Rund 530.000 Menschen in der Steiermark sind Mitglied der Arbeiterkammer - mehr als jede vierte Person im Land. An ihrer Spitze steht seit 2013 Josef Pesserl. Er ist damit der dienstälteste Sozialpartnerpräsident des Landes und das institutionelle Gegenüber von Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung in praktisch jeder arbeitsmarktpolitischen Debatte.
- Josef Pesserl ist seit 2013 Präsident der Arbeiterkammer Steiermark und Vizepräsident der Bundesarbeitskammer
- Vor seiner Wahl war er Landessekretär der Produktionsgewerkschaft und Obmann der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse
- 2013 wurde er mit 91 von 103 Stimmen gewählt, 2019 mit 93,4 Prozent bestätigt, zuletzt 2024 mit 89,2 Prozent
- Die AK Steiermark vertritt rund 530.000 Mitglieder, österreichweit sind es rund vier Millionen
- 2024 erteilte die Kammer 307.000 Rechtsauskünfte und erwirkte über 89 Mio. Euro für ihre Mitglieder
- Im Präsidium sitzen Gernot Acko, Sylvia Ippavitz, Alexander Lechner und Franz Endthaller
- Stationen
- Landessekretär der Produktionsgewerkschaft, Obmann der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse
- Aktuell
- Präsident der Arbeiterkammer Steiermark (seit 2013), Vizepräsident der Bundesarbeitskammer
- Fraktion
- Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter (FSG)
- Wahlergebnisse
- 2013: 91 von 103 Stimmen (88,35 Prozent), 2019: 93,4 Prozent, 2024: 89,2 Prozent
Aus der Gewerkschaft in die Kammer
Pesserls Laufbahn verlief über den klassischen Weg der österreichischen Arbeitnehmervertretung. Als Landessekretär der Produktionsgewerkschaft verantwortete er die Betreuung jener Industriebranchen, die in der Steiermark das Rückgrat der Beschäftigung bilden - Metall, Papier, Chemie. Später wurde er Obmann der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse und damit für ein Budget verantwortlich, das die Gesundheitsversorgung eines ganzen Bundeslandes trug.
2013 wählte ihn die Vollversammlung mit 91 von 103 gültigen Stimmen zum Präsidenten der Arbeiterkammer Steiermark. 2019 wurde er mit 93,4 Prozent bestätigt, bei der jüngsten Wahl 2024 mit 89,2 Prozent. Die Kontinuität ist bemerkenswert: In derselben Zeit wechselte die IV Steiermark zweimal ihre Spitze.
Die Kammer in Zahlen
| Kennzahl AK Steiermark | Wert |
|---|---|
| Mitglieder in der Steiermark | rund 530.000 |
| Mitglieder österreichweit | rund 4 Millionen |
| Rechtsauskünfte 2024 | 307.000 |
| Für Mitglieder erwirkt (2024) | über 89 Mio. Euro |
| Beratungsfälle 2025 | über 304.000 |
| Geplante Erträge 2026 | 96,9 Mio. Euro |
Die Zahlen zeigen, worin die Arbeit der Kammer tatsächlich besteht: Der weitaus größte Teil sind Rechtsauskünfte und Interventionen in Einzelfällen - offene Löhne, strittige Kündigungen, Abfertigungen, Arbeitszeitfragen. Die politische Rolle in der Sozialpartnerschaft ist der öffentlich sichtbare, quantitativ aber kleinere Teil.
Die Mitgliedschaft in der Arbeiterkammer ist gesetzlich verpflichtend für praktisch alle unselbständig Beschäftigten, finanziert wird sie über die AK-Umlage vom Bruttolohn. Diese Pflichtmitgliedschaft ist der Grund für die hohe Mitgliederzahl - und zugleich der Kern der wiederkehrenden politischen Debatte über die Kammern. Auf Arbeitgeberseite gilt dieselbe Logik für die Wirtschaftskammer.
Die Themen seiner Amtszeit
Pesserl setzt Schwerpunkte bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, bei planbaren Arbeitszeiten statt Arbeit auf Abruf und beim Wohnen. Der letzte Punkt ist in der Steiermark besonders relevant, weil die Wohnkosten in Graz und im Grazer Umland deutlich stärker gestiegen sind als in den Industrieregionen der Obersteiermark.
Bei Themen wie Gehaltsentwicklung, Lehrlingsausbildung und Arbeitsmarktprogrammen steht die Kammer regelmäßig in direkter Auseinandersetzung mit IV und Wirtschaftskammer. Die steirische Sozialpartnerschaft gilt dabei traditionell als vergleichsweise gesprächsfähig - eine Konstellation, die in der Standortpartnerschaft des Landes institutionalisiert ist.
Das Präsidium
Neben Pesserl gehören dem Präsidium die Vizepräsidentin Sylvia Ippavitz sowie die Vizepräsidenten Gernot Acko, Alexander Lechner und Franz Endthaller an. Der Vorstand umfasst 15 Personen. Pesserl selbst gehört der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter an, die in der steirischen Arbeiterkammer traditionell die Mehrheit stellt.