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Dienstag, 11. August 2026 Kontakt
Innovation

Steirischer KI-Kongress in Graz - Programm, Kosten und Pflichten

Steirischer KI-Kongress in Graz - Programm, Kosten und Pflichten
Das Wichtigste in Kürze
  • Der 2. Steirische KI-Kongress findet am 18. September 2026 in der Messe Congress Graz statt, von 8.30 bis 16.30 Uhr.
  • Erwartet werden rund 500 Entscheiderinnen und Entscheider, Tickets starten bei 447 Euro.
  • Auf der Bühne stehen unter anderem Tech-Investor Frank Thelen, Robotikforscher Sebastian Schlund und Eva Eggeling.
  • Dazu kommen über 15 Workshops und 7 Bootcamps zu Agentic AI, Prompting und digitaler Führung.
  • 30 Prozent der österreichischen Unternehmen ab zehn Beschäftigten setzen KI ein - 2021 waren es 9 Prozent, der EU-Schnitt liegt bei 20 Prozent.
  • Seit 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten des AI Act: KI-Systeme im direkten Kundenkontakt müssen als solche gekennzeichnet sein.

Seit 2. August 2026 muss jeder Chatbot auf einer Unternehmenswebsite offenlegen, dass er kein Mensch ist. Für viele steirische Betriebe ist das der erste Punkt, an dem der europäische AI Act den eigenen Arbeitsalltag berührt - und er fällt in dieselben Wochen wie der größte KI-Termin des Bundeslandes: Am 18. September treffen sich rund 500 Entscheider in der Messe Congress Graz.

Der Kongress am 18. September

Der zweite Steirische KI-Kongress läuft von 8.30 bis 16.30 Uhr und beginnt mit einer Eröffnung durch Vertreter aus Politik und Wirtschaft. Die erste Auflage im September 2025 war auf rund 250 Teilnehmer ausgelegt, heuer ist das Format doppelt so groß angesetzt. Organisatorisch steht der Lehrgangsleiter des WIFI Steiermark für "KI in der Wirtschaft", Harald Koch, dahinter.

Sprecher Thema
Frank Thelen Tech-Investor, Einordnung der Marktentwicklung
Sebastian Schlund Robotik und Industrie
Eva Eggeling KI für Entscheider
Lothar Lackner KI-Agenten im Betrieb
Florian Hübner praktische Anwendungen
Harald Koch Entscheidungsunterstützung

Neben den Vorträgen stehen über 15 Workshops und 7 Bootcamps am Programm - von Agentic AI über Prompt-Techniken bis zu digitaler Führung. Ein Bootcamp zum Thema Wissensmanagement ist auf acht Stunden angelegt, mit dem Ziel, am Ende des Tages eine einsatzfähige Wissens-KI zu haben. Diese Praxisformate sind der eigentliche Unterschied zu klassischen Kongressen: Sie richten sich an Betriebe, die Werkzeuge einführen wollen, nicht an solche, die noch abwägen.

Wo die Betriebe tatsächlich stehen

Die Erhebung von Statistik Austria zum IKT-Einsatz in Unternehmen zeigt ein zweigeteiltes Bild. 30 Prozent der Unternehmen ab zehn Beschäftigten setzen KI-Technologien ein - ein Wert, der sich seit 2021 mehr als verdreifacht hat und deutlich über dem EU-Schnitt von rund 20 Prozent liegt. Vor Österreich liegen Länder wie Dänemark mit 42 Prozent.

Der zweite Teil des Befunds ist der interessantere: Mehr als drei Viertel der Betriebe ohne KI-Einsatz haben die Technologie bislang nicht einmal in Erwägung gezogen. Der Graben verläuft dabei weniger zwischen Branchen als zwischen Betriebsgrößen - dort, wo es keine eigene IT-Abteilung gibt, fehlt meist auch die Person, die den ersten Anwendungsfall definiert.

Wie weit die Umsetzung reichen kann, zeigen die steirischen Anwendungsfälle aus Produktion, Mobilität und Gesundheitswesen - dort läuft KI seit Jahren im Regelbetrieb, nicht im Pilotprojekt.

