- Gert Heigl ist seit 1. Jänner 2026 Vorstandsvorsitzender der Holding Graz, des größten kommunalen Dienstleistungsunternehmens der Steiermark mit rund 3.300 Beschäftigten.
- Er folgt auf Wolfgang Malik, der den Konzern rund 25 Jahre lang geführt hatte und sich im August 2025 aus dem operativen Geschäft zurückzog.
- Heigl arbeitet seit 1993 im Konzernverbund: zehn Jahre bei den Grazer Stadtwerken, dreizehn Jahre in der Geschäftsführung der Energie Graz, seit 2016 im Vorstand der Holding.
- Die Bestellung erfolgte am 15. September 2025 einstimmig durch eine 13-köpfige Kommission unter Bürgermeisterin Elke Kahr und Finanzstadtrat Manfred Eber. Über 60 Personen hatten sich beworben, die Funktionsperiode läuft fünf Jahre.
- Der Konzern erwirtschaftete 2024 rund 690 Millionen Euro Umsatz, das Ergebnis vor Steuern lag bei minus 39 Millionen Euro - eine Verbesserung um 24 Millionen gegenüber 2023.
- Heigls fachlicher Schwerpunkt ist die Fernwärme: Sieben Dekarbonisierungsprojekte sollen bis 2030 den Erdgasanteil in der Grazer Wärmeversorgung senken.
Rund 690 Millionen Euro Umsatz, 3.318 Beschäftigte, ein Ergebnis vor Steuern von minus 39 Millionen Euro: Das ist die Bilanz, die Gert Heigl beim Amtsantritt als Vorstandsvorsitzender der Holding Graz am 1. Jänner 2026 vorfand. Neu war ihm daran nichts. Heigl arbeitet seit 1993 im selben Konzernverbund - erst bei den Grazer Stadtwerken, dann bei der Energie Graz, seit 2016 im Vorstand der Holding. Wer nach 33 Jahren im Haus dessen Spitze übernimmt, kennt jede Zahl, die ihm auf den Tisch kommt.
- Geboren
- 1964
- Ausbildung
- Betriebswirtschaftslehre an der Karl-Franzens-Universität Graz, Diplom 1991, Doktorat 1993
- Stationen
- Grazer Stadtwerke AG (1993-2003), zuletzt stellvertretender Leiter der Abteilung Betriebswirtschaft; Geschäftsführung Energie Graz (2003-2016); Vorstand der Holding Graz, Sparte Infrastruktur und Energie (2016-2025)
- Aktuell
- Vorstandsvorsitzender der Holding Graz, Sparte Management und Beteiligungen (seit 1. Jänner 2026, bestellt für fünf Jahre)
Dreiunddreißig Jahre im selben Konzern
Heigl studierte Betriebswirtschaftslehre an der Karl-Franzens-Universität Graz, schloss 1991 ab und promovierte zwei Jahre später. Noch 1993 begann er bei der Grazer Stadtwerke AG, wo er verschiedene Positionen bis zum stellvertretenden Leiter der Abteilung Betriebswirtschaft durchlief.
2003 wechselte er in die Geschäftsführung der Energie Graz - jener Gesellschaft, die im Jahr zuvor aus den Stadtwerken herausgelöst worden war und heute zu 51 Prozent der Holding und zu 49 Prozent der Energie Steiermark gehört. Dreizehn Jahre lang verantwortete er dort Management Service, Kunden- und Anschlussservice, Vertrieb und Marketing sowie den Energiehandel. Das ist die betriebswirtschaftliche Schule eines Versorgers: Tarife, Netzanschlüsse, Beschaffung.
2016 rückte er in den Vorstand der Holding Graz auf und übernahm die Sparte Infrastruktur und Energie - Wasserversorgung, Abwasser, Abfallwirtschaft, Straßenerhaltung, Grünraumpflege und die Beteiligung an der Energie Graz. In dieser Rolle koordinierte er die großen Infrastrukturprojekte der Stadt in den Bereichen Fernwärme, Energie und Wasser.
