- Kongressgäste geben in Graz rund 530 Euro pro Person und Tag aus - ein Vielfaches des durchschnittlichen Städtetouristen.
- Im ersten Halbjahr 2026 zählte die Messe Congress Graz 20 Kongresse, Tagungen und Seminare mit rund 16.000 Teilnehmern.
- Für das Gesamtjahr stehen rund 200 Kongresse und größere Tagungen mit etwa 60.000 Teilnehmern im Grazer Kalender.
- Rund zehn Prozent aller Grazer Nächtigungen entfallen auf das Kongress- und Seminarsegment, 2025 waren das etwa 155.000 Nächtigungen.
- Die regionale Wertschöpfung der MCG beziffert eine bmm-Studie mit über 100 Millionen Euro.
- Neben Graz tagen Schladming und Loipersdorf: zusammen kommen die beiden Häuser auf Kapazitäten für 2.600 Personen.
Ein Kongressgast lässt in Graz rund 530 Euro pro Tag: für Hotel, Restaurant, Taxi, Einkauf und Rahmenprogramm. Kein anderes touristisches Segment kommt auf annähernd so hohe Pro-Kopf-Ausgaben, und keines verteilt sein Geld so breit über Branchen hinweg. Genau deshalb ist die Tagungsbranche für die Steiermark weniger ein Tourismus- als ein Wirtschaftsthema.
16.000 Gäste in sechs Monaten
Die Messe Congress Graz Betriebsgesellschaft (MCG) verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 laut ihrer Halbjahresbilanz 20 Kongresse, Tagungen und Seminare mit rund 16.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Verteilt wurden sie auf 44 Veranstaltungsräume - 25 am Messegelände, 19 im Congress Graz. Die Themen reichten vom Palliativkongress über den Österreichischen Gesundheits- und Pflegekongress bis zum europäischen Kongress für digitale Pathologie.
Für das Gesamtjahr stehen in der Landeshauptstadt rund 200 Kongresse und größere Tagungen mit etwa 60.000 Teilnehmern im Kalender. Dieter Hardt-Stremayr, Geschäftsführer von Graz Tourismus, ordnet den touristischen Anteil so ein: Rund zehn Prozent aller Nächtigungen eines Jahres in Graz entfallen auf das Kongress- und Seminarsegment. In absoluten Zahlen waren das 2025 etwa 155.000 Nächtigungen - eine Größenordnung, die den Grazer Städtetourismus spürbar stützt, gerade in den nachfrageschwachen Monaten.
Die Kongressstandorte der Steiermark
| Haus | Räume | Kapazität | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Messe Congress Graz | 44 | Messehallen plus Congress | Messegelände und historisches Kongresshaus in einer Hand |
| Congress Schladming | 8 | bis 2.000 Personen, größter Saal 1.300 | 2.900 m² Ausstellungsfläche, Bahnhof 1,3 km entfernt |
| Congress Loipersdorf | 7 | bis 600 Personen | 2.406 m² Nutzfläche, 400 Gratisparkplätze, Anschluss an das Thermenresort |
Die Aufteilung ist kein Zufall. Graz bespielt medizinische und wissenschaftliche Großkongresse, die Universitäten und Kliniken als Gastgeber brauchen. Schladming lebt von Firmentagungen und Sportverbänden, für die die Kombination aus Saal und Bergkulisse den Ausschlag gibt - ein Standortvorteil, der die Saison im Ennstal über den Winter hinaus verlängert. Loipersdorf setzt auf Seminare mit Therme im Hintergrund und ist damit fest im Thermenland verankert.
Die Branche fasst ihr Geschäft unter dem Kürzel MICE zusammen: Meetings, Incentives, Conventions, Exhibitions. Gezählt werden dabei nicht nur Großkongresse, sondern auch Firmenseminare ab wenigen Dutzend Personen. Entscheidend für die Wertschöpfung ist die Aufenthaltsdauer: Ein internationaler Kongress bringt im Schnitt drei bis vier Nächtigungen pro Gast, ein Tagesseminar keine einzige.
Warum ein Kongressgast mehr wert ist als drei Städtetouristen
Die 530 Euro Tagesausgaben stammen aus der Tourismusstatistik 2025. Zum Vergleich: Im klassischen Städtetourismus liegen die Tagesausgaben inklusive Nächtigung im niedrigen dreistelligen Bereich. Kongressgäste buchen höherwertige Hotelkategorien, essen abends auswärts, nutzen Taxis und Mietwagen und hängen häufig private Aufenthalte an. Eine Studie des Beratungsunternehmens bmm beziffert die regionale Wertschöpfung, die allein die MCG auslöst, mit über 100 Millionen Euro.
