- Richard Stralz führt die Mayr-Melnhof Holz Holding AG mit Sitz in Leoben seit 2013 als Vorstandsvorsitzender. Im Juni 2025 verlängerte der Aufsichtsrat sein Mandat um weitere fünf Jahre bis 2030.
- Vor dem Wechsel in die Holzindustrie arbeitete er 25 Jahre beim Kautschukverarbeiter Semperit, zuletzt acht Jahre als Vorstandsmitglied für Vertrieb und Marketing der Sparte Industrie.
- Zwischen 2007 und 2013 hatte das Unternehmen 126 Millionen Euro Verlust angehäuft. In den sechs Jahren danach standen 370 Millionen Euro Gewinn zu Buche, 2021 erreichte das Ergebnis vor Steuern 131 Millionen Euro.
- Unter Stralz kamen 2018 die deutsche Hüttemann-Gruppe und 2022 die schwedische Sägewerksgruppe Bergkvist Siljan dazu. Heute zählt die Gruppe neun Standorte in vier Ländern und rund 1.695 Beschäftigte.
- Die 175 Millionen Euro teure Brettsperrholzproduktion in Leoben ging im Juni 2023 in Betrieb, gemeinsam mit Gaishorn liegt die Kapazität bei über 200.000 Kubikmeter im Jahr.
- Stralz ist Obmann von proHolz Austria, Aufsichtsratsvorsitzender des Holzclusters Steiermark und der holz.bau forschungs gmbh. 2023 wurde ihm der Titel Kommerzialrat verliehen.
Als Richard Stralz 2013 an die Spitze von Mayr-Melnhof Holz trat, hatte das Leobener Sägewerksunternehmen in den sechs Jahren zuvor 126 Millionen Euro Verlust geschrieben. In den sechs Jahren danach erwirtschaftete es 370 Millionen Euro Gewinn. Diese Umkehr ist der Grund, warum der Aufsichtsrat den heute 63-Jährigen im Juni 2025 für weitere fünf Jahre bestellte - und warum ein Mann, der ein Vierteljahrhundert lang Kautschuk verkauft hatte, inzwischen als eine der prägenden Stimmen der österreichischen Holzwirtschaft gilt.
- Geboren
- 24. April 1963
- Ausbildung
- Diplomingenieur Montanmaschinenwesen, Montanuniversität Leoben
- Stationen
- Semperit AG Holding (1988-2013), zuletzt Vorstandsmitglied Vertrieb und Marketing der Sparte Industrie; Mayr-Melnhof Holz Holding AG (seit 2013)
- Aktuell
- Vorstandsvorsitzender der Mayr-Melnhof Holz Holding AG, Leoben (Mandat bis 2030)
- Weitere Funktionen
- Obmann proHolz Austria (seit Oktober 2018); Obmann proHolz Steiermark (seit 2015); Aufsichtsratsvorsitzender Holzcluster Steiermark GmbH; Aufsichtsratsvorsitzender holz.bau forschungs gmbh, Graz; Obmann-Stellvertreter der Fachgruppe Holzindustrie in der WKO Steiermark; Ausschussmitglied im Fachverband der Holzindustrie und in der Berufsgruppe Sägeindustrie der WKO Österreich
- Titel
- Kommerzialrat (verliehen 25. September 2023)
Vom Kautschuk zum Schnittholz
Stralz studierte an der Montanuniversität Leoben und schloss als Diplomingenieur des Montanmaschinenwesens ab - eine Ausbildung, die zunächst in Richtung Bergbau und Anlagentechnik weist, nicht in Richtung Sägewerk. 1988 begann er bei der Semperit AG Holding und blieb dort 25 Jahre. Er durchlief mehrere Positionen, zuletzt gehörte er acht Jahre lang dem Vorstand an und verantwortete Vertrieb und Marketing in der Sparte Industrie.
2013 kehrte er nach Leoben zurück, diesmal als Vorstandsvorsitzender von Mayr-Melnhof Holz. Der Zeitpunkt war ungünstig gewählt, wenn man einen bequemen Job gesucht hätte: Die Sägeindustrie steckte nach der Finanzkrise in einer Strukturkrise, das Unternehmen selbst schrieb seit Jahren rote Zahlen. Die Wurzeln des Hauses reichen nach eigenen Angaben bis 1872 zurück, doch Tradition allein trägt keine Bilanz.
Der Turnaround und was danach kam
Die Sanierung setzte an mehreren Punkten gleichzeitig an: Straffung der Produktion, Konzentration auf höherwertige Weiterverarbeitung statt reinen Schnittholzhandel, und Wachstum durch Zukäufe dort, wo Rundholzversorgung und Absatzmärkte zusammenpassten. Bis 2021 stieg das Ergebnis vor Steuern auf 131 Millionen Euro.
