Rund 74 Millionen Euro Umsatz stand in der Bilanz, als Wolfgang Plasser 2004 in den Vorstand von Pankl Racing Systems eintrat. Zuletzt waren es etwa 370 Millionen. Dazwischen liegen 22 Jahre, in denen aus einem Kapfenberger Spezialisten für Motorsport-Pleuel ein Zulieferer wurde, dessen Teile nach eigener Darstellung in praktisch jedem professionellen Rennwagen der Welt stecken. Im Frühjahr 2026 kam die bisher größte Zäsur: Der langjährige Mehrheitseigentümer Pierer Industrie trennte sich von zwei Dritteln seiner Anteile - und die neuen Eigentümer verlängerten als eine ihrer ersten Amtshandlungen Plassers Vertrag.
- Wolfgang Plasser, Jahrgang 1962, kam 2004 als Finanzvorstand zu Pankl und ist seit 2007 Vorstandsvorsitzender
- Der Umsatz stieg unter seiner Führung von rund 74 auf etwa 370 Mio. Euro, die Beschäftigtenzahl auf rund 2.150, davon über 1.500 in Österreich
- Im März 2026 verkaufte die Pierer Industrie AG zwei Drittel ihrer Pankl-Anteile an ein österreichisches Konsortium, das Closing folgte Ende Mai 2026
- Neue Eigentümerstruktur: Knill Gruppe ein Drittel, Raiffeisen-Landesbank Steiermark und Invest AG je ein Sechstel, Pierer Industrie ein Drittel
- Der Aufsichtsrat verlängerte Plassers Mandat im Mai 2026 vorzeitig bis 31. Dezember 2030 - ausdrücklich auf Wunsch der neuen Eigentümer
- Plasser ist zusätzlich Vorstandsvorsitzender des deutschen Automobilzulieferers SHW AG und war von 2015 bis 2018 im Vorstand der KTM Industries AG
- Geboren
- 1962 in Oberösterreich
- Ausbildung
- Studium der Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien
- Stationen
- KPMG Austria (1987-1991), Investment Bank Austria, Leitung Rechnungswesen (1991-1997), Vossen AG, Finanzvorstand (1998-2003), Ocean Consulting GmbH, Geschäftsführer (ab 2003), Pankl Racing Systems AG, Finanzvorstand (2004-2006)
- Aktuell
- Vorstandsvorsitzender Pankl Racing Systems AG (seit 2007, Mandat bis 31.12.2030)
- Weitere Funktionen
- Vorstandsvorsitzender SHW AG, Aalen (seit Juni 2018), Vorstand KTM Industries AG (2015-2018), Vorstand Pierer Industrie AG (2018-2024), Geschäftsführer und Gesellschafter Ocean Consulting GmbH
Vom Wirtschaftsprüfer zum Motorsport-Manager
Plassers Laufbahn begann nicht in der Werkstatt, sondern in der Bilanzprüfung. Nach dem Studium der Handelswissenschaften an der WU Wien arbeitete er von 1987 bis 1991 bei KPMG Austria als Revisionsassistent und Prüfungsleiter, danach bis 1997 in der Leitung des Rechnungswesens der Investment Bank Austria. Von 1998 bis 2003 war er Finanzvorstand der Vossen AG, anschließend Geschäftsführer der Ocean Consulting GmbH.
2004 holte ihn Pankl als Finanzvorstand nach Kapfenberg. Das Unternehmen, 1985 von Gerold Pankl gegründet, war damals ein hochspezialisierter, aber kleiner Zulieferer. 2007 rückte Plasser an die Spitze des Vorstands - eine Position, die er seither ununterbrochen hält.
Die Nische als Geschäftsmodell
Pankl baut Bauteile, bei denen jedes Gramm zählt: Pleuel, Kurbelwellen, Getriebe- und Fahrwerkskomponenten aus Titan und hochfesten Stählen. Die drei Segmente sind Motorsport, High-End-Automotive und Luftfahrt. Der Anspruch, den Plasser 2024 formulierte, ist ungewöhnlich direkt: "Es gibt kein professionelles Rennauto auf der Welt, das nicht unsere Teile hat."