Der Effekt verteilt sich weit über die Hotellerie hinaus: Technikdienstleister, Catering, Druckereien, Übersetzer, Sicherheitsdienste, Reinigungsfirmen und der Handel hängen mit. Für die Grazer Gastronomie sind Kongresswochen berechenbare Umsatzspitzen, weil Abendveranstaltungen oft ein Jahr im Voraus fixiert werden.
Österreich tagt auf Rekordniveau
Der Meeting Industry Report Austria zählte zuletzt 27.041 Veranstaltungen mit rund 1,9 Millionen Teilnehmern und 4,26 Millionen Nächtigungen - ein Höchstwert. Besonders dynamisch entwickelte sich das internationale Kongressgeschäft mit 7.835 Veranstaltungen (plus 4,3 Prozent), auf das 52,9 Prozent aller Teilnehmer und 65 Prozent aller Nächtigungen im Tagungssegment entfallen. 114 Großkongresse mit jeweils mehr als 1.000 Teilnehmern fanden statt, um 31 mehr als im Jahr davor.
Diese Zahlen erklären, warum die Bundesländer um Kongresse konkurrieren: Internationale Teilnehmer bleiben länger, geben mehr aus und bringen Fachpublikum, das den Standort später als Investor oder Arbeitgeber wiedersieht.
Graz im internationalen Ranking
Im Städteranking der International Congress and Convention Association (ICCA) liegt Graz auf Platz 141 von 939 erfassten Kongressstädten weltweit und auf Platz 76 von 420 europäischen Destinationen. Lisa Legat, Leiterin des Grazer Convention Bureau, zieht daraus eine nüchterne Bilanz: "Die positive Entwicklung der vergangenen Monate zeigt, dass sich Graz nachhaltig von den herausfordernden Pandemiejahren erholt hat."
Der Hebel für die kommenden Jahre liegt in der Erreichbarkeit. Mit der Koralmbahn ist Klagenfurt in gut 40 Minuten erreichbar, was den gemeinsamen Bewerbungsraum für Kongresse vergrößert - für den Tourismus im Süden die vielleicht wichtigste Veränderung des Jahrzehnts.
Große Kongresse werden zwei bis fünf Jahre im Voraus vergeben, die Zulieferaufträge dagegen erst sechs bis zwölf Monate davor. Wer als Caterer, Technikdienstleister oder Hotel ins Geschäft will, findet die fixierten Termine im Kongresskalender von Graz Tourismus und bei Steiermark Convention. Für die Bewerbung um internationale Fachkongresse braucht es meist einen wissenschaftlichen Gastgeber vor Ort - Universitäten und Kliniken sind hier die entscheidenden Türöffner.
Was im Herbst ansteht
Für die zweite Jahreshälfte 2026 sind in Graz unter anderem der Esperanto-Weltkongress, das Forum Acusticum und der World Usability Congress angesetzt. Dazu kommt ein neues Format: Am 5. Mai 2026 ging am Europaplatz erstmals die Tagungsmesse "#treffpunktsteiermark Meet & Walk" über die Bühne, die Veranstaltungsplaner und steirische Anbieter zusammenbringt, statt sie an Messeständen warten zu lassen.
Kongresse sind konjunkturanfällig: Firmenveranstaltungen werden bei Sparprogrammen als Erstes gestrichen, und Fachkongresse hängen an Forschungsbudgets. Die stabile Basis bilden wiederkehrende Verbandskongresse und medizinische Fachtagungen - Häuser, die stark von einzelnen Großkunden abhängen, spüren Rückgänge deutlich schneller.
Quellen
- MCG: Kongressstandort Graz wächst weiter - Halbjahresbilanz 2026
- 5 Minuten: 16.000 Kongressgäste brachten Schwung nach Graz
- 5 Minuten: Von Graz bis Schladming - warum Kongresse zum Wirtschaftsfaktor werden
- Österreich Werbung: Meeting Industry Report Austria
- Steiermark Convention: Kongresszentren in der Steiermark
- Congress Schladming: Raumangebot und Kapazitäten