Im März 2018 übernahm die Gruppe die deutsche Hüttemann-Gruppe mit den Werken Olsberg im Sauerland und Wismar an der Ostsee. Ende 2021 folgte der bislang größte Schritt: der Kauf von 93 Prozent an der schwedischen Sägewerksgruppe Bergkvist Siljan mit den Standorten Insjön und Blyberg. Im selben Zug trennte sich das Unternehmen von seinem russischen Sägewerk. Bergkvist Siljan feierte im Juni 2025 sein hundertjähriges Bestehen, seit 2022 als Teil der steirischen Gruppe.
Heute umfasst Mayr-Melnhof Holz neun Standorte in Österreich, Deutschland, Tschechien und Schweden - neben Leoben und Gaishorn am See noch Reuthe in Vorarlberg, Paskov in Tschechien, Olsberg und Wismar in Deutschland sowie Insjön und Blyberg in Schweden. Rund 1.695 Menschen arbeiten für die Gruppe.
Mayr-Melnhof Holz und die börsennotierte Mayr-Melnhof Karton AG sind zwei getrennte Unternehmen mit gemeinsamer Familienwurzel. Die Holzgruppe gehört zur F. Mayr-Melnhof-Saurau Industrie Holding GmbH, die zu 74,9 Prozent im Besitz von Franz Mayr-Melnhof-Saurau steht - er ist zugleich Aufsichtsratsvorsitzender. Der Kartonkonzern mit seinem Werk in Frohnleiten ist ein eigener, an der Wiener Börse notierter Konzern.
175 Millionen Euro für Brettsperrholz
Das größte Einzelprojekt der Ära Stralz steht in Leoben. Am 23. Juni 2023 eröffnete das Unternehmen dort eine neue Brettsperrholzproduktion, in die 175 Millionen Euro geflossen waren. Im Vollbetrieb sollen jährlich bis zu 140.000 Kubikmeter des Massivholzbaustoffs entstehen, 50 zusätzliche Arbeitsplätze waren damit verbunden. Zusammen mit dem Werk in Gaishorn am See liegt die Brettsperrholzkapazität der Gruppe bei über 200.000 Kubikmeter pro Jahr.
Brettsperrholz - kreuzweise verleimte Massivholzplatten - ist der Baustoff, mit dem mehrgeschoßiger Holzbau überhaupt erst möglich wurde. Mayr-Melnhof Holz ist zugleich einer der Marktführer bei Brettschichtholz. Insgesamt investierte die Gruppe in der abgelaufenen Mandatsperiode von Stralz mehr als 200 Millionen Euro.
Die Wette auf den Holzbau ging betriebswirtschaftlich zunächst nicht auf. Der Baustoffmarkt brach parallel zur Bauflaute ein, und die Abschreibungen auf das neue Werk fielen in genau jene Jahre, in denen die Nachfrage schwächelte.
Die Zahlen der Gruppe
| Kennzahl (Konzern F. Mayr-Melnhof-Saurau Industrie Holding) | 2023 | 2024 |
|---|---|---|
| Konzernumsatz | 788,3 Mio. € | 807,9 Mio. € |
| Jahresergebnis nach Steuern | -45,1 Mio. € | -18,5 Mio. € |
| Betriebserfolg (EBIT) | k. A. | -10,7 Mio. € |
| Investitionen | 54,2 Mio. € | 32,4 Mio. € |
| Eigenkapital | k. A. | 415,3 Mio. € (Quote 56 %) |
| Bilanzsumme | k. A. | 710 Mio. € |
Die Verlustverkürzung von 45,1 auf 18,5 Millionen Euro ist das Zwischenergebnis, mit dem Stralz in seine neue Mandatsperiode ging. Bemerkenswert ist dabei weniger der Umsatzzuwachs von drei Prozent als die Eigenkapitalquote von 56 Prozent: Sie erlaubt es, eine Schwächephase auszusitzen, ohne Werke stilllegen zu müssen. Die Bankverbindlichkeiten lagen Ende 2024 bei 117,5 Millionen Euro.
Die Zahlen der Tabelle stammen aus dem Konzernabschluss der F. Mayr-Melnhof-Saurau Industrie Holding GmbH, in der die Holzgruppe den bestimmenden Teil ausmacht. Sie sind mit den früher kommunizierten Werten der Mayr-Melnhof Holz Holding AG allein (765 Mio. € Umsatz, 1.635 Beschäftigte zum 31. Dezember 2023) nicht deckungsgleich. Die Gruppe ist nicht börsennotiert und veröffentlicht keine Quartalsberichte.
Konsolidieren statt zukaufen
Am 25. Juni 2025 verlängerte der Aufsichtsrat das Mandat von Stralz um weitere fünf Jahre bis 2030. Seine Reaktion fiel knapp aus: „Ich freue mich, dass der Aufsichtsrat mir erneut das Vertrauen ausgesprochen hat."
