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Donnerstag, 20. August 2026 Kontakt
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Gründungsrekord Steiermark - 2.791 Neugründungen im ersten Halbjahr

Gründungsrekord Steiermark - 2.791 Neugründungen im ersten Halbjahr

2.791 Steirerinnen und Steirer haben sich zwischen Jänner und Juni 2026 selbständig gemacht - 25 mehr als im bisherigen Rekordhalbjahr 2021 und rund 15 pro Tag. Die zweite Zahl aus derselben Statistik erklärt allerdings besser, was in der Steiermark seit zehn Jahren passiert: Die Gründungen in der selbständigen Personenbetreuung sind von 2.272 im Jahr 2016 auf 947 im Jahr 2025 gefallen. Alles, was das Gesamtergebnis trotzdem nach oben trägt, kommt aus dem übrigen Gründungsgeschehen.

Das Wichtigste in Kürze
  • 2.791 Neugründungen im ersten Halbjahr 2026 ohne selbständige Personenbetreuer, inklusive dieser 3.087
  • Damit entfallen 12,9 Prozent aller 21.718 österreichischen Firmengründungen auf die Steiermark
  • Graz führt mit 857 Gründungen, vor Graz-Umgebung (361), Hartberg-Fürstenfeld (203), Weiz (187) und Bruck-Mürzzuschlag (179)
  • Frauenanteil 42,5 Prozent, Durchschnittsalter bei Gründung 36,6 Jahre
  • Stärkste Branche: Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT mit 12,3 Prozent aller Gründungen
  • Bundesweit sind 82,6 Prozent der Gründungen Einzelunternehmen, 13,2 Prozent GmbHs
  • Fünf Jahre nach der Gründung sind 57,5 Prozent der Betriebe noch aktiv
  • Der steirische Anteil an Österreichs Gründungen sank von 15,2 Prozent (2016) auf 13,8 Prozent (2025)

Ein Rekord mit knappem Vorsprung

Josef Herk, Präsident der WKO Steiermark, nennt die Zahl ein "äußerst positives Zeichen für den Standort Steiermark" - und verweist zugleich darauf, dass die vergangenen Monate von einer sehr herausfordernden Gesamtlage geprägt waren. Der Vorsprung auf den bisherigen Höchstwert aus dem ersten Halbjahr 2021 beträgt exakt 25 Gründungen, also weniger als ein Prozent. Für sich genommen ist das eine Randnotiz. Interessant wird der Wert erst im Vergleich mit der Zusammensetzung, die dahintersteckt.

Die Steiermark kam im ersten Halbjahr auf 12,9 Prozent der österreichweit 21.718 Firmengründungen. Dieser Anteil deckt sich exakt mit dem Jahreswert 2025 auf derselben Berechnungsbasis - die Steiermark hält ihre Position im Bundesländervergleich also, ohne sie auszubauen.

Die Personenbetreuung verschiebt die Basis

Wer steirische Gründungszahlen über mehrere Jahre vergleicht, muss wissen, welche der beiden Reihen gemeint ist. Die WKO weist sie doppelt aus: einmal inklusive der selbständigen Personenbetreuerinnen und Personenbetreuer, einmal ohne. Der Unterschied ist erheblich - und er wandert.

Jahr Inkl. Personenbetreuer Ohne Personenbetreuer Davon Personenbetreuung
2016 6.204 3.932 2.272
2019 5.931 4.383 1.548
2021 6.194 4.945 1.249
2023 5.991 4.940 1.051
2024 5.937 4.890 1.047
2025 6.022 (+1,4 %) 5.075 (+3,8 %) 947

In neun Jahren hat sich die Zahl der Gründungen in der Personenbetreuung mehr als halbiert, während das übrige Gründungsgeschehen um rund 1.100 Fälle pro Jahr zulegte. Die Gesamtzahl blieb deshalb auffällig stabil zwischen 5.900 und 6.250 - sie verdeckt zwei gegenläufige Entwicklungen. Für die Beurteilung der Wirtschaftsdynamik ist die Reihe ohne Personenbetreuer die aussagekräftigere, und auf dieser Basis ist 2025 mit 5.075 Gründungen das stärkste Jahr des gesamten Jahrzehnts.

Gut zu wissen:
Als Neugründung zählt nicht jede neue Kammermitgliedschaft. Die WKO bereinigt den Zugang um Betriebsübernahmen, Rechtsformänderungen und alles, was keine erstmalige und dauerhafte Mitgliedschaft ist. Bei Gründungen, die mehrere Bezirke oder Sparten betreffen, wird seit 2018 ein Schwerpunkt zugeordnet, damit dieselbe Gründung nicht mehrfach in der Landessumme landet. Zahlen nach Fachorganisationen sind davon ausgenommen - dort wird mehrfach gezählt und die Summe liegt entsprechend höher.