Die Bestellung im September 2025
Am 15. September 2025 fiel die Entscheidung über die Nachfolge von Wolfgang Malik. Nach einer öffentlichen Ausschreibung, auf die sich über 60 Personen beworben hatten, bestellte ein 13-köpfiges Hearing-Gremium unter Leitung von Bürgermeisterin Elke Kahr und Finanzstadtrat Manfred Eber einstimmig ein Trio für fünf Jahre.
| Vorstand ab 1. Jänner 2026 | Sparte | Bisherige Rolle |
|---|---|---|
| Gert Heigl | Management und Beteiligungen (Vorsitz) | Vorstand Infrastruktur und Energie seit 2016 |
| Alice Loidl | Infrastruktur und Energie | Leiterin der Grazer Abfallwirtschaft |
| Mark Perz | Mobilität und Freizeit | Leitung der Verkehrsentwicklung |
Aufsichtsratsvorsitzender Kurt Fassl nannte die Auswahl ein klares Votum für Kompetenz und Zukunft. Vizebürgermeisterin Judith Schwentner hob hervor, dass mit Loidl erstmals eine Frau im Vorstand der Holding sitzt. Bürgermeisterin Kahr sagte nach dem Hearing: „Ich gratuliere allen drei Kandidat:innen, die sich heute im Hearing mit ihren Überlegungen hervorragend unter Beweis gestellt haben."
Wolfgang Malik hat sich nicht vollständig zurückgezogen. Er bleibt Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen Graz GmbH und der Energie Graz GmbH und gehört weiter dem Zivilluftfahrtbeirat des Bundes an. Seinen Rückzug aus dem operativen Geschäft gab er am 22. August 2025 bekannt.
Was die Holding Graz ist
Die Holding Graz gehört zu 99,84 Prozent der Stadt Graz und bündelt die kommunale Daseinsvorsorge unter einem Dach. Ihre Wurzeln reichen zur 1960 gegründeten Grazer Stadtwerke AG zurück; 2010 wurde das Unternehmen in eine GmbH mit heutigem Namen umgewandelt.
Unter Mobilität und Freizeit laufen die Graz Linien mit Straßenbahn und Bus, sechs Bäder und die Schöckl-Seilbahn. Infrastruktur und Energie umfasst Wasser, Abwasser, Abfall, Straßenerhaltung und Grünraum. In der Sparte Management und Beteiligungen, die Heigl nun selbst führt, liegen die marktorientierten Töchter - darunter der Flughafen Graz, der 2004 dazukam, der Werbevermarkter Ankünder und der Telekommunikationsanbieter Servus.
Diese Beteiligungen waren 2024 die Stütze der Bilanz: Ankünder lieferte im Jubiläumsjahr zum hundertjährigen Bestehen erstmals über zehn Millionen Euro Ergebnis, der Flughafen Graz 4,5 Millionen und Servus rund 4,4 Millionen Euro.
| Konzern Holding Graz | 2023 | 2024 |
|---|---|---|
| Umsatz | k. A. | rund 690 Mio. € |
| Ergebnis vor Steuern | -63 Mio. € | -39 Mio. € |
| EBITDA (inkl. kommunaler Zuschüsse) | k. A. | 32 Mio. € (Plan: 5 Mio. €) |
| Beschäftigte | k. A. | 3.318 |
Ein negatives Vorsteuerergebnis ist bei einem kommunalen Versorger kein Betriebsunfall: Öffentlicher Verkehr, Bäder und Abfallentsorgung sind Aufgaben, die nicht kostendeckend zu betreiben sind und über Zuschüsse der Stadt finanziert werden. Die Verbesserung um 24 Millionen Euro binnen eines Jahres ist dennoch die Zahl, an der Heigls Vorgänger gemessen wurde - und an der er selbst gemessen werden wird.
