19 Finanzierungsrunden mit einem Gesamtvolumen von 29 Millionen Euro: So liest sich die Bilanz der Steiermark im Startup-Jahr 2025 laut Austrian Startup Monitor. Damit liegt das Bundesland österreichweit auf Platz zwei hinter Wien (86 Runden, 179 Millionen Euro). Doch der Durchschnittswert täuscht - einige wenige Großdeals bestimmen das Bild, während die breite Basis kleinerer Runden zurückhaltender ausfiel als im Vorjahr.
- Die Steiermark war 2025 mit 19 Finanzierungsrunden und 29 Mio. Euro zweitstärkste Startup-Region Österreichs nach Wien
- Easelink aus Graz holte 2025 die größte steirische Einzelfinanzierung: 11,5 Mio. Euro von der EU über den European Innovation Council
- Österreichweit brach das Finanzierungsvolumen 2025 um rund 56 Prozent ein - von 575 Mio. Euro (2024) auf 253 Mio. Euro (2025) laut Austrian Startup Monitor
- 2024 zählte die Steiermark 14 Finanzierungsrunden, 2025 immerhin 19 - die Zahl der Runden stieg leicht, die durchschnittliche Runde wurde aber kleiner
- Der größte steirische Exit 2025 betraf nicht die Steiermark direkt: Finmatics (ursprünglich aus Wien, mit eQventure-Beteiligung aus Graz) wurde für über 100 Mio. Euro an Visma verkauft
Der Gesamtrahmen: Finanzierungsumfeld unter Druck
Österreichweit sank das Startup-Finanzierungsvolumen 2025 laut Austrian Startup Monitor auf 253 Millionen Euro, nach rund 575 Millionen Euro im Vorjahr. Das entspricht einem Rückgang von etwa 56 Prozent. Die Zahl der Runden blieb mit 148 fast stabil (2024: 151), die durchschnittliche Rundengröße fiel von 4,3 Millionen auf 2,3 Millionen Euro. Übersetzt: Es wurde ähnlich oft investiert, aber je Runde deutlich weniger.
Hauptgründe laut Branchenbeobachtern: Zurückhaltung internationaler VC-Fonds, steigende Zinsen und ein vorsichtigeres Exit-Klima. Dass die Steiermark mit 19 Runden leicht über dem Vorjahr (14) lag, ist vor diesem Hintergrund bemerkenswert.
Die größten steirischen Einzelrunden 2024-2025
Die drei namhaftesten Finanzierungen mit steirischem Kern im Zeitraum 2024 bis 2025:
| Unternehmen | Betrag | Jahr | Typ / Investor |
|---|---|---|---|
| Easelink (Graz) | 11,5 Mio. Euro | 2025 | EIC-Förderung (EU) |
| Easelink (Graz) | 1,5 Mio. Euro | Oktober 2024 | Verbund X Ventures |
| NXRT (Wien, eQventure-Portfolio) | 5 Mio. Euro | August 2024 | Series A, u.a. eQventure |
| NXRT | 2,1 Mio. Euro | Frühjahr 2024 | Bridge / eQventure |
| USound (Graz) | 11 Mio. US-Dollar | August 2023 | Series B, eQventure |
| EET / SOLMATE (Graz) | 6,5 Mio. Euro | August 2023 | Wachstumskapital, Klaus Fronius u.a. |
Easelink - der steirische Spitzenreiter
Der größte Einzeldeal mit steirischem Ursprung im Berichtszeitraum ist Easelink. Das Grazer Unternehmen entwickelt Matrix Charging, ein automatisiertes konduktives Ladesystem für Elektroautos. Die Ladeplatte liegt flach auf dem Boden, ein ausfahrbarer Konnektor am Fahrzeugunterboden stellt die Verbindung her. Die Übertragungseffizienz wird von Easelink mit über 99 Prozent angegeben - deutlich besser als bei induktiven Systemen.
2025 erhielt Easelink laut Brutkasten 11,5 Millionen Euro vom European Innovation Council (EIC). Technisch gesehen handelt es sich um eine Förderung mit Blended-Finance-Komponente, nicht um klassisches Venture Capital - weshalb Brutkasten diese Summe in seiner jährlichen Investmentstatistik bewusst nicht berücksichtigt.
Davor, im Oktober 2024, investierte Verbund X Ventures 1,5 Millionen Euro, die sich zu einer 2022 abgeschlossenen Series-A-Runde über 8,3 Millionen Euro addierten. Im November 2025 gab Easelink zudem die Matrix Charging Interest Group (MCIG) mit Audi, Nissan und dem chinesischen Hersteller Voyah bekannt.
NXRT - das eQventure-Portfolio aus Wien mit Graz-Kapital
Das Wiener Scale-up NXRT entwickelt VR-/Mixed-Reality-Simulatoren für Automobile und Schienenfahrzeuge. Die Finanzierungen 2024 wurden vom Grazer Investment Club eQventure angeführt, weshalb der Deal hier als steirische Kapitalrunde gezählt wird.
