8.900 Unternehmen, 22.500 Beschäftigte und ein Jahresumsatz von 2,6 Milliarden Euro – die Kreativwirtschaft in der Steiermark hat sich seit 2010 zu einem der dynamischsten Wirtschaftssektoren des Bundeslandes entwickelt. Graz als UNESCO City of Design bildet dabei das pulsierende Zentrum einer Branche, die mittlerweile elf Prozent aller steirischen Unternehmen ausmacht und eine Bruttowertschöpfung von einer Milliarde Euro generiert.
- 11 % aller steirischen Unternehmen gehören zur Kreativwirtschaft (8.900 Betriebe)
- 2,6 Milliarden Euro Umsatz bei einer Bruttowertschöpfung von 1 Milliarde Euro
- Umsatz und Beschäftigtenzahl haben sich seit 2010 nahezu verdoppelt
- Software und Games dominieren mit 46 % der Bruttowertschöpfung
- Graz ist seit 2011 UNESCO City of Design – die erste City of Design in Österreich
- CIS (Creative Industries Styria) wird in die SFG übergeführt – Kreativwirtschaft wird Cross-Cluster-Aktivität
- 55 % der Kreativunternehmen sind Ein-Personen-Unternehmen, 22 % werden von Frauen geführt
Graz als UNESCO City of Design
Seit 2011 trägt Graz den Titel UNESCO City of Design als erste österreichische Stadt in diesem internationalen Netzwerk kreativer Städte. Die Auszeichnung untermauert den Ruf der Landeshauptstadt als Kreativmetropole und hat dazu beigetragen, internationale Aufmerksamkeit auf die steirische Designszene zu lenken. Der jährliche Designmonat Graz bringt Kreative, Unternehmen und Öffentlichkeit zusammen und zeigt die Vielfalt der Grazer Gestaltungsszene von Produktdesign über Architektur bis hin zu digitalen Medien.
Die Creative Industries Styria (CIS) fungierte seit 2007 als Netzwerk für die steirische Kreativwirtschaft. Im September 2025 kündigte Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhofer allerdings eine grundlegende Neustrukturierung an: Die CIS GmbH soll aufgelöst und die Themen Kreativwirtschaft und Design direkt bei der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG konzentriert werden. Der Fokus soll künftig stärker auf jene Bereiche gelegt werden, die für Unternehmen und den Wirtschaftsstandort unmittelbar relevant sind. Ein Teil der CIS-Mitarbeiter soll das Angebot bekommen, im Rahmen des neuen Konzepts in der SFG weiterzuarbeiten.
Die sieben Sparten der steirischen Kreativwirtschaft
Die Kreativwirtschaft ist kein einheitlicher Sektor, sondern umfasst sieben klar abgegrenzte Sparten mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten und Geschäftsmodellen. Die Software- und Games-Industrie dominiert mit 46 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung und über 3.600 unselbständig Beschäftigten deutlich. Dahinter folgen Werbung, Industrial Design und Fotografie mit 15 Prozent und rund 1.700 Beschäftigten sowie der Architekturmarkt mit 14 Prozent und etwa 1.200 Beschäftigten. Das Buch- und Verlagswesen steuert rund 298 Millionen Euro Umsatz bei, während der Markt für darstellende Kunst mit 1.574 Beschäftigten und 268 Millionen Euro Umsatz ein wichtiger Arbeitgeber ist.
| Sparte | Anteil Wertschöpfung | Schwerpunkte in Graz und Steiermark |
|---|---|---|
| Software und Games | 46 % | App-Entwicklung, Webentwicklung, Gaming-Studios |
| Werbung, Design, Fotografie | 15 % | Agenturen, Branding, Kampagnen, Fotostudios |
| Architekturmarkt | 14 % | Planung, Innenarchitektur, Stadtentwicklung |
| Buch- und Pressemarkt | ca. 10 % | Verlage, Journalismus, Lektorate, Content |
| Darstellende Kunst und Film | ca. 8 % | Filmproduktion, Bühnen, Festivals |
| Musikwirtschaft | ca. 5 % | Labels, Studios, Veranstaltungstechnik |
| Kunstmarkt und Sonstige | ca. 2 % | Galerien, Kunsthandwerk, Museen |
Bekannte Kreativagenturen und Preisträger in Graz
Die Grazer Agenturszene hat über die Landesgrenzen hinaus Beachtung gefunden und bringt regelmäßig nationale Preisträger hervor. EN GARDE wurde 2024 zum zweiten Mal in Folge als kreativste Agentur der Steiermark ausgezeichnet und ist für herausragendes Design und wirkungsvolle Kampagnen bekannt. Jack Coleman ist als Full-Service-Agentur für Markenentwicklung und Events etabliert und organisiert unter anderem den Green Panther, den wichtigsten Kreativpreis der Steiermark, der jährlich rund 500 Gäste in der Seifenfabrik Graz zusammenbringt.
Weitere profilierte Agenturen sind Kufferath (spezialisiert auf Branding und Kommunikation komplexer Themen), die ghost.company (mehrfach in den Top 5 der österreichischen Digitalagenturen), das Designstudio Form und Zeichen mit Standorten in Graz und Kärnten sowie GREATVIBES mit Fokus auf nachhaltige Markenkommunikation. Die Plattform kreatives-graz.at der City of Design Koordination vernetzt diese Akteure und macht die Grazer Kreativszene sichtbar.
