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Dienstag, 11. August 2026 Kontakt
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Franz Kainersdorfer - der Vorstand hinter dem Umbau von Donawitz

Rund 4 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr, knapp fünf Prozent der gesamten österreichischen Emissionen: So groß ist die Einsparung, die die voestalpine ihrem Programm greentec steel zurechnet. Ein wesentlicher Teil davon entsteht in der Steiermark, im Werk Donawitz bei Leoben. Verantwortlich für diesen Standort ist Franz Kainersdorfer, seit Juli 2011 Mitglied des Vorstands der voestalpine AG und Leiter der Metal Engineering Division - jener Sparte, die mit über 4 Milliarden Euro Umsatz die zweitgrößte des Konzerns ist und deren Herzstück in der Obersteiermark liegt.

Das Wichtigste in Kürze
  • Franz Kainersdorfer, Jahrgang 1967, studierte an der Montanuniversität Leoben und begann seine Laufbahn 1993 als Universitätsassistent
  • Seit 1. Juli 2011 ist er Mitglied des Vorstands der voestalpine AG und leitet die Metal Engineering Division, sein Mandat läuft bis 31. März 2029
  • Die Division erzielte im Geschäftsjahr 2025/26 rund 4,05 Mrd. Euro Umsatz bei 374,5 Mio. Euro EBITDA und beschäftigt weltweit 14.914 Menschen
  • In Donawitz entsteht ein Elektrolichtbogenofen, der ab 2027 rund 850.000 Tonnen CO2-reduzierten Stahl liefern soll
  • Eine weitere Investition von rund 100 Mio. Euro soll die Kapazität bis 2030 auf 1,5 Mio. Tonnen heben und den Standort vollständig elektrifizieren
  • Der Umbau sichert nach Konzernangaben über 5.000 Arbeitsplätze an den steirischen Standorten der Division
Lebensdaten
Geboren
1967
Ausbildung
Studium an der Montanuniversität Leoben, Dipl.-Ing. Dr.
Stationen
Universitätsassistent am Institut für Elektrotechnik der Montanuniversität (ab 1993), Marketing Veitsch-Radex AG, Wechsel zu voestalpine Schienen GmbH (1996), Führungsfunktionen in Controlling und Rechnungswesen bei voestalpine Stahl Donawitz und voestalpine AG, Leitung Business Development voestalpine Bahnsysteme (ab 2001), Geschäftsführer voestalpine Railpro, Niederlande (2003-2005 und 2008-2009), Executive Vice President VAE Nortrak North America (2006-2008)
Aktuell
Mitglied des Vorstands der voestalpine AG, Leiter der Metal Engineering Division (seit 1. Juli 2011), Mandat bis 31. März 2029
Weitere Zuständigkeit
Energieversorgung des Konzerns, Vorsitz in der voestalpine Stahl Donawitz GmbH

Ein Leobener Werdegang

Kainersdorfers Laufbahn ist eng mit der Obersteiermark verbunden. Er studierte an der Montanuniversität Leoben und arbeitete dort ab 1993 als Universitätsassistent am Institut für Elektrotechnik. 1996 wechselte er aus dem Marketing der Veitsch-Radex AG zur voestalpine Schienen GmbH - dem Vorläufer jener Bahnsysteme-Sparte, die er später führen sollte.

Es folgten Führungsaufgaben in Controlling und Rechnungswesen bei der voestalpine Stahl Donawitz GmbH und in der Konzernzentrale. 2001 übernahm er die Leitung des Business Development der voestalpine Bahnsysteme GmbH. Die internationale Phase seiner Karriere verbrachte er in den Niederlanden als Geschäftsführer der voestalpine Railpro sowie in Nordamerika als Executive Vice President von VAE Nortrak.

Am 1. Juli 2011 rückte er als Nachfolger von Josef Mülner in den Vorstand der voestalpine AG auf. Im März 2026 bestätigte der Aufsichtsrat, dass sein Vertrag unverändert bis 31. März 2029 läuft.

Die Division in Zahlen

Die Metal Engineering Division gliedert sich in die Segmente Railway Systems und Industrial Systems. Sie ist Weltmarktführer bei Systemen für die Bahninfrastruktur und europäischer Marktführer bei Qualitätsdraht, dazu kommen nahtlose Rohre für die Öl- und Gasindustrie sowie Schweißtechnik.

