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Donnerstag, 20. August 2026 Kontakt
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Steirischer Handel - 18,2 Milliarden Euro Umsatz und ein reales Minus

Steirischer Handel - 18,2 Milliarden Euro Umsatz und ein reales Minus

18,2 Milliarden Euro Umsatz im ersten Halbjahr 2026, rund 300 Millionen Euro mehr als im Vorjahr - und trotzdem ein Minus. Der steirische Handel hat nominal um 1,7 Prozent zugelegt, real um 1,2 Prozent verloren. Spartenobmann Gerhard Wohlmuth bringt die Differenz auf den Punkt: "18,2 Milliarden Euro Umsatz klingen auf den ersten Blick erfreulich. Entscheidend ist aber, was nach Abzug der Preissteigerungen bleibt - und hier liegt der steirische Handel aktuell unter dem Vorjahr."

Das Wichtigste in Kürze
  • Gesamtumsatz 18,2 Milliarden Euro netto: nominal +1,7 Prozent, real -1,2 Prozent
  • Einzelhandel 6,2 Milliarden Euro (+1,8 Prozent nominal, -0,2 Prozent real)
  • Großhandel rund 9,2 Milliarden Euro (+1,4 Prozent nominal, -2,5 Prozent real) - der schwächste Bereich
  • Kfz-Wirtschaft als einziger Bereich auch real im Plus: +3,0 Prozent nominal, +1,8 Prozent real
  • Beschäftigung sank um 0,7 Prozent auf 71.594 Personen, das sind 477 Stellen weniger
  • Arbeitslosigkeit im Handel stieg um 6,5 Prozent auf 5.410 Personen
  • Gleichzeitig blieben 1.435 offene Stellen unbesetzt, 7,2 Prozent weniger als im Vorjahr
  • Der Verbraucherpreisindex lag im ersten Halbjahr bei 3,0 Prozent, die Preise im Einzelhandel stiegen um 2,0 Prozent

Die Lücke zwischen nominal und real

Der Abstand von knapp drei Prozentpunkten zwischen nominalem Plus und realem Minus ist die eigentliche Nachricht dieser Halbjahresbilanz. Peter Voithofer vom Institut für Österreichs Wirtschaft, der die Auswertung erstellt hat, formuliert die Konsequenz nüchtern: "Bezieht man aber die Preisentwicklung mit ein, bilanziert der steirische Handel real unter dem Vorjahresniveau - mit einem Minus von 1,2 Prozent." Und weiter: Ein rückläufiges Absatzvolumen bedeute, dass die Steirerinnen und Steirer weniger kaufen.

Für die Betriebe ist das entscheidend, weil Umsatzwachstum aus Preiseffekten die Kostenseite nicht entlastet. Personal, Energie und Mieten steigen mit dem Preisniveau, das verkaufte Volumen sinkt - und damit die Basis, auf die sich Fixkosten verteilen. Wohlmuths Befund dazu: "Viele Betriebe arbeiten mit hohem Einsatz, erzielen aber trotzdem nicht die entsprechende Gewinnspanne."

Bereich Umsatz 1. Halbjahr 2026 Nominal Real
Einzelhandel 6,2 Mrd. Euro +1,8 % -0,2 %
Großhandel rund 9,2 Mrd. Euro +1,4 % -2,5 %
Kfz-Wirtschaft Rest auf 18,2 Mrd. Euro +3,0 % +1,8 %
Handel gesamt 18,2 Mrd. Euro +1,7 % -1,2 %

Der Großhandel ist das eigentliche Problem

Mit rund 9,2 Milliarden Euro steht der Großhandel für gut die Hälfte des gesamten Handelsumsatzes - und er verliert real 2,5 Prozent. Das ist der schwächste Wert aller drei Bereiche und wirtschaftlich der gewichtigste, weil der Großhandel als Zwischenstufe die Nachfrage aus Industrie, Bau und Gewerbe abbildet. Ein Rückgang dort ist ein Frühindikator für die Auftragslage der belieferten Branchen, nicht nur für das Konsumverhalten.

Auch bei der Beschäftigung fällt der Großhandel mit -1,6 Prozent am stärksten zurück, während der Einzelhandel mit -0,1 Prozent nahezu stabil blieb und die Kfz-Wirtschaft 0,7 Prozent verlor. Die anhaltend schwache Bauwirtschaft und die gedämpfte Industriekonjunktur schlagen hier unmittelbar durch.

Im Einzelhandel entscheidet die Branche

Das reale Minus von 0,2 Prozent im Einzelhandel ist ein Mittelwert, der die Spannweite verdeckt. Nominal zugelegt haben Spiel und Sport (+6,7 Prozent), Zeitungen und Bücher (+5,5 Prozent), Drogerien und Apotheken (+4,2 Prozent), Bekleidung und Schuhe (+4,0 Prozent), Uhren und Schmuck (+3,7 Prozent) sowie der Lebensmittelhandel (+2,5 Prozent). Rückgänge verzeichneten nur drei Bereiche: Elektro, Möbel sowie Bau- und Heimwerkerbedarf.

Erst die Preisentwicklung ordnet diese Zahlen richtig ein. Bei Uhren und Schmuck stiegen die Preise um 10,2 Prozent - ein nominales Plus von 3,7 Prozent bedeutet dort also einen deutlichen realen Mengenrückgang. Umgekehrt bei Spiel und Sport: Dort fielen die Preise um 2,1 Prozent, das nominale Plus von 6,7 Prozent ist damit fast vollständig ein Mengenzuwachs. Ähnlich bei Drogerien und Apotheken mit -0,3 Prozent Preisentwicklung sowie Elektro, Möbel und Bau mit -1,0 Prozent.

