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Dienstag, 11. August 2026 Kontakt
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Stefan Stolitzka - der Schuhunternehmer, der die Industrie vertrat

1872 gründete Bernhard Strakosch in Wien eine Schuhfabrik. 154 Jahre später führt Stefan Stolitzka deren Nachfolgeunternehmen mit rund 2.300 Beschäftigten und Vertrieb in über 40 Ländern - von Feldkirchen bei Graz aus. Dazwischen liegt ein Management-Buy-out, der Aufbau von zwei internationalen Marken und eine vierjährige Amtszeit als Präsident der steirischen Industriellenvereinigung.

Das Wichtigste in Kürze
  • Stefan Stolitzka, geboren 1959 in Wien, studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Graz
  • Seit 1991 führt er die Legero Schuhfabrik, 1994 übernahm er sie im Wege eines Management-Buy-outs
  • 2001 kaufte er die Marke Think!, 2017 entstand legero united als Dachgesellschaft, im Juli 2026 kam die deutsche Kindermarke VADO dazu
  • Das Unternehmen beschäftigt rund 2.300 Menschen und ist in mehr als 40 Ländern präsent, die ara AG hält seit 1997 eine Minderheit
  • Von Juli 2020 bis 2024 war Stolitzka Präsident der Industriellenvereinigung Steiermark, davor von 2008 bis 2016 Vizepräsident
  • Sein Neffe Florian Fuchs rückte Anfang 2025 in die Geschäftsführung auf - die Nachfolge ist damit familienintern eingeleitet
Lebensdaten
Geboren
1959 in Wien
Ausbildung
Studium des Wirtschaftsingenieurwesens an der TU Graz
Stationen
Einstieg in der Schuhfabrik Strakosch, der späteren Legero Schuhfabrik, Geschäftsführer (ab 1991), Eigentümer nach Management-Buy-out (1994), Übernahme der Think Schuhwerk GmbH (2001), Gründung der Dachgesellschaft legero united (2017)
Aktuell
Geschäftsführender Gesellschafter und CEO von legero united, zuständig für die Produktentwicklung der Marken superfit, legero und Think!
Weitere Funktionen
Präsident der Industriellenvereinigung Steiermark (Juli 2020 bis 2024), Vizepräsident der IV Steiermark (2008-2016), rund 20 Jahre Mitglied im Landes- und Bundesvorstand der IV, Honorarkonsul des Königreichs Belgien für die Steiermark und Kärnten

Ein Wiener übernimmt eine steirische Fabrik

Stolitzka kam 1959 in Wien zur Welt und studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Graz. Seine Laufbahn begann in der Schuhfabrik Strakosch, aus der die Legero Schuhfabrik hervorging. 1991 übernahm er die Geschäftsführung, 1994 kaufte er das Unternehmen im Rahmen eines Management-Buy-outs.

Die Wurzeln reichen bis 1872 zurück, als Bernhard Strakosch in Wien seinen Betrieb gründete. Dessen Sohn Otto galt um 1900 als "König der Schuhmacher" und exportierte Damenschuhe in alle Welt. 1972 kam mit superfit die erste Kinderschuhlinie auf den Markt - jene Marke, die Stolitzka später international ausbaute.

Drei Marken, ein Dach

Die strategische Handschrift Stolitzkas besteht im Aufbau eines Markenportfolios statt eines einzelnen Produkts. 1997 stieg die deutsche ara AG als Minderheitsgesellschafterin ein. 2001 übernahm er die österreichische Think Schuhwerk GmbH, deren nachhaltig produzierte Schuhe eine eigene Kundengruppe ansprechen. 2017 fasste er superfit, legero und Think! unter dem Dach legero united zusammen.

2020 bezog das Unternehmen einen neuen Campus in Feldkirchen bei Graz. Im Juli 2026 folgte die jüngste Erweiterung: die Übernahme der 2008 von Hermann Meyer gegründeten VADO Footwear GmbH aus Donaueschingen, einer Marke für Premium-Kinderschuhe. Meyer wurde als Chief Product Officer in das Executive Board aufgenommen.

Jahr Meilenstein
1872 Gründung der Schuhfabrik Strakosch in Wien
1972 Erster superfit-Kinderschuh
1991 Stolitzka übernimmt die Geschäftsführung
1994 Management-Buy-out, Stolitzka wird Eigentümer
1997 ara AG steigt als Minderheitsgesellschafterin ein
2001 Übernahme der Marke Think!
2017 Gründung der Dachgesellschaft legero united
2020 Bezug des neuen Campus in Feldkirchen bei Graz
2026 Übernahme der Kinderschuhmarke VADO

Vier Jahre an der Spitze der Industriellenvereinigung

Am 10. Juli 2020 wurde Stolitzka zum Präsidenten der Industriellenvereinigung Steiermark gewählt. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits rund 25 Jahre in der Organisation aktiv, davon 20 Jahre im Landes- und Bundesvorstand und von 2008 bis 2016 als Vizepräsident. 2024 übergab er das Amt an Kurt Maier.

Seine Amtszeit fiel in eine ungewöhnlich dichte Krisenfolge: Pandemie, Lieferkettenbrüche, Energiepreisschock. Als Vertreter eines Konsumgüterherstellers unterschied er sich von den Schwerindustriellen, die die IV-Spitze traditionell prägen - eine Perspektive näher am Handel als am Hochofen. Zusätzlich ist er Honorarkonsul des Königreichs Belgien für die Steiermark und Kärnten.

Gut zu wissen:
Die steirische Schuhindustrie ist eine Rarität. Während die europäische Massenfertigung längst nach Asien und Südosteuropa abgewandert ist, hat legero united Entwicklung, Design und Markenführung in Graz-Umgebung gehalten. Das Unternehmen zählt damit zu den wenigen verbliebenen Konsumgütermarken mit Zentrale in der Steiermark.

Die eingeleitete Nachfolge

Mit 1. Jänner 2025 rückte Florian Fuchs, ein Neffe Stolitzkas, in die Geschäftsführung auf. Er verantwortet Vertrieb, Marketing, Personal und Finanzen und führt zusätzlich die Marke Think!. Fuchs kam im Mai 2024 als Director of Executive Projects ins Unternehmen und bringt Stationen bei Deloitte, der Boston Consulting Group und der MM Group mit.

Das Executive Board besteht seither aus Fuchs, Morten Bay Jensen und Stolitzka selbst, der als CEO die Produktentwicklung verantwortet. Stolitzka begründete die familieninterne Lösung mit Stabilität in einem volatilen Marktumfeld - ein Argument, das in der steirischen Betriebsnachfolge häufig den Ausschlag gegen einen Verkauf gibt.

Ausblick: Mit VADO hat legero united sein Kinderschuhgeschäft verbreitert, das neben superfit ohnehin die stärkste Position der Gruppe ist. Die Nachfolge ist mit Florian Fuchs vorgezeichnet, ohne dass ein Übergabedatum genannt wäre. Für den Standort Feldkirchen entscheidet sich in den kommenden Jahren, ob sich Markenführung und Entwicklung in Österreich halten lassen, während die Fertigung längst international verteilt ist.

Quellen