Deutlicher wurde er zur Richtung der kommenden Jahre. „Ich setze auf interne Optimierung und Konsolidierung", sagte er - und schränkte den Expansionskurs der Vorjahre ausdrücklich ein: „Unternehmenserweiterungen werden wir nur dort tätigen, wo sie zu uns passen." Nach zwei großen Zukäufen und einer Investition von 175 Millionen Euro in ein einziges Werk ist das eine Ansage an den eigenen Konzern, erst einmal das Erreichte zum Laufen zu bringen.
Sichtbar wird das an kleineren Projekten. Im Oktober 2025 stellte das Unternehmen den Schnittholzshuttle zwischen Leoben und Gaishorn am See auf zwei Elektro-Lkw um, versorgt mit Strom aus dem eigenen Biomassekraftwerk; fünf Ladeplätze mit je 350 Kilowatt Leistung wurden installiert. Neben dem Vorstandsvorsitzenden steht Michael Wolfram als Finanzvorstand an der Spitze der Holding.
Der Verbandsmann
Stralz' Wirkung reicht über das eigene Unternehmen hinaus, und zwar systematisch. Seit 2015 ist er Obmann von proHolz Steiermark, seit Oktober 2018 führt er proHolz Austria, die Marketingorganisation der österreichischen Forst- und Holzwirtschaft. Sein Stellvertreter dort ist Franz Peter Teuschler.
Dazu kommen zwei Aufsichtsratsvorsitze, die beide an der Schnittstelle von Industrie und Forschung liegen: beim Holzcluster Steiermark und bei der holz.bau forschungs gmbh in Graz, dem Kompetenzzentrum für Holzbauforschung an der TU Graz. In der Wirtschaftskammer ist er Obmann-Stellvertreter der steirischen Fachgruppe Holzindustrie sowie Ausschussmitglied im Fachverband der Holzindustrie und in der Berufsgruppe Sägeindustrie auf Bundesebene.
Zu den Initiativen, die er angestoßen und getragen hat, zählt die Student Timber Trophy, ein Architekturwettbewerb zum Holzbau, der von der Steiermark aus auf ganz Österreich und über die Landesgrenzen hinaus ausgeweitet wurde.
Auszeichnungen und Engagement
Bundespräsident Alexander Van der Bellen verlieh Stralz am 25. September 2023 den Berufstitel Kommerzialrat, begründet mit seinem außerordentlichen Einsatz in der Holzindustrie. Die feierliche Überreichung fand am 18. März 2024 in der Wirtschaftskammer Steiermark statt. Mayr-Melnhof Holz selbst wurde 2022 als Austria's Leading Company der Steiermark in der Kategorie international tätige Unternehmen ausgezeichnet.
Wer als Zulieferer, Planer oder Bauträger mit der steirischen Holzindustrie zu tun hat, findet über den Holzcluster Steiermark und die Fachgruppe Holzindustrie in der WKO Steiermark die direkten Ansprechpartner. Die Forschungsseite läuft über die holz.bau forschungs gmbh an der TU Graz, die Prüf- und Entwicklungsleistungen auch für kleinere Betriebe erbringt.
Was der Fall Stralz über die steirische Industrie sagt
Die Steiermark hat mit Binderholz, Mayr-Melnhof Holz und einer Reihe mittelgroßer Sägewerke eine Holzindustrie, die weit über den Landesbedarf hinaus produziert. Was Stralz von vielen Branchenkollegen unterscheidet, ist die Kombination aus operativer Konzernführung und Verbandsarbeit für die gesamte Wertschöpfungskette - vom Waldbesitzer über das Sägewerk bis zum Holzbau.
Sein Werdegang zeigt außerdem, wie durchlässig die steirische Industrie zwischen den Branchen ist. Ein Montanmaschinenbau-Absolvent, der ein Vierteljahrhundert Kautschuk verkauft, um dann ein Sägewerksunternehmen zu sanieren, ist kein Einzelfall: Die Obersteiermark rund um Leoben lebt seit Jahrzehnten davon, dass Führungskräfte zwischen Stahl, Kunststoff, Papier und Holz wechseln und Methoden mitnehmen.
Quellen
- Holzkurier: Richard Stralz bleibt bis 2030 CEO von Mayr-Melnhof Holz (26. Juni 2025)
- Holzkurier: Stichpunkte zur Bilanz 2024 der FMMS Holding (Mayr-Melnhof Holz)
- Holzkurier: Richard Stralz - 60 Jahre (April 2023)
- Holzkurier: Stralz zum Kommerzialrat ernannt (März 2024)
- Mayr-Melnhof Holz: Holding AG - Standorte und Unternehmensangaben
- WKO Funktionärssuche: DI Richard Stralz - Funktionen in Fachgruppe und Fachverband
- holz.bau forschungs gmbh: Aufsichtsrat
- proHolz Austria: Vorstand und Team