Branche Umsatz nominal Preisentwicklung Was das heißt
Spiel und Sport +6,7 % -2,1 % deutlicher Mengenzuwachs
Zeitungen und Bücher +5,5 % +4,7 % fast reiner Preiseffekt
Drogerien und Apotheken +4,2 % -0,3 % Mengenzuwachs
Lebensmittel +2,5 % +1,9 % weitgehend Preiseffekt
Uhren und Schmuck +3,7 % +10,2 % realer Mengenrückgang
Elektro, Möbel, Bau rückläufig -1,0 % Mengenrückgang trotz fallender Preise
Gut zu wissen:
Der Verbraucherpreisindex lag im ersten Halbjahr 2026 bei 3,0 Prozent, die Preise im Einzelhandel stiegen aber nur um 2,0 Prozent. Der Handel hat die allgemeine Teuerung also nicht voll weitergegeben - was die Kaufkraft schont und zugleich erklärt, warum die Spannen unter Druck stehen. Der Unterschied zwischen beiden Werten stammt vor allem aus Bereichen außerhalb des Handels, etwa Wohnen, Energie und Dienstleistungen.

Der Arbeitsmarkt zeigt beide Seiten zugleich

Die Beschäftigung im steirischen Handel sank um 0,7 Prozent auf 71.594 Personen, ein Minus von 477 Stellen. Gleichzeitig stieg die Arbeitslosigkeit in der Branche um 6,5 Prozent auf 5.410 Personen - und dennoch blieben 1.435 Stellen unbesetzt. Deren Zahl ging um 7,2 Prozent zurück, was zeigt, dass Betriebe auch offene Positionen streichen.

Dass Arbeitslosigkeit und offene Stellen gleichzeitig hoch sind, ist der klassische Befund eines Qualifikations- und Standortmismatches: Gesucht wird anderswo und anderes als das, was verfügbar ist. Auf Branchenebene sind die Ausschläge beträchtlich - der Blumenhandel legte bei der Beschäftigung um 10,3 Prozent zu, während Zeitungen und Bücher 7,3 Prozent verloren, trotz nominalen Umsatzplus.

Wichtige Einschränkung:
Die Zahl 71.594 bezeichnet die unselbständig Beschäftigten laut Arbeitsmarktdaten. Die von der Sparte Handel kommunizierte Größenordnung von rund 75.000 Beschäftigten in über 18.600 Betrieben umfasst zusätzlich Selbständige und mitarbeitende Angehörige. Beide Zahlen sind korrekt, messen aber Unterschiedliches - beim Vergleich zwischen Quellen lohnt der Blick auf die Definition.

Was die Sparte fordert

Drei Forderungen prägen die Bilanzpressekonferenz. Die erste betrifft die Kollektivvertragsrunde: "Die KV-Verhandlungen im Herbst müssen die schwierige Situation miteinbeziehen. Es braucht Augenmaß bei den Lohnforderungen", sagt Wohlmuth. Der Handels-KV wird traditionell im Herbst verhandelt und betrifft in der Steiermark den Großteil der 71.594 Beschäftigten.

Die zweite Forderung zielt auf Leistungsanreize im Steuer- und Abgabensystem, verbunden mit der Warnung, den Standort nicht mit "überschießenden Vorschriften" zusätzlich zu belasten. Konkret wird Wohlmuth bei der EU-Verpackungsverordnung, deren erste Pflichten seit 12. August gelten: "Diese trifft den heimischen Handel massiv. Gerade für kleine Unternehmen sind die neuen Vorgaben oft schlicht nicht umsetzbar. Hier braucht es dringend eine Entlastung und eine entsprechende Überarbeitung der Verordnung." Die dritte Forderung fasst er als Prinzip: "Wir brauchen Impulse - und keine Hemmnisse."

Einordnung: kein Einbruch, aber auch keine Wende

Ein reales Minus von 1,2 Prozent ist kein Einbruch. Es ist der dritte Befund in Folge, dass der steirische Handel seine Position hält, ohne sie zu verbessern - bei gleichzeitig steigenden Kosten. Genau diese Konstellation zehrt an der Substanz: Wer über Jahre real stagniert und nominal wächst, finanziert dieselbe Leistung mit teurerem Personal, teurerer Fläche und teurerer Logistik.

Der laufende Strukturwandel im Einzelhandel verstärkt das: Verkaufsflächen und Betriebszahlen gehen zurück, der Onlineanteil wächst weiter. Voithofer erwartet für den Rest des Jahres keine spürbare Erholung, der Handel dürfte auf gedämpftem Niveau weiterlaufen. Für die Betriebe verschiebt sich der Hebel damit von der Umsatz- auf die Kostenseite - was die ab 2028 wirksame Lohnnebenkosten-Senkung relevant macht, aber eben erst in zwei Jahren.

Ausblick: Das Weihnachtsquartal entscheidet, ob 2026 real knapp unter oder deutlich unter dem Vorjahr schließt. Zwei Termine prägen die kommenden Monate: die Kollektivvertragsverhandlungen im Herbst und die weiteren Stufen der EU-Verpackungsverordnung. Aussagekräftiger als der Gesamtumsatz wird dabei die Entwicklung im Großhandel sein - dort zeigt sich zuerst, ob die Nachfrage aus Industrie und Bau anzieht.

Quellen