Wo gegründet wird

Die regionale Verteilung im ersten Halbjahr 2026 folgt dem erwarteten Muster: Graz stellt mit 857 Gründungen fast ein Drittel, der Zentralraum insgesamt rund 44 Prozent.

Bezirk Gründungen 1. Halbjahr 2026
Graz 857
Graz-Umgebung 361
Hartberg-Fürstenfeld 203
Weiz 187
Bruck-Mürzzuschlag 179

Absolute Zahlen bilden allerdings vor allem Einwohnerzahl ab. Aussagekräftiger ist die Gründungsintensität, also der Anteil der Neugründungen am Bestand aktiver Kammermitglieder. Auf dieser Kennzahl führt 2025 nicht Graz, sondern Weiz mit 8,7 Prozent - vor Graz-Stadt (7,8) und Liezen (7,3). Weiz erreichte zudem 7,0 Gründungen je 1.000 Einwohner und damit den höchsten Wert aller steirischen Bezirke, deutlich vor Graz mit 5,4. Die Oststeiermark ist damit die gründungsaktivste Region des Landes, gemessen an ihrer eigenen Wirtschaftsstruktur.

Am unteren Ende stehen Murau (5,5), Leibnitz und Hartberg-Fürstenfeld (je 5,7 bzw. 5,8). Der Bezirk Leibnitz ist dabei ein Beispiel für eine deutliche Verschiebung: 2016 lag er mit 9,0 Prozent noch über dem Landesschnitt, 2025 mit 5,7 klar darunter.

Wer gründet und in welcher Form

Der Frauenanteil lag im ersten Halbjahr 2026 bei 42,5 Prozent, das Durchschnittsalter bei Gründung bei 36,6 Jahren. Beide Werte sind bemerkenswert stabil: Auch in der Jahresstatistik 2025 betrug das Durchschnittsalter der Einzelunternehmensgründer 36,6 Jahre, nachdem es 2020 auf 35,4 Jahre gesunken war.

Beim Frauenanteil lohnt der genaue Blick, weil er von der Personenbetreuung stark beeinflusst wird. Rechnet man diese heraus, lag der Frauenanteil an den Einzelunternehmensgründungen 2025 bei 48,5 Prozent - der höchste Wert seit 2016. Rechnet man sie hinein, sind es 55,8 Prozent, weil die Personenbetreuung fast ausschließlich von Frauen ausgeübt wird. Der Rückgang dieses Segments hat den scheinbaren Frauenanteil über Jahre gedrückt, während der Anteil bei den übrigen Gründungen tatsächlich stieg. Zur Einordnung: Frauen stellen 49,5 Prozent der aktiven Kammermitglieder unter den natürlichen Personen. Die Gründerinnen haben damit beinahe zum Bestand aufgeschlossen. Wie sich das an der Spitze der Unternehmen niederschlägt, ist eine andere Rechnung.

Bei den Rechtsformen dominiert österreichweit das Einzelunternehmen mit 82,6 Prozent, gefolgt von der GmbH mit 13,2 Prozent. In der steirischen Jahresstatistik 2025 lag der Einzelunternehmensanteil bei 86,5 Prozent und der GmbH-Anteil bei 9,6 Prozent - der höchste GmbH-Wert des Jahrzehnts. Die 2023 eingeführte Flexible Kapitalgesellschaft kam 2025 auf 27 Gründungen in der Steiermark, nach 15 im ersten Jahr.

Die Branchen: Beratung, Werbung, Onlinehandel

Der Schwerpunkt hat sich vom Gewerbe in Richtung wissensbasierter Dienstleistungen verschoben. Die vier stärksten Bereiche im ersten Halbjahr 2026:

Bereich Anteil an allen Gründungen
Unternehmensberatung, Buchhaltung, IT 12,3 %
Werbung und Marktkommunikation 7,9 %
Persönliche Dienstleister 6,2 %
Versand- und Internethandel 5,9 %

Die Jahresstatistik bestätigt den Trend über die Sparten: Information und Consulting stieg 2025 auf 945 Gründungen und 18,6 Prozent Anteil (ohne Personenbetreuung) - der höchste Wert seit 2016. Der Handel fiel im selben Zeitraum von 28,3 auf 24,9 Prozent. Tourismus und Freizeitwirtschaft legte auf 436 Gründungen zu, den stärksten Wert des Jahrzehnts.