Über die Verteidigung der Nische sagte er im selben Interview mit der autorevue: "Es gibt immer wieder Rennsport-Kunden, die sich selbst am Pleuel versucht haben. Alle sind nach einer Serie von verlorenen Rennen immer wieder zu uns gekommen." Zur Handelspolitik äußerte er sich deutlich kritisch: "Ich empfinde die europäische Wirtschaftspolitik gegenüber China als katastrophal."
Pankl ist einer der Ankerbetriebe im oberen Mürztal und Teil jener industriellen Kette, die von Stahl und Metall in der Mur-Mürz-Furche bis zur Luftfahrtzulieferung reicht. Über das Luftfahrtsegment gehört das Unternehmen auch zum steirischen Aerospace-Umfeld. Der Standort in Kapfenberg liegt im High-Tech-Park West, wenige Kilometer vom Edelstahlwerk der voestalpine entfernt.
Die Kennzahlen der Ära Plasser
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Umsatz bei Amtsantritt (2004) | rund 74 Mio. Euro |
| Umsatz zuletzt | rund 360 bis 370 Mio. Euro |
| Beschäftigte gesamt | rund 2.150 |
| davon in Österreich | über 1.500 |
| Gründungsjahr | 1985 |
| Segmente | Motorsport, High-End-Automotive, Luftfahrt |
Der Eigentümerwechsel 2026
Die Pierer Industrie AG hielt zuletzt 80 Prozent an Pankl. Nach der Krise rund um die KTM AG - Ende November 2024 wurden Sanierungsverfahren über mehrere Gesellschaften der Gruppe eröffnet, Gläubiger meldeten Forderungen in Milliardenhöhe an, das Restrukturierungsverfahren der Pierer Industrie AG wurde später mit Gläubigerzustimmung abgeschlossen - ordnete der Konzern sein Beteiligungsportfolio neu.
Im März 2026 wurde der Verkauf von zwei Dritteln der Pankl-Anteile an ein österreichisches Konsortium bekanntgegeben, Ende Mai 2026 folgte das Closing. Seither verteilen sich die Anteile auf vier Eigentümer.
| Eigentümer | Anteil |
|---|---|
| Knill Gruppe | ein Drittel |
| Pierer Industrie AG | ein Drittel |
| Raiffeisen-Landesbank Steiermark | ein Sechstel |
| Invest AG | ein Sechstel |
Damit ist Pankl mehrheitlich in steirischer Hand. Die von Christian und Georg Knill in zwölfter Generation geführte Knill Gruppe umfasst 31 Gesellschaften in 17 Ländern mit rund 3.000 Beschäftigten und über 600 Mio. Euro Jahresumsatz. Plasser kommentierte den Einstieg mit dem Hinweis, man schlage ein neues Kapitel auf und habe eine stabile Eigentümerbasis für die nächste Entwicklungsphase geschaffen.
Kontinuität als Bedingung
Am 20. Mai 2026 verlängerte der Aufsichtsrat Plassers Bestellung vorzeitig bis 31. Dezember 2030. Die Unternehmensmitteilung hält fest, dass dies auf ausdrücklichen Wunsch der neuen Aktionäre geschah. Aufsichtsratsvorsitzender Stefan Pierer verwies dabei auf die strategische Entwicklung, für die Plasser stehe.
Läuft das Mandat aus, wird Plasser mehr als ein Vierteljahrhundert im Vorstand des Unternehmens gewesen sein. Parallel führt er als Vorstandsvorsitzender die SHW AG im deutschen Aalen, einen Automobilzulieferer, der seit 2020 ebenfalls zum Pierer-Umfeld gehört. Von 2015 bis 2018 saß er im Vorstand der KTM Industries AG, von 2018 bis 2024 in jenem der Pierer Industrie AG.
Quellen
- Pankl Racing Systems: Vorstandsmandat von Wolfgang Plasser bis 2030 verlängert (Mai 2026)
- Pankl Racing Systems: Closing der neuen Eigentümerstruktur (Mai 2026)
- Pankl Racing Systems: Österreichisches Konsortium steigt ein (März 2026)
- autorevue: Interview mit Wolfgang Plasser (2024)
- Industriemagazin: Wolfgang Plasser wird Chef der SHW AG
- Industriemagazin: Gläubiger stimmen Restrukturierungsplan der Pierer Industrie AG zu