- Die Grazer Herbstmesse findet 2026 von 1. bis 4. Oktober statt - es ist die 120. Ausgabe seit der Gründung 1906.
- 2025 kamen rund 80.000 Besucher, über 350 Aussteller bespielten 65.000 Quadratmeter.
- Es ist die größte Publikumsmesse im Süden Österreichs und für viele regionale Betriebe der einzige direkte Verkaufskanal mit fünfstelliger Reichweite.
- Neu 2026: die TasteFactory in der Stadthalle mit Verkostungsstationen und Fine-Dining-Formaten.
- Die Messe läuft heuer über vier statt fünf Tage - ein Schritt, der die Standkosten pro Ausstellungstag verändert.
- Bäuerliche Direktvermarkter können über die GenussManufaktur mit eigenen Paketkonditionen ausstellen.
80.000 Menschen an vier Tagen, über 350 Aussteller, 65.000 Quadratmeter Fläche: Die Grazer Herbstmesse ist der einzige Termin im Jahr, an dem ein steirischer Handwerksbetrieb, ein Möbelhändler oder ein Direktvermarkter ein derart großes Publikum an einem Ort trifft. Am 1. Oktober 2026 startet die 120. Ausgabe - gegründet wurde die Messe 1906.
Was eine Publikumsmesse für Aussteller heute leistet
Die Rolle der Herbstmesse hat sich verschoben. Wo früher Neuheiten präsentiert wurden, die es sonst nirgends zu sehen gab, geht es heute um etwas anderes: Direktkontakt zu Kunden, die ein Produkt angreifen wollen, bevor sie es kaufen. Genau das ist der Punkt, an dem der stationäre Vertrieb dem Onlinehandel etwas voraushat - und der Grund, warum Küchen-, Bad- und Fensterbauer nach wie vor die größten Standflächen belegen.
Für den steirischen Einzelhandel und das Handwerk ist die Messe damit weniger Werbung als Vertriebsarbeit: Abschlüsse werden am Stand vorbereitet und in den Wochen danach zu Hause beim Kunden fixiert. Wer den Erfolg misst, zählt deshalb nicht Besucher am Stand, sondern qualifizierte Termine.
| Eckdaten | Herbstmesse 2025 | Herbstmesse 2026 |
|---|---|---|
| Termin | 2. bis 6. Oktober | 1. bis 4. Oktober |
| Dauer | 5 Tage | 4 Tage |
| Besucher | rund 80.000 | offen |
| Aussteller | über 350 | Anmeldung über die MCG |
| Fläche | 65.000 m² | Messegelände plus Stadthalle |
| Neuerung | Relaunch mit Themenwelten | TasteFactory, 120-Jahr-Jubiläum |
Der Relaunch und was er gebracht hat
2025 stellte die Messe Congress Graz (MCG) das Konzept um: statt gewachsener Hallenordnung nun Themenwelten für Wohnen, Beauty und Mode sowie Technik, Essen und Kulinarik, dazu Sonderflächen wie eine Indoor-Winterwelt. Die Bilanz der MCG fiel entsprechend positiv aus; MCG-Geschäftsführer Martin Ullrich sprach von einer durchgehend positiven Stimmung vom ersten Messetag bis zum letzten Abend.
2026 kommt mit der TasteFactory in der Stadthalle ein Format dazu, das Verkostungsstationen, interaktive Erlebnisse und Fine Dining bündelt. Für Lebensmittelproduzenten und die Gastronomie ist das die interessanteste Neuerung seit Jahren, weil Verkostung und Verkauf am selben Ort stattfinden.
Die Herbstmesse ist eine B2C-Messe, also auf Endkunden ausgerichtet. Das unterscheidet sie von Fachmessen, bei denen Einkäufer und Händler das Publikum bilden. Wer beides braucht, kombiniert den Messeauftritt mit dem Kongressgeschäft am selben Standort - die MCG betreibt Messegelände und Congress Graz in einer Hand.
Regionale Lebensmittel: der Weg über die GenussManufaktur
Für bäuerliche Betriebe gibt es einen eigenen Zugang. Über die Landwirtschaftskammer Steiermark werden Paketkonditionen für Direktvermarkter angeboten, die auf der GenussManufaktur präsentieren, verkosten und verkaufen. Ansprechpartner auf Seiten der MCG ist Projektleiter Lorenz Hirzberger.
Dieser Kanal hat für die steirische Landwirtschaft mehr Gewicht, als die Standgröße vermuten lässt: Direktvermarktung ist einer der wenigen Bereiche, in denen kleine Betriebe die Marge selbst bestimmen, statt sie an den Handel abzugeben. Ein Messewochenende ersetzt dabei oft mehrere Monate Bauernmarkt.
Rechnen Sie vor der Anmeldung die Kontaktkosten durch: Standmiete plus Aufbau, Personal, Material und Bewirtung geteilt durch die Zahl der erwarteten qualifizierten Gespräche. Ein Richtwert aus der Praxis: Bewegen sich die Kosten pro ernsthaftem Kundengespräch über dem Deckungsbeitrag eines durchschnittlichen Auftrags, trägt sich der Auftritt nur über Folgegeschäft. Die Anmeldeunterlagen und Hallenpläne laufen über den Ausstellerbereich der MCG.
Was die Messe für den Standort bringt
Die MCG ist mehr als der Veranstalter einer Publikumsmesse. Eine Studie des Beratungsunternehmens bmm beziffert die regionale Wertschöpfung des Unternehmens mit über 100 Millionen Euro pro Jahr - Messebauer, Hotels, Gastronomie, Taxis und Sicherheitsdienste inklusive. Vier Messetage mit 80.000 Besuchern schlagen im Grazer Handel und in der Hotellerie messbar durch, zumal ein Teil der Gäste aus Kärnten, Slowenien und dem Burgenland anreist.
Zugleich steht das Geschäftsmodell unter Druck: Publikumsmessen verlieren europaweit Aussteller an digitale Kanäle. Die MCG hat darauf mit einem Businessplan bis 2035 reagiert, der zusätzliche Erlösquellen und eine breitere Nutzung der Hallen vorsieht.
Die Verkürzung von fünf auf vier Tage senkt zwar Personal- und Betriebskosten, verteilt die Besucher aber auf weniger Öffnungstage. Für Aussteller heißt das: mehr Andrang pro Tag, weniger Zeit für ruhige Beratungsgespräche. Wer beratungsintensive Produkte verkauft, sollte Terminvereinbarungen im Vorfeld einplanen statt auf Laufkundschaft zu setzen.