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Dienstag, 11. August 2026 Kontakt
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Hans Roth - vom Müllwagen in Gnas zum Entsorgungskonzern

1979 sammelte Hans Roth mit fünf Beschäftigten den Müll der oststeirischen Gemeinde Gnas ein. 2024 setzte das Unternehmen, das daraus wurde, rund 500 Millionen Euro um. Saubermacher betreut heute etwa 1.600 Gemeinden und rund 42.000 Firmenkunden in acht Ländern und beschäftigt rund 4.000 Menschen. Die Zentrale steht in Feldkirchen bei Graz, die Mehrheit hält weiterhin die Familie - seit Juni 2026 allerdings mit einem deutschen Partner an Bord.

Das Wichtigste in Kürze
  • Hans Roth, geboren am 2. Oktober 1946 in Feldbach, gründete Saubermacher 1979 gemeinsam mit seiner Frau Margret
  • Aus fünf Beschäftigten für eine Gemeinde wurde ein Konzern mit rund 4.000 Mitarbeitenden in acht Ländern
  • Umsatz 2024: rund 500 Mio. Euro, ein Plus von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr
  • Im Juni 2026 stieg REMONDIS mit 27,79 Prozent ein, die Roth-Privatstiftung hält weiterhin 72,21 Prozent
  • Roth ist Aufsichtsratsvorsitzender, war zehn Jahre lang bis 2009 Obmann der WKO-Fachgruppe für Abfall- und Abwasserwirtschaft in der Steiermark
  • Auszeichnungen: Unternehmer des Jahres 2001, Kommerzialrat 2002, Österreicher des Jahres und Entrepreneur of the Year 2009, Club-55-Special-Award 2023
Lebensdaten
Geboren
2. Oktober 1946 in Feldbach
Ausbildung
Handelsschule, anschließend dreijährige Lehre zum Einzelhandelskaufmann in Passail
Stationen
Gründung der Saubermacher Dienstleistungs AG gemeinsam mit Margret Roth (1979), Aufbau des Auslandsgeschäfts in Mittel- und Südosteuropa, Übergabe der operativen Führung an angestellte Vorstände
Aktuell
Aufsichtsratsvorsitzender der Saubermacher Dienstleistungs AG
Weitere Funktionen
Obmann der Fachgruppe für Abfall- und Abwasserwirtschaft der WKO Steiermark (bis 2009, zehn Jahre)
Auszeichnungen
Unternehmer des Jahres in der Sparte Dienstleistungen (2001), Kommerzialrat (2002), Österreicher des Jahres und Entrepreneur of the Year Österreich (2009), Special Award des Club 55 (Juni 2023)
Familie
Verheiratet mit Margret Roth, ein Sohn im Aufsichtsrat des Unternehmens

Eine Marktlücke in der Oststeiermark

Roth wuchs in Feldbach auf, besuchte die Handelsschule und absolvierte eine dreijährige Lehre zum Einzelhandelskaufmann in einem Kaufhaus in Passail. Der Einstieg in die Abfallwirtschaft entstand aus einer nüchternen Beobachtung: In den 1970er-Jahren wurde in Österreich über eine verpflichtende Müllentsorgung diskutiert, in der Region gab es dafür keinen Anbieter.

1979 gründete er mit seiner Frau Margret das Unternehmen und übernahm die Entsorgung für die Gemeinde Gnas. Fünf Beschäftigte, ein Auftraggeber. Der Ausbau folgte der kommunalen Logik: Wer eine Gemeinde überzeugte, konnte die nächste ansprechen.

Vom Sammler zum Rohstoffbetrieb

Die inhaltliche Wende kam mit der Umdeutung des Geschäfts. Roth fasst sie in einem Satz zusammen: "Abfall ist Rohstoff am falschen Platz." Zwei Drittel des Restmülls enthalten nach seiner Darstellung nach wie vor verwertbare Bestandteile - Bioabfall, Papier, Kunststoff. Aus dem Entsorger wurde damit schrittweise ein Betrieb der Kreislaufwirtschaft, der Sekundärrohstoffe verkauft statt Müll wegzuschaffen.

Ein zweites Standbein sind Public-Private-Partnerships mit Kommunen. Saubermacher betreibt 19 solcher Gesellschaften, darunter Beteiligungen in Villach seit 2001 und in Graz. Die Konstruktion verbindet kommunale Hoheit mit privatwirtschaftlicher Abwicklung - und bindet Kunden über Jahrzehnte.