Der Green Panther ist der wichtigste Kreativpreis der Steiermark und wird von der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation der WKO Steiermark vergeben. Die jährliche Preisverleihung hat sich zu einem festen Treffpunkt der steirischen Kreativszene entwickelt und prämiert Arbeiten in Kategorien wie Design, Digital, Film und Kampagne.
Regionale Verteilung und Unternehmensstruktur
Kreativwirtschaftsunternehmen sind österreichweit häufig im städtischen Raum angesiedelt – die Steiermark ist hier keine Ausnahme. Die Hälfte aller steirischen Kreativwirtschaftsunternehmen hat ihren Sitz direkt in Graz, zwei Drittel im Großraum Graz. Das restliche Drittel verteilt sich auf die übrigen steirischen Bezirke, wobei städtische Zentren wie Leoben, Kapfenberg und Weiz kleinere Kreativcluster aufweisen.
Die Unternehmensstruktur ist von Kleinstbetrieben geprägt: 55 Prozent aller Kreativunternehmen in der Steiermark sind Ein-Personen-Unternehmen. Der höchste EPU-Anteil findet sich im Bereich darstellende Kunst (81 Prozent), gefolgt von Filmwirtschaft (62 Prozent), Werbung und Design (jeweils 59 Prozent). Der Frauenanteil bei der Unternehmensführung liegt bei 22 Prozent, während bei den unselbständig Beschäftigten 46 Prozent Frauen sind. In den Bereichen Design, Buch- und Verlagswesen sowie Werbung ist der Frauenanteil bei den Beschäftigten mit über 60 Prozent besonders hoch und liegt damit deutlich über dem steirischen Durchschnitt.
Langzeitentwicklung: Verdoppelung seit 2010
Die aktuellste Studie der KMU Forschung Austria im Auftrag der CIS zeigt einen bemerkenswerten Langzeittrend: Seit 2010 ist die Anzahl der Kreativunternehmen und Beschäftigten in der Steiermark jeweils um rund 50 Prozent gestiegen. Umsatz und Bruttowertschöpfung haben sich beinahe verdoppelt. Auch im jüngsten Vergleichszeitraum 2022-2024 waren die Ergebnisse positiv: 20 Prozent mehr Umsatz und vier Prozent mehr Beschäftigte, obwohl die Anzahl der Kleinstunternehmen (unter 10.000 Euro Jahresumsatz) leicht rückläufig war – was auf eine Konsolidierung und Professionalisierung der Branche hindeutet.
Diese Dynamik übertrifft die allgemeine Wirtschaftsentwicklung in der Steiermark und positioniert die Kreativwirtschaft als Wachstumsmotor – nicht nur für die Branche selbst, sondern auch als Dienstleister für traditionelle Industriezweige. Der steirische Maschinenbau, die Lebensmittelbranche und der Tourismus nehmen zunehmend kreative Dienstleistungen in Anspruch, von Markenentwicklung über Webdesign bis hin zu Social-Media-Strategien. Über 70 Prozent aller privatwirtschaftlichen Unternehmen greifen laut Kreativwirtschaftsbericht regelmäßig auf Leistungen aus der Kreativwirtschaft zurück.
Die SFG bietet gezielte Förderungen für Kreativunternehmen in der Steiermark – von der Startförderung für Gründer über Innovationsförderungen bis zur Internationalisierung. Die Kreativwirtschafts-Seite des Landes Steiermark informiert über aktuelle Programme. Ein Beratungsgespräch bei der SFG lohnt sich besonders für Agenturgründer und Kreativ-EPU, die über die Selbständigkeit hinaus wachsen wollen.
Herausforderungen und Zukunft der Kreativwirtschaft
Trotz des positiven Gesamtbildes stehen steirische Kreativbetriebe vor erheblichen Herausforderungen. Der Rückgang der Kleinstunternehmen deutet auf einen Konsolidierungstrend hin: Kleine Einzelkämpfer haben es zunehmend schwer, gegen professionalisierte Agenturen zu bestehen und müssen sich entweder spezialisieren oder Kooperationen eingehen. Gleichzeitig verändert Künstliche Intelligenz die Arbeitsweisen in Design, Text und Medienproduktion grundlegend und stellt bestehende Geschäftsmodelle in Frage.
Mit der Übernahme der CIS-Agenden durch die SFG wird die Kreativwirtschaft künftig stärker als Cross-Cluster-Aktivität positioniert – also als Querschnittsthema, das alle steirischen Branchen durchdringt und verbindet. Dafür stehen laut Land Steiermark entsprechende Finanzmittel und Personal zur Verfügung. Die sechs verbliebenen steirischen Cluster und Netzwerke – darunter der AC Styria und das Green Tech Valley – sollen dabei eng eingebunden werden. Die Frage, ob diese Neustrukturierung die bisherige Netzwerkarbeit der CIS adäquat ersetzen kann, wird in der Branche kontrovers diskutiert.