die Ansage für 2027
Bestellt wurde Hroch am 11. August 2026 auf Vorschlag des designierten Generaldirektors Clemens Pig, gemeinsam mit acht weiteren Landesdirektionen. Fünf Amtsinhaber wurden bestätigt, vier Positionen neu besetzt: neben der Steiermark auch Kärnten mit Martin Weberhofer, Salzburg mit Gerd Schneider und Vorarlberg mit Julia Ortner. Drei der neun Landesstudios werden ab 2027 von Frauen geführt. Pig begründete die Auswahl damit, dass die Landesstudios "wesentliche Assets des ORF als Nahversorger und Programmtreiber für das gesamte Unternehmen" seien.
Hroch selbst nannte die Bestellung den "Höhepunkt meiner bald 40-jährigen Berufslaufbahn im ORF Steiermark". Ihre inhaltliche Ansage in der Aussendung des Landesstudios: "Mein Ziel ist es, das ORF Landesstudio Steiermark gemeinsam mit unserem großartigen Team als führende, regionale Medienplattform zu festigen - mit dem klaren öffentlich-rechtlichen Auftrag: Programm für alle, auf allen Plattformen, jederzeit abrufbar. Nah bei den Menschen, verlässlich in der Information und innovativ in der Umsetzung."
Ihr Vorgänger Gerhard Koch, der sich nicht mehr beworben hatte, verwies auf die Betriebskenntnis seiner Nachfolgerin: "Sigrid Hroch ist eine erfahrene Führungskraft und tritt dieses Amt wohl vorbereitet an. Mich freut, dass mit ihr eine Person, die unser Haus, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Steiermark in allen Facetten kennt, meine Nachfolge antritt."
Einordnung
Mit Hroch rückt eine Hausinterne an die Spitze, keine Quereinsteigerin aus Wien. Das ist für die Region nicht nebensächlich: Die Landesdirektion entscheidet über Sendeflächen, Personal und Schwerpunkte eines Hauses, das die wirtschaftliche Berichterstattung im Land mitprägt - von der Industrie in der Mur-Mürz-Furche, aus der sie selbst stammt, bis zu den Betrieben in Graz und der Südsteiermark. Ihre Bestellung reiht sich zudem in eine langsame Veränderung an der Spitze steirischer Institutionen ein, die auch die Führungsebenen der Wirtschaft erfasst.
Quellen
- ORF Steiermark: Sigrid Hroch zur neuen Landesdirektorin bestellt
- der.ORF.at: ORF-Stiftungsrat bestellt Landesdirektorinnen und Landesdirektoren
- ORF Steiermark: Radiotest - Radio Steiermark bleibt Nummer eins
- OTS 2008: Sigrid Hroch ist neue Programmchefin von Radio Steiermark
- Steirischer Presseclub: Vereinsdaten und Vorstand
- der.ORF.at: Standortdaten des ORF-Landesstudios Steiermark