Kennzahl Saubermacher Wert
Gründung 1979, fünf Beschäftigte, Gemeinde Gnas
Umsatz 2024 rund 500 Mio. Euro (plus 11 Prozent)
Beschäftigte rund 4.000
Länder acht (Österreich, Slowenien, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Deutschland, Nordmazedonien)
Kunden rund 1.600 Gemeinden, rund 42.000 Betriebe
Public-Private-Partnerships 19

Der Schwerpunkt verschiebt sich nach Südosten

Österreich steuert heute nur noch etwa die Hälfte des Umsatzes bei, vor zwölf Jahren waren es rund zwei Drittel. Die Wachstumsmärkte liegen in Slowenien, Ungarn und Kroatien. Die Verschiebung ist strategisch gewollt: Der heimische Markt ist verteilt, die Regulierungsdichte hoch.

Wichtige Einschränkung:
Das 2025 eingeführte Einwegpfand hat die Sammelmengen bei Kunststoff spürbar reduziert. Sammelrouten, die früher alle acht Tage gefahren wurden, rentieren sich in manchen Gebieten nur noch alle drei Wochen. Das Unternehmen gleicht fehlendes Material teilweise mit Mengen aus Slowenien aus. Regulatorische Eingriffe wirken in der Abfallwirtschaft unmittelbar auf die Auslastung von Anlagen und Fuhrpark.

Der Einstieg von REMONDIS

Am 18. Juni 2026 wurde die strategische Partnerschaft mit REMONDIS abgeschlossen, nachdem die Wettbewerbsbehörde die Freigabe erteilt hatte. Das deutsche Unternehmen aus dem Firmenverbund der Familie Rethmann hält seither 27,79 Prozent, die Roth-Privatstiftung 72,21 Prozent. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die operative Führung blieb unverändert im Haus.

Roth hatte im Vorfeld erkennen lassen, dass er einer Minderheitsbeteiligung offen gegenübersteht, solange die Familie die Mehrheit behält. Die Begründung für den Schritt liegt im Investitionsbedarf: Sortier- und Aufbereitungsanlagen, Digitalisierung der Logistik und der Zugang zu internationalen Verwertungswegen binden Kapital, das ein regional verankertes Familienunternehmen allein schwerer aufbringt.

Auszeichnungen und Engagement

Roth zählt zu den am häufigsten ausgezeichneten Unternehmern des Landes. 2001 wurde er Unternehmer des Jahres in der Sparte Dienstleistungen, 2002 verlieh ihm die WKO Steiermark den Titel Kommerzialrat, 2009 folgten die Auszeichnungen als Österreicher des Jahres und als Entrepreneur of the Year für Österreich. Im Juni 2023 erhielt er den Special Award des Club 55, eines europäischen Zusammenschlusses von Marketing- und Vertriebsfachleuten, für sein Lebenswerk.

Über zehn Jahre lang, bis 2009, war er Obmann der Fachgruppe für Abfall- und Abwasserwirtschaft der WKO Steiermark. Neben dem Unternehmen engagiert sich die Familie im sozialen Bereich und in der zeitgenössischen Kunst: Über eine von seiner Frau getragene steirische Kunststiftung wurden rund 400 Werke vorwiegend junger Künstlerinnen und Künstler aus der Region zusammengetragen.

Die Nachfolge

Die operative Führung liegt seit Jahren bei angestellten Vorständen; mit Jahresbeginn 2026 übernahm Andreas Opelt den Vorstandsvorsitz. Roth selbst führt den Aufsichtsrat, sein Sohn gehört dem Gremium ebenfalls an. Die Roth-Privatstiftung sichert die Kontrolle der Familie über Generationen hinweg - ein Modell, das in der steirischen Betriebsnachfolge zunehmend an die Stelle der klassischen Direktübergabe tritt.

Ausblick: Mit REMONDIS an Bord hat Saubermacher Kapital und internationale Verwertungswege gewonnen, ohne die Familienmehrheit aufzugeben. Die offene Frage der kommenden Jahre ist weniger die Eigentümerstruktur als die Regulierung: Pfandsysteme, Sammelquoten und Verwertungsvorgaben entscheiden darüber, welche Mengen überhaupt noch im eigenen System landen.

Quellen