Fernwärme: das Thema, das er mitbringt
Kein Feld hat Heigl in den vergangenen Jahren so geprägt wie die Grazer Wärmeversorgung. Die Stadt beschäftigt sich seit 2013 in einer eigenen Wärmegruppe mit dem Problem, dass die Fernwärme im Großraum Graz überwiegend aus Erdgas stammt. Bei der Präsentation des Dekarbonisierungsfahrplans im Juli 2022 formulierte Heigl als damaliger Vorstand die Ausgangslage so:
„Trotz vieler Anstrengungen und Erfolge ist Erdgas aktuell der wesentliche Primärenergieträger für die Fernwärmeversorgung im Großraum Graz. Vor allem mit dem Energiewerk Graz und der energetischen Klärschlammverwertung wird ein wesentlicher Beitrag zur weiteren Ökologisierung sowie zur Reduktion von externen Abhängigkeiten im Energie- und Abfallbereich geleistet."
Sieben Projekte sollen bis 2030 umgesetzt werden. Die größten Brocken sind BioSolar Graz mit rund 200 Gigawattstunden Jahresleistung, das Energiewerk Graz mit rund 185 Gigawattstunden ab 2029 und die revitalisierte Gasturbine Thondorf mit rund 135 Gigawattstunden. Dazu kommen zwei Ausbaustufen der Abwärmenutzung bei Sappi Gratkorn, die Abwärme der Marienhütte und die energetische Klärschlammverwertung ab 2028. Zusammengerechnet geht es um die Wärme für 30.000 Grazer Haushalte, die bisher mit importiertem Gas versorgt werden, und um rund 22.000 Tonnen CO2 pro Jahr.
Die genannten Leistungswerte und Zeitpläne stammen aus dem Dekarbonisierungsfahrplan der Stadt Graz von Juli 2022. Mehrere Projekte waren damals erst in Planung. Ob Zeitpunkte und Mengen wie angekündigt eintreten, hängt an Genehmigungen, Finanzierung und Baukosten - für laufende Projekte lohnt der Blick in die aktuellen Unternehmensberichte.
Die Aufgabe: sparen, ohne die Grundversorgung anzutasten
Heigl übernimmt in einem finanziell angespannten Umfeld. Die Stadt Graz weist einen Schuldenstand von über zwei Milliarden Euro aus und rechnet mit einem strukturellen Defizit von mehr als 50 Millionen Euro im laufenden Haushalt; bis 2028 soll der operative Saldo um insgesamt 65 Millionen Euro verbessert werden. Kostenintensive Projekte bei Feuerwehr, Radinfrastruktur und Schulbauten wurden bereits verschoben.
Für die Holding heißt das: Investitionen in Netze, Fahrzeuge und Anlagen müssen weiterlaufen, während die Eigentümerin selbst spart. Heigls Sparte Management und Beteiligungen ist genau der Hebel dafür - die marktorientierten Töchter erwirtschaften jene Erträge, die den defizitären Teil der Daseinsvorsorge mittragen.
Dass die Grazer Stadtpolitik 2026 neu sortiert wurde, macht die Aufgabe nicht einfacher. Der Vorstand der Holding wird von einer politisch besetzten Kommission bestellt, das Unternehmen finanziert sich zu erheblichen Teilen über kommunale Zuschüsse - und trägt zugleich die Infrastruktur, ohne die weder Städtetourismus noch Betriebsansiedlungen funktionieren.
Quellen
- Stadt Graz: Neues Holding-Graz-Vorstandstrio (September 2025)
- 5 Minuten: Holding Graz - Neues Vorstandsteam ab 2026 fixiert
- MeinBezirk: Konzernchef Wolfgang Malik gibt Führung der Holding Graz ab
- Stadt Graz: „Wärme-Wende" in Graz - sieben Dekarbonisierungsprojekte bis 2030
- Holding Graz: Unternehmensberichte und Bilanzkennzahlen
- Stadt Graz: Strategiebericht 2026 zur Finanzlage