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Dienstag, 11. August 2026 Kontakt
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Aldo Kamper - der Sanierer an der Spitze von ams OSRAM

Rund eine Milliarde Euro weniger Nettoverschuldung und eine Zinslast, die von 300 auf unter 150 Millionen Euro pro Jahr sinkt: Das ist die Bilanz jener Transaktion, mit der Aldo Kamper im Jahr 2026 den Umbau von ams OSRAM abschloss. Der Konzern mit Sitz im steirischen Premstätten hatte sich mit der Übernahme von OSRAM schwer verschuldet. Kamper, seit April 2023 im Amt, verkaufte daraufhin Geschäftsteile - und bekam dafür im Juli 2026 einen Vertrag bis September 2031.

Das Wichtigste in Kürze
  • Aldo Kamper, Niederländer, ist seit April 2023 Vorstandsvorsitzender der ams-OSRAM AG mit Sitz in Premstätten bei Graz
  • Er begann seine Laufbahn 1994 bei OSRAM in Regensburg und führte ab 2010 die Sparte Opto Semiconductors, ab 2018 die Leoni AG
  • 2026 verkaufte ams OSRAM das Geschäft mit nicht-optischen Sensoren um 570 Mio. Euro an Infineon - 70 der 1.440 Beschäftigten in Premstätten wechseln nach Graz
  • Der Konzern setzte 2025 rund 3,41 Mrd. Euro um, der Fehlbetrag sank von 786 auf 130 Mio. Euro
  • In Premstätten sollen bis 2030 rund 588 Mio. Euro investiert werden, unterstützt aus dem European Chips Act, samt rund 250 neuen Arbeitsplätzen
  • Der Aufsichtsrat verlängerte Kampers Vertrag mit Wirkung 1. Oktober 2026 bis 30. September 2031
Lebensdaten
Staatsangehörigkeit
Niederlande
Ausbildung
Studium der Betriebswirtschaft in Maastricht und Trier, MBA der Stanford University
Stationen
Eintritt bei OSRAM in Regensburg (1994), leitende Funktionen in Europa und den USA für sichtbare LED und Spezialbeleuchtung, President und CEO der Sparte Opto Semiconductors (ab 2010), President und CEO der Leoni AG (ab 2018)
Aktuell
Vorstandsvorsitzender der ams-OSRAM AG (seit April 2023), Vertrag bis 30. September 2031

Dreißig Jahre Lichttechnik

Kamper kam 1994 zu OSRAM nach Regensburg und blieb dem Konzern über zwei Jahrzehnte verbunden. Er übernahm leitende Funktionen in Europa und den Vereinigten Staaten im Bereich sichtbarer LED und Spezialbeleuchtung, ehe er 2010 an die Spitze der Sparte Opto Semiconductors rückte. In diese Zeit fallen die Entwicklung der MicroLED-Technologie und dynamischer Frontscheinwerfer-Systeme.

2018 wechselte er als President und CEO zur Leoni AG, einem Zulieferer für Bordnetze und Datenmanagement in der Automobilindustrie. Fünf Jahre später kehrte er in die Halbleiterwelt zurück - an die Spitze jenes Unternehmens, das aus der Fusion des steirischen Sensorherstellers ams mit dem deutlich größeren OSRAM entstanden war.

Die Ausgangslage 2023

Kamper übernahm einen Konzern, dessen Bilanz von der OSRAM-Übernahme belastet war. Der Umbau lief unter dem Programmtitel "Re-establish the Base": Rückbesinnung auf die Kernkompetenz optische Halbleiter, Verkauf des Übrigen, Abbau der Schulden.

Kennzahl ams OSRAM Wert
Konzernumsatz 2025 3,41 Mrd. Euro
Fehlbetrag 2025 (Vorjahr) 130 Mio. Euro (786 Mio. Euro)
Beschäftigte in Premstätten rund 1.440
Verkaufspreis Sensorgeschäft an Infineon 570 Mio. Euro
Geplante Investition Premstätten bis 2030 rund 588 Mio. Euro

Der Verkauf an Infineon

Der größte Einschnitt betraf das Geschäft mit nicht-optischen Sensoren - magnetische und induktive Positionssensoren, Temperatur- und Röntgensensorik für Automobil-, Industrie- und Medizinanwendungen. Käufer war Infineon, der Preis lag bei 570 Millionen Euro. Weltweit wechseln 230 von 3.500 Beschäftigten der Sensorsparte, betroffen sind vor allem Entwicklung und Vertrieb.

Für den steirischen Standort fiel die Bilanz moderat aus: 70 der 1.440 Beschäftigten in Premstätten wechseln an den Infineon-Standort Graz. Kamper hielt fest, dass sich die Mitarbeiterzahl in Premstätten nicht wesentlich verändern werde. Ein mehrjähriger Liefervertrag mit Infineon sichert die Auslastung der Fertigung während der Übergangsphase. Die Auswirkungen des Verkaufs auf den Standort waren in der Steiermark monatelang Thema, weil ams als einer der wenigen börsennotierten Technologiekonzerne mit Sitz im Land gilt.

Gut zu wissen:
Die optische Sensorik bleibt im Unternehmen. Sie ist das Erbe der alten ams AG aus Unterpremstätten und liefert unter anderem Näherungs-, Umgebungslicht- und Bildsensoren für Smartphones und Fahrzeuge. Premstätten liegt in Graz-Umgebung und bildet gemeinsam mit AT&S in Leoben den industriellen Kern der steirischen Mikroelektronik.

Die Investition in Premstätten

Parallel zum Verkauf läuft der Ausbau des Standorts. Geplant sind bis 2030 rund 588 Millionen Euro, für die eine Förderung von bis zu 200 Millionen Euro aus dem European Chips Act beantragt wurde. Entstehen soll ein zusätzlicher Reinraum von 1.800 Quadratmetern für die CMOS-Fertigung, der die Filterkapazitäten verdoppelt und die TSV-Kapazität vervierfacht.

Neu ist das Geschäftsmodell dahinter: Rund 20 Prozent der zusätzlichen Kapazität sollen als offene Foundry betrieben werden, also als Auftragsfertigung für andere Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Rund 250 zusätzliche Arbeitsplätze sind vorgesehen. Nach der Förderzusage aus dem Chips Act sprach das Unternehmen von einer Standortgarantie.

Ein Manager ohne steirische Wurzeln

Kamper ist Niederländer, studierte in Maastricht und Trier und absolvierte einen MBA in Stanford. Er ist damit einer der wenigen Konzernchefs mit Sitz in der Steiermark, die keine regionale Verankerung mitbringen - ein Unterschied etwa zu den Familienunternehmern des Landes. Seine öffentlichen Auftritte sind entsprechend nüchtern und auf Kapitalmarktthemen ausgerichtet: Verschuldung, Margen, Kapazitätsauslastung.

Der Aufsichtsrat honorierte das im Juli 2026 mit einer vorzeitigen Verlängerung: Der neue Vertrag gilt ab 1. Oktober 2026 und läuft bis 30. September 2031.

Ausblick: Mit dem Abschluss des Infineon-Verkaufs ist die Entschuldungsphase weitgehend beendet. Was folgt, ist die schwierigere Aufgabe: aus einem sanierten Konzern wieder einen wachsenden zu machen. Für Premstätten hängt daran, ob die geplanten 588 Millionen Euro tatsächlich fließen und ob sich das Foundry-Modell im Wettbewerb mit deutlich größeren Auftragsfertigern behauptet.

Quellen