Was aus den Gründungen wird

Die für Standortpolitik entscheidende Frage stellt sich erst danach. Die WKO Steiermark beziffert die Erfolgsquote im fünften Jahr nach der Gründung mit 57,5 Prozent. Anders gesagt: Von den 5.075 Betrieben, die 2025 gegründet wurden, dürften rund 2.160 bis 2030 wieder verschwunden sein.

Der zweite Befund betrifft die Betriebsgröße. 89 Prozent der Neugründungen haben keine unselbständig Beschäftigten, 8 Prozent haben ein bis vier, 2 Prozent fünf bis neun und 1 Prozent zehn oder mehr. Insgesamt schaffen 11 Prozent der Neugründungen mindestens einen Dienstnehmerposten, und wo Beschäftigung entsteht, sind es im Schnitt sechs Stellen je Gründung. Der Gründungsboom ist also in erster Linie ein Ein-Personen-Unternehmen-Boom - was Markus Reiter, Leiter des Gründerservice der WKO Steiermark, mit dem Hinweis stützt: "Wir verzeichnen im Gründerservice schon seit längerem einen Trend zur nebenberuflichen Tätigkeit."

Praxis-Tipp:
Wer nebenberuflich startet, sollte die Sozialversicherungsfolgen vor der Gewerbeanmeldung durchrechnen, nicht danach. Mehrfachversicherung, Beitragsgrundlagen und die Nachbemessung im dritten Jahr entscheiden bei kleinen Umsätzen oft mehr über das Ergebnis als der Umsatz selbst. Das Gründerservice der WKO Steiermark bietet dazu Beratungstage, Workshops und Gründertrainings zu Steuern, Businessplan, Versicherung, Gewerberecht, Rechtsform und Buchhaltung an.

Der blinde Fleck: Der steirische Anteil sinkt

Die Rekordmeldung verdeckt eine langfristige Verschiebung im Bundesländervergleich. Der steirische Anteil an allen österreichischen Neugründungen lag 2016 bei 15,2 Prozent und 2025 bei 13,8 Prozent. Im selben Zeitraum stieg Wien von 22,4 auf 24,8 Prozent. Die Steiermark gründet also nicht weniger als früher - aber sie wächst langsamer als der Bundesschnitt, der von 40.828 auf 43.494 Gründungen zulegte.

Dazu passt die Gründungsintensität: Sie lag 2025 in der Steiermark bei 7,0 Prozent des Mitgliederbestands, österreichweit bei 7,3 Prozent. 2016 hatte die Steiermark mit 9,1 Prozent noch über dem Bundesschnitt von 8,3 Prozent gelegen. Der Grund dafür ist teils struktureller Natur: Der aktive Mitgliederstand wuchs in der Steiermark von 68.143 auf 86.559 - je größer die Basis, desto niedriger fällt die Intensität bei gleicher absoluter Gründungszahl aus.

Wichtige Einschränkung:
Halbjahres- und Jahreszahlen sind nicht direkt vergleichbar. Die Halbjahreszahl 2026 von 2.791 bezieht sich auf die Basis ohne selbständige Personenbetreuer, die Jahreszahl 2025 von 6.022 auf die Basis inklusive. Die passende Gegenüberstellung lautet: 2.791 im ersten Halbjahr 2026 gegenüber 5.075 im Gesamtjahr 2025 - also ein Halbjahr leicht über dem halben Vorjahreswert.

Einordnung: Gründungen als Konjunkturindikator mit Vorbehalt

Gründungszahlen werden gern als Stimmungsbarometer gelesen. Das trägt nur bedingt. Ein Rekord bei überwiegend nebenberuflichen Ein-Personen-Unternehmen kann ebenso ein Zeichen für Aufbruch wie für einen angespannten Arbeitsmarkt sein - etwa wenn Beschäftigte in die Selbständigkeit ausweichen. Für das erste Halbjahr 2026 lassen beide Lesarten sich mit Daten unterlegen: Die Insolvenzzahlen lagen hoch, gleichzeitig entstanden im Bereich Beratung und IT so viele Betriebe wie nie. Die belastbare Aussage ist daher zunächst die schlichte: Die Bereitschaft, ein Unternehmen zu starten, ist in der Steiermark ungebrochen, und sie konzentriert sich auf Tätigkeiten mit geringem Kapitaleinsatz.

Ausblick: Ob 2026 auch im Gesamtjahr einen Rekord bringt, entscheidet das zweite Halbjahr, das traditionell schwächer ausfällt. Wichtiger als die Jahressumme ist die Frage, wie viele dieser Gründungen den Schritt vom Ein-Personen-Unternehmen zum Arbeitgeber schaffen - derzeit sind es 11 Prozent. Die endgültigen Zahlen für 2026 veröffentlicht die WKO Steiermark üblicherweise im Sommer des Folgejahres.

Quellen