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Dienstag, 11. August 2026 Kontakt
Innovation

Innovationspreis Steiermark - die sechs Siegerprojekte des Jahres

Innovationspreis Steiermark - die sechs Siegerprojekte des Jahres
Das Wichtigste in Kürze
  • Sechs Projekte wurden am 8. April 2026 im Schlossberghotel Graz mit dem Innovationspreis Steiermark ausgezeichnet.
  • Vergeben wird in zwei Themenfeldern - Digitalisierung und Nachhaltigkeit - und je drei Größenklassen, vom Kleinstunternehmen bis zur Forschungseinrichtung.
  • 18 Betriebe und Institutionen standen im Finale, die Vorauswahl traf das Industriewissenschaftliche Institut Wien.
  • Zu den Siegern zählen arterioscope mit einer KI-Auswertung des Standard-EKG und AT&S mit einem Verfahren zur Halbleiter-Einbettung.
  • GIG Karasek wurde für eine Industriewärmepumpe ausgezeichnet, die jährlich 100.000 Tonnen CO2 einspart.
  • Fünf steirische Projekte gehen im Herbst ins Rennen um den Staatspreis Innovation, der am 4. November 2026 vergeben wird.

Ein Standard-EKG mit zwölf Ableitungen liegt in jeder Ordination. Das Grazer Unternehmen arterioscope wertet dessen Daten in der Cloud mit KI aus und leitet daraus Herz-Kreislauf-Biomarker ab, die sonst aufwendige Untersuchungen erfordern. Dafür gab es im April den Innovationspreis Steiermark - einen von sechs, die das Land in diesem Jahr vergeben hat.

Die sechs Preisträger

Kategorie Preisträger Projekt
Digitalisierung, Kleinunternehmen arterioscope FlexCo arterioscope.AI-ECG: KI-gestützte Früherkennung von Herzinsuffizienz aus dem 12-Kanal-EKG
Digitalisierung, Mittel- und Großunternehmen Austria Technologie & Systemtechnik AG Einbettung von Halbleiterelementen für ultrakompakte Stromversorgungsmodule
Digitalisierung, F&E-Institutionen Montanuniversität Leoben Digital Waste Research Lab für digitale Abfallanalytik
Nachhaltigkeit, Kleinunternehmen Ecolyte GmbH VanillaFlow: Energiespeicher mit Papiermembran-Technologie
Nachhaltigkeit, Mittel- und Großunternehmen GIG Karasek GmbH CompriVAP: industrielle Wärmepumpe mit 100.000 Tonnen CO2-Einsparung pro Jahr
Nachhaltigkeit, F&E-Institutionen Polymer Competence Center Leoben kreislauffähige faserverstärkte Verbundmaterialien für die Luftfahrt

Was die Projekte über den Standort sagen

Die Auswahl bildet die Struktur der steirischen Wirtschaft erstaunlich genau ab. Mit AT&S gewinnt ein Leitbetrieb, dessen Leiterplatten- und Substrattechnologie in Rechenzentren landet - die Einbettung von Halbleitern direkt ins Substrat ist genau jener Schritt, mit dem der Leobener Konzern im Wettbewerb mit asiatischen Herstellern bestehen will.

Zwei der sechs Preise gingen an obersteirische Forschungseinrichtungen: das Digital Waste Research Lab der Montanuniversität Leoben, das Abfallanalytik digitalisiert und damit direkt in die Kreislaufwirtschaft einzahlt, und das Polymer Competence Center Leoben, dessen recyclingfähige Faserverbundwerkstoffe auf die Luftfahrt zielen - ein Feld, in dem der steirische Aerospace-Cluster zuletzt gewachsen ist.

Die beiden Nachhaltigkeitspreise für Unternehmen gingen an Betriebe aus dem Umfeld des Green Tech Valley: Ecolyte arbeitet an Redox-Flow-Speichern mit Papiermembran statt teurer Spezialmembranen, GIG Karasek an einer Hochtemperatur-Wärmepumpe für industrielle Prozesse. Beides adressiert denselben Engpass - die Dekarbonisierung von Prozesswärme, die Industriebetriebe derzeit stärker beschäftigt als jede andere Klimafrage.

arterioscope wiederum steht für die Grazer Medizintechnik, die aus dem Zusammenspiel von Med Uni, Kliniken und Technologiebetrieben im Umfeld von Human Technology Styria entsteht.

Wie der Preis funktioniert

Der Landeswettbewerb wird von der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft SFG abgewickelt und trug früher den Namen Fast Forward Award. Eingereicht werden konnte bis 5. Dezember 2025, ausgezeichnet wird in sechs Kategorien: zwei Themenfelder mal drei Größenklassen - Kleinst- und Kleinunternehmen, mittlere und große Unternehmen sowie Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen.

Die Vorauswahl der 18 Finalisten übernahm das Industriewissenschaftliche Institut Wien. Unter den Nominierten fanden sich neben den späteren Siegern unter anderem pewag Schneeketten, Siemens Energy Austria, Binder+Co, Insort, BirdShades Innovations, SUPASO, plasoft, openmaind, Silicon Austria Labs, die Universität Graz, die TU Graz und Virtual Vehicle Research.

Gut zu wissen:
Die Größenklassen sind kein Detail, sondern der Kern des Wettbewerbs: Ein Dreipersonenunternehmen konkurriert nicht gegen einen Konzern mit eigener Forschungsabteilung. Genau deshalb landen in der Kleinunternehmens-Kategorie regelmäßig Spin-offs, die zwei Jahre zuvor noch an der Universität geforscht haben.

Nächste Stufe: der Staatspreis im November

Für die ausgezeichneten Betriebe endet der Weg nicht in Graz. Die SFG entsendet auch heuer fünf Projekte in den Bundeswettbewerb. Der Staatspreis Innovation wird im Auftrag des Wirtschaftsministeriums von der Austria Wirtschaftsservice abgewickelt; die Verleihung ist für 4. November 2026 angesetzt. Der Zugang führt ausschließlich über die Landeswettbewerbe - wer beim Innovationspreis Steiermark nicht eingereicht hat, kann auf Bundesebene nicht antreten.

Praxis-Tipp für die nächste Einreichung:
Die Einreichfrist liegt jeweils im Spätherbst des Vorjahres, bewertet werden Neuheitsgrad, technische Qualität und wirtschaftliche Verwertung. Für die Bewertung zählt weniger die Idee als der Nachweis, dass daraus Umsatz wird: Referenzkunden, Patente, Zulassungen und belastbare Marktzahlen. Wer einreicht, sollte die Projektunterlagen so aufbereiten, dass sie auch für eine FFG-Förderung verwendbar sind - die Anforderungen überschneiden sich weitgehend.
Wichtige Einschränkung:
Ein Innovationspreis ist ein Sichtbarkeitsinstrument, keine Finanzierung. Für Kleinunternehmen liegt der Wert vor allem in der Referenz gegenüber Investoren und Großkunden. Wer Kapital braucht, kommt an den regulären Wegen - Förderprogramme, Beteiligungen, Bankfinanzierung - nicht vorbei.
Ausblick: Vier der sechs Siegerprojekte kommen aus Leoben und dem Umfeld der Montanuniversität oder richten sich an die Industrie - ein deutlicher Hinweis darauf, wo die steirische Innovationsleistung derzeit sitzt. Ob daraus auch bundesweite Anerkennung wird, entscheidet sich am 4. November beim Staatspreis Innovation. Die Einreichfrist für den nächsten Landeswettbewerb läuft wieder im Spätherbst.

Quellen