Was der AI Act seit 2. August verlangt

Parallel zur Technik verschiebt sich der rechtliche Rahmen. Die Übersicht der WKO zum AI Act nennt folgende Stufen:

Datum Was gilt
seit Februar 2025 KI-Kompetenz: Betriebe müssen Beschäftigten den Umgang mit den eingesetzten Tools vermitteln und das dokumentieren
seit 2. August 2026 Transparenzpflichten: Systeme mit direktem Personenkontakt müssen als KI erkennbar sein, KI-generierte Inhalte gekennzeichnet werden
ab 2. August 2027 KI-Reallabore treten in Kraft
ab 2. Dezember 2027 Anforderungen an Hochrisiko-Systeme nach Anhang III
ab 2. August 2028 Anforderungen an Hochrisiko-Systeme nach Anhang I

Die Bußgelder reichen je nach Schwere und Unternehmensgröße von 7,5 Millionen Euro oder 1,5 Prozent des Jahresumsatzes bis zu 35 Millionen Euro oder 7 Prozent. Für die meisten steirischen KMU relevant sind vorerst zwei Punkte: die Kennzeichnung im Kundenkontakt und der Nachweis, dass Mitarbeiter geschult wurden.

Praxis-Tipp:
Die Teilnahme an einem Workshop oder Bootcamp lässt sich doppelt verwerten: als fachlicher Input und als Baustein für den Kompetenznachweis nach Artikel 4 des AI Act. Dafür braucht es eine Dokumentation - Teilnahmebestätigung, Datum, Inhalte und die Liste der geschulten Personen. Wer ohnehin Weiterbildungsbudget einplant, sollte diese Unterlagen gleich strukturiert ablegen, statt sie im Anlassfall zusammenzusuchen. Fördermöglichkeiten für Qualifizierung fasst der Überblick zur Weiterbildung in der Steiermark zusammen.

Weitere Termine für Betriebe

Der KI-Kongress ist nicht der einzige Anlaufpunkt. Das Internationalisierungscenter Steiermark veranstaltet mit dem KI-Summit Export ein Format, das KI-Werkzeuge speziell für Exportmärkte behandelt - für ein Bundesland, dessen Industrie mehr als die Hälfte ihrer Erlöse außerhalb Österreichs erwirtschaftet, ein naheliegender Zuschnitt. Das WIFI Steiermark führt parallel einen mehrteiligen Lehrgang "KI in der Wirtschaft".

Für die Grazer IT-Unternehmen haben diese Veranstaltungen noch eine zweite Funktion: Sie sind Vertriebskanal. Wo Anwenderbetriebe zum ersten Mal konkret werden, entstehen die Projekte, die später Entwickler beschäftigen - in einem Markt, der ohnehin unter Fachkräftemangel leidet.

Wichtige Einschränkung:
Ein Ticket ab 447 Euro plus Arbeitszeit ist für einen Kleinbetrieb eine spürbare Investition. Sie zahlt sich nur aus, wenn vor der Anmeldung feststeht, welcher konkrete Prozess verbessert werden soll - Angebotslegung, Rechnungsprüfung, Kundenanfragen. Wer ohne Fragestellung hingeht, bringt Begeisterung mit und sonst wenig.
Rechtlicher Hinweis:
Diese Informationen ersetzen keine professionelle Beratung. Ob ein konkretes KI-System als Hochrisiko-Anwendung einzustufen ist und welche Dokumentationspflichten daraus folgen, klären Sie mit einem auf IT- und Datenschutzrecht spezialisierten Rechtsanwalt.
Ausblick: Mit 30 Prozent KI-Nutzung liegt Österreich im EU-Spitzenfeld, der Abstand zu Dänemark zeigt aber, wie viel Luft nach oben bleibt. Die Frage der kommenden Monate ist weniger, ob Betriebe KI einsetzen, sondern ob sie den Übergang vom einzelnen Werkzeug zur dokumentierten Anwendung schaffen - denn genau das verlangt der AI Act ab jetzt in Stufen.

Quellen