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Dienstag, 11. August 2026 Kontakt
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Arbeitsmarkt Steiermark - AMS sieht den Höhepunkt überschritten

Arbeitsmarkt Steiermark - AMS sieht den Höhepunkt überschritten
Das Wichtigste in Kürze
  • Ende Juli 2026 waren 37.739 Steirerinnen und Steirer arbeitslos gemeldet, um 3,8 Prozent mehr als ein Jahr davor.
  • Dazu kamen 7.510 Personen in AMS-Schulungen.
  • Im ersten Halbjahr lag der Schnitt bei 40.871 Arbeitslosen - ein Plus von 3,7 Prozent oder 1.440 Personen.
  • Frauen waren mit plus 7,3 Prozent deutlich stärker betroffen als Männer mit plus 1,2 Prozent.
  • Der Bezirk Mürzzuschlag verzeichnete mit plus 9,5 Prozent den stärksten Anstieg, Liezen mit minus 3,1 Prozent den stärksten Rückgang.
  • Das AMS sieht den Höhepunkt der Arbeitslosigkeit im ersten Halbjahr 2026 überschritten und erwartet ab Herbst eine langsame Besserung.

37.739 Menschen waren Ende Juli in der Steiermark ohne Arbeit, um 3,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Trotzdem spricht das AMS erstmals seit Langem von einer Wende: Der Anstieg verlangsamt sich seit Monaten, und die Landesgeschäftsstelle geht davon aus, dass der Höhepunkt bereits im ersten Halbjahr erreicht war.

Die Halbjahresbilanz

Im Durchschnitt des ersten Halbjahres 2026 waren 40.871 Personen beim AMS als arbeitslos vorgemerkt, um 1.440 mehr als im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Plus von 3,7 Prozent - deutlich weniger als die Zuwächse der Jahre davor, aber eben noch immer ein Zuwachs.

Auffällig ist die Verteilung nach Geschlecht: Bei Frauen stieg die Arbeitslosigkeit um 7,3 Prozent, bei Männern nur um 1,2 Prozent. Der Grund liegt in den betroffenen Branchen. Während die Industrie ihren Personalabbau weitgehend hinter sich hat, trifft es nun stärker den Einzelhandel - jenen Bereich, in dem überdurchschnittlich viele Frauen beschäftigt sind und in dem sich zuletzt auch die Insolvenzen häuften.

Region Entwicklung Anmerkung
Graz und Graz-Umgebung 20.924 Betroffene rund die Hälfte aller steirischen Arbeitslosen
Mürzzuschlag +9,5 % stärkster Anstieg im Bundesland
Liezen -3,1 % einziger deutlicher Rückgang
Steiermark gesamt +3,7 % im Halbjahr 40.871 Personen im Schnitt

Die regionalen Unterschiede folgen der Branchenstruktur. Liezen profitiert von einer starken Wintersaison und dem Tourismus im Ennstal, während Mürzzuschlag als Industriebezirk unter der schwachen Auftragslage in der Metallverarbeitung leidet.

Gut zu wissen:
Die veröffentlichte Arbeitslosenzahl und die Zahl der tatsächlich ohne Beschäftigung gemeldeten Personen sind zweierlei. Zu den 37.739 Arbeitslosen kamen Ende Juli 7.510 Menschen in AMS-Schulungen - gemeinsam ergibt das die Kennzahl "arbeitslos oder in Schulung", die österreichweit bei 364.200 Personen lag. Wer Zahlen über die Jahre vergleicht, sollte immer dieselbe Kennzahl heranziehen, weil Schulungsprogramme je nach Budgetlage stark schwanken.

Warum das AMS von einer Wende spricht

AMS-Landesgeschäftsführer Karl-Heinz Snobe fasst die Lage so zusammen: "Der Arbeitsmarkt entwickelt sich in die richtige Richtung - langsam, aber er entwickelt sich." Er verweist darauf, dass sich die Konjunktur über die vergangenen vier Quartale schrittweise stabilisiert hat, unterstützt durch Entlastungen bei Lohnnebenkosten und Energiekosten.

Gleichzeitig bleibt er vorsichtig: Die Erholung sei fragil, weil internationale Unsicherheiten, Energiepreise und Handelskonflikte jederzeit auf die Auftragslage durchschlagen können. Für den Herbst und das Jahresende erwartet das AMS einen schrittweisen Rückgang der Arbeitslosigkeit.

Wichtige Einschränkung:
Die Einschätzung des AMS fällt deutlich optimistischer aus als jene der Interessenvertretungen. Die Industriellenvereinigung meldete für das zweite Quartal einen Beschäftigungsausblick von minus 26 Punkten - die Betriebe rechnen also mehrheitlich mit weniger, nicht mit mehr Personal. Steigende Auftragsbestände bei gleichzeitig zurückhaltender Einstellungsbereitschaft sind typisch für frühe Erholungsphasen: Zuerst werden Überstunden und Leiharbeit hochgefahren, erst danach Stammpersonal aufgebaut.

Was Betriebe daraus ableiten können

Für Unternehmen mit Personalbedarf ist die aktuelle Phase günstig. Solange die Arbeitslosigkeit über dem Vorjahresniveau liegt, ist die Auswahl an Bewerbern größer als in den Jahren des akuten Fachkräftemangels - und das gilt nicht nur regional. Mit der Koralmbahn ist der gemeinsame Arbeitsmarktraum mit Kärnten zum zweitgrößten Österreichs geworden, die Vermittlungsvorschläge über die Landesgrenze stiegen um mehr als 50 Prozent.

Wer qualifiziertes Personal sucht, sollte parallel die Förderschienen prüfen: Eingliederungsbeihilfen, Qualifizierungsförderung für Beschäftigte und die Programme für ältere Arbeitsuchende laufen über die regionalen Geschäftsstellen. Ein realistischer Blick auf das Gehaltsniveau hilft ebenfalls - die Bandbreiten je Branche zeigt der Überblick zu den steirischen Gehältern.

Praxis-Tipp:
Die Zahl der offenen Stellen und der vorgemerkten Arbeitsuchenden je Beruf veröffentlicht das AMS monatlich in seinen Arbeitsmarktdaten. Für die Personalplanung ist das Verhältnis dieser beiden Werte aussagekräftiger als die Gesamtzahl: Wo auf eine offene Stelle mehrere Bewerber kommen, lohnt eine breitere Ausschreibung, wo es umgekehrt ist, braucht es aktive Ansprache und ein besseres Angebot.
Ausblick: Ob der Höhepunkt tatsächlich überschritten ist, zeigen die Herbstmonate. Erfahrungsgemäß steigt die Arbeitslosigkeit im November und Dezember saisonal an - entscheidend wird sein, ob der Anstieg schwächer ausfällt als im Vorjahr. Für 2027 rechnet das AMS mit einer weiteren Entspannung, sofern die Auftragseingänge in der Exportwirtschaft halten.

Quellen