Kennzahl Metal Engineering Division Geschäftsjahr 2025/26
Umsatz 4.054,7 Mio. Euro
EBITDA 374,5 Mio. Euro
EBITDA-Marge 9,2 Prozent
Beschäftigte weltweit 14.914
Arbeitsplätze an steirischen Standorten über 5.000

Seit 1. Juni 2026 besteht der Vorstand der Division aus Kainersdorfer als CEO, Eva Aigner als Finanzvorständin sowie Stefan Glanz für Industrial Systems und Günter Neureiter für Railway Systems. Die Stahlerzeugung erfolgt im eigenen Werk in Donawitz - anders als bei Zulieferern, die Vormaterial zukaufen müssen, ist die Division damit bis zur Schmelze rückwärtsintegriert.

Der Umbau von Donawitz

Das Projekt, das Kainersdorfers Amtszeit prägen wird, ist der Ersatz der Hochofenroute durch einen Elektrolichtbogenofen. Der Ofen soll rund ein Jahr nach dem Stand von Mitte 2026 in Betrieb gehen und ab 2027 einen hybriden Betrieb ermöglichen: rund 850.000 Tonnen CO2-reduzierter Stahl pro Jahr.

Im Juni 2026 legte der Konzern nach: Mit einer weiteren Investition von rund 100 Millionen Euro, die noch von einer Förderzusage abhängt, soll die Kapazität bis 2030 auf 1,5 Millionen Tonnen steigen und die Stahlerzeugung am Standort vollständig elektrifiziert werden. Gegenüber dem Basisjahr 2019 entspricht das ab 2030 einer CO2-Reduktion von über 90 Prozent.

Gut zu wissen:
Die logistische Besonderheit des Projekts: Das neue Stahlwerk entsteht mitten in einem voll ausgelasteten Werk, die Produktion läuft während der gesamten Bauzeit weiter. Ein rund hundertköpfiges Projektteam arbeitet an der Umsetzung, die Installation der Kerneinrichtungen ist für Herbst 2026 vorgesehen. Für die Stahl- und Metallindustrie in der Mur-Mürz-Furche ist es die größte Einzelinvestition seit Jahrzehnten.

Warum der Standort an der Elektrifizierung hängt

Mit der Umstellung verschiebt sich das Kostenrisiko: Statt Koks und Erz bestimmen künftig Strompreis und Schrottverfügbarkeit die Wettbewerbsfähigkeit. Kainersdorfer verantwortet im Konzernvorstand zusätzlich die Energieversorgung - eine Zuständigkeit, die vor der Transformation eine Nebenrolle war und heute im Zentrum steht. Der Elektrolichtbogenofen braucht große Mengen Strom zu planbaren Preisen, was den Umbau direkt mit der Ausbaustrategie bei erneuerbarer Energie und mit der Wasserstoffdebatte verknüpft.

Für die Region Leoben-Donawitz geht es zugleich um die Fortschreibung einer 150-jährigen Industriegeschichte. Die Division bezeichnet greentec steel als Österreichs größtes Klimaschutzprogramm, gemessen an der eingesparten Emissionsmenge. Konzernchef Herbert Eibensteiner hielt im Juni 2026 fest, man liege bei Zeitplan und Budget im Plan.

Ein Vorstand ohne öffentliche Bühne

Kainersdorfer tritt selten mit persönlichen Botschaften auf. Seine öffentlichen Auftritte sind fast durchwegs an Standortthemen gebunden: Baufortschritt in Donawitz, Auftragslage bei Schienen, Investitionsentscheidungen. Das unterscheidet ihn von exponierteren Figuren der steirischen Industrie und macht ihn zugleich zu einem der einflussreichsten - kein anderer Manager entscheidet über mehr Industriearbeitsplätze in der Obersteiermark.

Ausblick: Bis zum Ende von Kainersdorfers Mandat im März 2029 soll der Elektrolichtbogenofen in Donawitz laufen und die zweite Ausbaustufe entschieden sein. Damit fällt in seine Amtszeit die vollständige Ablöse der Hochofenroute an einem Standort, der seit dem 19. Jahrhundert mit Koks arbeitet. Ob die Rechnung aufgeht, entscheidet sich weniger an der Technik als am Strompreis.

Quellen