Im Frühjahr 2024 kamen 2,1 Millionen Euro, im August 2024 weitere 5 Millionen Euro von deutschen, luxemburgischen und österreichischen VCs. NXRT verkauft Simulatoren an Hyundai, Porsche, Audi und AVL.
USound - die letzte Series B vor dem nächsten Schritt
USound, der Grazer MEMS-Lautsprecher-Hersteller und bekannteste Unicorn-Kandidat des Landes, schloss im August 2023 eine Series B über 11 Millionen US-Dollar unter Führung von eQventure ab. Seither arbeitet das Unternehmen an der Skalierung der MEMS-Produktion für Over-the-Counter-Hörgeräte und True-Wireless-Stereo-Ohrhörer. Eine neue Runde wurde zum Redaktionsschluss noch nicht angekündigt.
Die Exits: Finmatics und die eQventure-Rendite
Der größte österreichische Startup-Exit 2025 mit steirischer Beteiligung war der Verkauf von Finmatics an den norwegischen Software-Anbieter Visma. Der Kaufpreis lag laut OTS und Trending Topics im neunstelligen Bereich - über 100 Millionen Euro. Finmatics hatte seinen Hauptsitz in Wien, der Grazer Investment Club eQventure hielt 36 Prozent der Anteile. Für die eQventure-Investoren ergab sich laut Brutkasten eine Rückzahlung des Fünf- bis Siebenfachen ihres Einsatzes.
Bei österreichischen Startup-Statistiken wird zwischen VC-Investments und Förderungen (EIC, FFG, SFG) unterschieden. Förderungen werden von Brutkasten und anderen Trackern häufig nicht in die Finanzierungsrunden-Statistik eingerechnet - EIC-Beträge wie jene für Easelink erhöhen die tatsächlichen Kapitalzuflüsse aber real deutlich.
Regionale Einordnung: warum die Steiermark zweiter ist
Wien dominiert 2025 das Geschehen mit 71 Prozent des österreichischen Gesamtvolumens. Danach folgen Steiermark, Oberösterreich (12 Runden, 20 Millionen Euro) und Tirol (11 Runden, 15 Millionen Euro).
Strukturelle Gründe für die Position der Steiermark:
- Deep-Tech-Schwerpunkt der TU Graz und der Med Uni Graz
- Etabliertes Inkubationsnetz (Science Park Graz, Unicorn Graz, ZWT Accelerator)
- Mit eQventure und aws Gründungsfonds II zwei aktive Kapitalpools
- F-und-E-Quote von 5,17 Prozent - österreichweit führend
Was fehlt - die Later-Stage-Lücke
Trotz der Platzierung gibt es strukturelle Schwächen. Ab einer Rundengröße von 10 Millionen Euro stoßen Gründer in Österreich rasch an Grenzen. Die meisten Later-Stage-Investoren sitzen in Deutschland, Großbritannien, den USA oder Frankreich. Das betrifft die Steiermark besonders, weil Deep-Tech-Projekte hohen Kapitalbedarf haben, aber lange Wege zum Break-even.
Die Junge Wirtschaft der WKO sah im Austrian Startup Monitor 2025 dementsprechend "klaren Handlungsbedarf bei Risikokapital, Abgaben und Bürokratie" - eine Position, die in der Steiermark vor allem von Gründern aus Hardware- und MedTech-Projekten geteilt wird.
Die genannten Zahlen basieren auf öffentlichen Quellen (Austrian Startup Monitor, Brutkasten, Trending Topics). Nicht alle Finanzierungsrunden werden öffentlich gemeldet - die reale Kapitalzuflussmenge liegt bei steirischen Startups geschätzt leicht über den dokumentierten Werten, insbesondere im Bereich von Family-Office- und Angel-Runden unter 500.000 Euro.
Neue Förderinstrumente 2026
Das Land Steiermark reagiert auf das schwierige Kapitalumfeld mit zusätzlichen Instrumenten. Die SFG bietet über das Programm Start!Klar plus bis zu 100.000 Euro Förderung für Startups, die sich auf die erste Finanzierungsrunde vorbereiten. Dazu kommen Spin-off-Förderungen von bis zu 300.000 Euro in der Pre-Seed-Phase. Diese Mittel sind kein Ersatz für VC, können aber die Lücke zwischen Gründung und erster Seed-Runde schließen.
Quellen
- OTS: Austrian Startup Monitor 2025 - Kernergebnisse
- Brutkasten: Die größten österreichischen Startup-Investments 2025
- Trending Topics: Easelink erhält 11,5 Millionen Euro vom EIC
- Easelink: Investment von Verbund X Ventures im Oktober 2024
- Silicon Canals: NXRT Series A mit eQventure-Beteiligung
- OTS: Visma erwirbt Finmatics - größter österreichischer Startup-Exit 2025